zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Befragung in Haar und Neubiberg: Die ersten Ergebnisse


Sitzgruppe am Piusplatz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Ein glückliches Leben im selbstbestimmten Wandel

Wohnung oder Haus, einst Sinnbild eines erfolgreichen und guten Lebens, sind im Alter oft eine emotionale oder finanzielle Belastung. Viele Wohnungen werden zu groß, wenn die Kinder ausgezogen sind, und nicht intensiv genutzt. Für die Stadtviertel hingegen ist dies ein Verlust an sozialem und ökologischem Potential.

Angemessene Nutzung von Wohnraum bedeutet Lebensqualität, sei es durch den Erhalt von Angeboten oder durch den sozialen Kontakt. Wie können diese Menschen dazu bewogen werden, Platz zu schaffen für diejenigen, die mehr Raum benötigen?

Ein Ziel von ASTUS ist es, für das Thema alternative Wohnformen und intensivere Wohnraumnutzung zu sensibilisieren, aber auch die Motive zu fördern, damit diese Menschen umziehen. Doch was sind die Gründe, warum es älteren Menschen schwer fällt, die große Wohnung zu räumen? Für das ASTUS-Projekt konnten zwei Verhaltenspsychologen gewonnen werden, die Erfahrung zur Problematik rationaler Entscheidungen haben. Ihre These: Verhalten ist nicht immer durch die Vernunft gesteuert, sondern viele Faktoren, die oft unbewusst sind, beeinflussen es. Mit verhaltenswissenschaftlichen Untersuchungen vor Ort haben sich die Psychologen im Auftrag von ASTUS der Frage angenähert, wie Bewohnerinnen und Bewohner motiviert werden können, den Wohnraum intensiver zu nutzen. In Haar und Neubiberg führten sie schriftliche Befragungen und persönliche Interviews durch, welche die verschiedenen Möglichkeiten der intensiveren Wohnraumnutzung aufzeigen.

Als allgemeine Ergebnisse lassen sich zusammenfassen:

  • Wohnentscheidungen sind außerordentlich emotional. Starke rationale oder finanzielle Argumente erzeugen viel Gegenwehr.
  • Kinder spielen eine zentrale Rolle. Unterstützen sie ihre Eltern, werden Veränderungen durchaus positiv gesehen.
  • Erhalt von Freiheit und bedeutsame Beziehungen sind Schlüssel, um Veränderungen anzustoßen.
  • Besser früh anfangen, darüber nachzudenken. Veränderungen der Wohnsituation sollten rechtzeitig eingeleitet werden, am besten schon vor dem 60. Lebensjahr und nicht erst, wenn es nicht mehr unverändert weitergeht.

Beispiele für intensive Wohnnutzung

Bei der Befragung wurden konkrete Beispiele der intensiven Wohnraumnutzung genannt. Diese lassen sich unter den Überschriften „Gemeinsam wohnen“, „Umzug oder Wohnungstausch“ und „Umbau von Häusern“ zusammenfassen.

Gemeinsam wohnen

Hier ist generell eine relativ hohe Beteiligungsbereitschaft erkennbar. Verschiedenste Modelle der Untermiete sind möglich:

  • Verwandte oder Bekannte aufnehmen
  • Studenten und Auszubildende aufnehmen
  • Wochenend-Heimfahrerinnen und -fahrer aufnehmen
  • zeitlich begrenzte Untermietverhältnisse, zum Beispiel mit einem Sprachschüler oder einer Sprachschülerin

Beispiel aus der Befragung:

Eine 82-jährige Witwe aus der Maxvorstadt hat ihre Zimmer suchende, an der TU München studierende Enkelin aufgenommen. Sie hat dazu ihre große, zuvor untergenutzte Wohnung umgestaltet, um sich auch mal aus dem Weg gehen zu können. Beide sind von der jetzigen Situation begeistert.

Das Konzept „Wohnen gegen Hilfe“ spielt derzeit noch keine große Rolle. Ein Grund dafür könnte sein, dass ältere Personen als Zielgruppe angesprochen werden. Diese sind allerdings deutlich weniger vom Gewinn an Freiheit überzeugt als jüngere.

Umzug oder Wohnungstausch

Diese Option erfreut sich relativ großer Beliebtheit unter allen Altersgruppen. Umzug oder Wohnungstausch sollte jedoch im Viertel, besser im gleichen Gebäude oder Wohnblock, stattfinden. Die Wohnbaugenossenschaft WOGENO hat dies bereits mehrfach erfolgreich durchgeführt, einmal sogar einen Ringtausch mit drei Parteien. Der Befürchtung, die neue kleinere Wohnung sei teurer als die alte größere, begegnet die WOGENO mit gleichbleibender Quadratmetermiete. Das ist auf dem freien Markt so nicht möglich und begrenzt den Wohnungstausch stark.

Beispiel aus der Befragung:

Ein noch im Berufsleben stehendes Ehepaar hat sein Haus im Umland, an dem die Erben nicht interessiert waren, gegen eine kleinere Wohnung in Schwabing getauscht. Sie sagen, der Gewinn an Lebensqualität sei erstaunlich („mehr Freiheitsgrade“), da sie nicht mehr viel Zeit in den Erhalt ihrer Immobilie investieren müssten: „Samstags im Café denke ich immer, früher brächte ich jetzt Gartenabfälle zum Wertstoffhof“, so die Aussage des Befragten. Die Veränderung der Wohnsituation habe ihnen das gute Leben nach Auszug der Kinder zurückgebracht.

Beispiel aus der Befragung:

Ein noch sehr rüstiges Ehepaar in den Endsechzigern zieht von seiner sehr großen Eigentumsdachgeschosswohnung ohne Lift in eine kleinere Mietwohnung im ersten Stock des gleichen Hauses. Die Kinder sind längst ausgezogen, die Dachwohnung eigentlich schon lange zu groß und wird irgendwann beschwerlich. Die Suche nach einer kleineren Wohnung im selben Haus haben sie bereits vor einigen Jahren begonnen, also rechtzeitig.

Umbau von Häusern

Der Umbau älterer Häuser, in denen nach Auszug der Kinder nur ein älteres Ehepaar oder eine Person lebt, bietet die Möglichkeit für eine energetische Sanierung und Barrierefreiheit. Die Motivation zum Umbau kann durch das dann längere Verbleiben in der eigenen Immobilie als Alternative zum Altersheim gestärkt werden. Mitwohnen beziehungsweise Wohnen gegen Hilfe unterstützen dies, vor allem wenn die ursprünglichen Bewohnerinnen und Bewohner sich künftig auf das Erdgeschoss beschränken.

Auch hier gilt es, Veränderungen rechtzeitig zu planen. Ältere Menschen sehen sich oft nicht mehr dazu im Stande. Staatliche Fördermittel für eine energetische Haussanierung sind gut, aber meist nicht entscheidend.

Informationen zum energieeffizienten Bauen finden Sie auch auf den Seiten des Referats für Gesundheit und Umwelt.

Ballast

Es zeigt sich, dass Wohnungen und Häuser, auch Keller und Dachböden, im Laufe der Zeit meist recht voll geworden sind. Sich um diese Besitztümer neu kümmern zu müssen, scheint oft eine unüberwindliche Aufgabe. Dieser Schritt in Richtung intensivere Wohnraumnutzung lässt sich durch ein umfangreiches Informationsangebot zur Entsorgung etwas erleichtern.

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl an Möglichkeiten, Ihre Kleider, Bücher oder Möbel für einen wohltätigen Zweck zu spenden oder sonst wie los zu werden - ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Bereich Regionales

Blumenstraße 31
80331 München