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Kulturelles Bürgerzentrum mit Sozialbürgerhaus und Wohnungen am Hanns-Seidel-Platz


Planungswettbewerb

1. Preis: Delugan Meissl Associated Architects mit Helmut Wimmer und Partner, Wien, und EGKK Landschaftsarchitektur, Wien
2. Preis: Colboc Franzen & Associés, Paris, mit Topotek 1, Berlin
2. Preis: Baumschlager Eberle, Lustenau, mit Planstatt Senner, München
3. Preis: Auer + Weber + Assoziierte, München, mit Grabner + Huber Landschaftsarchitekten, Freising
5. Preis: Bogevischs Buero, München, mit Keller Damm Roser, München

Auslober: Kommunalreferat der Landeshauptstadt München, Gewofag Grundstücksgesellschaft

Details zum Wettbewerb

Lage

Das Gelände liegt am Hanns-Seidel-Platz im Zentrum Neuperlachs direkt gegenüber dem Einkaufszentrum Pep (Perlacher Einkaufs Passagen).

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Für die bislang mit Zwischennutzungen belegte Fläche des Wettbewerbsgebiets am Hanns-Seidel-Platz wurde 2010 über einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb ein Planungskonzept gefunden, das dort ein belebtes und urbanes Stadtteilzentrum schafft. Für den Nordteil dieser Fläche, der unmittelbar an den Busbahnhof angrenzt, soll nun in einem Realisierungswettbewerb die Hochbau- und Freianlagengestaltung konkretisiert werden.

Die Wettbewerbsbebauung wird das Bild des neuen Quartiers zum Hanns-Seidel-Platz hin prägen. Die nordwestliche Ecke soll ein Gebäudekomplex bilden, der in den unteren Geschossen ein kulturelles Bürgerzentrum mit Räumen zur stadtteilkulturellen Nutzung, Bibliothek, Volkshochschule und das „Festspielhaus“ (eine jugendkulturelle Einrichtung) sowie das Sozialbürgerhaus aufnimmt. In einem markanten, profilüberragenden Gebäude am zentralen Eingang, der das gesamte Geviert markiert, soll zudem Wohnraum entstehen.

Im Freibereich auf Erdgeschossniveau ist ein städtischer Marktplatz vorgesehen, im Untergeschoss befinden sich die Zugänge zur U-Bahnstation Neuperlach Zentrum und zu den angrenzend geplanten Einzelhandelsflächen. Östlich schließt am Hanns-Seidel-Platz ein Freibereich an, auf dem sich unter anderem die Rampe zur Fuß- und Radwegbrücke über die Fritz-Erler-Straße befindet. Diese Freibereiche sollen in einem Ideenteil bearbeitet werden. In der östlichen Hälfte des Wettbewerbsgebiets, im Bereich der Fritz-Erler- Straße, sind Wohnungen und ein Kindertageszentrum vorgesehen. Die privaten Freiflächen einschließlich der Außenspielfläche des Kindertageszentrums sind Gegenstand des Realisierungswettbewerbs.

Ziele der Planung

  • Die Bebauung soll die Neue Mitte Neuperlachs positiv prägen und eine eigene Identität schaffen.
  • Realisierung eines kulturellen Bürgerzentrums mit einem Sozialbürgerhaus
  • Schaffung von Wohnraum mit frei finanzierten und geförderten Wohnungen
  • Aufwertung des Sperrengeschosses durch eine abgesenkte öffentliche Fläche (Tiefhof) vor dem kulturellen Bürgerzentrum mit großzügiger Verbindung nach oben
  • Zugang zum Sperrengeschoss des U-Bahnhofs mit Fußgängerverbindung zwischen dem PEP, dem neu entstehenden Einzelhandel in der Westparzelle und dem kulturellen Bürgerzentrum

Würdigung des Preisgerichts

„Der Entwurf wagt es, ein neues Zeichen für die Mitte von Neuperlach zu setzen. Ein skulptural geformter Baukörper bietet eine unverwechselbare Architektur an, die einen Akzent für den Hanns-Seidel-Platz bringt. Der trapezförmige Turm erhebt sich über einen dynamisch ausgeformten Sockel und nimmt über die zweigeschossige Auskragung am Eingang und das Flugdach im siebten Geschoss die baulichen Bezüge zum Pep und zur Wohnbebauung auf.

Auch im Norden wird ein attraktiver Platzraum gebildet. Durch das Flugdach ergibt sich eine attraktive Eingangssituation hin zum Platz, von der aus das Festspielhaus und die öffentlichen Nutzungen gut erschlossen sind.

Der öffentliche Raum entfaltet so auf allen Ebenen eigene Qualitäten und erhält mit dem Tiefhof ein überzeugendes Freiflächenangebot, welches im Zusammenhang mit den Veranstaltungsräumen als Stadtbühne genutzt werden kann. Allerdings muss die Barrierefreiheit der Anbindung des Tiefhofes von Norden und Süden hinterfragt werden. Kritisch wird auch die Flächeneffizienz beurteilt. Die Bibliothek befindet sich im Erdgeschoss und ist vom Erd- und Untergeschoss aus erschlossen. Im Inneren gruppieren sich die Veranstaltungsräume um einen gemeinsamen Erschließungskern und erhalten dennoch ihre individuellen Eingangs- und Cafeteria-Bereiche.

Durch die starke Auskragung des Sockels erscheint jedoch die Belichtung der Räume der Volkshochschule im Untergeschoss über den Innenhof nicht befriedigend gelöst.

Die Erschließung des Sozialbürgerhauses und die Anlieferung von der Nordseite funktioniert ebenso wie die Anbindung der Kita. Von Norden her entstehen großzügige, differenziert gestaltete Platzräume im Vorfeld. Architektonisch stellt sich der Sockel mit vorwiegend öffentlichen Nutzungen transparenter dar als die aufsteigenden Geschosse.

Im Turm befinden sich dann auch die Wohnungen, die mit umlaufenden Loggien ausgestaltet werden. Dies lässt sich allerdings in der Fassade so nicht ganz nachvollziehen. Das sechste Obergeschoss verfügt über eine attraktive offene Dachterrasse mit Restaurant, die Ausblicke zulässt und öffentlichen Freiraum anbietet.

Auch das Gebäude mit Kita und Wohnungen verfügt über öffentliche oder gemeinschaftliche Dachterrassen, die so zu einem Merkmal des Entwurfs werden. Die Kita ist gut und klar gegliedert, lediglich im Osten ergibt sich ein Belichtungsproblem.

Der Wohnungsbau zeichnet sich durch eine klar und schlüssig gegliederte Struktur aus.

Der Schallschutz zur Fritz-Erler-Straße ist durch eine Laubengangerschließung gut gelöst. Die nördlichen Eckwohnungen sind jedoch hinsichtlich des Schallschutzes als problematisch zu bewerten. Die Grundrisse der Wohnungen sind konsequent in Individual- und Wohnbereiche gegliedert und lassen ein attraktives Wohnen zu.

Die großzügige und formal stimmige Gestaltung der öffentlichen Platzflächen entspricht der Haltung des Gebäudes. Durch die vielfältigen Einschnitte in die Platzfläche, ihre Dimensionierung und Lage sind Nutzung und Aufenthaltsqualität eingeschränkt. Dies trifft insbesondere für die vorgesehene Marktnutzung zu. Im Kontrast dazu bietet der Tiefhof in seiner räumlichen Fassung und im Übergang zum Park mit Sitz- und Rasenstufen ein sehr angenehmes Angebot. Der Tiefhof ist des Weiteren nach Norden gut über eine Treppenanlage mit dem Hanns-Seidel-Platz verbunden. Eine schwebende Rampe von der Fußgängerbrücke hält den räumlichen Bezug zum Hanns-Seidel-Platz offen. Die nutzbaren Dachflächen stellen eine wertvolle Ergänzung des Freiflächenangebots dar.

Die Anbindung an die U-Bahn im Untergeschoss ist rationell und benötigt nur geringe Eingriffe.

Die gleichzeitige Bespielung der Festsäle erscheint hinsichtlich der Foyerflächen als zu beengt. Die Sonderthemen des Entwurfes wie Auskragung und Flugdach werfen statische Fragestellungen auf, die in der Arbeit nicht befriedigend gelöst werden, so zum Beispiel die Stützenabtragung im Festsaal. Die Grundrisse und die inneren Funktionen überzeugen nicht in allen Punkten.

Insgesamt ist die Einbindung des stark akzentuierten Baukörpers in die städtebauliche Gesamtsituation gut gelungen. Die große Geste überzeugt in alle drei Richtungen, zum Norden zum Busbahnhof, zum Süden ins Quartier und in Richtung Pep zum Marktplatz.

Die kulturellen und öffentlichen Nutzungen sowie die Wohnnutzungen werden über den öffentlichen Raum sinnvoll verknüpft. Der Entwurf schafft eine neue Identität für Neuperlach.“

Preisgerichtssitzung

5. Dezember 2013

Koordination

Böhm, Glaab, Sandler, Mittertrainer

Ansichten des Siegerentwurfs

Ansicht Thomas-Dehler-Straße, Visualisierung Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ansicht Thomas-Dehler-Straße, Visualisierung

Ansicht Tiefhof, Visualisierung Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ansicht Tiefhof, Visualisierung

Ansicht von Süden in Richtung Wohnbebauung, Visualisierung Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ansicht von Süden in Richtung Wohnbebauung, Visualisierung

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Stadtplanung

Blumenstraße 28b
80331 München

Fax:
089 233-24215