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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Messestadt Riem: Schulcampus mit Sportpark


Nichtoffener Realisierungswettbewerb

1. Preis

h4a Gessert + Randecker Architekten, Stuttgart, mit Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart

Weitere Preise

2. Preis: Auer Weber, München, mit ver.de Landschaftsarchitektur, Freising

3. Preis: Lehmann Architekten, Offenburg, mit w+p Landschaften, Berlin

Ausloberin

Landeshauptstadt München, vertreten durch den Maßnahmeträger München-Riem GmbH

Details

Lage

Das Wettbewerbsgelände liegt im Münchner Osten im Stadtbezirk 15 Trudering-Riem, an der nordwestlichen Stadtkante des Stadtteils Messestadt Riem. Die Messestadt Riem mit rund 560 Hektar umfasst das Gelände des ehemaligen Flughafens München-Riem. Auf dem Wettbewerbsgelände sollte ursprünglich der zweite Teil des Technologieparks erstellt werden. Durch das Wettbewerbsareal verläuft in Ost-West-Richtung die Joseph-Wild-Straße, die gleichzeitig den westlichen Stadteileingang bildet.

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Die Zahl der Einwohner Münchens steigt und mit ihr auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler. Um dem wachsenden Bedarf an schulischer Bildung gerecht zu werden, investiert die Landeshauptstadt München in neue Schulbauten. Im Dezember 2015 hat der Stadtrat beschlossen, dass in der Messestadt Riem ein Schulcampus mit einer fünfzügigen Realschule und einem sechszügigen Gymnasium mit zwei Dreifachsporthallen, einem Schulschwimmbad, ein Stadtteilzentrum der Münchner Volkshochschule und ein Sportpark auf der ehemaligen Fläche des zweiten Teils des Technologieparks West errichtet werden soll. Die Planungen für den zweiten Teil des Technologieparks werden daher nicht weiterverfolgt. Das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs bildet die Grundlage für das erforderliche Bebauungsplanverfahren.

Würdigung des Preisgerichts (Auszug)

Die Verfasser teilen das Grundstück in einen nördlich gelegenen Ideenteil und den südlichen Schulcampus. Mit dem Vorschlag, nichtschulische Nutzungen über die ganze Länge an der Straße Am Hüllgraben anzuordnen, werden die Auslobungsvorgaben weit, aber in vertretbarem Maß ausgelegt. Der „Am Hüllgraben“ langgestreckte Baukörper schirmt das Grundstück auf einfache Weise von dem Lärm der Autobahn ab. Zwischen Gewerbe und Schule ist die Polizei- und Rettungswache situiert, die gemäß der Auslobung folgerichtig von der Paul-Wassermann-Straße erschlossen wird.

Der Schulcampus besetzt mit seiner orthogonalen geordneten Pavillonstruktur die städtebaulichen Kanten des Schulareals. Als Auftakt für die aus südöstlicher Richtung ankommenden Schüler befindet sich an der gegenüber dem Gewerbegebiet gelegenen Ecke ein wohlproportionierter Platz, der als einladende Geste von der Mensa begrenzt und belebt wird. Der Platz leitet selbstverständlich über in den offenen gemeinsamen Schulcampus, der sich zwischen den beiden Schulen aufspannt.

Das Erdgeschoss nimmt mit dem MINT-Bereich im Gymnasium und dem Kreativbereich in der Realschule die synergetischen Funktionen der beiden Schulen auf und ermöglicht so auf natürliche Weise einen selbstverständlichen Kontakt zwischen den Schülern. Leider öffnen sich die von Fachklassen umgebenen Kunst- und Experimentierhöfe nicht zu den Haupteingängen und dem Pausenhof. Von den Eingangsbereichen führen großzügige Treppen in die darüber liegenden Clusterhäuser, die sich fingerartig zum Pausenhof hin öffnen. Das geforderte Lernhauskonzept ist vollständig umgesetzt. Die integrierten Lichthöfe sind zu knapp bemessen und müssten zur Verbesserung der Belichtung und Belüftung vergrößert werden. Im ersten Obergeschoss verbindet ein schmaler Brückenbau geschickt die Schulen und beinhaltet die beiden Verwaltungen und Lehrerbereiche. So ist eine einfache Zusammenarbeit der Pädagogen möglich.

Die Mensa am öffentlichen Vorplatz mit dem zweigeschossigen Speisesaal als Versammlungsstätte kann unter Einbeziehung des davor liegenden Freibereiches für bürgerschaftliche Veranstaltungen genutzt werden. Der Eingang der Volkshochschule an der nordöstlichen Ecke des Schulgrundstücks erfüllt nicht die gewünschte leichte Auffindbarkeit von der nahe gelegenen U-Bahn.

Durch die großzügige Anordnung der Schwimm- und Sporthalle mit den externen Zugängen entlang der Planstraße im Osten verteilen sich die Zuschauer- und Sportlerströme. Die Situierung der Betriebsräume, die sich teilweise in der Unterführung und teilweise als eigenständiges Gebäude im Sportpark befinden, sind gut und ansprechend gelöst. Die Unterführung zum Sportpark ist schulseitig etwas knapp bemessen, öffnet sich jedoch zum Sportpark hin großzügig und schafft so eine angstfreie Zone.

Die Ost-West-Ausrichtung ist richtig gewählt. Der Schulhof sollte jedoch von den Proportionen im Vergleich zum Platzgefüge breiter sein. Wünschenswert wäre eine Verschiebung der Mensa nach Norden. Die Achse Plattenmeile sollte aus dem Straßenraum nach Westen verschoben werden. Der Schulgarten sollte vom großen Pausenhof abgesetzt werden. Die Freiraumkonzeption ist stimmig und richtig ausgerichtet. Die Linienführung ist aus dem Städtebau und der Landschaft abgeleitet.

Der Sportpark im Süden ist gut gelöst. Anordnung und Ausrichtung der Sportfelder entsprechen den Vorgaben. Die intensiv ausgeleuchteten Felder des Sportplatzes sollten sich jedoch zur Joseph-Wild-Straße orientieren. Die Situierung der Betriebsräume teilweise in der Unterführung und teilweise in einem eigenen Gebäude im Sportplatz ist sehr ansprechend und trägt zu einer eigenen Adressbildung bei. Die südlichen Gebäuderäume sollten aber in die Pavillonanlage integriert werden. Das südliche Oval muss mit dem nördlichen Platz im gestalterischen Zusammenhang gesehen werden.

Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr wertvollen Beitrag zu der gestellten Aufgabe dar und erfüllt auch hinsichtlich der Pädagogik durch die gute Verbindung der beiden Schulen die gewünschten Erwartungen.

Durch die Anordnung der Baukörper auf dem Gelände rückt das Gebäude der Mensa und Volkshochschule an das bestehende Gewerbe östlich der Paul-Wassermann-Straße. Dieses Gewerbe ist mit Bebauungsplan 1728d T1 emissionskontingentiert. Der Schutz vor Verkehrslärm ist auch - solange das nördliche Gewerbe nicht abschirmend vorhanden wäre - durch baulichen Schallschutz, zum Beispiel eine Verglasung des umlaufenden Balkons, möglich. Dies betrifft Teile des Erdgeschosses sowie die Westseiten der westlichen Lernhäuser.

Die kompakte Bauform und gewählte Materialität lassen eine wirtschaftliche Bauweise erwarten und liegen auch hinsichtlich der Flächenwerte im Durchschnitt. Die Sporthallen und die Schwimmhalle werden überbaut. Hieraus resultiert eine deutlich größere Belastung des Deckentragwerkes der Hallen. Die Fassaden sind angenehm zurückhaltend und wirken durch die Rhythmisierung der Fluchtbalkone ansprechend und aufgelockert. Das Erdgeschoss bindet als durchgehender Sockel die Clusterhäuser zusammen und sorgt so für eine wohlproportionierte Höhenentwicklung.

Empfehlung des Preisgerichts (Auszug)

Das Preisgericht empfiehlt einstimmig, unter Berücksichtigung der schriftlichen Beurteilungen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit der Realisierung zugrunde zu legen.

Preisgerichtssitzung

18. und 19. Mai 2017

Koordination und Wettbewerbsbetreuung

HOE architects, München

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Stadtplanung - Planungsgruppe Bezirk Ost (Stadtbezirk 14 und 15)

Blumenstraße 28b
80331 München