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stadt | bau | plan - 850 Jahre Stadtentwicklung München


Altstadt von München (Aufnahme von 1980)  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Altstadt von München (Aufnahme von 1980)
© LHM

1945 bis 1960: Aufstieg aus den Trümmern

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges steht München vor der Entscheidung zwischen einem radikalen Neuanfang und der Rekonstruktion des alten Stadtbildes. Es entscheidet sich für einen maßvoll konservativen Wiederaufbau. Der "Münchner Weg" verbindet erhaltende mit zukunftsorientierter Planung und trägt damit entscheidend zur Bewahrung des Stadtbildes bei.

Rekonstruktion oder Neuanfang?

Während die Bürger gewaltige Anstrengungen auf sich nahmen, die Trümmer zu beseitigen und Unterkunft für die ausgebombte, bzw. evakuierte Bevölkerung zu schaffen, diskutierte die Fachwelt über die Grundsatzfrage, in welcher Form München wieder erstehen sollte. Die Vorstellungen reichten von der Idee, abseits von den Ruinen Münchens am Starnberger See eine völlig neue Stadt zu errichten, bis zu Forderungen nach einer möglichst weitgehenden Rekonstruktion.

Neubeginn auf Trümmerfelder

Viele Städte nutzten die Zerstörung als Chance, sich von den Fesseln der ungeliebten Stadt des 19. Jahrhunderts mit ihren Mietskasernen, ungesunden Hinterhöfen und engen Straßenräumen zu befreien und Raum zu schaffen für die Anforderungen einer modernen Zukunft.

Auf den abgeräumten Trümmerfeldern sollten die Leitbilder sowohl der "gegliederten und aufgelockerten" als auch der "autogerechten Stadt" verwirklicht werden. Anstelle einer kompakten Stadt sollte eine moderne "Stadtlandschaft" entstehen. Manche Planer konnten dabei auf Konzepte und Entwürfe für den Wiederaufbau zurückgreifen, die sie bereits in den letzten Kriegsjahren im Auftrag von Hitlers Rüstungsminister Speer erarbeitet hatten.

Gewahrte Kontinuität

Bereits im August 1945 entschied sich der Münchner Stadtrat trotz anhaltender Diskussionen für einen an der Tradition orientierten Wiederaufbau. Nach Vorschlägen von Stadtbaurat Karl Meitinger, die dieser später unter dem Titel "Das Neue München" veröffentlichte, sollte München im Kern so weit wie möglich wieder in der vertrauten Gestalt des Alten Münchens erstehen: "Wir müssen unter allen Umständen trachten, die Erscheinungsform und das Bild der Altstadt zu retten..., damit wir in einigen Jahrzehnten unser liebes München wieder haben wie es war."

Im Unterschied zu anderen Städten war München vor seiner Zerstörung nur wenig von den Auswirkungen der industriellen Entwicklung belastet. Die Stadt hatte sich den "behaglichen" Charakter der einstigen königlichen Residenzstadt bewahrt. Diesem verdankte sie ihren Ruf als Kunststadt und ihre Attraktivität für den Fremdenverkehr.

Meitinger-Plan der Altstadt  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Der Meitinger Plan für die Altstadt, 1945
© LHM

Zugeständnisse an den Fortschritt

Meitingers Vorschläge zur Wiederherstellung des alten Stadtbildes galten vor allem der Altstadt. Außerhalb der Altstadt sollten jedoch auch künftige Entwicklungen berücksichtigt werden und moderne Konzepte zum Zuge kommen.

Als "wahrscheinlich wichtigste städtebauliche Angelegenheit" bezeichnete Meitinger die Schaffung eines 50 bis 70 Meter breiten "Park- und Verkehrsrings" um die Altstadt. Dieser konnte weitgehend im Zuge des historischen Festungsgürtels geführt werden. Dennoch mussten zu seiner Realisierung auch breite Schneisen durch intakte Wohngebiete geschlagen werden. Jenseits des Altstadtrings entlang der Sonnenstraße schlug Meitinger ein Geschäftsviertel mit Büro- und Kaufhäusern vor. Hier sollten auch Hochhäuser zulässig sein.

Plan für ein neues Schwabing

Auch nach der Entscheidung für die Wiederherstellung des alten Stadtbildes hielt die Auseinandersetzung um moderne Alternativen noch einige Jahre an. Ein herausragendes städtebauliches Konzept im Sinne des Neuen Bauens war der 1946 vorgelegte Entwurf von R. Vorhoelzer für den Wiederaufbau Schwabings. Er knüpfte am Leitbild durchgrünter Quartiere in offener Bauweise an, ging dabei zwar vom bestehenden Blockraster aus, setzte sich aber über den noch intakten oder sanierungsfähigen Baubestand wie auch über die Grundbesitzverhältnisse hinweg. Der Plan wurde deshalb als utopisch und nicht finanzierbar abgelehnt.

Der "Münchner Weg" des Wiederaufbaus

Der Beschluss des Münchner Stadtrats, das vertraute Bild der Innenstadt wieder herzustellen, beruhte auf einer Reihe triftiger Gründe:

  • Einer radikalen Neuordnung standen komplizierte Bodenrechtsverhältnisse entgegen. Im Gegensatz zu den anderen Bundesländern gab es in Bayern kein Aufbaugesetz, das Umlegungen oder Enteignungen von Grundstücken erleichtert hätte. Eingriffe in das Bauliniengefüge waren in der Regel nur über teuren Grunderwerb durchsetzbar und vielfach mit langwierigen Auseinandersetzungen verbunden.
  • Die unterirdischen Versorgungs- und Entsorgungs- netze hatten die Zerstörung weitgehend überstanden. Dieses wertvolle Potenzial musste aus Kostengründen beim Wiederaufbau berücksichtigt werden.

Als Argument für sein Konzept führte Meitinger auch die Bedeutung Münchens als Stadt der Kunst und des Fremdenverkehrs an, die sie auch in Zukunft wieder haben sollte. Nicht zuletzt entsprach die Entscheidung aber auch der Meinung einer großen Mehrheit der Bürger. Auf ihr beruht der "Münchner Konsens", der bis heute immer wieder die Politik der Stadtentwicklung prägt.

Akteure des Wiederaufbaus

Unmittelbar nach Kriegsende setzte die amerikanische Militärregierung Karl Scharnagl als Oberbürgermeister ein. Dieses Amt hatte er schon von 1925 bis 1933 als letztes demokratisch gewähltes Stadtoberhaupt innegehabt. Scharnagl bestimmte maßgebend die Entscheidung für den Wiederaufbau der Stadt in ihrer überkommenen Gestalt.

Der eigentliche Wiederaufbau ist aber vor allem mit dem Namen Thomas Wimmer verbunden. Sein Amtsantritt als Oberbürgermeister im Jahr 1948 fiel mit der Währungsreform zusammen, die die Voraussetzungen für längerfristige Planungen schuf.

Die Planung des Wiederaufbaus lag vorwiegend in den Händen von Architekten und Bauingenieuren in der Stadtverwaltung. Die meisten von ihnen, darunter auch Karl Meitinger - Münchens erster Stadtbaurat nach dem Krieg - hatten diese Tätigkeit bereits vor 1945 ausgeübt. Über den Zusammenbruch hinweg trugen sie zur Kontinuität der Münchner Stadtplanung bei.

Neuperlach: Großwohnsiedlung von 1967 bis 1992 entstanden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Neuperlach: Großwohnsiedlung, von 1967 bis 1992 entstanden
© Michael Nagy / LHM

Wohnungsbau ohne Ende

Die bis heute anhaltende Wohnungsknappheit in München hatte im Lauf der Zeit wechselnde Gründe. Zuerst fehlten Wohnungen, weil die Stadt zerstört war, dann weil immer mehr Menschen nach München kamen. Seit 1972 wuchs die Bevölkerung nicht mehr, breitete sich aber im bestehenden Wohnraum immer mehr aus. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf stieg von 1950 bis heute von 15 auf 38 Quadratmeter. Die Gründe hierfür liegen einerseits in den höheren Ansprüchen an die Wohnung, vor allem aber in der Zunahme von kleinen Haushalten, für die es nicht genügend kleine Wohnungen gibt. 54 Prozent der Münchner leben heute allein, 30 Prozent zu zweit.

Für die Stadtplanung hat dies weitreichende Folgen. Selbst bei stagnierender oder abnehmender Bevölkerungszahl müssen immer mehr Wohnungen und neue Siedlungen gebaut werden, auch die Infrastruktur bedarf einer ständigen Erweiterung, ohne mehr Menschen zu versorgen. Die Folgen sind neben einer allgemeinen Änderung des städtischen Zusammenlebens eine zunehmende Versiegelung des Bodens und steigende Kosten für Heizung, Beleuchtung und Verkehr.

Text: Lutz Hoffmann, 2008

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Referat für Stadtplanung und Bauordnung
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