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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

stadt | bau | plan - 850 Jahre Stadtentwicklung München


Wahrzeichen der Stadt: Das Münchner Kindl am Rathaus  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Das Stadtwappen: Das Münchner Kindl am Rathaus
© LHM / Michael Nagy

1158 bis 1800: Vom Marktflecken zur Residenzstadt

Die Stadtentwicklung Münchens verläuft in den ersten 600 Jahren in drei Schritten: Sie beginnt mit der Phase der Gründung bis zum Bau der ersten Stadtmauer. Es folgt eine Periode großzügiger Erweiterungen bis zum äußeren Mauerring und schließlich die Umstrukturierung durch den Ausbau zur Residenzstadt.

Marktverlegung im Streit

München entstand durch einen Konflikt zwischen Herzog Heinrich dem Löwen und Bischof Otto I. von Freising. Der Herzog machte dem Bischof den Markt am Isarübergang der Salzstraße in Föhring streitig. Weiter flussaufwärts an einer günstig gelegenen Stelle gründete er einen neuen Markt und lenkte die Salztransporte durch diesen Ort.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa beendete den Konflikt 1158 durch den  "Augsburger Schied": Heinrich der Löwe erhielt das Recht, Zollbrücke, Markt und Münze am neuen Ort "bei den Mönchen" zu nutzen. Ein Drittel seiner Einnahmen musste er jedoch an den Bischof von Freising abgeben. Ungeklärt ist, wann Heinrich der Löwe die Brücke und den Markt des Bischofs in Föhring zerstörte, wie spätere Autoren berichten. Manches spricht dafür, dass dies nicht vor dem "Augsburger Schied", sondern zu einem späteren Zeitpunkt geschah. Der Name "München" geht vermutlich auf die Ortsangabe "bei den Mönchen" zurück. Siegel und Wappen der Stadt spielen auf diese Herkunft an.

Unter geistlichen und weltlichen Herren

1180 verlor Heinrich der Löwe seine Herzogtümer Sachsen und Bayern und wurde geächtet. Auf dem Hoftag in Regensburg nahm der Kaiser den Augsburger Schiedsspruch zurück und übertrug Markt- und Brückenrechte wieder dem Bischof von Freising. Neuer Herzog von Bayern wurde Pfalzgraf Otto I. von Wittelsbach, ein treuer Gefolgsmann des Kaisers.

Nach einem Eintrag in den Annalen des Klosters Schäftlarn soll München daraufhin im Jahr 1180 zerstört worden sein. Vermutlich blieb der Markt jedoch wegen seiner günstigen Lage bestehen oder wurde am gleichen Ort wieder aufgebaut.

Mehrere Jahrzehnte übten die Bischöfe von Freising die Herrschaftsrechte in München aus. Erst allmählich gelang es den Wittelsbachern, ihren Einfluss zu stärken. Im Jahr 1240 ging die Stadtherrschaft endgültig auf sie über. Im Gegenzug verzichteten sie an anderen Orten zu Gunsten Freisings auf ihre Rechte. Außerdem förderten sie schon früh die Ansiedlung von Klöstern in München.

Stadtmodell: Odeonsplatz mit Theatinerkirche  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtmodell: Odeonsplatz mit Theatinerkirche
© Michael Nagy / LHM

Stadtentwicklung in drei Schritten

Das rasche Wachstum der Stadt erforderte bald weitere Befestigungsanlagen. Schon ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichteten Herzog Ludwig II. und sein Sohn, Kaiser Ludwig der Bayer, einen zweiten Mauerring, innerhalb dessen sich die Fläche Münchens auf das Sechsfache vergrößerte.

Im Modell von Jakob Sandtner aus dem Jahr 1570 sind drei Entwicklungsphasen der Stadt abzulesen:

  • Im Zentrum zeichnet sich der Umriss des Ortes zur Zeit Heinrichs des Löwen ab. Die Häuserzeilen folgen dem bogenförmigen Verlauf der ersten Mauer.
  • Als Ganzes belegt das Modell die planmäßige und großzügige Erweiterung im 13. und 14. Jahrhundert. An vielen Stellen bestehen noch Platzreserven für weitere Häuser. In einzelnen Großbauten deutet sich der Ausbau zur repräsentativen Residenzstadt an. Die Bauwerke wurden erst nachträglich in das kleinteilige Stadtmodell eingefügt.

Höfische und kirchliche Großprojekte

Zur Großansicht Vom 16. Jahrhundert an ist die Entwicklung Münchens zunehmend durch den Landesherren geprägt, der die Stadt zum Verwaltungszentrum des ganzen Landes machte. Die wichtige Rolle der bayerischen Wittelsbacher in der Gegenreformation führte zu einer zweiten Gründungswelle von Klöstern.

Innerhalb dreier Herrschergenerationen entstanden ausgedehnte Bauwerke des Hofes und der Kirche, denen zahlreiche kleinere Häuser weichen mussten: Herzog Wilhelm V. ließ das Jesuitenkolleg mit der St.-Michaelskirche und die Wilhelminische Feste, die spätere "Maxburg", errichten. Sein Sohn, Kurfürst Maximilian I., baute die Residenz zu eindrucksvoller Größe aus. Eine Generation später holten Kurfürst Ferdinand Maria und seine Gemahlin den Orden der Theatiner nach München.

Sie förderten den Bau des Klosters und der Theatinerkirche St. Cajetan. Zur Aktualisierung des Sandtner-Modells ließ Maximilian I. das Jesuitenkolleg mit St. Michael und die Residenz nachträglich in das Modell einfügen.

Barocker Befestigungsgürtel

Zur Großansicht Das größte Bauprojekt Maximilians I., an dem sich zeitweise bis zu 40.000 Menschen beteiligten, war der Ausbau der Stadtbefestigung.

Die Arbeiten begannen 1619 kurz nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und zogen sich bis zu dessen Ende hin. Die Wallanlagen folgten dem Verlauf der mittelalterlichen Mauern. Nur der Hofgarten und die kurfürstlichen Zeughäuser reichten über die alten Grenzen hinaus und wurden in den neuen Verteidigungsgürtel einbezogen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bildete der Festungsring die Grenze des städtischen Wachstums.

Erst im Jahr 1795 erklärte Kurfürst Karl Theodor München zur offenen Stadt und ließ die Befestigungen beseitigen. Ein neues Kapitel der Münchner Stadtentwicklung begann.

Stadtherrschaft im Kräftespiel

Die Herrschaftsverhältnisse in München waren durch ein ständiges Wechselspiel zwischen Herzog, Kirche und Bürgerschaft bestimmt. Nach der Gründung des Ortes erhielt Heinrich der Löwe das Recht, Markt und Münze zu nutzen.

Als er 1180 geächtet wurde, gingen Markt- und Zollrecht auf den Bischof über. Erst nach und nach konnten die Wittelsbacher Herzöge in München ihre Position festigen, bis die Oberhoheit des Freisinger Bischofs 1240 endete.

Inzwischen hatten auch die Bürger an Bedeutung gewonnen. Die Herzöge und vor allem Kaiser Ludwig der Bayer gewährten der Stadt wichtige Rechte und Privilegien. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war das Leben in München vorwiegend durch das Bürgertum geprägt. Die Situation änderte sich grundlegend zur Zeit des Absolutismus. Vor allem Kurfürst Maximilian I. baute systematisch seine Macht aus. Der Stadtrat verlor seine Selbständigkeit; bedeutende Bürgerfamilien stiegen in den Adel auf und wurden in den Umkreis des Fürsten eingebunden. Die Zeit Münchens als Stadt der Bürger war vorüber.

Markt und Handel

Auf dem Marktplatz konzentrierte sich über Jahrhunderte das Leben der Stadt. Hier lag nicht nur das Zentrum des örtlichen und überörtlichen Handels; auch Turniere und andere Festlichkeiten fanden auf dem Marktplatz statt.

Bald entwickelten sich Spezialmärkte an anderen Plätzen. Auch der Lebensmittelmarkt wurde im 19. Jahrhundert vom Zentrum auf den "Viktualienmarkt" beim Heilig-Geist-Spital verlegt. Außer dem Salz-, Wein- und Tuchhandel war vor allem die "Getreideschranne" von Bedeutung. Als größter Getreidemarkt Bayerns wurde sie bis 1853 wöchentlich zweimal auf dem heutigen Marienplatz gehalten.

Bei St. Jakob am Anger fanden jährliche Märkte für den überörtlichen Handel und zur Volksbelustigung statt. Von diesen Jahrmärkten haben sich die Auer Dult und die Magdalenendult bis in unsere Zeit erhalten. Als internationaler Handelsplatz ist heute vor allem die Münchner Messe von Bedeutung.

Stadt am Wasser

Die Lage am Fluss spielte für die Entwicklung Münchens eine wichtige Rolle. Bis weit in das 19. Jahrhundert diente die Isar als Transportweg aus dem Süden nach München und von dort nach Wien und in die Donauländer.

Alle Waren mussten in München drei Tage zum Kauf angeboten werden, bevor sie weiter verfrachtet werden durften. Ihren Höhepunkt erreichte die Isarflößerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit jährlich bis zu 10.000 Anlandungen. Dann wurde sie durch andere Transportwege und den Bau von Wasserkraftwerken verdrängt.

Nicht weniger wichtig als der Fluss waren die Stadtbäche. Sie dienten zur Bewässerung des Stadtgrabens, als Transportweg, zum Tränken der Tiere, zum Waschen und Löschen, aber auch als Energiequelle.
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten fast 150 Betriebe an den Münchner Stadtbächen. Heute sind die meisten Bäche überbaut oder zubetoniert. Nur an wenigen Stellen sind sie noch offen zu sehen.

Achsen in die Umgebung

Während es innerhalb des Festungsgürtels immer enger wurde, bauten Hof und Adel Schlösser und Landsitze im näheren Umkreis aus. Auch verschiedene Bürgergeschlechter, inzwischen in den Adelsstand erhoben, besaßen Hofmarken in der Nähe.

Besondere Akzente setzte Kurfürst Max II. Emanuel mit seinen Jagdschlössern Lustheim und Fürstenried, dem Neuen Schloss Schleißheim und dem Ausbau der Schlösser Dachau und Nymphenburg.

Sein nicht vollendetes Projekt, durch Kanäle und Alleen alle Schlösser miteinander zu verbinden, ist ein frühes Beispiel weiträumiger Planung. Es prägt bis heute die Straßenführung in München und der näheren Umgebung.

Schloss Nymphenburg  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Schloss Nymphenburg
© Michael Nagy / LHM

"Karlstadt" im Grünen

Um die ausgedehnte Nymphenburger Schlossanlage als Zentrum plante der Sohn Max Emanuels, Kurfürst Karl Albrecht, die Gründung einer neuen Stadt.

Ähnlich wie in Karlsruhe sollte das Schloss den Mittelpunkt dieser "Karlstadt" bilden. Das ehrgeizige Vorhaben kam nicht über die ersten Ansätze hinaus. Außer dem schon von Max Emanuel geplanten Schlossrondell und dem Stichkanal als Mittelachse der neuen Stadt wurden nur wenige Häuser gebaut.

Text: Freimut Scholz, 2008

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Abt. 4 Räumliche Entwicklungsplanung, Flächennutzungsplanung

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