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Rückblick


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Rückblick: Das war die Perspektiven-Werkstätte

Perspektiven-Werkstätten

Was wünschen sich die Münchnerinnen und Münchner von ihrer Stadt von morgen? Wie kann München eine lebenswerte Stadt bleiben, auch wenn es enger und voller wird? Wie wollen wir uns in Zukunft umweltfreundlich und entspannt fortbewegen?

Diese Fragen und noch viel mehr diskutierten jeweils knapp 100 Bürgerinnen und Bürger bei einer der beiden Perspektiven-Werkstätten am 11. beziehungsweise 18. Mai 2019. Diese fanden in den Räumen der Münchner Volkshochschule in der Einsteinstraße 28 statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich zum Teil direkt angemeldet, wurden zufällig aus dem Einwohnermelderegister gezogen oder wurden als Expertinnen und Experten eingeladen. Dadurch wurde eine „bunte Mischung“ erreicht, um unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen zu erhalten.

Jeweils am Vormittag haben sich die Teilnehmenden gemeinsam damit beschäftigt, welche Zukunftsfragen für sie bedeutend sind. Als die beiden größten Herausforderungen wurden die Themen Wohnen in Verbindung mit hohen Mieten und Wohnungsknappheit sowie Mobilität angesehen. Anschließend wurden diese Themen in kleineren Gruppen intensiver diskutiert. Es zeigte sich, dass sich die Bürgerinnen und Bürger der Konflikte in München bewusst sind. Auch konnten sie sich schon konkrete Maßnahmen zur Lösung dieser Probleme vorstellen. Zum Schluss der Workshops stellte jede Gruppe ihre Zukunftsvorstellung für München allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor.

Diese fließen in den weiteren Prozess zur Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes Perspektive München ein. Die genauen Maßnahmen und konkreten Inhalte werden in einer Dokumentation veröffentlicht, die Sie in Kürze hier finden.

Auftakt: Fortschreibung der Perspektive München

Die Veranstaltung „Für München“ am 26. Februar 2019 im Literaturhaus war ein voller Erfolg und komplett ausgebucht. Im Zentrum des Abends stand die Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen der Stadtentwicklung. Die Veranstaltung war der Auftakt eines längeren Prozess zur Überarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes Perspektive München.

In vier Blitzlichtern wurde über die Herausforderungen für München in den Bereichen Mobilität, Digitalisierung, sozialer Zusammenhalt und Siedlungsentwicklung diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die Perspektive München weiterentwickelt werden muss, um als Stadtentwicklungskonzept weiter zur Lösung der zukünftigen Herausforderungen beitragen zu können. Zentral bei der Fortschreibung ist der Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Landeshauptstadt.

Begrüßung

Stadtbaurätin Elisabeth Merk
In ihrer Begrüßung machte Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk deutlich, dass die Perspektive München als strategisches Stadtentwicklungskonzept einer dynamischen Weiterentwicklung bedarf. Neue Themen kommen hinzu, aber auch „alte“ Themen müssen im Blick behalten werden. Kernstück der Perspektive München ist dabei der Gedanke einer „Stadt im Gleichgewicht“ – heute würde man es Nachhaltigkeit nennen. Damit die Fortschreibung gelingen kann, braucht es einen Dialog zwischen Kommune und Bürgerinnen und Bürgern.

Stadträtin Heide Rieke
Im Anschluss betonte Stadträtin Frau Heide Rieke die Bedeutsamkeit der Perspektive München und deren Aufgaben, sowie die Orientierung am Gemeinwohl und die Schaffung positiver Zukunftsbilder mit Blick auf die Gestaltung des Wachstums in München. Sie wählte den Begriff „Mut“ als einen Leitbegriff für den Prozess der Stadtentwicklung.

Arne Lorz, Abteilungsleitung Stadtentwicklungsplanung
Bevölkerungswachstum, Mobilität, Wohnraumknappheit, Klimawandel, Gestaltung der Siedlungs- und Freiräume, Digitalisierung und gesellschaftliche Teilhabe stellen die zentralen Herausforderungen für München dar, so Arne Lorz, Leiter der Stadtentwicklungsplanung im Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Stadt und Stadtgesellschaft müssen sich diesen jetzt und in Zukunft stellen. Er betonte dabei die Schlüsselrolle der integrierten Stadtentwicklungsplanung und damit der Perspektive München für die Lösung dieser Probleme. Sie fördert eine kooperative Verwaltungs- und Planungskultur, dient als Plattform für den Diskurs über die Werte, Leitbilder, Ziele und Strategien mit verschiedenen Beteiligten sowie als Grundlage für die Verankerung strategischer Ziele auf der Umsetzungsebene. Besonders hob Arne Lorz die Relevanz der Bürgerbeteiligung hervor, um die Herausforderungen der Landeshauptstadt gemeinsam bewältigen zu können.

Anschließend wurden die vorherig genannten Themen der Perspektive München in vier jeweils 20-minütigen Blitzlichtern mit geladenen Gästen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung diskutiert. Es moderierte Prof. Dr. Alain Thierstein.

Impressionen

Stadtbaurätin Merk eröffnet die Auftaktveranstaltung (26. Februar 2019) Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtbaurätin Merk eröffnet die Auftaktveranstaltung

Auftaktveranstaltung der Fortschreibung der Perspektive (26. Februar 2019) Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Publikum im Literaturhaus

Bildhafte Live-Visualisierung dank Graphic Recording Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Die Veranstaltung wurde live visualisiert

Symbolfoto: Alternativer Verkehr in München und Region  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Graphik Recording, Isabelle Dinter

Blitzlicht I: Mobilität in Stadt und Region

Die Mobilität der Zukunft stellt für die Landeshauptstadt eine der größten Herausforderungen dar. Georg Dunkel, Leiter der Abteilung für Verkehrsplanung im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, betonte, dass das heutige Mobilitätsverhalten nicht fortgeführt werden kann. Dies hat auch der Münchner Stadtrat erkannt und sich zu einer Verkehrswende entschlossen. Im Gegensatz zu großen Infrastrukturbauten können Maßnahmen im Rad- und Busverkehr zeitnah umgesetzt werden, was jedoch die Umverteilung von Verkehrsflächen zu Lasten des Autoverkehrs bedeutet.

Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer des Münchner Verkehrsverbundes (MVV), wies auf die bedeutende Aufgabe der Organisation des Verkehrssystems, insbesondere des öffentlichen Personalverkehrs, in der ganzen Region hin. Nur so kann der Anteil des Autos beim Pendlerverkehr reduziert werden. Die Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere der Bau der zweiten Stammstrecke und der Regionalzuganbindungen stellen Hauptaufgaben der Verkehrswende dar. Dazu kommen Tangentiallinien für Busse. Weiterhin wies er darauf hin, dass in den nächsten Monaten beziehungsweise bis Ende des Jahres ein vereinfachtes Verkaufs- und Tarifsystem eingeführt wird, sowie in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Verbunderweiterung des MVV geplant ist.

Prof. Dr. Gebhard Wulfhorst (Technische Universität München) wies auf die Bedeutung von integrierten Siedlungs- und Verkehrskonzepten hin, die durch die Integration der individuellen, privatwirtschaftlichen und öffentlichen Interessen, gleichermaßen und aufeinander abgestimmt berücksichtigen sollten. Dazu gehören auch neue Methoden, um Grundstückmehrwerte abschöpfen und für Investitionen in die notwendige Infrastruktur nutzen zu können. Darüber hinaus müssen für eine echte Verkehrswende auch Wohnungsbau und Mobilitätsangebote besser miteinander verknüpft werden. Auf diese Weise kann auch die pro Wohnung notwendige Zahl an Parkplätzen für Autos reduziert werden.

Blitzlicht II: Digitale Transformation

Der Leiter des IT-Referats, Thomas Bönig erläuterte, dass ein Wandel hin zu einer digitalen Stadtgesellschaft stattfinde und eine Reaktion auf diese Veränderung unverzichtbar sei. Das IT-Referat hat die Vision 2025 definiert, welche auf der Errichtung der „Digitalen Metropole München“ basiert. Erforderlich für die Bewältigung der digitalen Transformation ist der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, um Lösungen für Fragen, wie beispielsweise der digitalen Inklusion zu finden.

Wie die Möglichkeiten der digitalen Transformation genutzt werden können, um einen vereinfachten Datenaustausch zwischen den Referaten und Abteilungen der Stadtverwaltung zu ermöglichen, wurde von Andreas Hubel vom Chaos Computer Club dargelegt. Er wies darauf hin, dass private Daten geschützt, öffentliche Daten jedoch für die Gesellschaft in Form von dezentralen Plattformen von der Stadt zur Verfügung gestellt werden sollten.

Die wichtigsten Aufgaben der Landeshauptstadt in Bezug auf die digitale Transformation bestehen nach Dr. Rahild Neuburger (Ludwig-Maximilians-Universität München) in einer digitalen Inklusion aller Bürgerinnen und Bürger und im Abbau von deren Ängsten sowie der Nutzung der Potenziale der Digitalisierung um Problematiken der Landeshauptstadt zu lösen. Als Beispiele für das Potential der Digitalisierung zur Lösung von Problemen, wies Neuburger auf die Vernetzung der Bereiche Mobilität, Gesundheit und Energie hin. Hier können digitale Technologien auch zu einer Ressourcenschonung beitragen.

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© graphische-visualisierung.de

Blitzlicht III: Gerechtigkeit, sozialer Zusammenhalt und Integration

Das anhaltende Bevölkerungswachstum und die daraus resultierende Flächenknappheit verbunden mit den steigenden Mietpreisen stellt für München eine große soziale Herausforderung dar, so Dorothee Schiwy, Leiterin des Sozialreferates. Dennoch bekräftigte sie, dass in München mit einer breiten Mittelschicht von 74 Prozent die Einkommensungleichheit nicht angestiegen sei. Sie erläuterte, dass Lösungsansätze für die Wohnungsproblematik frühzeitig im Dialog mit der Bevölkerung ermittelt werden müssen, um die Akzeptanz der Projekte zu steigern.

Die Initiativgruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V., in dessen Vorstand Lourdes Ros de Andrés tätig ist, beschäftigt sich mit den Fragen der Integration in allen Lebensbereichen. Sie betonte die Vielfältigkeit der Integration, welche nicht auf den Zugang zu Arbeit und die Sprache reduziert werden kann. Sie wies auch auf die vorbildliche Rolle der Landeshauptstadt München im Bereich der Integration hin. Dennoch betonte sie den Wunsch einer stärkeren Kooperation der Landeshauptstadt mit dem Freistaat und dem Kultusministerium, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Blitzlicht IV: Lebensqualität in der dichten Stadt

Die mit dem Bevölkerungswachstum verbundene Notwendigkeit einer höheren Dichte in der Stadt wirft die Frage des Erhalts der Lebensqualität auf. Birgitte Svarre von Gehl Architects hob die Notwendigkeit einer Priorisierung der Flächennutzung hervor. Als Beispiel führte sie Kopenhagen an, wo Fuß- und Radverkehr Vorrang gegenüber dem motorisierten Individualverkehrs haben. In Bezug auf die Grenzen der Nachverdichtung erläuterte sie die Wichtigkeit der Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen.

Die Geschäftsführerin der Mitbauzentrale München, Nathalie Schaller, erläuterte die Problematik der hohen Mietpreise, welche durch die alternative Nutzung von Wohnungen als Geldanlagen ausgelöst wird und die Notwendigkeit der Transparenz der Wohnungspreise in der Landeshauptstadt. Sie machte auch deutlich, dass Wohnprojekte in Gemeinschaftseigentum eine stabilisierende Wirkung auf den Wohnungsmarkt ausüben. Eine höhere Bebauungsdichte schafft zwar mehr Wohnraum, stellt jedoch per se keine Lösung der Mietpreisproblematik dar. Ihr zufolge sollte die Stadt den konzeptionellen Mietwohnungsbau und die Sozialgerechte Bodennutzung (SoBoN) nutzen um noch mehr Einfluss auf Preisentwicklung und Marktentkopplung zu nehmen.

Auf die Frage, wie für die prognostizierte Bevölkerungszunahme neuer Wohnraum geschaffen wird, wies Torsten Brune, Leiter der Abteilung Räumliche Entwicklungsplanung und Flächennutzungsplanung auf die Strategien der Langfristigen Siedlungsentwicklung hin, wozu Nachverdichtungen, Umstrukturierungen und Stadtrandbebauungen gehören. Eine besondere Herausforderungen in München ist jedoch die Flächenknappheit. Es gibt Konkurrenzen auf dem Markt und es muss diskutiert werden, für was die Flächen genutzt werden sollen: für Wohnen, Grün, Verkehr, Gewerbe, Gemeinbedarfsflächen, wie Schulen, Kitas, kulturelle Einrichtungen und so weiter.

Das in dem Blitzlicht aufgekommene Motto der drei „Ms“ der Stadtentwicklungsplanung wurde vom Moderator Thierstein zusammengefasst:

  • "Die Stadtplanung muss mutig sein und Prioritäten setzen.
  • Alle müssen sich Mühe geben, eine gerechte Stadt für alle zu planen.
  • Interventionen müssen langsam und behutsam eingeführt („einmassiert“) werden."

Abschluss und Fazit

Zum Abschluss des Abends betonte Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk, dass die Gesamtheit dieser Themen in die konkreten Stadtquartiere übertragen werden muss. Das ist auch die Ebene, auf der Bürgerinnen und Bürger am besten mitbestimmen und Demokratie ausüben können. Sie unterstrich die Notwendigkeit der Stadtentwicklungsplanung, sich mit den Emotionen der Stadtgesellschaft auseinanderzusetzen und Ängste zu überwinden.

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Bereich Soziale Grundsatzfragen, Infrastruktur und PERSPEKTIVE MÜNCHEN

Blumenstraße 31
80331 München