Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Flächenkulisse Biodiversität


    Schaubild zur Flächenkulisse Biodiversität  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

    Stadtweite Kartierungsarbeiten

    Im Mai 2020 beginnen in der gesamten Landeshauptstadt München vegetationskundliche Kartierungsarbeiten für die „Flächenkulisse Biodiversität“ zur Erfassung und Aktualisierung naturschutzrelevanter Daten. Die Arbeiten sollen bis Herbst 2022 abgeschlossen werden.

    München ist mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein „Hotspot“ der Artenvielfalt. Vor diesem Hintergrund sind aktuelle Kenntnisse über für den Naturschutz bedeutsame Flächen gerade im Bezug auf das Thema Artensterben von besonderer Bedeutung. Ziel der Kartierungen ist es, die Flächen zu ermitteln, die für eine langfristige Sicherung der Biodiversität in der Stadt besonders wichtig sind.

    Die Kartierungsarbeiten sind von der Unteren Naturschutzbehörde beauftragt und werden von einem Münchner Fachbüro ausgeführt.

    Was ist Biodiversität?

    Die Biologische Vielfalt (der Fachbegriff hierfür heißt "Biodiversität") beinhaltet die Vielfalt von Ökosystemen (Lebensräumen) und der Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen) genauso wie die genetische Variabilität innerhalb einer Art. Diese drei Aspekte hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Neben dem Klimawandel ist der Verlust der biologischen Vielfalt eines der zentralen Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts.

    Auch für München ergibt sich nach einer Auswertung des Referats für Gesundheit und Umwelt, dass etwa 200 Pflanzenarten und zahlreiche Insektenarten im letzten Jahrhundert ausgestorben sind. Eine große Anzahl weiterer Arten sind in ihrem Bestand aktuell höchst bedroht. Deshalb ist es wichtig, jetzt zu handeln. Vor diesem Hintergrund hat der Stadtrat am 19. Dezember 2018 die „Biodiversitätsstrategie München“ beschlossen. In 15 verschiedenen Handlungsfeldern werden Maßnahmen entwickelt, um weitere Verluste an Arten zu verhindern. Die in den nächsten Monaten und Jahren erfolgenden Kartierungen dienen als Grundlage für die „Flächenkulisse Biodiversität“.

    Was ist die Flächenkulisse Biodiversität?

    Mit der „Flächenkulisse Biodiversität“ sollen die Räume definiert werden, die für den Erhalt der Biodiversität in München unverzichtbar sind. Dies sind insbesondere Flächen, die nicht oder nur über sehr lange Zeiträume wiederherstellbar sind sowie Flächen mit einem unwiederbringlichem Artenvorkommen.

    Trotz anhaltenden starken Siedlungsdrucks weist München immer noch eine erstaunlich hohe Standort- und Artenvielfalt auf. Dies ist begünstigt durch die Lage im Übergangsbereich des voralpinen tertiären Hügellands mit Wäldern, Mooren, Heiden und der Isar als wichtige Vernetzungsachse. In München liegt der Verbreitungsschwerpunkt einiger bayern- oder sogar deutschlandweit gefährdeter und hochgradig geschützter Arten, wie beispielsweise die Duft-Skabiose, eine Rarität der Heideflächen im Münchner Norden.

    Die letzte umfassende Aktualisierung naturschutzfachlicher Daten fand vor über 20 Jahren im Rahmen der zweiten Biotopkartierung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt statt. Diese Daten sind mittlerweile an vielen Orten nicht mehr aktuell. Mittlerweile haben sich Biotope verändert, sind nicht mehr vorhanden oder neu entstanden. Mit der vorhandenen Biotopkartierung ist deshalb keine Einschätzung mehr möglich, welche Flächen und Maßnahmen aktuell für den Erhalt der Biodiversität in München unverzichtbar sind.

    Deshalb ist es zunächst notwendig, die naturnahen Flächen im Stadtgebiet so vollständig wie möglich neu zu erfassen.

    Die erfassten Flächen sollen anschließend entsprechend ihrer Bedeutung für die Biodiversität ausgewertet werden. Dabei kommt es vor allem auch darauf an, welche Lebensräume nicht wiederhergestellt werden können oder sich nur über sehr lange, von heute aus nicht überschaubare Zeiträume entwickeln können. Hinzu kommen die für den Erhalt der Artenvielfalt erforderlichen weiteren Flächen. Dies sind zum Beispiel Pufferflächen und Biotopverbundflächen. Insgesamt bilden diese Flächen die „Flächenkulisse Biodiversität“.

    Wie wird die Kartierung durchgeführt?

    Für die Kartierungen wird die Biotopwertliste der Bayerischen Kompensationsverordnung zu Grunde gelegt. Es handelt sich um eine standardisierte Erfassungs- und Bewertungsmethode, die in Bayern seit einigen Jahren für viele Vorhaben anzuwenden ist. Deshalb können bereits durchgeführte, aktuelle Kartierungen mit berücksichtigt werden und die Entwicklung von Lebensräumen über längere Zeiträume hinweg verglichen werden.

    Warum wird auf der Grundlage der Biotopwertliste kartiert?

    Eigentlich dient die Biotopwertliste als Grundlage für die Bewertung, wie groß der durch ein Vorhaben verbundene Eingriff in Natur und Landschaft ist, um daraus den Bedarf an Ausgleichs- oder Ersatzflächen zum jeweiligen Vorhaben zu berechnen und die Ziel-Lebensräume für diese Flächen festzulegen. Sie kann aber auch für die „Flächenkulisse Biodiversität“ gut verwendet werden: Die in der Liste enthaltenen Biotopwerte wurden von Fachleuten nach den naturschutzfachlichen Kriterien Seltenheit / Gefährdung, Wiederherstellbarkeit / Ersetzbarkeit und Natürlichkeit eingewertet. Die Biotopwerte stellen aber auch eine gute Grundlage für die Einschätzung dar, welche Flächen für die Erhaltung der Artenvielfalt in München besonders wichtig sind.

    Die klassische Biotopkartierung erfasst nur einen Ausschnitt der wertvollen Lebensräume, während mit der Biotopwertliste nicht nur die wertvollen Biotope, sondern auch weniger wertvolle erfasst werden können, so dass sie besser dazu geeignet ist, Entwicklungen darzustellen. Hinzu kommt, dass gerade in München einige besonders wichtige Arten, wie der Idas-Bläuling, auch in Lebensräumen vorkommen, die nach der Anleitung für die Biotopkartierung nicht als Biotop erfasst werden. Eine „klassische“ Biotopkartierung kann bei Bedarf zusätzlich durchgeführt werden. Sie verspricht im Vergleich zur Erfassung nach der Biotopwertliste aber keine wesentlichen, zusätzlichen Erkenntnisse für die weitere naturschutzfachliche Planung oder die Stadtentwicklung.

    Welche Flächen werden genau erfasst?

    Erfasst werden alle Biotop- und Nutzungstypen der Biotopwertliste der BayKompV innerhalb der Kartierkulisse. Die Vorauswahl der zu untersuchenden Flächen erfolgte im Vorfeld durch die Untere Naturschutzbehörde und enthält im wesentlichen folgende Flächen: kartierte Biotope aus der letzten amtlichen Biotopkartierung von 1998 / 1999, naturschutzbedeutsame Flächen aus dem Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) der Landeshauptstadt München, Ausgleichs- und Ersatzflächen für durchgeführte Vorhaben sowie bedeutende Grünzüge und Biotopvernetzungsflächen.

    Wie werden die Eigentümer*innen informiert?

    Zu Beginn der Biotopkartierung erfolgen eine amtliche Bekanntmachung der Landeshauptstadt München sowie begleitende Pressemitteilungen. Da die Kartierungen fast das gesamte Gebiet der Landeshauptstadt München mit einer Vielzahl an Einzelflächen betreffen, ist eine persönliche Benachrichtigung der Eigentümerinnen und Eigentümer leider nicht möglich.

    Hat die Flächenkulisse Biodiversität rechtliche Folgen für mich?

    Die „Flächenkulisse Biodiversität“ und die Kartierungen zur Aktualisierung naturschutzfachlicher Daten im Rahmen der Flächenkulisse Biodiversität haben keine unmittelbaren rechtlichen Folgen. Insbesondere ist mit der Kartierung keine Ausweisung von Schutzgebieten verbunden. Es wird lediglich festgestellt, um was für einen Biotoptyp es sich handelt und welche Wertigkeit dieser hat.

    Allerdings unterliegen manche der ökologisch hochwertigen Flächen einem direktem Schutz durch die Naturschutzgesetze. Vor allem ist es verboten, solche Biotope zu zerstören oder zu verändern. Dieser gesetzliche Schutz gilt jedoch unabhängig davon, ob die Flächen in einer Biotopkartierung oder in den demnächst erfolgenden Kartierungen für die „Flächenkulisse Biodiversität“ erfasst wurden. Maßgeblich ist immer der aktuelle Zustand der Fläche vor Ort. Solche Biotope sind z.B. Moore, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Quellbereiche, Magerrasen und wärmeliebende Säume. Die Einstufung dieser Biotope erfolgt anhand der methodischen Vorgaben des Landesamtes für Umweltschutz (LfU).

    Kartierung - für wen?

    Die Aktualisierung der naturschutzrelevanten Daten soll die Flächen in München ermitteln, die für den langfristigen Erhalt der Biodiversität unverzichtbar sind und darauf aufbauend das Gesamtkonzept „Flächenkulisse Biodiversität“ entwickeln, das zukünftig als Grundlage für städtische Planungen berücksichtigt werden kann. Die Kartierung liefert auch wichtige Daten für alle Dienststellen und Eigenbetriebe in der Landeshauptstadt München, die im weitesten Sinne mit „grünen“ Themen befasst sind.

    Besteht für die Kartierungen ein Betretungsrecht privater Grundstücke?

    Der weit überwiegende Anteil der zu kartierenden Flächen liegt in der freien Landschaft und ist frei zugänglich. Eine Betretung dieser Flächen ist daher vom Grundsatz her bereits über die allgemeinen Betretungsregelungen des Naturschutzrechtes gestattet. Darüber hinaus gewährt Artikel 54 Bayerisches Naturschutzgesetz den Bediensteten und Beauftragten der Naturschutzbehörden ein noch weiter gehendes Zutrittsrecht für Erhebungen im Rahmen der Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben. Zu diesen gesetzlichen Aufgaben der Naturschutzbehörden gehört unter anderem die Beobachtung zur gezielten und fortlaufenden Ermittlung, Beschreibung und Bewertung des Zustandes von Natur und Landschaft und ihrer Veränderungen einschließlich der Folgen und Ursachen dieser Veränderungen. Die von der Unteren Naturschutzbehörde beauftragten vegetationskundlichen Kartierungsarbeiten für eine „Flächenkulisse Biodiversität“ dienen der Erfassung und Aktualisierung naturschutzrelevanter Daten und damit dem gesetzlichen Auftrag.

    Wenn Sie im Besitz eines Grundstücks mit zu kartierenden Flächen sind, sollen Sie vor dem Betreten in geeigneter Weise benachrichtigt werden. Diese gesetzliche Benachrichtigungspflicht wird durch Bekanntmachung erfüllt. Sollte es für die Kartierung ausnahmsweise erforderlich sein, ein eingezäuntes Grundstück zu betreten, wird vorab eine Terminvereinbarung angestrebt. Die Untere Naturschutzbehörde bittet um Verständnis und – soweit erforderlich – um Mitwirkung, um das Betreten von Grundstücken zu ermöglichen.

    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbüros, die die Kartierung durchführen, können sich durch ein Schreiben der Unteren Naturschutzbehörde ausweisen.

    Werden die Ergebnisse der Kartierungen veröffentlicht?

    Analog zu den Ergebnissen der amtlichen Biotopkartierung des LfU werden auch die Ergebnisse der Kartierungen zur Flächenkulisse Biodiversität frei zugänglich sein und in geeigneter Weise (z.B. auf der Internetseite der Landeshauptstadt München) veröffentlicht werden.