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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Strafjustizzentrum an der Dachauer Straße


Beschränkter Realisierungswettbewerb

1. Preis: Frick Krüger Nusser Plan2, München, mit el.ch Christian Henke, München
2. Preis: Henn Architekten, München
3. Preis: Schulz & Schulz Architekten, Leipzig
4. Preis: Baumschlager Eberle Lochau, Lochau
5. Preis: agn Niederberghaus & Partner GmbH, Ibbenbüren

Anerkennungen
Hascher Jehle Planungsgesellschaft, Berlin
Ingenhoven Architects, Düsseldorf
Ortner & Ortner Baukunst, Berlin

Auslober: Freistaat Bayern, Staatliches Bauamt München 1, in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München

Details

Lage

Das Wettbewerbsgebiet liegt im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg an der Dachauer Straße, Ecke Schwere-Reiter-Straße.

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Seit 1977 hat das Münchner Strafjustizzentrum seinen Standort in der Nymphenburger Straße, Nähe Stiglmaierplatz. Zusätzliche Flächen sind im Innenstadtbereich angemietet. Das stark sanierungsbedürftige Gebäude an der Nymphenburger Straße, das auch nicht mehr den aktuellen energetischen Anforderungen entspricht, soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Der Freistaat Bayern beabsichtigt, den Neubau des Strafjustizzentrums auf dem Grundstück am Leonrodplatz in München zu errichten. Ziel des Wettbewerbs war es, realisierbare Lösungen für die künftige Bebauung zu erhalten. Der Auslober erwartete sich ein städtebaulich, architektonisch und wirtschaftlich schlüssiges und überzeugendes Konzept, das einen funktionalen Gerichts- und Justizbetrieb gewährleistet. Das Gebäude mit einer Nutzfläche von zirka 35.700 Quadratmetern soll die besonderen Anforderungen eines Gerichtsgebäudes erfüllen und gleichzeitig bürger- und benutzerfreundlich sowie barrierefrei geplant sein.

Würdigung des Preisgerichts (Auszug)

„Der knappe und funktionale Baukörper reagiert sensibel auf die unterschiedlichen Seiten des Grundstücks: im Norden eine leichte Erhöhung an der Dachauer Straße und ebenso am Rosa-Luxemburg-Platz sowie eine deutlichere Erhöhung auf sieben Geschosse. Für das Hauptgebäude und den Eingang am Leonrodplatz: ein adäquater Auftakt der Strafjustiz und eine gute Fassung des Platzbereichs. Die Beschränkung der Gebäudemasse auf nur einen Baukörper auf zirka zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Areals ist funktional, dicht und ökonomisch. Das nicht gebrauchte Grundstück ist gut geschnitten und lässt Raum für weitere Nutzungen, deren zügige Ergänzung wünschenswert wäre.

Der knapp bemessene Eingangsbereich ist hell und freundlich gestaltet; der Blick öffnet sich zum großen und begrünten Innenhof. Die seitlich anschließenden, großzügigen Erschließungswege sind über drei Geschosse geplant und lassen hohe Raum- und Aufenthaltsqualitäten erwarten. Die Saalbereiche auf diesen Ebenen sind gut geplant und belichtet, mit weitem Blick in den grünen Innenbereich. Alle Bereiche zum Leonrodplatz, zur Dachauer Straße und zum Übergang zum Rosa-Luxemburg-Platz sind mit öffentlichen Nutzungen belegt, die den Stadtraum beleben können.

Die Funktionen im Inneren sind klar gegliedert und gestaltet. Die Wege sind kurz, die Funktionsbezüge einfach und direkt. Leider gibt es nur wenige Angebote für eine Auflockerung der ansonsten wenig attraktiven zweibündigen Bürobereiche. Die drei großen Innenhöfe bieten ein hohes Potenzial für Belichtung und Begrünung.

Die Fassaden sind recht dominant und wenig ausgeformt mit sehr großflächigen Fenstern mit Baubronzerahmen / -feldern und Weißbetonstützen und Deckenplatten ausgebildet, der Glasflächenanteil der raumhohen Verglasung ist sehr hoch. Den Proportionen geschuldet ist die dreigeschossige Erschließung der Foyerbereiche, vor den Sälen auf der oberen Ebene leider mit einer Büroraumfassade umhüllt. Die verstellbaren Lamellen vor den Sälen im Innenbereich beschreiben angemessen die besondere Nutzung. Die „Loggia“ zum Platz scheint der Bauaufgabe wenig angemessen.

Die Zufahrt zur Tiefgarage ist etwas nahe an der Wohnbebauung angeordnet. Die Gefangenenzuführung funktioniert gut und einfach. Die glatte Gebäudeausbildung wird sicherheitstechnisch positiv gewertet. Es fehlen 400 Quadratmeter Nutzfläche, überwiegend im Bereich der Staatsanwaltschaft I. Die Ausbildung des zweiten Bauabschnittes ist problematisch.

Die sehr niedrigen Flächenwerte, die einfache und wenig aufwändige Konstruktion, der kompakte Baukörper und die relativ wenig aufwändige Fassade lassen eine wirtschaftliche Erstellung und Betrieb erwarten. Die einfache Gebäudegeometrie und weitgehend stringente Stockwerksstapelung sind baukonstruktiv einfach umzusetzen.

Insgesamt kann das kompakte Konzept mit seiner klaren Haltung im Inneren wie im Äußeren sowohl städtebaulich als auch funktional überzeugen. Urban, kompakt, grün – so könnte ein modernes Justizzentrum am Leonrodplatz aussehen.

Das vorgeschlagene Technikkonzept erfüllt im Wesentlichen die Anforderungen. Die notwendigen Technikflächen sind deutlich untererfüllt, in Größe und Höhe. Die Fassaden entsprechen dem Passivhausstandard nicht; dies erscheint allerdings entwicklungsfähig.“

Empfehlung des Preisgerichts

„Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf ist in der weiteren Bearbeitung unter Würdigung der Kritikpunkte aus dem Preisgerichtsprotokoll in einem Bauabschnitt zu verwirklichen“.

Preisgerichtssitzung

25. und 26. April 2013

Koordination

Felix + Jonas Architekten BDA Stadtplaner