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Fröttmaninger Heide


Blick in die Fröttmaninger Heide  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Das neue Naturschutzgebiet im Münchner Norden

Die Fröttmaninger Heide zählt zusammen mit den gesetzlich geschützten Naturschutzgebieten Panzerwiese und Hartelholz, Garchinger Heide, Echinger Lohe und Mallertshofer Holz sowie den Heiden des Flugplatzes Oberschleißheim mit Korbinianiholz im Münchner Norden zu den wertvollsten Naturschätzen Bayerns.

Die Heiden mit ihren typischen Wäldern sind Teil des Europäischen Naturerbes "Natura 2000" und wurden im Jahr 2001 gemeinsam unter dem Titel „Heideflächen und Lohwälder nördlich von München“ als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) an die Europäische Union gemeldet.

Seit 9. Mai 2016 ist die Südliche Fröttmaninger Heide ein 347 Hektar großes Naturschutzgebiet.

Charakter

Die in dem FFH-Gebiet zusammengefassten Heiden der nördlichen Münchner Ebene sind die größten noch verbliebenen südbayerischen Niederterrassenheiden auf Kalkschotter. Einen großen Anteil nimmt dort der Lebensraumtyp Halbtrockenrasen ein, der sich durch einen außergewöhnlichen Artenreichtum auszeichnet. Denn die nördliche Münchner Ebene ist der Schmelzpunkt von drei ganz unterschiedlichen Florenregionen, die seit Jahrtausenden ein friedliches Miteinander pflegen: Pflanzenarten mediterraner, alpiner und osteuropäischer beziehungsweise kontinentaler Herkunft bilden gemeinsam die Lebensgemeinschaft der Münchner Heiden und vereinen sich zu einem ungewöhnlichen und in diesem Neben- und Miteinander einzigartigen Artenreichtum.

Froettmaningerheide  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Die Fröttmaninger Heide

Entstehung

Die Entstehung der Heiden der nördlichen Münchner Ebene datiert über 10.000 Jahre zurück, als am Ende der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) das Schmelzwasser des Isar-Loisach-Gletschers große Mengen an Schotter als sogenannte „Garchinger Schotterzunge“ meterdick ablagerte. Auf dieser stark wasserdurchlässigen Schotterebene konnten sich bis heute nur sehr flachgründige Böden entwickeln, die schnell austrocknen und nur wenig Nährstoffe speichern können.

Militärische Nutzung

Die militärische Nutzung hat das heutige Erscheinungsbild der Fröttmaninger Heide erheblich geprägt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde das Gelände durch das Militär genutzt, der Teil nördlich der A99 ist bis heute Standortübungsplatz der Bundeswehr. Auch wenn die Vegetation während des Übungsbetriebs durch das Befahren mit schweren Fahrzeugen und Panzern in Teilen immer wieder zerstört wurde, konnten sich auf diesen Flächen Tier- und Pflanzenarten etablieren, die an solch dynamische Lebensräume gut angepasst sind. Diese so genannten  Pionierarten stammen ursprünglich aus der Wildflussaue und haben unter anderem auf der Fröttmaninger Heide einen Ersatzlebensraum gefunden, da ihr ursprünglicher Lebensraum nach den Flussregulierungen der vergangenen Jahrhunderte weitestgehend nicht mehr vorhanden ist. Man denke nur an die Isar, deren Flussaue sich ursprünglich bis zum Isartor hin erstreckte.

Deutscher Enzian (gentianella germanica)  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Bräu

Artenvielfalt

Auf den weiten Grasheiden wachsen unter anderem noch Graue Skabiose, Brillenschöttchen und Deutscher Enzian. 352 verschiedene Pflanzenarten sowie zahlreiche, teils seltene Pilze, Moose und Flechten wurden auf der Fröttmaninger Heide festgestellt.

Unter den Pionierarten ist die Fröttmaninger Heide insbesondere für die vom Aussterben bedrohte Wechselkröte der größte und wichtigste Lebensraum in ganz Südbayern. Daneben ist die stark gefährdete Tagfalterart, der Idas-Bläuling, dort mit einer großen Population vertreten. Charakteristisch für schütter bewachsene Kiesflächen ist auch die Blauflügelige Ödlandschrecke, die hier ideale Lebensräume vorfindet.

Die ausgedehnten, baumlosen Heideflächen sind für Wiesenbrüter wie zum Beispiel die Feldlerche wichtige Lebensräume, während die noch seltenere Schwesterart, die Heidelerche, eher halboffene und steppenartige Landschaften braucht. Sie ist allerdings mittlerweile im Südteil der Fröttmaninger Heide trotz geeigneter Lebensraumstrukturen nur noch selten anzutreffen.

Auch viele charakteristische Insektenarten der Magerrasen lassen sich auf der Fröttmaninger Heide finden und unterstreichen die hohe naturschutzfachliche Bedeutung des Gebietes. Hervorzuheben sind unter anderem der Mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter, der kleine Heidegrashüpfer und der Mondhornkäfer.

Gefährdung und Schutz

Viele Arten und Lebensraumtypen, die heute noch in der Fröttmaninger Heide vorkommen, mussten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen gravierenden Rückgang verzeichnen. So sind von den einst über 9000 Hektar zusammenhängenden Heideflächen im Münchner Norden heute nur noch 1900 Hektar in mehreren isolierten Teilflächen vorhanden.

Diese Restflächen zählen immer noch zu den bedeutendsten Naturschätzen Bayerns, die es zu erhalten gilt.

Aufgrund der Lage im Ballungsraum München hat in den letzten Jahren die Belastung der Fröttmaninger Heide durch vielfältige Art und Weise von intensiver Erholungsnutzung stark zugenommen. Die unkontrollierte Erholungsnutzung stellt nicht nur eine unbeabsichtigte Störung für sensible Arten (zum Beispiel Bodenbrüter wie die Feldlerche) dar, sondern behindert ungewollt die Erhaltung der wertvollen Vegetationsbestände durch Beweidung.

So sorgt der übermäßige Eintrag von Hundekot in der Fläche zum einen für eine unerwünschte Nährstoffanreicherung, zum anderen werden diese Bereiche von den Schafen gemieden und nur noch mangelhaft abgeweidet. Dies führt mittelfristig zu einer Verfilzung der Grasnarbe und deutlichen Verarmung der Artenvielfalt an Kräutern, Gräsern und Insekten. Darüber hinaus können sich Schafe und Ziegen mit dem Parasiten Neospora caninum infizieren, wenn sie mit den Pflanzen auch ungewollt Hundekot mitaufnehmen. Während die Parasiten bei den Hunden keine Symptome hervorrufen, sind bei infizierten Weidetieren Fehlgeburten und Missbildungen des Nachwuchses die Folge.

Die Naturschutzgebietsverordnung

Um eine der größten verbliebenen Restflächen der eiszeitlichen Schotterlandschaft im Norden Münchens mit ihren Kalkmagerrasen und lichten Kiefernwaldbeständen zu erhalten, hat die Regierung von Oberbayern daher den südlichen Teil der Fröttmaninger Heide als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Verordnung über das Naturschutzgebiet „Südliche Fröttmaninger Heide“ in der Landeshauptstadt München und im Landkreis München vom 8. April 2016 wurde im Oberbayerischen Amtsblatt vom 15. April 2016 veröffentlicht und ist am 9. Mai 2016 in Kraft getreten.

Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von zirka 347 Hektar  und umfasst Teilbereiche des Gebiets von gemeinschaftlicher Bedeutung (Fauna-Flora-Habitat) „Heideflächen und Lohwälder nördlich von München“ mit einer Größe von etwa 332 Hektar.

Die Zonenregelung als Besonderheit

Um das Vorkommen selten gewordener Pflanzen- und Tierarten und deren Lebensräume langfristig zu erhalten und zugleich den Besucherinnen und Besuchern ein Erleben der Heide in ihrer Vielfältigkeit zu ermöglichen, unterteilt § 4 der Naturschutzgebietsverordnung (NSGVO) „Südliche Fröttmaninger Heide“ und die dazugehörige Karte das Schutzgebiet in vier verschiedene Zonen:

  • Schutzzone (grüne Zone)
  • Zone für das Heideerleben (blaue Zone)
  • Umweltbildungszone (rosafarbene Zone)
  • Zone für das freie Betreten (gelbe Zone)

Gleichzeitig regelt § 6 NSGVO „Südliche Fröttmaninger Heide“ entsprechend den naturschutzfachlichen Erfordernissen beziehungsweise Zielsetzungen der einzelnen Zonen das Betreten durch Besucherinnen und Besucher und das Mitführen von Hunden in diesen Zonen und auf den in der Schutzgebietskarte M 1:5.000 dafür ausgewiesenen Wegen.

Im Einzelnen gilt für das Betreten durch Besucherinnen und Besucher sowie das Mitführen von Hunden Folgendes:

Schutzzone (grüne Zone)

Ganzjähriges Wegegebot für alle Besucherinnen und Besucher; Hunde dürfen auf den Wegen an der kurzen Leine (bis 2 Meter Länge) mitgeführt werden.

Es besteht keine Möglichkeit zur Freistellung von der Leinenpflicht im Bereich der Schutzzone!

Zone für das Heideerleben (blaue Zone)

In der Zeit vom 1. März bis 31. Juli gilt ein Wegegebot für alle Besucherinnen und Besucher; Hunde dürfen auf den Wegen an der kurzen Leine (bis 2 Meter Länge) mitgeführt werden.

In der Zeit vom 1. August bis Ende Februar gilt ein freies Betreten der Fläche für alle Besucherinnen und Besucher ohne Hund; Hunde dürfen nur auf den Wegen an der kurzen Leine (bis 2 Meter Länge) mitgeführt werden.

In der Zeit vom 1. August bis Ende Februar besteht beim Mitführen von Hunden auf den Wegen der blauen Zone die Möglichkeit zur Freistellung von der Leinenpflicht: Der Hund muss nicht angeleint werden, wenn er auch ohne Leine gesichert im Einwirkungsbereich der Hundeführerin oder des Hundeführers verbleibt und bestimmte Voraussetzungen erfüllt.

Zone für freies Betreten (gelbe Zone)

Ganzjähriges freies Betreten der Fläche für alle Besucherinnen und Besucher; Hunde dürfen auf den Wegen und in der Fläche ganzjährig an der kurzen Leine (bis 2 Meter Länge) mitgeführt werden.

Im Bereich der Zone für das freie Betreten besteht ganzjährig die Möglichkeit zur Freistellung von der Leinenpflicht. Der Hund muss innerhalb der gesamten gelben Zone nicht angeleint werden, wenn er auch ohne Leine gesichert im Einwirkungsbereich der Hundeführerin oder des Hundeführers verbleibt und bestimmte Voraussetzung erfüllt.

Umweltbildungszone (rosa Zone)

Freies Betreten der Fläche für alle Besucherinnen und Besucher ohne Hund; Hunde dürfen auf den Wegen an kurzer Leine (bis 2 Meter Länge) mitgeführt werden.

Es besteht keine Möglichkeit zur Freistellung von der Leinenpflicht im Bereich der Umweltbildungszone.

Kampfmittelbelastung

Aufgrund der im Naturschutzgebiet noch vorhandenen Kampfmittelbelastung muss die aus naturschutzfachlichen Gründen zulässige Betretung des Naturschutzgebiets wie oben beschrieben bis auf weiteres zusätzlich eingeschränkt werden; bisher konnte nur ein kleiner Teil der Flächen und Wege näher untersucht und von Munitionsresten geräumt werden.

Daher hat die Regierung von Oberbayern parallel zur Naturschutzgebietsverordnung „Südliche Fröttmaninger Heide“ die Verordnung zur Beschränkung der Erholung in der freien Natur aus Sicherheitsgründen im Naturschutzgebiet „Südliche Fröttmaninger Heide“ in der Landeshauptstadt München und im Landkreis München vom 8. April 2016 erlassen.

Die Verordnung ist ebenfalls im Oberbayerischen Amtsblatt Nr. 9 / 2016 vom 15. April 2016 (Seite 116 ff.) veröffentlicht und am 9. Mai 2016 in Kraft getreten.

Die gesperrten Flächen sind in der zu dieser Verordnung gehörenden Karte Maßstab 1:5.000 schraffiert dargestellt. Gesperrte Wege sind punktiert gekennzeichnet.

Bitte helfen sie mit, Gefahren für Leib und Leben abzuwenden, indem Sie die Beschränkungen beachten und die aus Sicherheitsgründen gesperrten Flächen und Wege nicht betreten.

Die derzeitige Situation der aus Sicherheitsgründen beschränkten Erholung ist auch für die zuständigen Behörden unbefriedigend. Es sind bereits erste Schritte eingeleitet, um möglichst zeitnah durch zügige und systematische Entmunitionierung ein Grundwegenetz und siedlungsnahe Flächen für die Erholung zur Verfügung stellen zu können. Die Verordnung zur Beschränkung der Erholung soll entsprechend der durchgeführten Entmunitionierungen regelmäßig angepasst werden.

Die Regierung von Oberbayern informiert auf ihrer Internetseite, welche Flächen und Wege derzeit gefahrlos betreten werden dürfen.

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Abt. 5 Naturschutz

Blumenstraße 28b
80331 München

Fax:
089 233-25869