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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Ökologische Mustersiedlung


Im Prinz-Eugen-Park entsteht Deutschlands größte Holzbausiedlung

Im südlichen Bereich des Prinz-Eugen-Parks entsteht eine Ökologische Mustersiedlung in Holzbauweise. Damit möchte die Landeshauptstadt München den modernen Holzbau etablieren und neue Maßstäbe im Bereich Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung setzen. Unterschiedliche Gebäudetypen bis hin zu siebengeschossigen Häusern werden dort errichtet.

Mit rund 570 Wohnungen entsteht die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands. Die Stadt hat dafür ein eigenes Förderprogramm ins Leben gerufen. Mittlerweile sind nahezu alle Wohnungen in der Siedlung fertiggestellt und bezogen.

Acht individuelle Holzbauprojekte

Die Mustersiedlung besteht aus acht individuellen Holzbauprojekten. Realisiert wird sie von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften GEWOFAG und GWG, von vier Baugemeinschaften und zwei Genossenschaften. Bei den Wohnungen handelt es sich um 452 geförderte beziehungsweise freifinanzierte Mietwohnungen. Der Rest sind selbstgenutzte Eigentumswohnungen der Baugemeinschaften.

In das Wohnquartier integriert sind unter anderem zwei Kindergärten, eine Quartierszentrale, ein überdachter Marktplatz und ein Eiscafé. Außerdem gibt es viel Raum für gemeinschaftsorientierte Nutzungen, wie zum Beispiel Werkstätten, Co-Working-Spaces, Gemeinschaftsräume, gemeinschaftlich genutzte Dachgärten und Urban Gardening Flächen. Die bis zu sieben geschossigen Gebäude werden in unterschiedlichen Bauweisen, vom Holzhybridbau bis zum reinen Holzbau errichtet.

Ein Quartier entsteht

Ansicht der Ökologischen Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Visualisierung

Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Blick in das Quartier mit Garten

Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Innenhof

Qualitätssicherung in der Holzbauweise

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat für die erfolgreiche Umsetzung der Holzbauweise drei wichtige Schwerpunkte festgelegt. Dadurch sollen die Qualitätsstandards erreicht und eingehalten werden.

  • „Was ist ein Holzbau?“ - Eine Definition
    Für die Definition der Holzbauweise hat die Stadt München als Kooperationspartnerin an einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojekt der TU München (TUM) und der Ruhr Universität Bochum (RUB) mitgewirkt. Nach dem Forschungsprojekt ist ein geeigneter und gut messbarer Parameter zur Bewertung von Holzbauten die Menge Holz, die im Gebäude verbaut ist. Holz wird hierfür als „nachwachsender Rohstoff“ bezeichnet (Abkürzung: „nawaros“). Als Einheit für die Bewertung von Holzbauten dient die Masse (in Kilogramm) an nachwach­senden Rohstoffen („nawaros“) je Quadratmeter Wohnfläche (kg nawaros / m² WF).
     
  • Förderung der Holzbauweise
    Die Ökologische Mustersiedlung ist mit ihren Zielen und in der geplanten Größe ein bislang europaweit einmaliges Pilotprojekt für nachhaltiges Bauen. Um die Realisierung zu ermöglichen, fördert die Landeshauptstadt München Kosten aus Mehraufwendungen, die im Holzbau entstehen, mit einem eigenem Zuschussprogramm in Höhe von 13,6 Millionen Euro. Das Zuschussprogramm fördert die im Gebäude verbaute Masse Holz (in Kilogramm). Kleine Gebäude mit ein bis drei Geschossen werden bis zu 0,70 Euro pro Kilogramm nachwachsende Rohstoffe bezuschusst und Projekte im Geschosswohnungsbau mit bis zu 2,00 Euro pro Kilogramm nachwachsende Rohstoffe.
     
  • Qualitätssicherung Holzbauweise
    Die Umsetzung des Holzbaus stellt für die Akteure eine große technische Herausforderung dar. Um sicher zu stellen, dass der Holzbau funktioniert, wurde von Anfang an eine integrierte Planung eingefordert. Die Planungsteams waren verpflichtet, ihre Entwurfsplanung in Bezug auf Holzbaukonstruktion, Schallschutz und Brandschutz einem fachkundigen Ratgebergremium vorzustellen. Erst dann kommen die wesentlichen Vorteile der Holzbauweise, wie eine verkürzte Bauzeit, Kostensicherheit und die gewünschte Ausführungsqualität, zur Geltung. Zudem müssen die verwendeten Holzbaustoffe aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammen und in Deutschland oder maximal 400 km von der Ökologischen Mustersiedlung entfernt geerntet worden sein. Alternativ können heimische Hölzer mit spezieller Zertifizierung eingesetzt werden.
     

Qualitätsstufen im Holzbau

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat für die Grundstücksvergaben drei Qualitätsstufen der Holzbauweise formuliert: Im Geschosswohnungsbau beträgt der Mindestanteil 50 Kilogramm nawaros pro Quadratmeter Wohnfläche, in der zweiten Stufe 90 kg/m² Wohnfläche und in Stufe drei 120 kg/m² Wohnfläche. Bei den kleineren Gebäuden (Atriumhäuser und Reihenhäuser) beträgt der Mindestanteil 150 kg/m² Wohnfläche, in der zweiten Stufe 165 kg/m² Wohnfläche und in Stufe drei 190 kg/m² Wohnfläche. Bei den Grundstücksbewerbungen haben alle Bieter*innen die Stufe drei und damit den größten Holzanteil bei ihren Projekten angeboten. Somit werden in den kleineren Gebäuden Holzanteile von bis zu 280 kg/m² Wohnfläche und beim Geschosswohnungsbau Holzanteile von bis zu 240 kg/m² Wohnfläche verbaut.

Stand der Umsetzung (Mai 2020)

Mittlerweile sind sechs der acht Projekte fertiggestellt und bezogen. Bis Ende 2020 sollen alle Gebäude mit ihren Außenanlagen fertig sein. In der Ökologischen Mustersiedlung konnte ein schneller Baufortschritt erreicht werden, da ein Großteil der Holzkonstruktionen im Werk vorgefertigt, als Holzbauteil oder -modul auf die Baustelle transportiert und dort montiert wurde.

Bei den einzelnen Vorhaben wurden sehr vielfältige und verschiedene Holzbau- und Holzhybridbauweisen umgesetzt, die von einer Stahlbetonskelettbauweise mit einer Fassade in Holzrahmenbauweise bis zu massiven Brettsperrholzkonstruktionen inklusive den Treppenhäusern und Aufzugsschächten variieren. Die energetischen Kennwerte der Gebäude reichen vom einzuhaltenden Mindeststandard nach dem Ökologischen Kriterienkatalog der Landeshauptstadt München („ehemaliges KfW-Effizienzhaus 70“) bis hin zum Passivhausstandard („KfW-Effizienzhaus 40 Plus“). Bei der überwiegenden Anzahl der Gebäude wurde der Energiestandard KfW-55 oder ein höherer Energiestandard realisiert.

Besonderheiten

Nachhaltige Stadtentwicklung ist in der Ökologischen Mustersiedlung vielseitig sichtbar. Außerdem wird im gesamten Stadtquartier Prinz-Eugen-Park viel Wert auf die Beteiligung der Bewohner*innnen gelegt.

Vernetzung

Schon während der Planungszeit haben alle Akteure im Quartier eine gemeinsame Website betrieben, über die vielseitig informiert und gemeinsame Veranstaltungen oder Belange der zukünftigen Bewohner*innen kommuniziert wurden. Die von den Bewohner*innen gegründete GeQo eG-Genossenschaft für Quartiersorganisation wird voraussichtlich im Sommer 2020 die Quartierszentrale am zentralen Platz mit Nachbarschaftscafe, Mobilitätsstation, Paketshop und Concierge-Desk in Betrieb nehmen.

Klimaschutz

Die hohen Holzanteile, die in den Gebäude verbaut werden, tragen erheblich zum Klimaschutz bei. Insgesamt werden etwa 13.000 Tonnen Kohlendioxid langfristig gespeichert. Gegenüber der mineralischen Bauweise können durch die Holzbauweise je nach Holzanteil zirka 30 bis 60 Prozent der klimaschädlichen Emissionen substituiert werden. Die Holzbauweise leistet somit einen positiven Beitrag zum Klimaschutz.

Und die Forschung geht weiter: Die Landeshauptstadt München ist Kooperationspartnerin bei einem weiteren von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojekt über die langfristige Auswirkung der Ökologischen Mustersiedlung in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Weitere Holzbauprojekte sollen folgen

Die Landeshauptstadt München wird die nachhaltige Stadtentwicklung weiter fördern. Die Erkenntnisse aus der Ökologischen Mustersiedlung werden als Best-Practice-Beispiele für weitere Stadtentwicklungsvorhaben der Landeshauptstadt München dienen.

Der Stadtrat hat bereits beschlossen, in den Bauquartieren Henschelstraße und in Freiham, hier im 2. Realisierungsabschnitt, weitere Holzbausiedlungen umzusetzen. Außerdem soll ein neues Förderprogramm für die Holzbauweise im mehrgeschossigen Holzwohnungsbau aufgelegt werden, das sowohl Mustersiedlungen als auch Einzelprojekte unterstützt. Insgesamt sollen mehr Grundstücke explizit nur für den Holzbau ausgeschrieben werden.

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Stadtsanierung
und Wohnungsbau

Blumenstraße 31
80331 München