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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

stadt | bau | plan - 850 Jahre Stadtentwicklung München


Königsplatz mit Glyptothek  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Die Glyptothek am Königsplatz
© Michael Nagy / LHM

1800 bis 1860: Ein neues München

Die Jahre um 1800 kommen einer Neugründung Münchens gleich: Die Auflassung des Festungsrings öffnet den Weg für eine bis heute fortdauernde Stadtentwicklung. Als Lebensraum für die wachsende Bevölkerung entstehen neue, moderne Vorstädte. Die kleinstädtische Residenz wandelt sich zur Hauptstadt eines modernen Territorialstaats.

Ausbruch aus den Festungsmauern

Am 2. Juni 1795 entschied Kurfürst Carl Theodor, dass München hinfort "keine Festung seie, seyn könne, noch seyn solle". Eine neue Epoche der Stadtentwicklung begann. München war seit der Gründung ein befestigter Ort. Die mittelalterlichen Stadtmauern und die barocken Festungswerke begrenzten die Stadt und schrieben ihren Grundriss für Jahrhunderte fest. Längst waren zu Ende des 18. Jahrhunderts die Verteidigungswerke dem Verfall preisgegeben. Moderner Kriegstechnik hielten sie nicht mehr stand. Dem geordneten Wachstum der Stadt jedoch waren sie ein starres Hindernis.
Erst mit der Entfestigung begann der Wandel zu einem allseits offenen, in die Landschaft gebreiteten Gebilde mit fließenden Grenzen zum Umland. An die Stelle statischer Beharrung traten dynamisches Wachstum und ständige Veränderung der Gestalt. Initiator der Maßnahme war Benjamin Thompson, der spätere Reichsgraf von Rumford, 1785 bis 1798 maßgeblicher Berater des Kurfürsten. Er tat den ersten Schritt zur Sprengung des Festungsgürtels, ein Werk, das bis zur Vollendung noch viele Jahre dauern sollte.

Torplätze für die offene Stadt

Schon 1791, noch vor Aufhebung der Festungseigenschaft Münchens, plante Reichsgraf von Rumford die Einebnung der Verteidigungswerke am Ort des heutigen Karlsplatzes. Der schmale, verwinkelte Torweg durch die Wallanlage war modernem Verkehr nicht mehr gewachsen. Durch Planierung der Torbastion sollte an ihrer Stelle eine großzügige Platzanlage entstehen und so der Weg in die Stadt weit geöffnet werden. Zugleich sollten zu beiden Seiten die Wälle niedergelegt werden, um Bauland für eine erste Stadterweiterung zu gewinnen. Die Planung übertrug Rumford Franz Thurn, einem Architekten des Münchner Hofbauamts. Nach seinem Entwurf entstand bis 1794 die neue Platzanlage mit dem rahmenden Rondell und den geradlinigen Flügeln vom heutigen Lenbachplatz bis an die Herzogspitalstraße.

Englischer Garten  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Englischer Garten mit Monopteros
© LHM

Englischer Garten

Im Jahr 1789 leitete die Anlage des Englischen Gartens eine neue Ära der Münchner Stadtentwicklung ein. Die Erschließung des Burgfriedens als Lebensraum für die Münchner Bürgerschaft nahm hier ihren Anfang.

Zu dieser Zeit war die Stadt noch auf ihrem mittelalterlichen Grundriss von den Verteidigungswerken eng eingeschlossen. Ihren militärische Nutzen hatten sie verloren, der Stadterweiterung standen sie im Wege. Noch bevor ihre Niederlegung begonnen war, übersprangen die kurfürstlichen Planer mit der Gestaltung des Englischen Gartens die Grenzen der geschlossenen Stadt.

Als erste große öffentliche Grünanlage in München, die als Volksgarten allen Bürgern geöffnet war, blieb er bis heute Vorbild für die Erholungsgebiete der Stadt. Der Park an der Ruhmeshalle, die Maximiliansanlagen an der Isar, der Luitpoldpark und die großen Grünanlagen der jüngeren Zeit berufen sich auf dieses Vorbild: Das Olympiagelände, West- und Ostpark und die derzeit noch im Entstehen begriffene Anlage in der Messestadt Riem.

Königliche Hauptstadt

Aus den Napoleonischen Kriegen ging Bayern durch den Zugewinn neuer Provinzen und durch die Erhebung zum Königreich (1806) als großer deutscher Mittelstaat hervor. Durch Zentralisierung der Staatsverwaltung in München wuchsen der Landeshauptstadt neue Einwohner und neue Funktionen zu. Ihre städtebauliche Gestaltung gewann für das ganze Land repräsentative Bedeutung. Daher war mehr als ein halbes Jahrhundert die Stadtplanung unter den ersten Königen Bayerns auf mehrere Hauptaufgaben ausgerichtet: die Entgrenzung der Altstadt durch Neugestaltung des Festungsgeländes, die Erschließung neuer Siedlungsgebiete für die Stadterweiterung, die städtebauliche Aufwertung der Residenz.

Durch die weiträumige Anlage von Freiflächen in ihrem Vorfeld sollte die Residenz aus ihrer beengten Lage in der Altstadt befreit werden. Große Magistralen zu den Erweiterungsgebieten sind auf die neuen Platzanlagen ausgerichtet und zeichnen damit die Residenz gegenüber dem bürgerlichen Marienplatz als Mittelpunkt der königlichen Hauptstadt aus.

Ein würdiger Platz für die Residenz

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war die Münchner Residenz nach Süden durch ein großes Kloster eng umbaut. Im Blick von der Altstadt trat sie kaum in Erscheinung. Erst 1803 schuf die Säkularisation Gelegenheit, sie aus dieser Lage zu befreien. Das Kloster wurde zu einer großen freien Fläche eingeebnet, die zunächst noch ohne jede Fassung blieb.

Mit der Erhebung Bayerns zum Königreich (1806) reiften die Pläne zur Gestaltung eines Residenzplatzes, der die neu erworbene Würde zum Ausdruck bringen sollte. Der Platz erhielt durch die Neubauprojekte dreier Könige seine endgültige Gestalt: das Nationaltheater, den Königsbau und die Kolonnade im Süden. Zentrum und Fokus der Anlage bildet ein Denkmal für den ersten bayerischen König, Max I. Joseph. Ihren Abschluss fand die städtebauliche Neubewertung der Residenz durch die Vollendung der Maximilianstraße 1874. Sie verbindet das Herz des königlichen Münchens mit dem jenseitigen Hochufer der Isar, wo sich gleichsam wie eine Krone als Endpunkt der Perspektive das Maximilianeum erhebt.

Stadtmodell Odeonplatz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtmodell Odeonsplatz
© LHM

Planungen für den Odeonsplatz

Gleich dem Max-Joseph-Platz im Süden sollte auch das Vorfeld der Residenz im Norden durch einen repräsentativen Vorplatz aufgewertet werden. 1811 entwickelte Friedrich Ludwig von Sckell einen ersten Entwurf. Am Ort des heutigen Odeonsplatzes plante er eine nach Norden gestreckte Anlage. Das Projekt scheiterte jedoch an den Kosten des erforderlichen Grunderwerbs. Sckell musste es umplanen und bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln. Gleichzeitig begann auch Klenze mit Planungen für dasselbe Gebiet. Durch Ankauf der Grundstücke aus Privatmitteln des Kronprinzen Ludwig (I.) erhielt er freie Hand für seine Arbeit. Wesentliche Anregungen übernahm er von Sckell. Doch sein Projekt bildete eine in sich geschlossene Bauanlage, durch Tore gegen die Seitenstraßen weitgehend verschlossen. Auch dieser Entwurf erfuhr noch einschneidende Modifikationen. Das endgültige Projekt war durch Aufgliederung in Baublöcke dem offenen System der nahen Maxvorstadt angeglichen. Geradlinig zielt eine Straße nach Norden: Ansatz der zukünftigen Ludwigstraße.

Die Ludwigstraße

Durch die Anlage einer Straßenachse nach Norden als Rückgrat einer neuen Vorstadt verschob sich das städtebauliche Schwergewicht Münchens aus dem ursprünglichen Zentrum zur königlichen Residenz. Ludwig I. beauftragte schon als Kronprinz Leo von Klenze mit der Planung, dessen Konzept nach dem Vorbild der Metropolen Rom, Florenz und Paris geschlossene Häuserzeilen und Baublöcke als Platzwände vorsah.

Klenze plante in der südlichen Ludwigstraße zunächst eine Bebauung mit individuell gestalteten Wohnhäusern nach dem Muster der Altstadt. Mit zunehmender Ausdehnung der neuen Straßenachse entstanden jedoch Großbauten für öffentliche oder halböffentliche Institutionen, die von Klenzes Rivalen und Nachfolger Friedrich Gärtner entworfen wurden. Mit der Feldherrnhalle und dem Siegestor brachte Gärtner die Straße an beiden Enden zum Abschluss.

Finanzen für die königliche Magistrale

Für den Bau des Odeonsplatzes und der Ludwigstraße musste neben den Wehranlagen auch eine größere Anzahl privater Grundstücke erworben werden. Die gerade erst gebauten Gartenanwesen der Schönfeldvorstadt entlang der alten Schwabinger Landstraße fielen ausnahmslos der neuen Straßenanlage zum Opfer. Ludwig I. kaufte noch als Kronprinz durch Klenze als Mittelsmann Grundstücke auf. Er verkaufte sie dann an Bauherren zurück, die sich in der Nachbarschaft der Residenz ansiedeln wollten. Dieses Bebauungsmodell - eine frühe Form von kapitalistischer Stadtentwicklung - geriet an seine Grenzen, als die Dimensionen des Vorhabens wuchsen. Öffentliche und halböffentliche Institutionen wurden nun auf Druck des Königs gezwungen, mit Großbauten die langen Straßenfluchten zu füllen. Den Grunderwerb für die Straße musste trotz leerer Kassen die Kommune auf ihre Kosten bewerkstelligen. Ebenso zwang Ludwig die Stadtgemeinde, den Bau der Ludwigskirche zu finanzieren, wofür sie sich hoch verschulden musste.

Sprung über die Isar: Die Maximilianstraße

Die Maximilianstraße wurde zwischen 1851 und 1874 angelegt. Das städtebaulich bedeutsame Projekt erfüllte mehrere Aufgaben. Die großzügige Prachtstraße mit dem Maximilianeum als krönendem Abschluss schlug die Brücke über die Isar und erschloss gleichzeitig das bisher vernachlässigte Lehel in der Flussniederung. Zusätzlichen Gewinn für die Stadtentwicklung brachte die parkartige Ausgestaltung des jenseitigen Steilufers.

König Maximilian II. zielte mit diesem Projekt zugleich auf die "Erfindung" eines neuen Stils, der die besten Elemente historischer Vorbilder mit moderner Bautechnik verbinden sollte. Planung und Bau der Straße sowie den Entwurf von Musterfassaden übertrug er dem Münchner Architekten Friedrich Bürklein. Auch die öffentlichen Großbauten am forumartigen Mittelteil und das Maximilianeum sind Bürkleins Werk.

Maxvorstadt (Plantisch)

Die Gründung der Maxvorstadt war Auftakt für die geordnete Besiedlung des Burgfriedens. Den Anstoß gab Friedrich Ludwig von Sckell, der Schöpfer des Englischen Gartens. Auf seine Anregung lud die Münchner Baukommission eine Anzahl Münchner Architekten, Militäringenieure und Geometer zur Planung der neuen Vorstadt ein.

Aus insgesamt 17 Entwürfen entwickelte die Baukommission den Ausführungsplan: Einen weitmaschig gespannten Straßenraster, mit der heutigen Brienner Straße als Hauptachse. Gleichzeitig wurde durch Bauvorschriften der Gartenstadtcharakter der Neuplanung festgelegt.

Die Bautätigkeit begann 1809 um den Karolinenplatz und an der Brienner Straße: Freistehende Solitärbauten, entworfen durch Carl von Fischer und eingebettet in weitläufige, wohl meist von Sckell gestaltete Gärten. Die Kooperation zwischen Architekt und Landschaftsplaner erwies sich als Idealfall einer künstlerischen Arbeitsgemeinschaft. Ihr entsprang im Kernbereich der Maxvorstadt ein städtebauliches Kunstwerk von hohem Rang, das heute freilich kaum noch zu erahnen ist.

Die Stadt neu entwerfen: Der Generalplan

1810 erhielt Friedrich Ludwig von Sckell vom König den Auftrag zur Ausarbeitung eines Generalplans für München. Er sollte Altstadt und Burgfrieden als Gesamtprojekt umfassen.

In mehreren Abhandlungen entwickelte Sckell die Grundsätze der Planung: Sanierung der Altstadt und die städtebauliche Erschließung des Burgfriedens für die Stadterweiterung sowie die Umgestaltung des Festungsgeländes zu einer offenen Übergangszone zwischen der Altstadt und den neuen Stadtteilen. Bis 1818 arbeitete die Baukommission unter seiner Leitung die Teilpläne des Gesamtwerks aus. Dann verschwand es in den Akten: Die Stadtplanung unter Ludwig I. beschränkte sich weitgehend auf Königsplatz und Ludwigstraße.

Sckell selber entwarf 1811 und 1812 die zwei Teilpläne für das Festungsgelände im Westen der Altstadt zwischen Hofgarten und Sendlinger Tor. Nur diese beiden Projekte wurden in den folgenden Jahren realisiert: Die Sonnenstraße als Alleegürtel mit "Land-Häusern" in offener Bauweise an der Grenze zur Altstadt, der geebnete Maximiliansplatz als Freiraum für Märkte und Dulten. Im Westen, entlang der heutigen Ottostraße, bildeten Baumpflanzungen als Grüngürtel den Übergang zur Maxvorstadt.

Ein Spazierweg um die Stadt

Schon als Kronprinz, seit etwa 1830, hielt der spätere König Maximilian II. Gedanken zur Stadtplanung in München fest. Ein großes, lange verfolgtes Projekt war der Plan zu einem Grünzug um die gesamte Stadt.

Den ersten Entwurf entwickelte der königlich preußische Gartendirektor Peter Joseph Lenné aus Berlin. 1839 lag die Arbeit vor. Sie ist verschollen. Doch blieben zwei Planvarianten, die Maximilian Jahre später den Architekten Zenetti und Bürklein in Auftrag gab.
In weitem Bogen zieht sich der Grünzug um das zum Teil noch unbesiedelte Stadtgebiet, auf weiten Strecken nur als begrünte Promenade mit Verzweigungen bis in die Vorstadtbezirke, in anderen Abschnitten mit Ausweitungen zu kleinen Parkanlagen.

Zweckbauten der Maximilianszeit

Seit etwa 1850 gewannen große Zweckbauten in Glas-Eisen-Konstruktion im öffentlichen Raum eine Präsenz, wie sie zuvor allein repräsentativen Bauten traditioneller Art vorbehalten war. Neue Fabrikationsmethoden, neue Konstruktionsweisen und das Bauen mit den Materialien Eisen und Glas faszinierten die Architekten und Ingenieure und nicht zuletzt den König als Auftraggeber.
In industrieller Produktion wurden genormte Bauteile vorgefertigt und auf der Baustelle in gleichfalls serienmäßiger Montage in kürzester Frist zusammengesetzt.

München, Stadt der Könige

Das neue München hatte als Landeshauptstadt und Verwaltungszentrale wichtige Funktionen zu erfüllen. Doch Stadtplanung unter den Königen war mehr als der Entwurf neuer Stadtteile und die Erfüllung funktioneller Bedürfnisse. Es ging auch darum, das Bild der Stadt als Sitz des Herrschers und Hauptstadt der Künste zu gestalten.

Drei Könige waren zwischen 1806 und 1864 als Bauherren und Förderer an der Gestaltung des Stadtbilds beteiligt. Höhepunkt war die Zeit Ludwigs I. Mit seinen Architekten prägte er bis heute das Bild des königlichen Münchens durch eine hoch gestimmte Architektur, die den Regeln eines aus der Historie geschöpften Stilideals folgt. Mehr als andere Architekten trug Klenze zum Entwurf des Stadtbilds bei. Andere Architekten, Gärtner und Ziebland, folgten selbst noch in "feindlicher Übernahme" einzelner seiner Projekte den von ihm vorgegebenen Grundlinien der Planung. Ein herausragendes Beispiel für Klenzes Beitrag zur Verwirklichung des königlichen Stadtkonzepts Ludwigs I. sind die Propyläen.

Texte: Hans Lehmbruch, 2008

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Abt. 4 Räumliche Entwicklungsplanung, Flächennutzungsplanung

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