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stadt | bau | plan - 850 Jahre Stadtentwicklung München


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Stadtansicht München mit der Frauenkirche
© LHM

1973 bis 2000: Krisen und Konsolidierung

Mit den Olympischen Spielen 1972 erreicht die Nachkriegsentwicklung Münchens ihren Höhepunkt. Danach brechen die "goldenen Jahre " mit der Ölkrise von 1973 jäh ab. Erst in den neunziger Jahren, nach einer Phase der kleinen Schritte, beschließt der Stadtrat wieder ein umfassendes Konzept, um die Bedeutung Münchens als Weltstadt auszubauen und zu sichern.

Stadt im Gleichgewicht

1975 verabschiedete der Stadtrat einen neuen Stadtentwicklungsplan. Dieser war geprägt vom Entwicklungsbruch von 1973. Einerseits galt es, die Auswirkungen des überhitzten Wachstums der Vergangenheit zu korrigieren, andererseits wieder Wirtschaftswachstum zu fördern und Arbeitsplätze zu sichern.

Im Unterschied zum Stadtentwicklungsplan von 1963 wurde weniger ein städtebauliches als vielmehr ein gesellschaftspolitisches Leitbild formuliert: "... die Stadt im Gleichgewicht, in der die Funktionen und Interessen abgestimmt sind auf ein Höchstmaß an Chancengleichheit und Lebensqualität für alle Bürger". Zentraler Leitgedanke für die Siedlungsentwicklung war das "Polyzentrische Konzept". Um einer einseitigen Nutzungsstruktur und drohender Verödung zu begegnen, sollte die Innenstadt durch eine größere Zahl attraktiver dezentraler Standorte entlastet werden.

Innenentwicklung statt Stadterweiterung

Der voraus gegangenen Politik des Baus teurer Großsiedlungen am Stadtrand wurde eine Absage erteilt. Stattdessen sollte sich die Bautätigkeit auf gut erschlossene Flächenreserven innerhalb bestehender Siedlungsbereiche konzentrieren. Die wertvollen Freiflächen am Stadtrand sollten dagegen für die Naherholung gesichert werden.

Als wichtige Aufgabe erkannte man die Sanierung und Modernisierung bislang vernachlässigter Stadtbereiche. Das Städtebauförderungsgesetz von 1971 schuf hierfür neue rechtliche und finanzielle Grundlagen. Anstelle von großflächiger Sanierung durch Abbruch und Neubau verfolgte München von Anfang an ein Konzept der erhaltenden Stadterneuerung. Mit wachsender Attraktivität der Innenstadt breiteten sich aber auch Luxusmodernisierung und Immobilienspekulation aus.

Wende in der Verkehrspolitik

Ein bedarfsgerechter Ausbau des Straßennetzes hatte sich längst als unmöglich erwiesen. Die Lösung wurde im verstärkten Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel gesehen. Der Straßenbau dagegen war "auf ein unbedingt erforderliches Maß zu beschränken". Zahlreiche Straßenprojekte wurden aufgegeben. Zugleich wurde die Verkehrsberuhigung in den innerstädtischen Wohnquartieren zu einer neuen Aufgabe der Verkehrsplanung. Mit der besseren Erschließung durch öffentliche Verkehrsmittel ließen sich die Umweltbelastungen in der Innenstadt reduzieren.

Kernstadt und "Speckgürtel"

Bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war München noch die klar abgegrenzte Kernstadt eines ländlich geprägten Umlands. Die Gemeinden der Umgebung blieben zunächst weitgehend unberührt vom Wachstum und Wandel Münchens zur modernen Großstadt. Im Laufe der 50er Jahre begann sich die Siedlungstätigkeit zunehmend in das Umland auszubreiten. Bald nahm hier das Wachstum stärker zu als in München. Das brachte gravierende Probleme mit sich: vor allem Verkehrsprobleme, aber auch eine unausgewogene Verteilung der finanziellen und sozialen Lasten zwischen Kernstadt und Umlandgemeinden. Nicht zuletzt bedrohte ein unkontrolliertes Wachstum die landschaftliche Schönheit der Region und gefährdete damit ihren einzigartigen Freizeitwert.

Lokalpolitik und regionale Verantwortung

Die Entwicklungsprobleme der Region konnten nur von Kernstadt und Umlandgemeinden gemeinsam angegangen werden. Bereits 1950 hatte sich ein Großteil der stadtnahen Gemeinden und Landkreise auf freiwilliger Basis zum "Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München" zusammengeschlossen. Seine Aufgabe, die Planungen der Gemeinden zu koordinieren und in einem Regionalplan festzulegen, wurde 1973 weitgehend vom "Regionalen Planungsverband München" übernommen. Gegenüber den Städten und Gemeinden verfügt die Regionalplanung nur über begrenzte Durchsetzungsmöglichkeiten. Der Einigung auf gemeinsame Ziele stehen in der Praxis oft lokale Interessen entgegen.

Im Aufwind

Mitte der 80er Jahre setzte ein neuer wirtschaftlicher Wachstumsschub ein. Niedrige Energiekosten dank stark gesunkener Rohölpreise und der zunehmende Einsatz neuer Technologien führten zu einer Belebung der Wirtschaft. Im Rahmen einer ehrgeizigen Modernisierungs- und Investitionspolitik des Freistaats Bayern entwickelte sich München zur High-Tech-Metropole. Gleichzeitig begann die chronische Knappheit an Bauflächen in ein Überangebot umzuschlagen: Im Zuge von Betriebsmodernisierungen wurden viele Gewerbeflächen frei. Zur Nachnutzung der frei werdenden Flächen setzte eine Welle großer Projekte ein, die gelegentlich als "neue Gründerzeit" bezeichnet wird.

Flughafen Münhen, Terminal 2  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Flughafen München, Terminal 2
© Michael Nagy / LHM

Der Flughafen München II

Initiativen für die Entwicklung von Stadt und Region gingen jetzt vorwiegend von externen Akteuren aus. Vor allem der Bau des mit langem Vorlauf geplanten Flughafens München II gab der wirtschaftlichen Entwicklung neue Impulse und eröffnete München den Weg zur "global city". Die Entscheidung für einen Standort zog sich über viele Jahre hin, da gegen alle in Betracht genommenen Grundstücke Bürger, Gemeinden und Verbände Widerstand leisteten. Erst 1986 war der Weg für den Bau im Erdinger Moos frei. Heute bildet der neue Flughafen nach Frankfurt am Main das zweite internationale Drehkreuz auf deutschem Boden.

Die große Umzugskette

Die Auslagerung des Flughafens leitete eine Wende in der Münchner Siedlungsentwicklung ein. Die frei werdende Fläche von 550 ha löste eine Umzugskette aus, die auch auf dem engen innerstädtischen Grundstücksmarkt neue Möglichkeiten eröffnete. Die Münchner Messe konnte aus den beengten Verhältnissen der Innenstadt auf das ehemalige Flughafengelände in Riem verlagert werden. Nach den Olympia-Anlagen war dies das größte Investitionsvorhaben der Stadt. Südlich der Messe entsteht ein neues Stadtquartier für 16.000 Einwohner und 13.000 Beschäftigte sowie ein großzügiger und weit in die Stadt hinein führender Grünraum. Dort wird 2005 die Bundesgartenschau stattfinden.

Die "Perspektive München"

Neue Herausforderungen wie die Europäische Einigung, die Öffnung des Ostens und die Globalisierung von Produktion und Märkten verlangen verstärkte Anstrengungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts München zu sichern und auszubauen. Die veränderte Situation erfordert auch andere Strategien der Stadtentwicklungsplanung.

Anstelle einer Neufassung des Stadtentwicklungsplans verabschiedete der Stadtrat 1998 unter dem Titel "Perspektive München" einen flexiblen Orientierungsrahmen von Leitlinien für die künftige Stadtentwicklung. Für die Siedlungsentwicklung gilt das Leitmotiv "kompakt - urban - grün":

  • "kompakt" bedeutet eine sparsame Flächennutzung durch kompakte und dichte Bebauung,
  • "urban" bedeutet eine lebendige Mischung von Wohnen und Arbeiten, Einkaufen und Erholen,
  • "grün" bedeutet ein attraktives Angebot an Freiflächen und Grünanlagen zur Verbesserung des Naturhaushalts und der Erholungsqualitäten.

Grünplanung in München

Seine berühmtesten Grünanlagen, den Nymphenburger Park und den Englischen Garten, verdankt München den einstigen bayerischen Herrschern. Im Übergang vom höfisch-französischen Park zum englischen Landschaftsgarten spiegelt sich neben dem ästhetischen auch ein gesellschaftlicher Wandel: Der Park stand nun allen Ständen offen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts erlosch für über 100 Jahre das Interesse an der Schaffung größerer Grünanlagen. Eine gewisse Verbesserung brachte 1898 eine Ministerialentschließung, wonach bei neu zu erstellenden Baulinienplänen fünf Prozent der Gesamtfläche für Grünanlagen und Kinderspielplätze unentgeltlich an die Stadt abzutreten waren. Erst nach 1945 entstand eine neue Generation großer innerstädtischer Parkanlagen als Ausgleich für die zunehmende städtebauliche Verdichtung. Heute ist Grünplanung zu einer eigenen Disziplin geworden, in deren Aufgabenfeld sowohl die ökologischen als auch die sozialen und gestalterisch-ästhetischen Aspekte der Freiraumplanung erfüllt sein müssen.

Hochhaus der ADAC-Zentrale und Fraunhofer-Gesellschaft  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Hochhaus der ADAC-Zentrale und Fraunhofer-Gesellschaft
© Michael Nagy / LHM

Hochhäuser in München - ein altes Thema

Auf dem Weg zur "global city" holt der weltweite Hochhausboom auch München ein. Damit flammt eine Diskussion wieder auf, die bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts zurück reicht.

München hatte seit jeher ein kritisches Verhältnis zu Hochhäusern. Um das Stadtbild zu wahren, war die Altstadt grundsätzlich von Hochhäusern frei zu halten. Begleitet von Protesten wurden Hochhäuser aber immer wieder zugelassen, sofern sie genügend Abstand von der Frauenkirche hielten und deren Türme nicht überragten.

Auf der Grundlage von Hochhausstudien aus den Jahren 1977 und 1995 bekannte sich der Stadtrat erneut zur zurückhaltenden Hochhauspolitik. In den Stadtbereichen außerhalb der Altstadt wurden jedoch Gebiete bestimmt, in denen eine städtebauliche Verdichtung auch in Form von Hochhäusern möglich sein soll. Derzeit besteht die Tendenz, Hochhäusern eine größere Bedeutung für das moderne Erscheinungsbild der Stadt einzuräumen.

München im 21. Jahrhundert, global - lokal

Nach der Jahrtausendwende geht es auch in München vor allem um die Frage: Wie behauptet sich die Stadt im globalen Zusammenhang? Kann sie ihre besonderen Qualitäten auch in Zukunft erhalten und unter erschwerten Bedingungen weiterentwickeln? Was ist die lokale Sicht, der Blick der Bürger auf ihr München?

Text: Lutz Hoffmann, 2008

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Abt. 4 Räumliche Entwicklungsplanung, Flächennutzungsplanung

Blumenstraße 31
80331 München

Fax:
089 233-26410