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Hotel-Erweiterung in der Hildegardstraße


Einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs

1. Preis

Nieto Sobejano Arquitectos, Madrid, mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin

3. Preis (Realisierung)

Hild und K. Architekten, München, mit Keller Damm Roser Landschaftsarchitekten Stadtplaner GmbH, München

Auslober

Wöhr + Bauer Projekt HTW GmbH & Co. KG

Weitere Preise

2. Preis
Klaus Theo Brenner, Stadtarchitektur, Berlin, mit Planungsgruppe Cassens + Siewert, Berlin

Details

Lage

Das Wettbewerbsgrundstück liegt im Stadtbezirk Altstadt-Lehel im kleinteiligen, dicht bebauten Graggenau-Viertel. Es wird begrenzt von der Neuturmstraße im Westen, der Hildegardstraße im Norden sowie der Hochbrückenstraße im Osten und Süden und liegt gegenüber dem Hotel Mandarin Oriental.

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Die Projektgesellschaft Wöhr + Bauer Projekt HTW GmbH & Co. KG hatte den Zuschlag im europaweiten, zweistufigen Vergabeverfahren des Kommunalreferats erhalten. Die Konzeption und Gestaltung des geplanten Erweiterungsbaus für das Hotel Mandarin Oriental sowie zusätzliche Wohn- und Geschäftsnutzung wurden im Rahmen des Vergabeverfahrens verbindlich geklärt und lagen dem Wettbewerbsentwurf zu Grunde. Aufgaben des Wettbewerbs waren die Überprüfung dieses Konzepts in schwierigen Einzelpunkten sowie seine architektonische Ausformulierung.

Würdigung des Preisgerichts für Nieto Sobejano mit Atelier Loidl

„Die städtebauliche Konzeption mit einem gut proportionierten schlanken Baukörper als Antwort auf den Turm des Mandarin Oriental, mit einem angenehmen Stadtraum an der Hochbrückenstraße und einer Eingangssituation im Bereich einer subtilen Brechung der Fassade in der Neuturmstraße kann überzeugen.

Auf die differenzierte Höhenentwicklung der Umgebung findet die Arbeit mit ihrer skulpturalen Ausformung stimmige Übergänge. Allerdings erscheinen gerade der südliche Abschluss deutlich zu hoch und der Abstand zur Bebauung an der Hockbrückenstraße nicht ausreichend. Dies korrespondiert mit der zu hohen Ausnutzung des Grundstückes.

Die jeweiligen Anpassungen des neuen Gebäudeensembles an die bestehenden Bauten führen nicht zu klar konturierten Baukörpern und folgen damit nicht den präzisen Vorstellungen der Auslobung. Besonders im Bereich der oberen Abschlüsse fehlt das Maß an Detaillierung um die tatsächliche Qualität für den städtischen Ort feststellen zu können.

Die Schichtung der verschiedenen Nutzungen ist schlüssig konzipiert; die Grundrisse für den Wohnungsbau und die Hotelerweiterung weisen eine hohe Funktionalität und gute Raumqualitäten auf. Die einheitlichen Fassaden mit einer Betonung der Horizontalen und umlaufenden, variabel angeordneten Natursteinelementen mit Metalljalousien lässt ein eigenständiges, qualitätsvolles Ambiente an diesem Ort entstehen, wenn auch hier der Einwand gelten darf, dass dieses dargestellte Fassadenbild eine gewisse Austauschbarkeit und Beliebigkeit prägt.

Der vielleicht auch an einen Barcode erinnernde Versatz der eigentlich ganz schön anmutenden einzelnen Bauteile transformiert die Spezifik des zentralen, innerstädtischen Münchner Stadtbildes auf keine überzeugende Weise.

Der Kontext zur historischen und zum Teil denkmalgeschützten Umgebung wird sehr kontrovers diskutiert, gerade auch im Hinblick auf die spezifische Weiterentwicklung der Altstadt. Das betrifft auch die Dachlandschaft, die fünfte Fassade. Eine Nutzung der freien Dächer als private Terrassen wurde kontrovers diskutiert und ist in diesem Kontext nur auf der Grundlage eines herausragenden Gesamtkonzeptes umsetzbar, das mit der historischen Umgebung korrespondiert.

Im Freiraum setzt der Entwurf auf die klare, dem Bauwerk folgende Definition der Verkehrszonen. Die räumliche Teilung des grünen Dreiecks im Süden in zwei horizontale Inseln verspricht eine dem Ort angemessene Nutzbarkeit. Der Verlust der Bestandsbäume vor der Schule widerspricht der Auslobung.

Insgesamt hat der Entwurf ein hohes Potenzial, eine gestalterisch anspruchsvolle und unverwechselbare Erweiterung des Mandarin Oriental zu werden. Gleichzeitig wird insbesondere vom Heimatpfleger die Auseinandersetzung mit den charakteristischen Elementen der Umgebung vermisst, unter anderem aufgrund der gläsernen Sockelausbildung, der starken Horizontalität der strukturellen, umlaufenden Fassadenkonzeption und der terrassierten Dachlandschaft.“

Würdigung des Preisgerichts für Hild und K, mit Keller Damm Roser

"Mit ihrer wohltuenden Zurückhaltung erweisen die Verfasser der kleinteilig differenzierten Münchner Innenstadt ihre Referenz. Durch ein geschicktes geometrisches Spiel der steil geneigten Mansarddächer und des polygonen Baukörpers ergeben sich an allen Blockecken unterschiedliche markante Giebel. Im Sinne eines, wie es die Verfasser formulieren, malerischen Städtebaus, bilden die Giebel, welche quasi in die jeweiligen Stadträume „schauen“, den wesentlichen Entwurfsansatz. Diese Entwurfsstrategie wird im Preisgericht kontrovers diskutiert. Erscheinen die beiden Giebelflächen eigentümlich geschrumpft und wie eine Applikation, ein zu offensichtliches Zitat vor viel mächtigeren Baumassen? Konsequenterweise werden die Fassaden in die klassischen Zonen, Sockel, Mittelbereich und Dach aufgeteilt.

Unter Bezugnahme auf Theodor Fischer werden die Fassaden mit geschlämmtem Mauerwerk vorgeschlagen. Wegen der dadurch erzielten Ungenauigkeit in der Oberfläche wird ein Einfügen in die Umgebung einerseits und die Möglichkeit der Differenzierung der beiden Häuser andererseits erreicht. Der vorgestellte Entwurfsansatz wird der besonderen denkmalpflegerischen Situation des Altstadtensembles gerecht. Dies gilt auch für den Umgang mit den Einzelbaudenkmälern.

Die Grundrisse sind klar strukturiert. Beim Wohngebäude an der Hochbrückenstraße stellt sich die Frage, ob die im zweiten Obergeschoss liegenden, einseitig in die enge Gasse orientierten, bis zu zehn Meter tiefen Wohnungen in dieser Form möglich sind. Gleiches gilt für die sehr großen rein nach Osten orientierten Wohnungen im fünften Obergeschoss des Hauptgebäudes. Die Setzung der Fenster auf den Längsfassaden erscheint logisch und konsequent aus dem Kontext und der gestellten Aufgabe entwickelt. Die Fassaden aller Giebel können jedoch nicht überzeugen. Die Setzung der dort positionierten Fenster, Balkone und Gauben lösen den besonderen städtebaulichen Anspruch der Giebel nicht ein.

Als Verbindung zum Altbau des Mandarin Oriental schlagen die Verfasser zwei Brücken vor, welche bewusst nicht gläsern formuliert werden. Dadurch kann der Mittelrisalit des Altbaus durch die Brückenintervention verschont bleiben. Gleichzeitig formulieren die Brücken einen städtischen Raum welcher die Hoteleingänge in Alt- und Neubau im Besonderen betont.

Die Detailausformulierung der Fassaden stellt einen hochwertigen, konsequent aus dem Entwurfsansatz entwickelten Beitrag dar. Die Verfasser stellen eine ruhige, ohne große Geste formulierende Arbeit zur Diskussion; ob diese jedoch dem Anspruch an ein international agierenden Hotelkonzern an dieser Stelle gerecht werden kann, wird in Frage gestellt.

Die Außenräume werden mit anspruchsvoller Selbstverständlichkeit in die Umgebung integriert, wobei eine Brunnenschale auf die Stadtgeschichte verweist und der Plattenbelag und Baumpflanzungen die Raumstruktur des öffentlichen Raums subtil stützt. Der positive Vorschlag einer verkehrsfreien Zone zwischen dem neuen Vorplatz der Passage und dem Spielplatz am südlichen Platz soll gewürdigt werden."

Empfehlung des Preisgerichts

„Der Auslober wird nach dem mit dieser Preisgerichtssitzung erfolgten Abschluss des Wettbewerbs das Team Nieto Sobejano / Atelier LOIDL um eine grundsätzliche Überarbeitung seines Entwurfs gemäß den Hinweisen aus der Preisgerichtsbeurteilung bitten. Nur mit einer sehr sorgfältigen Bearbeitung der dort genannten Kritikpunkte können voraussichtlich ausreichende Abwägungsgrundlagen für das Bebauungsplanverfahren geschaffen und damit eine Umsetzung des Entwurfskonzepts ermöglicht werden.“ Damit wurde das Verfahren entsprechend den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW) beendet.

Verfahrensstand

Der Auslober hat nach dem Wettbewerb den ersten Preisträger mit der Überarbeitung des prämierten Entwurfes auf Grundlage der Beurteilung des Preisgerichtes beauftragt.

Das im Wettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnete und überarbeitete Entwurfskonzept weichte aufgrund seines Entwurfsansatzes und seines Bauprogramms in wesentlichen Punkten wie Dachform und Fassadengestaltung von dem Rahmenprogramm für Bebauungen in diesem Altstadtumfeld ab.

Es stellte sich dadurch die Grundsatzfrage, ob dieser für diesen Standort entwickelte aber einen ausdrücklich zeitgemäßen Bau präferierende Entwurf mit seiner Realisierung in die Grundsätze der Entwicklung der Münchner Altstadt eingreift. Der Auslober hat sich daraufhin entschlossen, diesen Entwurf aufzugeben und aus der Preisgruppe die Arbeit des dritten Preisträgers für eine Realisierung weiterzuverfolgen.

Preisgerichtssitzung

31. März 2014

Koordination

bgsm Architekten Stadtplaner, München

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Stadtplanung - Planungsgruppe Bezirk Mitte (Stadtbezirk 1, 2 und 5)

Blumenstraße 28b
80331 München