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Diversität


Symbolbild: Diversität in der Stadtentwicklung  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Gleichstellung in der Stadtentwicklung

Mit der Frauenbewegung und dem Ruf nach Gleichberechtigung kam auch die Forderung nach einer gendergerechten Planung auf - auch in München. Die Bedarfe der Frauen sollten in jeder Stufe der Stadtentwicklung berücksichtigt werden und wurde durch den Begriff "Gender Mainstreaming" geprägt. Heute hingegen spricht man von "Diversität".

Eine Begriffserklärung

Gender Mainstreaming

Darunter ist die Gleichstellung der Geschlechter zu verstehen. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen sollen die Interessen von Frauen, Männern und Transgendern gleich behandelt werden. Ihre unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebenssituationen müssen berücksichtigt werden.

Genderplanung

In allen Phasen der räumlichen Planung – von der Grundanalyse, der Konzeption und bei Wettbewerbsverfahren – bis zur planerischen und baulichen Entwicklung – also Flächennutzungs-, Bebauungs- und Genehmigungsplanung – soll der Gender-Aspekt mit einfließen. Es ist deshalb wichtig, sich mit der Lebenssituation von Frauen und Männern, ihren Bedürfnissen und Anforderungen gleichermaßen auseinanderzusetzen, damit schon von Beginn an eine gleichberechtigte Teilhabe aller möglich ist.

Diversität

Der Begriff "Diversität" kommt aus der Soziologie. Während "Gender Mainstreaming" sich auf das Geschlecht bezieht und die Gleichstellung von Frauen, Männern und Transgendern anstrebt, möchte Diversität eine Gleichbehandlung bezogen auf Alter, Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierungen, Behinderungen und Beeinträchtigungen. Seinen Ursprung hat der Begriff in der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Ende der 1990er Jahre wird Diversität im europäischen Raum verwendet. Seit 2006 fließt die Diversität in die Gesetzgebung ein: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, möchte Benachteiligung, unter anderem aufgrund des Geschlechts, der Herkunft und der Religion verhindern und die Personen rechtlich schützen.

Ein buntes, vielfältiges München

Heute zeigt sich der Gender- und Diversitätsgedanke in der Vielfalt einer Gesellschaft. Die Bedürfnisse, die sich zum Beispiel aus den unterschiedlichen Geschlechtern ergeben, werden in allen gesellschaftlichen Prozessen - auch in der Stadtentwicklung und Stadtplanung - berücksichtigt. Geschlechterrollen unterliegen aber auch einem gesellschaftlichen Wandel. Deshalb ist die Genderplanung als kontinuierlicher Prozess zu verstehen. Stereotype von Mann und Frau müssen überwunden werden. Weitere Faktoren, wie soziale Herkunft, Religion und Bildung müssen mit einfließen, um ein vielfältiges, gleichberechtigtes München für alle zu schaffen.

Umsetzung in der Stadtentwicklung

Der Gender- und Diversitätsaspekt fließt bei der Stadtentwicklung in unterschiedlichen Ebenen ein: Freiraum, Erreichbarkeit, Wohnen, Mobilität und Sicherheit. Bei allen Planungsprozessen sollen die Gleichberechtigung und die gleichberechtigte Teilhabe mit einfließen.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse, die sich aus dem Geschlecht, aber auch aus den verschiedenen Rollen in der Gesellschaft ergeben, sowie durch die soziodemographischen Faktoren wie Alter und Bildung entstehen, sollen hier berücksichtigt werden: in der Flächennutzungsplanung, in der Bebauungsplanung und Stadtsanierung und in der Baugenehmigung.

Das Stadtentwicklungskonzept Perspektive München orientiert sich ebenfalls an den Bedürfnissen gesellschaftlicher Gruppen, sie unterliegt einer konstanten Beobachtung und wird bei Bedarf fortgeschrieben.

Ausgewählte Beispiele einer gendergerechten, vielfältigen Planung

Sicherheit im öffentlichen Raum

  • belebte Gebäudeteile, wie Hauseingang, Richtung Straße bauen
  • Sichtbarrieren, wie hohe Pflanzen, vermeiden
  • Hauptradwege nicht durch unbelebte Quartiere, wie Parks und Industriegebiete, leiten

Freiräume

  • Sitzgelegenheiten als Treffpunkt schaffen
  • Spielplätze für Kleinkinder in Nähe der Wohnung (in Rufnähe) errichten

Wohnen

  • Mischung verschiedener Wohnungsgrößen und Wohnformen fördern
  • Gemeinschaftsräume (zum Beispiel Gästewohnungen oder Partyraum) einplanen
  • Flächen für Fahrräder und Kinderwagen schaffen
  • Flächen für den Austausch mit den Nachbarinnen und Nachbarn ermöglichen

Mobilität

  • sichere, attraktive Wegenetze für Fußgängerinnen und Fußgänger, Radfahrerinnen und Radfahrer bereithalten und ausbauen
  • Kurze Wege zum Supermarkt, zu Grünflächen oder Sportanlagen realisieren
  • Car-Sharing-Angebote im Viertel bereitstellen

Hintergrund

Durch die Frauenbewegung in den 1970er Jahren wurde auch in München die Stadtentwicklung kritisch begutachtet. Werden die Bedürfnisse der Frauen berücksichtigt und fließen diese in die Planung mit ein?

Planerinnen, Forscherinnen, Kommunalpolitikerinnen und Gleichstellungsbeauftragte haben sich – zum Teil gemeinsam – mit den Bedürfnissen von Frauen in der Stadt, im öffentlichen Raum und in der Stadtentwicklung und -planung auseinandergesetzt.

1985: Gleichstellungsstelle in München geschaffen

1985 wurde in der Landeshauptstadt die Gleichstellungsstelle für Frauen geschaffen. Diese verfolgt das Ziel, dass frauenspezifische Belange nicht isoliert behandelt werden sollen, sondern in allen Politikfeldern der Stadt zum Tragen kommen.

Ein Jahr später wird in München ein Arbeitskreis aus Planerinnen gegründet. Dieser vertritt die Interessen und Bedürfnisse von Frauen auf allen Ebenen der Stadtentwicklung. Es sollten konkrete Maßnahmen geschaffen werden, damit alle gleichberechtigt am Leben und Wohnen beteiligt sind.

Die Belange der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter sollen in allen Bereichen der Stadtentwicklung berücksichtigt werden - und das schon vor dem ersten Planungsschritt. Allerdings werden nicht nur die Geschlechter und Transgender betrachtet, sondern die Diversität als eine kulturelle Vielfalt soll die zukünftigen Planungen beeinflussen. Zahlreiche Faktoren - neben dem Geschlecht auch Bildung, Herkunft, Hautfarbe oder Behinderung - sollen in den Planungsprozess einfließen.