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stadt | bau | plan - 850 Jahre Stadtentwicklung München


Altstadtring (Aufnahme von 1968)  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Altstadtring (Aufnahme von 1968)
© LHM

1960 bis 1972: Auf der Überholspur in die Moderne

Ende der fünfziger Jahre übersteigt Münchens Einwohnerzahl die Millionengrenze. Das stete Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft führt zu neuen Problemen. Ein umfassender Stadtentwicklungsplan schafft in den sechziger Jahren die Voraussetzungen für weiteres Wachstum und den Wandel zur modernen Großstadt.

Der Siegeszug des Automobils

Anfang der 50er Jahre setzte mit der Welle der Motorisierung eine Entwicklung ein, die das Erscheinungsbild von Städten und Gemeinden entscheidend veränderte.

Rationalisierung, Massenproduktion und steigende Reallöhne machten das Automobil für immer breitere Schichten erschwinglich. Es wurde zum Kennzeichen des "Wirtschaftswunders." Vorangetrieben durch Straßenbau und die staatliche Förderung von Eigenheimen breitete sich die Siedlungstätigkeit in das Umland aus. Gleichzeitig überrollten Pendlerströme die Kernstadt und drohten sie im Verkehr zu ersticken.

Der kaum erweiterbare städtische Straßenraum zwang Anfang der 70er Jahre zu einer Wende in der Verkehrspolitik. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs erhielt Vorrang gegenüber dem Straßenbau. Doch das individuelle Bedürfnis nach Mobilität konnte nicht mehr vernachlässigt werden. Ausgewogene Verkehrskonzepte zu entwickeln und zu verwirklichen, wurde zu einer der wichtigsten, aber auch undankbarsten Aufgaben der Stadtplanung.

Ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung

1960 begann eine neue Phase der Stadtplanung. In diesem Jahr trat das Bundesbaugesetz als einheitliches Planungsrecht für die gesamte Bundesrepublik in Kraft. Die Münchner Staffelbauordnung galt parallel nur noch als übergeleitetes Baurecht bis 1979 fort.

Bisher war der Wiederaufbau Münchens ohne erkennbares Gesamtkonzept verlaufen. Der 1960 gewählte Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel erkannte die Notwendigkeit einer umfassenden Planung für die künftige Entwicklung der Stadt, an der sich alle kommunalen Aktivitäten zu orientieren hatten. Als eigenständige Planungsaufgabe ergänzt seither Stadtentwicklungsplanung die traditionelle Stadtplanung.

Der Stadtentwicklungsplan von 1963 bot erstmals nach der Staffelbauordnung von 1904 wieder ein städtebauliches Leitbild. Basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen und Prognosen bestimmte er maßgeblich die weitere Entwicklung Münchens. Auf der Grundlage des nach seinem Verfasser auch als "Jensen-Plan" bekannten Planwerks holte München in einem gewaltigen Kraftakt die Modernisierung der Stadt nach.

Ein Bürger tritt auf den Plan

Die forcierte Modernisierung der Stadt brachte nicht nur Vorteile. Ende der 60er Jahre wurden zunehmend auch Nachteile erkennbar wie steigende Bodenpreise, die Verdrängung der Wohnbevölkerung aus der Innenstadt, der Verlust charakteristischer Elemente des Stadtbildes.

Erstmals begannen Bürger sich zu wehren und Druck auf Entscheidungen der Stadtplanung auszuüben. Der Widerstand entzündete sich 1966 an dem Vorhaben, den Altstadtring unter dem Prinz-Carl-Palais in einen Tunnel zu verlegen. Zentrum des Widerstands war das "Münchner Bauforum".
Der Bau des Tunnels ließ sich zwar nicht verhindern, Oberbürgermeister Vogel griff aber die Initiative des Bauforums auf und gründete 1968 das "Münchner Diskussionsforum für Stadtentwicklungsfragen", das Münchner Forum. Die einzigartige, von der Stadt weitgehend finanzierte Einrichtung bietet seither eine wertvolle Plattform für die öffentliche Diskussion wichtiger Probleme und Projekte der Stadtentwicklung.

Der "Rosa-Zonen-Plan"

Der Widerstand gegen städtische Planungen erhielt Ende der 60er Jahre politisches Gewicht. In den Stadtgebieten rings um die Altstadt bildeten sich Bürgerinitiativen, die sich gegen die Ausbreitung des Geschäftszentrums der City in die Innenstadtrandgebiete und gegen die damit verbundene Zerstörung ihrer Wohnquartiere zur Wehr setzten. In konzertierten Aktionen erreichten sie, dass der Stadtentwicklungsplan von 1963 geändert wurde. 1974 beschloss der Stadtrat den "Rosa-Zonen-Plan" zum weitgehenden Schutz der bestehenden Wohngebiete.

Allein auf der Grundlage des neuen Plans war aber die Ausbreitung der City nicht aufzuhalten. Gegenüber der wirtschaftlichen Dynamik und den Bindungen des Bodenrechts reichten die Steuerungsmöglichkeiten der Stadtplanung nicht aus.

Olympiapark  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Olympiapark
© Michael Nagy / LHM

Integrierte Stadtentwicklungsplanung

Fehlentwicklungen und Kritik der Bürger waren für Vogel Ende der 60er Jahre Anlass, die Entwicklungsplanung neu zu organisieren.

Aus einem Planungsstab ging 1970 das Stadtentwicklungsreferat hervor. Als eigenständigem Ressort waren ihm drei Aufgabenschwerpunkte zugewiesen:

  • Intensivierung der Stadtforschung,
  • Koordinierung aller städtischen Planungsaktivitäten,
  • Demokratisierung der Planung und stärkere Beteiligung der Bürger am Planungsprozess.

Das stark vom Zeitgeist bestimmte Konzept war getragen vom Klima der damaligen Bonner Reformpolitik und der Überzeugung, mit wissenschaftlich begründeten Methoden die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung steuern zu können. In der Praxis erwies sich sein Anspruch als zu hoch gesteckt. Mit der 1972 einsetzenden Wirtschaftskrise war es nicht mehr aufrecht zu erhalten. 1979 wurde das Stadtentwicklungsreferat als eigenständiges Ressort wieder aufgelöst. Seine Aufgaben sind heute dem Planungsreferat zugeordnet.

Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel

Mit seiner Entscheidung, erstmals einen Plan für die Gesamtentwicklung der Stadt erstellen zu lassen, leitete Oberbürgermeister Vogel 1960 eine neue Ära der Stadtplanung ein. Sie bereitete nicht nur der Entwicklung Münchens zur modernen Großstadt den Weg, sondern machte auch bundesweit unter dem Begriff "Stadtentwicklungsplanung" Schule. Auf zunehmende Kritik an den negativen Folgen der Modernisierung reagierte Vogel mit dem Konzept einer "Integrierten Stadtentwicklungsplanung" unter breiter Beteiligung der Bürger. 1972 verließ er München, um das Amt des Bundesbauministers in Bonn zu übernehmen. Die im gleichen Jahr einsetzende allgemeine Wirtschaftskrise bot Gelegenheit, den stark sozialwissenschaftlich geprägten Ansatz der Integrierten Stadtentwicklungsplanung wieder auf eine pragmatische Ebene zurückzuführen.

Text: Lutz Hoffmann, 2008

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Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Abt. 4 Räumliche Entwicklungsplanung, Flächennutzungsplanung

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