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Neues Leben auf dem PaketPost-Areal


    Fachvortrag beim Bürgergutachten  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    Fachvortrag für die Planungszellen
    © Michael Nagy / LHM

    Aktuelles vom Bürger*innengutachten

    Mehr als 100 Münchner*innen haben in der ersten Oktoberhälfte über die Planung für das PaketPost-Areal diskutiert. Organisiert von einem neutralen Büro, tagten die Planungszellen im "Backstage" an der Friedenheimer Brücke.

    Die Atmosphäre ist kreativ: nackter Betonboden, unverkleidete Rohre an der Decke - eine Mischung irgendwo zwischen Atelier und Nachtclub. Normalerweise wird in diesen Räumen des „Backstage“ getanzt oder es treten Bands auf. Jetzt aber wird an Tischen konzentriert gearbeitet. Sollen in der Paketposthalle Konzerte stattfinden? Wie kann der Verkehr auf dem Areal abgewickelt werden? Wird es zu laut oder werden die Wohnungen zu teuer? Und welche Sorgen treiben die Anwohner*innen um? In Kleingruppen wird intensiv diskutiert, Chancen und Probleme werden besprochen, man bemüht sich um gute Lösungsvorschläge.

    Das Bürger*innengutachten fürs PaketPost-Areal war in zwei Etappen für jeweils zwei Gruppen angesetzt: vom 5. bis 8. und vom 12. bis 15. Oktober. Mehr als 100 Interessierte, zufällig ausgewählt aus dem Münchner Meldeverzeichnis, waren ins "Backstage" in Sichtweite der Paketposthalle gekommen, um sich ganz intensiv mit einer der spektakulärsten Planungen der Stadt auseinanderzusetzen.

    Fachvorträge zur Information

    Dazu gehörten erst einmal Fakten, als Basis jeder weiterführenden Diskussion. Zu Beginn jeder Arbeitseinheit gab es daher einen fachlichen „Input“ – in Form mehrerer Vorträge. Der Masterplan für das gesamte Areal, auf dem ja neben den beiden heißdiskutierten Hochhäusern noch sehr viel anderes entstehen soll, wurde vorgestellt. Es ging um Nachhaltigkeit, um soziale Ausgewogenheit, die Gestaltung der Freiflächen oder die künftige Nutzung der denkmalgeschützten Paketposthalle selbst, deren beeindruckende Architektur die Teilnehmer*innen bei einem ausgiebigen Rundgang besichtigen konnten. Nach den Vorträgen verteilten sich die Gutachter*innen auf die Tische, um in kleineren Gruppen weiterzudebattieren. Die Ergebnisse wurden später im Plenum vorgestellt und von allen bewertet.

    Das auf mehrere Tage angesetzte Bürger*innengutachten, das im Auftrag des Referats für Stadtplanung und Bauordnung ganz bewusst von einem neutralen Ausrichter organisiert wurde, zählt zu den vielversprechendsten, aber auch aufwändigsten Varianten der Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Methode ist international anerkannt. Da die Teilnehmer*innen per Zufallsauswahl aus dem Melderegister ausgewählt wurde, ist in den sogenannten Planungszellen ein breiter Querschnitt der Stadtbevölkerung vertreten – wichtig bei einer Planung, die für ganz München von großer Bedeutung ist. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema gewährleistet eine fundierte Meinungsbildung und eine entsprechend hochkarätige Debatte mit vielen wertvollen Vorschlägen.

    Chance zur Differenzierung

    Im Fokus der Teilnehmer*innen standen vor allem das Angebot an Freiräumen im Areal, die nachhaltige Gestaltung der Hochhäuser und die möglichen Nutzungen sowie der Betrieb der Paketposthalle. Besonders wichtig am Bürger*innengutachten ist die Möglichkeit zur Differenzierung: Es geht nicht um den Versuch, „Schablonen“ für ganz München zu fixieren, sondern um die Suche nach passgenauen Lösungen für eben diesen Standort. Dazu gehört auch die Chance, zielführende Kompromisse und völlig neue Ideen in die Diskussion einzubringen. Ein einfaches Ja-Nein-Schema könnte diesen Anspruch nicht erfüllen.

    Das Bürger*innengutachten wird sorgfältig dokumentiert und in den kommenden Wochen ausgewertet und zusammengefasst. Die Vorschläge werden voraussichtlich Anfang nächsten Jahres offiziell an Oberbürgermeister Dieter Reiter übergeben. Eine erste Fassung soll aber bereits Anfang Dezember vorliegen und einigen Teilnehmenden zur Korrektur vorgelegt werden.

    Das Bürger*innengutachten fließt in die weiteren Planungen fürs PaketPost-Areal mit ein und spielt dort eine wichtige Rolle. Gleichwohl gibt es auch für alle anderen Münchner*innen noch weitere Möglichkeiten zur Mitwirkung im weiteren Planungsprozess.

    „Ich danke allen Bürgergutachter*innen ganz herzlich für ihr Engagement, das ja keineswegs selbstverständlich ist“, erklärt Stadtbaurätin Prof. Dr. (Univ. Florenz) Elisabeth Merk. „Und ich bin schon unheimlich gespannt auf die Ergebnisse. Fundierte Debatten führen zu fundierten Ergebnissen, das ist die besondere Qualität eines Bürger*innengutachtens.“

    Weitere Bilder

    Vor einer mit Zetteln bepinnten Tafel ist die Silhouette einer Teilnehmerin zu sehen. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

    Brainstorming an der Pinnwand

    Ein Teilnehmer der Planungszellen fotografiert per Handy die Dachkonstruktion der Paketposthalle. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

    Im Inneren der Halle

    Besucher gehen an der Paketposthalle vorbei Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

    Besichtigung des Geländes

    Die beiden Höhenballons, die den Standort der geplanten Hochhäuser im PaketPost-Areal markieren, schweben über der Stadt. Der Fotograf steht auf der Donnersbergerbrücke.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    Blick auf die Ballons von der Donnersbergerbrücke aus
    © Michael Nagy/LHM

    Höhenballons über München

    Sie waren von weit her zu sehen – vom Olympiaberg etwa, der Donnersbergerbrücke oder dem Rondell bei Schloss Nymphenburg. Was auch der Sinn der Sache war. Denn die beiden Höhenballons, die am Vormittag des 30. September vom Gelände der Paketposthalle in Neuhausen aufstiegen, sollten allen interessierten Münchner*innen demonstrieren, wie sich die an diesem Standort diskutierten Hochhäuser in die Silhouette der Stadt einfügen. Der Anblick der kugelrunden PVC-Ballons mit jeweils vier Metern Durchmesser ergänzte anschaulich die bereits laufende Stadtbildverträglichkeitsuntersuchung, in der vor allem über Simulationen die Auswirkung des Projekts auf Münchens Sichtachsen geprüft wird. Den Teilnehmer*innen des Bürger*innengutachtens für das PaketPost-Areal diente die spektakuläre Aktion als wichtige Zusatz-Info zur persönlichen Meinungsbildung.

    Los ging es um fünf Uhr morgens mit den ersten Vorbereitungen. Etwa ab 7.30 Uhr (also zehn Minuten nach Sonnenaufgang) waren die Ballons in 155 Metern Höhe zu sehen - GPS-überwacht, damit sie möglichst wenig abgetrieben werden. Die mit 32 Kubikmetern Helium gefüllten Fesselballons blieben bis 9 Uhr in der Luft. 

    Da am Standort des nördlichen Hochhauses heute noch die Lastwagen der Deutschen Post ein- und ausfahren, markierten die Ballons nicht die Mitte, sondern jeweils die südliche Ecke der beiden Hochhäuser. Der Abstand zueinander entsprach damit dem der 155-Meter-Türme, die etwa vier Kilometer westlich der stadtbildprägenden Frauenkirche geplant sind.

    Eine Fotodokumentation des Büros Eisenlauer Architektur und Stadtplanung, München, finden Sie hier (PDF, 2224 KB). Sie ist Teil der Stadtbildverträglichkeitsuntersuchung.

    Impressionen (bitte Bilder anklicken)

    Die Höhenballons, die den Standort der geplanten Hochhäuser im PaketPost-Areal markieren, schweben über der Stadt. Der Fotograf steht am Olympiaberg. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

    Neuhausen und die Ballons, vom Olympiaberg aus

    Von der Donnersbergerbrücke aus Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

    Blick gen Himmel von der Donnersbergerbrücke aus

    Die Höhenballons sind in der Ferne vom Nymphenburger Schlossrondell aus zu sehen. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

    Perspektive vom Schlossrondell (Ballons am linken Bildrand über den Bäumen)

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    Urbane Gasse mit Blick auf die Türme, links die Paketposthalle
    © Herzog & de Meuron/LHM

    Das Projekt

    Auf einem Gewerbeareal im Süden Neuhausens soll ein neues, unverwechselbares Stadtquartier mit rund 1.100 Wohnungen sowie Büros für 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Im Mittelpunkt steht die jetzt noch als Briefverteilzentrum genutzte Paketposthalle, deren kühn geschwungene Konstruktion als öffentlicher Treffpunkt und als Kulturzentrum genutzt werden soll.

    Flankiert werden soll das einst als Paketbahnhof genutzte Bauwerk, das Ende der 1960er Jahre die weltweit größte freitragende Betonfertighalle war, von zwei Hochhaus-Türmen, die wie der gesamte Masterplan für das Gelände vom Architekturbüro Herzog & de Meuron stammen. Sie „zitieren“ an ihren konkav gewölbten Seitenfassaden ganz bewusst den Bogen der Paketposthalle – nur eben in vertikaler Richtung. So sehen es die Planungen des Investors, der Büschl-Unternehmensgruppe, für das Areal an der Arnulfstraße auf Höhe Friedenheimer Brücke vor. Abschließende Entscheidungen sind noch nicht gefallen, das Projekt befindet sich in einer frühen Phase des Planungs- und Genehmigungsprozesses – zudem kommen erst noch die Münchner*innen zu Wort.

    Wie hoch die Türme genau werden, wie die Halle konkret genutzt werden kann und wie ein lebenswertes Viertel aussehen könnte, ist voraussichtlich Thema im vom Stadtrat beschlossenen Bürger*innengutachten. Es gibt aber im darauffolgenden Planungsprozess noch weitere Mitsprachemöglichkeiten für die Münchner*innen. Die Fernwirkung der Hochhäuser und damit die Auswirkung auf die Stadtsilhouette wird noch durch ein Gutachten untersucht.

    Die Planung für die Türme wurde aktuell noch weiterentwickelt: Die Architekten, die auch die Allianz-Arena im Münchner Norden sowie die Fünf Höfe in der Altstadt entworfen haben, haben zwei Schrägaufzüge an den Außenfassaden ergänzt und die Türme so gedreht, dass die filigrane Form besser zur Geltung kommt.

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    "Offener Stadtplatz" im Inneren der sanierten Paketposthalle
    © Herzog & de Meuron/LHM

    Das Besondere

    Das neue Quartier sticht architektonisch hervor – durch die (dann sanierte) Paketposthalle und die beiden Türme, in deren obersten Etagen Gastronomie, Kultur und eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform vorstellbar sind. Die überwiegend sechsgeschossigen Wohn- und Geschäftshäuser, in deren Erdgeschossen Geschäfte und Gastronomie unterkommen sollen, stehen südlich, westlich und nördlich davon – dort befinden sich heute unter anderem die Werksparkplätze der Deutschen Post, die voraussichtlich bis 2023 die Flächen räumen will.

    Auch in den Türmen sollen neben Büros Wohnungen unterkommen - das gesamte Quartier wird nach den Grundsätzen der sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) geplant, die einen festen Anteil geförderter beziehungsweise bezahlbarer („preisgedämpfter“) Wohnungen garantiert. Die Gassen rund um die Gebäude werden autofrei konzipiert, der gesamte Anlieferverkehr soll unterirdisch ablaufen. Dort befinden sich auch die Parkplätze der Anwohner*innen.

    Das Viertel soll sich durch ein klares Bekenntnis zur Ökologie und Nachhaltigkeit auszeichnen. So sind beispielsweise Pergolen mit Photovoltaikanlagen auf den gemeinschaftlich nutzbaren, begrünten Dachflächen vorgesehen. Um die CO2-Belastung zu reduzieren, wird eine Holzhybridbauweise der beiden Hochhäuser geprüft. Die Pläne für die Paketposthalle, die als öffentlicher überdachter Platz Mittelpunkt des neuen Viertels werden soll, müssen erst noch weiter konkretisiert werden – unter anderem durch das Bürgergutachten.

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    Die begrünten Innenhöfe liegen im ersten Stock.
    © Herzog & de Meuron/LHM

    Planungsstand

    Das 8,7 Hektar große Grundstück gehört der Büschl Unternehmensgruppe, die Herzog & de Meuron mit der Entwicklung eines Masterplans beauftragt hat. Darin wird ein städtebauliches und freiraumplanerisches Konzept für das Areal und ein Nutzungskonzept für die denkmalgeschützte Paketposthalle vorgeschlagen. Im Oktober 2019 hat der Stadtrats-Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung dem Masterplan für die Bebauung grundsätzlich zugestimmt und eine Überarbeitung beziehungsweise Weiterentwicklung angeregt. Dies ist inzwischen geschehen. Am 7. Juni 2021 wurde der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg, am 16. Juni der Planungsausschuss des Stadtrats offiziell über den aktuellen Planungsstand informiert. Für den weiteren Planungsprozess bildet dann das Bürger*innengutachten einen wesentlichen Baustein. Es wird evaluiert, dem Stadtrat vorgelegt und schließlich zur Grundlage für die offizielle Beteiligung der Öffentlichkeit, die in einem Bebauungsplanverfahren Standard ist.

    Das Modell

    Wer die Ausstellung des städtebaulichen Modells im PlanTreff in der Blumenstraße verpasst hat: Das nebenstehende Video beleuchtet das PaketPost-Areal in Miniaturform von allen Seiten. Die Präsentation endete am 29. Juli.

    Chronologie

    10/2021: Termine für die Planungszellen des Bürger*innengutachtens
    30.9.2021: Aktion mit Höhenballons
    1.7.2021: Infoveranstaltung und Auftakt Bürgergutachten
    16.6.2021: Vorstellung überarbeiteter Masterplan im Stadtrat
    8.6.2021: Vorstellung überarbeiteter Masterplan in der Stadtgestaltungskommission
    05/2021: Vergabe Durchführung Bürgergutachten
    04/2021: Bekanntgabe Bürgergutachten im Planungsausschuss
    01/2021: Vergabebeschluss für das Bürgergutachten durch den Stadtrat
    10/2019: Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan durch den Stadtrat
    07/2019: Vorstellung der Ergebnisse des Masterplans in der Öffentlichkeit durch den Investor
    07/2019: Vorstellung der Ergebnisse des Masterplans in der Stadtgestaltungskommission
    05/2019: Finale Präsentation des Masterplans im Begleitgremium
    01/2019: Begleitgremium mit Stadträt*innen; Bezirksausschuss und Stadtverwaltung
    01/2019: Information (PDF, 431 KB) der Öffentlichkeit, Vorstellung der Projektbeteiligten und des Verfahrens durch den Investor

    Kontakt

    Landeshauptstadt München

    Referat für Stadtplanung und Bauordnung
    Stadtplanung - Planungsgruppe Bezirk Mitte (Stadtbezirk 3, 4 und 9)

    Blumenstraße 28b
    80331 München