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Eine IBA für die Metropolregion München?


    Stand der Dinge

    München und seine Metropolregion wachsen und werden auch in Zukunft zu den am stärksten wachsenden Räumen in Deutschland gehören. Mit einer Machbarkeitsstudie wurde untersucht, ob eine Internationale Bauausstellung (IBA) Impulse für die Entwicklung der Stadt und Region München setzen könnte. Die Landeshauptstadt tauschte sich dazu mit ihren Nachbarkommunen und Landkreisen aus. Gemeinsam wurden Ziele, Wünsche und Ideen einer möglichen IBA diskutiert. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie wurden am 26. Juni 2019 im Stadtrat vorgestellt und die nächsten Schritte beschlossen.

    Was ist eine Internationale Bauausstellung (IBA)?

    Eine IBA findet innovative Lösungen für drängende Fragen der Stadt- und Regionalentwicklung.

    Seit mehr als 100 Jahren sind "Internationale Bauausstellungen" (IBA) ein etabliertes Instrument, wenn es darum geht, innovative Lösungen für Herausforderungen der städtischen oder regionalen Entwicklung zu finden. Jede IBA ist unter einem bestimmten Leitthema in einem Stadtteil, einer Stadt, einer Region oder einem Bundesland angesiedelt. Dieses wird aus Anlass und Ort herausgearbeitet und gibt modellhafte Antworten für aktuelle Probleme, die weit über die Grenzen ihrer Städte und Regionen hinaus "international" inspirieren.

    Die Fragestellung einer IBA darf daher nicht nur von lokaler, sondern muss auch von internationaler Relevanz sein und eine strukturelle Bedeutung haben, die über ihren eigenen Zeitraum – meist um die zehn Jahre –  hinausreicht. Dabei geht es nicht nur um die Gestaltung von Gebäuden. Eine IBA dreht sich um viel mehr als nur um "Ausstellung" und "Bauen". Neben der Architektur werden vor allem auch soziale, kulturelle, ökonomische oder ökologische Aufgaben der Gegenwart und Zukunft bearbeitet.

    Welchen Nutzen kann eine IBA für die Metropolregion München haben?

    Die IBA bietet die Chance, Themen von morgen in den Fokus zu stellen.

    München ist die am dichtesten besiedelte Großstadt Deutschlands. Die Metropolregion München weist die bundesweit stärkste Wachstumsprognose auf. Flächenknappheit und ein an vielen Orten bereits heute überlastetes Verkehrssystem sind die Folge. Hinzu kommen globale Trends wie die digitale Transformation, die die gesamte Region bereits heute entscheidend beeinflussen.

    Mit einer IBA kann die Region München zum Reallabor werden, denn eine IBA eröffnet abseits des Alltags andere Regeln und Rahmenbedingungen: andere Wege und Ebenen der Organisation und Kommunikation, Möglichkeiten für schnellere Entscheidungen, andere Budgets, neues Know-how von innen und außen.

    Eine Internationale Bauausstellung bündelt die vorhandenen Potenziale: die der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft, der Verwaltung, der Unternehmen und natürlich der zahlreichen Stärken der Region.

    Warum eine Machbarkeitsstudie?

    Die Machbarkeitsstudie stellt viele Fragen an den Status quo und möchte Antworten für morgen geben.

    Die Machbarkeitsstudie sollte von möglichst vielen Seiten beleuchten, ob die IBA das richtige "Instrument" für die Metropolregion ist. Welche Voraussetzungen erforderlich sind, um eine IBA erfolgreich durchführen zu können und entsprechende Lösungsansätze zu bieten, bildete den Fokus.

    Die Machbarkeitsstudie zeigt die Herausforderungen und Zukunftsthemen und stellt sicher, dass die IBA bereits im Vorhinein mit klaren Themen sowie wichtigen Zukunftsfragen ausgestattet wird.

    Dabei stellt die Machbarkeitsstudie vor allem heraus,
    a) welche politische Rückendeckung es für ein solches Vorhaben gibt und ob die schöpferischen Kräfte der Region an einem Strang ziehen
    b) mit welchem dringlichen und relevanten Thema eine IBA das Wachstum aktiv gestalten und gleichzeitig die gesamte Metropolregion verbinden kann.

    Was passiert in der Studie?

    Die IBA bringt viele Akteure sowie Expertinnen und Experten zusammen.

    Die Machbarkeitsstudie hat das große Vorhaben "Internationale Bauausstellung" ergebnisoffen durchdacht. Hierfür wurden mit wichtigen Akteuren der Region sowie Expertinnen und Experten aus den Bereichen Architektur, Planung, Kunst und Digitalisierung Workshops durchgeführt, um Punkte wie Leitthema, mögliche Projekte und Trägerschaft unter die Lupe zu nehmen und dabei von den verschiedenen Expertisen zu profitieren. Der Blick von innen und von außen sollte die Problemdefinitionen und Qualitätskriterien hinterfragen und erweitern.

    Die Ergebnisse der Workshops wurden zusammengefasst, weitergedacht und mit Erfahrungen aus anderen Internationalen Bauausstellungen zusammengeführt, um Empfehlungen für die Metropolregion München aussprechen zu können. Die Zwischenergebnisse wurden bei der Regionalen Wohnungsbaukonferenz am 17. Oktober 2018 in Rosenheim präsentiert.

    Wann kommt eine IBA zum Einsatz?

    Eine IBA ist ein Ausnahmezustand auf Zeit.

    Eine Internationale Bauausstellung setzt meist da an, wo die herkömmlichen Werkzeuge der Stadtentwicklung nicht mehr ausreichen – also bei besonders drängenden oder neuartigen Zukunftsfragen, die ein völlig neues Herangehen erfordern. Ihre besondere Wirkung entfalten Internationale Bauausstellungen vor allem dadurch, dass sie einen Teil einer Stadt oder einer Region zu einem Labor machen, in dem neue Wege erprobt werden.

    Durch die Konzentration von fachlichen, sozialen, finanziellen und kreativen Kräften und intensiven Kooperationen zwischen Stadt und Region, Zivilgesellschaft und Expertinnen und Experten erzeugen sie einen Raum, der zum Experimentieren und Improvisieren einlädt, zum Vergleichen von Lösungsmöglichkeiten und zu kontroversen Diskussionen. Eine IBA eröffnet Freiräume jenseits der Alltagspraxis und macht Mut, über den Tellerrand zu schauen. 

    Wer entscheidet, ob eine IBA in der Metropolregion München stattfindet?

    Für das Instrument "Internationale Bauausstellung" gibt es kein Gremium oder ähnliches, das entscheidet, ob eine IBA stattfinden darf oder nicht.

    Diese Entscheidung hängt davon ab, ob sich Initiatoren von kommunalen, regionalen, institutionellen oder privaten Akteuren finden, die eine IBA gemeinsam auf die Beine stellen wollen.

    Entsprechend gibt es auch keine expliziten Mittel, die für eine IBA zur Verfügung gestellt werden. Stattdessen müssen die Initiatoren selbst für die Finanzierung einer IBA sorgen. Dies können kommunale oder private Mittel, aber auch projektbezogene Länder-, Bundes- oder EU-Mittel sein.

    Ist die IBA eine Ausstellung?

    Nicht nur. Die IBA ist Labor, Experiment, Projekt und mehr in einem.

    Eine Internationale Bauausstellung ist keine reine (Architektur-) Ausstellung, sondern bietet eine Bühne, auf der nachhaltige Lösungen und künftige Möglichkeiten gezeigt werden. Dies können bauliche Projekte sein, die als einprägsame Orte die Botschaft einer IBA präsentieren. Doch eine IBA lebt nicht nur von ihren Bauten und Projekten, sondern richtet die Aufmerksamkeit auch besonders auf deren Entstehungsbedingungen – das Testen neuer Formate und Instrumente – und die Qualität der entsprechenden Prozesse. Sichtbar gemacht werden diese durch öffentliche Dialogprozesse, Veranstaltungen oder Begehungen.

    Welche Projekte können durch eine IBA entstehen?

    Eine IBA schafft Projekte mit besonderen Qualitäten.

    Die Grundlage einer jeden Internationalen Bauausstellung sind ihre Projekte. Sie sind die zentralen Ergebnisse und vermitteln anschaulich Ziele, Fragestellungen und Antworten. Sie liefern die bleibenden Erzählungen, mit denen eine IBA auf lange Sicht verbunden ist. Bei den Projekten kann es sich um gebaute Projekte, neue Konzepte und Programme oder auch Netzwerkstrukturen handeln. Dabei haben Internationale Bauausstellungen den Anspruch, herausragende („exzellente“) Ideen zu entwickeln.

    Hierfür werden bestimmte Qualitätskriterien vorausgesetzt. So können exemplarische Lösungen, Verfahren, Netzwerke sowie Handlungs- und Kooperationsmuster entstehen, die neue Wege auf Prozess- und Organisationsebene aufzeigen und andernorts Projekte anstoßen oder inspirieren.

    Warum ist eine IBA international bedeutsam?

    Weil die IBA vielen Städten und Regionen im In- und Ausland zum Vorbild dient.

    Ihre "Internationalität" erhält eine Internationale Bauausstellung durch das Aufgreifen von Themen mit internationaler Tragweite, durch die Beteiligung internationaler Expertinnen und Experten und das Entwickeln von Projekten von internationaler Strahlkraft – und durch die Einladung von Besucherinnen und Besuchern aus der ganzen Welt.

    Was passiert nach einer IBA?

    Die IBA wandelt Ideen in konkrete Projekte um.

    Internationale Bauausstellungen sind kein temporäres Ereignis. Schließlich werden ihre Ergebnisse nach Ende der Laufzeit nicht zurückgebaut, sondern bleiben an ihren Standorten und mit ihren Nutzungen weitestgehend erhalten. Die Projekte können hier weiterentwickelt und besichtigt oder für Exkursionen, Reportagen, Forschungen und Tagungen genutzt werden. Dadurch werden sie – besonders in der Fachwelt – zu Orten der Begegnung und Weiterbildung.

    Wo gibt es derzeit eine IBA?

    In Deutschland, der Schweiz, Österreich und in den Niederlanden.

    Dort gibt es aktuell folgende Internationale Bauausstellungen:

    Wie geht es nach der Machbarkeitsstudie in München weiter?

    Am 26. Juni 2019 hat der Stadtrat beschlossen, in die Vorbereitungen für eine IBA einzusteigen. Die Stadt München wird in einem nächsten Schritt Fragen zu Finanzierung, Organisation und Trägerschaft klären. Ende 2020 könnte den jeweiligen Stadt- und Gemeinderäten ein konkretes Konzept zur Entscheidung vorgelegt werden und der Startschuss für eine IBA in der Stadt und Region München folgen. Zugleich müssen weitere Partner, insbesondere der Freistaat Bayern, mit ins Boot geholt werden.

     

    Kontakt

    Landeshauptstadt München

    Referat für Stadtplanung und Bauordnung
    Bereich Regionales

    Blumenstraße 31
    80331 München