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Ökologische Holzbauweise


Ansicht der Ökologischen Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Perspektive WA 14 West (Rapp Architekten)
© Rapp Architekten mit Müllerblaustein Holzbauwerke und Brüggemann Holzbau

Ökologische Mustersiedlung in der Prinz-Eugen-Kaserne

Im südlichen Bereich des Prinz-Eugen-Parks entsteht eine Ökologische Mustersiedlung in Holzbauweise. Damit möchte die Landeshauptstadt München den modernen Holzbau etablieren und neue Maßstäbe in puncto Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung setzen. Unterschiedliche Gebäudetypen bis hin zu siebengeschossigen Häusern werden dort errichtet.

Mit etwa 570 Wohnungen entsteht die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands. Die Stadt hat dafür ein eigenes Förderprogramm ins Leben gerufen. 2019 soll die Mustersiedlung fertig sein, das erste Projekt voraussichtlich Anfang 2019.

Drei Aspekte für eine erfolgreiche Umsetzung

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat für die erfolgreiche Umsetzung der Holzbauweise drei wichtige Schwerpunkte festgelegt:

  • Holzbau definieren: „Was ist ein Holzbau?“

Für die Definition der Holzbauweise hat die Stadt München als Kooperationspartnerin an einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojekt der TU München (TUM) und der Ruhr Universität Bochum (RUB) mitgewirkt. Nach dem Forschungsprojekt ist ein geeigneter und gut messbarer Parameter zur Bewertung von Holzbauten die Menge Holz, die im Gebäude verbaut ist (zum Beispiel für Wände, Decken, Außenwände, Dach, und anderes). Holz wird hierfür als „nachwachsender Rohstoff“ bezeichnet (Abkürzung: „nawaros“). Als Einheit für die Bewertung dient die Masse (in Kilogramm) an nachwach­senden Rohstoffen („nawaros“) je Quadratmeter Wohnfläche (kg nawaros / m² WF).

  • Förderung der Holzbauweise

Die Ökologische Mustersiedlung ist mit ihren Zielen und in der geplanten Größe ein bislang europaweit einmaliges Pilotprojekt für nachhaltiges Bauen. Um die Realisierung zu ermöglichen, hat der Münchner Stadtrat beschlossen, speziell für die Ökologische Mustersiedlung ein Zuschussprogramm einzurichten. Das Programm bietet den Akteuren einen Zuschuss für die Finanzierung der höheren Erstinvestition und der Mehraufwendungen, die im Holzbau entstehen. Das Zuschuss­programm fördert die im Gebäude verbaute Masse Holz (in Kilogramm). Nach den Förderrichtlinien wird die Holzbauweise bei kleinen Gebäuden mit ein bis drei Geschossen mit bis zu 0,70 Euro pro Kilogramm nachwachsende Rohstoffe und beim Geschosswohnungsbau mit bis zu 2,00 Euro pro Kilogramm nachwachsende Rohstoffe bezuschusst. Der Münchner Stadtrat hat für das Zuschussprogramm Haushaltsmittel in Höhe von bis zu 13,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

  • Qualitätssicherung Holzbauweise

Die Umsetzung des Holzbaus stellt für die Akteure eine große technische Herausforderung dar. Die Qualitätssicherung der Holzbauweise wird über ein Beratungskonzept abgesichert. Die Bauherren haben sich zu einem integrierten Planungsansatz mit allen an der Planung und Umsetzung des Vorhabens beteiligten Fachleuten und Firmen verpflichtet. Erst dann kommen die wesentlichen Vorteile der Holzbauweise wie eine verkürzte Bauzeit, Kostensicherheit und die gewünschte Ausführungsqualität zur Geltung. Zudem müssen die verwendeten Holzbaustoffe aus nachhaltiger Bewirtschaftung oder aus der Region stammen. Das speziell eingerichtete Ratgeber-Gremium mit vier anerkannten Expertinnen und Experten berät alle Projekte der Planungsphase zu Brandschutz, Tragwerk und Schallschutz im mehrgeschossigen Holzbau.

Stand der Umsetzung (Oktober 2018)

Mittlerweile sind alle Projekte im Bau. In sechs der acht Baufelder werden derzeit die Holzbaukonstruktionen ausgeführt. Hier ist die Holzbauweise besonders gut sichtbar, da noch nicht alle Brandschutzverkleidungen und Fassaden stehen. Ein Großteil der Holzkonstruktionen wird im Werk vorgefertigt, als Holzbauteil oder -modul auf die Baustelle transportiert und dort montiert. Damit kann ein schneller Baufortschritt erreicht werden, der zur Zeit vor Ort täglich erlebt werden kann. Bilder von der Baustelle finden Sie unten auf dieser Seite - hier die Beschreibungen:

  • Das Projekt WA13 wird in Holzhybridbauweise ausgeführt, also als Stahlbetonskelettkonstruktion mit einer Holzfassade. Die vorgefertigten und verpackten Badmodule werden bereits in den Rohbau eingestellt.
  • Der Entwurf für das Projekt WA14-West sieht über dem Erdgeschoss in Stahlbeton vier Baukörper in Holzbauweise vor. Die vorgefertigten Holzbauteile werden hier von Norden nach Süden montiert.
  • Bei den Gebäuden im Projekt WA14-Ost ist der Holzbau schon zum Großteil ausgeführt. Als einziges Projekt in der Ökologischen Mustersiedlung sind hier auch die Treppenhaus- und Aufzugsschachtwände in Holzbauweise geplant und ausgeführt.
  • Im Baufeld WA15-Ost ragen die Treppenhäuser solitär in den Himmel. Die Stahlbetonbauteile wie Keller oder Treppenhäuser werden vor der Holzkonstruktion erstellt.

Acht individuelle Holzbauprojekte

Die Mustersiedlung besteht aus acht individuellen Holzbauprojekten und wird von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften Gewofag und GWG, die insgesamt zirka 243 Wohneinheiten bauen, von Baugemeinschaften, die ungefähr 159 Wohneinheiten planen, und von zwei Genossenschaften, die zusammen zirka 160 Wohneinheiten bauen, realisiert. Bei den Wohnungen handelt es sich um etwa 400 geförderte und freifinanzierte Mietwohnungen. Der Rest sind selbstgenutzte Eigentumswohnungen der Baugemeinschaften.

Drei Qualitätsstufen

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat für die Grundstücksvergaben drei Qualitätsstufen der Holzbauweise formuliert: Im Geschosswohnungsbau beträgt der Mindestanteil 50 Kilogramm nawaros pro Quadratmeter Wohnfläche, in der zweiten Stufe: 90 kg/m² Wohnfläche und in Stufe drei 120 kg/m² Wohnfläche. Bei den kleineren Gebäuden (Atriumhäuser und Reihenhäuser) beträgt der Mindestanteil 150 kg/m² Wohnfläche, in der zweiten Stufe 165 kg/m² Wohnfläche und in Stufe drei 190 kg/m² Wohnfläche. Bei den Grundstücksbewerbungen haben alle Bieterinnen und Bieter die Stufe drei und damit den größten Holzanteil bei ihren Projekten angeboten. Somit werden in den kleineren Gebäuden Holzanteile von bis zu 280 kg/m² Wohnfläche und beim Geschosswohnungsbau Holzanteile von bis zu 240 kg/m² Wohnfläche verbaut.

Förderung

Das Zuschussprogramm ist ein wichtiger Bestandteil für die Umsetzung der Mustersiedlung. Alle Bauherrinnen und Bauherren habe in der Planungsphase die Mehraufwendungen der Holzbauweise dargestellt und die entsprechende Förderung beantragt.

Qualitätssicherung

Das Ratgebergremium hat sich intensiv mit allen Projekten in der Planungsphase befasst und wertvolle Anregungen und Hinweise gegeben. Es werden in der Ökologischen Mustersiedlung Gebäude der Gebäudeklasse 2 bis 5 nach der Bayerischen Bauordnung errichtet werden. Insbesondere im Geschosswohnungsbau sind individuelle Brandschutzkonzepte erforderlich, die mit der Münchner Branddirektion abgestimmt werden.

Klimaschutz

Die hohen Holzanteile, die in den Gebäude verbaut werden, tragen erheblich zum Klimaschutz bei. Insgesamt werden etwa 13.000 Tonnen Kohlendioxid langfristig gespeichert. Gegenüber der mineralischen Bauweise können durch die Holzbauweise je nach Holzanteil zirka 30 bis 60 Prozent der klimaschädlichen Emissionen substituiert werden. Die Holzbauweise leistet somit einen positiven Beitrag zum Klimaschutz.

Und die Forschung geht weiter: Die Landeshauptstadt München ist erneut Kooperationspartnerin bei einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojekt über die langfristige Auswirkung der Ökologischen Mustersiedlung in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Stadtsanierung
und Wohnungsbau

Blumenstraße 31
80331 München