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Nachberichte und Video-Dokumentationen


Neue Wege für die Innenstadt

Ein Abend für Bürgerschaft, Politik und Verwaltung: Rund 160 Gäste sind am 3. März zum Abschluss der Ausstellung „Innenstadt weiterdenken“ zusammengekommen, um sich über die ersten Ergebnisse des intensiven Bürgerdialogs zu informieren und einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern des Stadtrats zu folgen.

Alles drehte sich um die Frage: Wie geht es weiter mit der Münchner Innenstadt?

Unter dem Titel „Neue Wege für die Innenstadt“ moderierte Stadtbaurätin Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk den Abend mit dem Ziel, Anregungen für die zukünftige Entwicklung der Innenstadt abzufragen. Nach einem inspirierenden Vortrag von Prof. Bernhard Winkler, der maßgeblich an der Planung und Umsetzung der Fußgängerzone in den 1960er Jahren beteiligt war, stellten Nicolette Baumeister und Judith Hartmann vom Büro Baumeister die ersten Ergebnisse aus dem Dialog zur Ausstellung vor. Sie präsentierten kontroverse Kommentare und Positionen der Bürgerinnen und Bürger zu den vier Ausstellungsthemen "Identität und Stadtgestalt", "Wohnen und Leben in der Innenstadt", "Freizeit, Kultur und Tourismus" sowie "Öffentlicher Raum und Mobilität". Die Auswertung der Beiträge unter Einbeziehung der Ergebnisse der Abendveranstaltungen, Workshops und Stadtspaziergänge, die im Rahmen der Ausstellung stattfanden, fließt in die Fortschreibung des Innenstadtkonzeptes ein.

Stadtrats-Vertreter auf dem Podium

Im Anschluss diskutierten als Vertreterinnen und Vertreter des Stadtrats Christian Amlong (SPD), Paul Bickelbacher (Die Grünen), Dr. Michael Mattar (FDP), Walter Zöller (CSU) und Brigitte Wolf (Die Linke). Wie sieht das Podium die Zukunft der Innenstadt? Christian Amlong betonte, dass es für die Fortschreibung des Konzeptes wichtig sei, den Nutzungsmix in der Innenstadt aufrecht zu erhalten, um Kleinteiligkeit und Vielfalt zu bewahren. Dr. Michael Mattar stimmte dem zu und sprach sich für mehr Aufenthaltsqualität aus. Er warnte vor einer „Aufwertungs-Welle“ und einem Gleichmachen der Quartiere.

Die Innenstadt habe ein Erfolgsproblem. Innenstadt weiterdenken heiße Stadt weiterdenken, sagte Brigitte Wolf und sprach sich für mehr dezentrale Lösungen für Parken, Wissenschaft, Medizin, Handel oder Kultur aus. Die ganze Region würde sich mit München identifizieren, ergänzte Paul Bickelbacher. Die Innenstadt jedoch erfahre einen Bedeutungsüberschuss und es müsse darauf geachtet werden, dass die öffentlichen Räume für alle Bürgerinnen und Bürger attraktiv und lebendig bleiben. Walter Zöller warf ein, dass es bereits neue Bauprojekte gebe, die preiswertes Wohnen in der Innenstadt fördern. Gewisse Entwicklungen könne die Stadt aber nicht steuern.

Stadtbaurätin Merk bedankte sich bei ihren Gästen und schloss die Veranstaltung mit der Bemerkung, dass mit der Ausstellung der Startschuss für das Innenstadtkonzept gesetzt sei. „Man kann viel planen, man muss Dinge aber auch umsetzen“, sagte sie und zitierte damit Professor Winkler.

Alexandra Mackel

Zeitzeuge trifft Zeitgeist

Im Rahmen der Munich Creative Business Week hat Stadtbaurätin Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk am 24. Februar mit ihren Gästen darüber gesprochen, inwiefern die Aspekte Kreativität und Design für die zukünftige Entwicklung der Münchner Innenstadt eine Rolle spielen.

Etwa 120 Interessierte folgten dem zweistündigen Gespräch zwischen den „Zeitzeugen“ Prof. Doris Thut und Prof. Florian Hufnagl sowie den „Zeitgeist“-Vertretern Friederike Daumiller und Dominikus Stark, beide Preisträger des Förderpreises Architektur und Design der Stadt München. Mathieu Wellner und Prof. Muck Petzet moderierten die Veranstaltung in der Rathausgalerie.
Als Einstieg in das Thema wurde ein Ausschnitt aus dem Film „Im Windschatten von Olympia“ gezeigt, der in der Ausstellung zu sehen war und von der Aufbruchsstimmung der 1970er Jahre in München berichtet. „Der allumfassende Gestaltungsanspruch, der das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele in München prägte, könnte Vorbild für einen heutigen Gestaltungsansatz sein“, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk.
Anknüpfend daran diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Bedeutung von Interdisziplinarität und das Zusammenwirken von Architektur, Design und Kunst. Angesteckt vom Geist der 1970er Jahre sprachen sich alle für mehr gestalterische Freiheit und Begeisterung aus, um die Vielfalt, Lebendigkeit und soziale Verantwortung Münchens stärker voranzutreiben und in der zukünftigen Entwicklung auch sichtbar werden zu lassen. „Küssen Sie das immer noch schlafende Münchner Dornröschen wach", forderte die Stadtbaurätin das Publikum auf.

Alexandra Mackel

Diskussion zum südlichen Bahnhofsviertel  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Der Ankunftsort der Stadt: Perspektiven für das südliche Bahnhofsviertel

3.000 Einwohner unterschiedlichster Herkunft, 25.000 Arbeitsplätze und rund 1.000 Passanten, die die Schwanthalerstraße an der Goethe- und Schillerstraße pro Stunde überqueren – das südliche Bahnhofsviertel ist nicht nur eines der dichtesten, sondern auch eines der lebendigsten Viertel Münchens.

Bei einer Podiumsdiskussion am 3. Februar ging es um Chancen, Risiken und die Zukunft dieses urbanen, aber lange vernachlässigten Quartiers.

Etwa 70 Gäste verfolgten die gut zweistündige Diskussion in der Rathausgalerie, bei der die Stärkung des Wohnens und der Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt stand. Quartiersmanagerin Ursula Ammermann, die auch Geschäftsführerin des Münchner Forums für Entwicklungsfragen ist, sprach mit Akteuren, die auf unterschiedliche Art mit dem multikulturellen Quartier zu tun haben und ihre Visionen für dessen Entwicklung vorstellten.

Serdal Altuntaş, Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Gewerbemietrecht und Mitglied des Vereins Südliches Bahnhofsviertel, wohnt und arbeitet seit 2002 dort. Für ihn hat das Viertel eine starke Metamorphose durchlebt und verliert zunehmend an Lebensqualität - durch den Verlust eines heterogenen Branchenmixes. Diese „Gentrifizierung“ lasse die Preise für Ladenflächen stetig steigen und vertreibe die kleinen Geschäftsleute, so Altuntaş. Wie Cornelius Mager, Leiter der Lokalbaukommission, klarstellte, werde mit einem Bebauungsplan von 1987 versucht, die Nutzungen zu regulieren, um die zahlreichen Spielhallen und Erotikshops in der Erdgeschosszone zu begrenzen. Die Verantwortung liege jedoch auch bei den Immobilieneigentümern: Sie seien aufgefordert, Leerstände an seriöse und unterschiedliche Mieter zu vergeben. Dies sei auch im Sinne der Eigentümer und halte die Immobilien langfristig attraktiv, so Mager.

„Wir müssen etwas für das Viertel tun“, bekräftigte der Gründer des Vereins Südliches Bahnhofs-viertel, Professor Dr. Fritz Wickenhäuser. Er sprach sich für mehr Aufenthaltsqualität aus. Nur durch mehr Freiräume und Rückzugsorte könne ein Zusammenhalt der Viertelbewohner entstehen, so Wickenhäuser. Da komme auch dem Bahnhofsplatz künftig eine andere Bedeutung zu. Das Viertel möchte bei der Umgestaltung mitreden.

Der Künstler und Galerist Bülent Kullukcu war an dem Abend erkrankt, ließ aber über Ursula Ammermann ausrichten, dass die Lebendigkeit und Kreativität im Viertel das Besondere sei und dass die Kulturszene immer stärker wachse. Urbanität sei das eindrücklichste Charakteristikum des südlichen Bahnhofsviertels, fand Dierk Brandt, Stadtplaner der Planungsgruppe 504. Brandt sprach sich für die Beachtung und Wertschätzung der unterschiedlichen Milieus aus und forderte einen höheren Wohnungsanteil. Erhard Thiel, Projektleiter im Referat für Stadtplanung und Bauordnung gab jedoch zu bedenken, dass nicht alle Straßen im Viertel für das Wohnen geeignet sind und Erdgeschosszonen auch für soziale und kulturelle Nutzungen bereitgestellt werden sollten.

Ein beherrschbarer, langsamerer und sicherer Verkehr sei ein weiteres Ziel für das südliche Bahnhofsviertel, sagte Andreas Bergmann, Gutachter in der Planungsgesellschaft Stadt Land Verkehr. Das Viertel sei überwiegend von Anliefer- und Transitverkehr bestimmt, eine gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer sei unabdingbar und müsse durch Umbaumaßnahmen in den Straßenräumen organisiert werden. Konkrete Konzeptvorschläge sollen mit den Bürgerinnen und Bürgern im Bahnhofsviertel noch vor der Sommerpause erörtert werden.

Die Podiumsgäste waren sich einig, dass die Flexibilität und Lebendigkeit Stärke und Chance des südlichen Bahnhofsviertels sei. Sie forderten mehr Toleranz und Miteinander im Viertel – getreu dem Motto: „Leben und leben lassen“.

Alexandra Mackel

Diskussion "Dein Haus - meine Straße - unsere Stadt"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Dein Haus - meine Straße - unsere Stadt: Was leistet ein Bauvorhaben für sein Viertel?

Für die einen ist er ein wichtiger Gegenpol zu Münchens guter Stube, für die anderen schlichtweg Rüpelei. Selbst 43 Jahre nach seiner Fertigstellung scheiden sich am Kaufhof am Marienplatz noch die Geister. So auch bei einer Podiumsdiskussion am 27. Januar, bei der Beispiele für gelungene und weniger gelungene Bauvorhaben unter die Lupe genommen wurden.

Einig war sich die Runde lediglich darin, dass ein Gebäude nie für sich alleine steht, sondern immer in seinem Umfeld betrachtet werden muss.

Cornelius Mager, Leiter der Lokalbaukommission, hatte zu der Diskussion in der Rathausgalerie geladen, die unter dem Titel „Dein Haus – meine Straße – unsere Stadt“ stand und von mehr als hundert Interessierten verfolgt wurde. Der Chef der Münchner Baugenehmigungsbehörde wollte von sechs Gästen wissen, was ein Bauvorhaben für sein Viertel leistet und aus welchen Perspektiven Qualität wahrgenommen wird. Schließlich hat die Lokalbaukommission täglich mit Investoren, Bauträgern, Architekten, Nachbarn und Denkmalschützern zu tun. Die Frage, welche Maßstäbe für qualitätvolle Gebäude existieren und wie damit umgegangen werden kann, stellt sich dabei täglich aufs Neue. Nicolette Baumeister moderierte.

Udo Wachtveitl gibt einen humorvollen Einstieg

Einen humorvollen Einstieg in den unterhaltsamen Abend gab Udo Wachtveitl. Der Münchner Schauspieler las einen Text, in dem ein Bürger einen Architekten wegen eines „besonders scheußlichen Hauses“ zur Rechenschaft ziehen will. So mancher hatte vielleicht schon einmal ähnliche Gedanken, wobei bei der Frage nach dem Schön und Scheußlich die Meinungen weit auseinandergingen.

So zum Beispiel beim Neubau des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes an der Katharina-von-Bora-Straße. Während der für Dr. Matthias Ottmann, Gesellschafter der Ottmann GmbH & Co. Südhausbau KG, ein gelungenes Beispiel für gute Architektur ist, hätte sich die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, Partnerin bei Mahl Gebhard Konzepte, mehr Mut gewünscht. Wachtveitl fand das Gebäude schlicht langweilig, die Mehrheit im Publikum pflichtete ihm bei. Diskussionsstoff lieferten auch der Neubau des Hotels Königshof, der Laimer Würfel, das Joseph-Pschorr-Haus in der Fußgängerzone und das Kaufhaus an der Münchner Freiheit. Den Laimer Würfel hatte Ritz Ritzer, Partner in Bogevischs Buero und Mitglied der Stadtgestaltungskommission, als architektonisch gelungen ausgewählt. Karin Schmid, Partnerin bei 03 Architekten, beklagte, dass beim Joseph-Pschorr-Haus der Investorendruck spürbar sei und es davor keine Aufenthaltsqualität gebe.

Diskussionsobjekt Schrannenhalle

Bei der Schrannenhalle waren sich dann alle einig, dass diese wenig gelungen sei, weil dort falsche Versprechungen gemacht wurden. Für Peter Scheller, Partner bei Palais Mai Architekten und Mitglied der Stadtgestaltungskommission, spiegelt die „Schranne“ gar „provinzielles kleinbürgerliches Denken“ wieder. Und Wachtveitls liebstes Bauvorhaben in der Stadt? Das ist der Promenadenplatz mit dem Michael-Jackson-Denkmal in der Mitte – ein Musterbeispiel für „anarchische Inbesitznahme des öffentlichen Raums“. „Davon bräuchten wir mehr in München“, so der Schauspieler.

Cornelius Mager fasste zusammen: Baukultur in der täglichen Arbeit der Bauaufsichtsbehörde bedeute zunächst und vor allem, den Blick des Investors über das eigene Vorhaben hinaus zu weiten und Verständnis für den Ansatz einzuwerben, dass ein Gebäude sich in die gebaute Umgebung einfügen muss. Nur wer die Grundlagen und die Geschichte eines Stadtviertels kenne, könne sich damit auseinandersetzen: "Wer nicht weiß, wo er herkommt, der kann auch nicht wissen, wo er hin will, und sollte am Besten zu Hause bleiben." Das bedeute nicht, dass die Historie eines Ortes oder die nähere Umgebung als Maßstab ein starres Korsett wären. Aber: "Ein Bauvorhaben muss sich zumindest damit auseinandergesetzt haben", so Mager.

Petra Fröschl

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Umdenker, Besserwisser, Andersmacher: Wer bewegt die Stadt?

Mehr Grün, mehr Experimentierfreude, weniger Parkplätze: Diese und andere Wünsche haben neun Münchner Initiativen der Stadtverwaltung am 19. Januar mit auf den Weg gegeben. Bei einer Podiumsdiskussion in der Rathausgalerie ging es um die Frage, wie die Innenstadt weiterentwickelt werden soll.

Oft waren die Positionen konträr, manchmal aber auch gar nicht so weit voneinander entfernt.

Etwa 130 Gäste verfolgten die gut zweistündige Diskussion, die unter dem etwas provokanten Titel „Umdenker, Besserwisser, Andersmacher: Wer bewegt die Stadt?“ stand. Moderiert von Judith Hartmann und Nicolette Baumeister ging es um Themen wie Bürgerbeteiligung, Architekturqualität und öffentlicher Raum, aber auch um viele andere Aspekte.

Wie viel Bürgerbeteiligung brauchen wir?

Dass Bürgerbeteiligung grundsätzlich wünschenswert ist, darin waren sich die Diskutantinnen und Diskutanten einig. Dr. Sylvia Schoske etwa, die Direktorin des Museums Ägyptischer Kunst, lobte das Bürgergutachten zum Kunstareal. Es sei „gelebte Demokratie“ und eine „erfrischende Möglichkeit, Impulse von außen zu bekommen“. Die Ägyptologin wies die Stadtverwaltung aber auf die Notwendigkeit einer zeitnahen Umsetzung der Ideen hin, da sonst die Bereitschaft der Menschen zur Mitwirkung sinke. Micha Purucker, Architekt und Vorstand im Verein Tanztendenz, gab zu bedenken, dass eine „homogene Soße“ entstehe, wenn alle das Gleiche wollten. Wenn viele mitreden, bestehe die Gefahr, dass ein mutiges Projekt allzu „rundgeschliffen“ werde, so Purucker. Und laut Christian Stupka, dem Vorsitzenden der Genossenschaft Wogeno, braucht Bürgerbeteiligung vor allem eines: Transparenz.

Was ist qualitätvolle Architektur?

Bei der Frage nach qualitätvoller Architektur gingen die Meinungen auf dem Podium auseinander. Andreas Dorsch, Initiator der Petition „Kein Luxustempel an der Fraunhoferstraße“, beklagte, dass die Architektur der Projekte The Seven und Glockenbachsuiten „langweilig, lieblos und gar nicht münchnerisch“ sei. Der Investorendruck reduziere die Kreativität, so Dorsch. Benjamin David, Sprecher der Urbanauten und Vorsitzender des Vereins Isarlust, widersprach: Nicht die Architektur dieser Projekte sei schlecht, das Problem sei die Bezahlbarkeit der Mieten. So einfach sei es dann mit dem „Feindbild Gentrifizierung“ auch wieder nicht, fand wiederum Florian Fischer, der einer Initiative 30 junger Architektinnen und Architekten vorsteht. Dass die Altstadt sehr unter Druck stehe, könne man akzeptieren. Es gehe vielmehr darum, Räume außerhalb so weiterzubauen, dass dort städtisches Leben möglich ist, etwa in Freiham. Dazu brauche es Pilotprojekte und Experimentierfreude. Arnold Lemke, Architekt und Sprecher der Altstadtfreunde, äußerte den Wunsch, dass bestimmte Bereiche der Altstadt – als Kompensation für die Entwicklungen der letzten Jahre – rehistorisiert werden.

Und wie muss der öffentliche Raum gedacht werden?

Diskutiert wurde auch über den öffentlichen Raum. Es müsse bei der Begrünung noch viel getan werden, forderte Martin Glöckner, Geschäftsführer von Green City – denn München sei sehr stark verdichtet und versiegelt. Glöckner bemängelte, dass allein in der Innenstadt 120 Hektar öffentlicher Raum durch Parkplätze verloren sei. Wolfgang Czisch vom Münchner Forum für Entwicklungsfragen pflichtete Glöckner bei. Nur 40 Prozent der Besucherinnen und Besucher der Altstadt kämen zum Einkaufen, die übrigen wollten etwas erleben. Doch für sie gebe es keinen Raum zur Begegnung, weil die Fußgängerzone nur ein „Weg zwischen Regalen“ sei. Czisch sprach sich dafür aus, das Kreuzviertel vom ruhenden Verkehr frei zu machen.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk bedankte sich bei den Diskutierenden. „Ich sehe Sie als Verbündete, auch wenn ich nicht mit allen Punkten einverstanden bin“, so die Stadtbaurätin. Sie lud die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher und auch andere Initiativen ein, sich in die Diskussion um die Zukunft der Innenstadt einzubringen. „Es ist ein offener Dialog – und ein Experiment, das gut gelingen kann.“

Petra Fröschl

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Blick zurück auf 50 Jahre Stadtentwicklung

Der Tag, an dem ihm Willi Daume die Bewerbung Münchens als Austragungsort der Olympischen Spiele 1972 vorschlug, ist Hans-Jochen Vogel noch gut in Erinnerung. „Zur Vorbereitung blieben nur 66 Tage“, erzählt der damalige Oberbürgermeister von München. Dass die bayerische Landeshauptstadt den Zuschlag für die Spiele bekam, darauf ist Vogel noch heute stolz.

Denn das Vorhaben brachte eine enorme Schubkraft für die Stadtentwicklung in München.

Mehr als 200 Interessierte waren am 13. Januar in die Rathausgalerie gekommen, um gemeinsam mit Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Alt-OB Hans-Jochen Vogel einen Blick zurück auf 50 Jahre Stadtentwicklung zu werfen. Vogel war von 1960 bis 1972 Oberbürgermeister und gilt als Initiator des ersten Stadtentwicklungsplans 1963, mit dem der Startschuss für S- und U-Bahn, für die Fußgängerzone und die Stadtentwicklungsgebiete Perlach und Freiham fiel. Der Plan enthält auch Prognosen und Leitlinien für die Zeit bis 1990. Wie Stadtbaurätin Merk hervorhob, seien in den 1960er Jahren die Grundlagen für die Stadtforschung und die Sozialplanung gelegt worden, die seitdem eine wichtige Rolle spielen. Die Herausforderungen der Stadtentwicklung von damals seien den heutigen gar nicht so unähnlich - etwa wenn es um Fragen wie Bevölkerungswachstum oder Mobilität geht.

Vogel räumt zunächst einmal mit der Behauptung auf, dass S- und U-Bahn auf die Olympischen Spiele zurückzuführen sind. "Die U-Bahn war bei der Bewerbung bereits im Bau", sagt er. Jedenfalls sei es richtig gewesen, auf diese Verkehrsmittel zu setzen und die Pläne für eine „Tiefbahn“, eine aus dem Untergrund kommende Straßenbahn, wieder zu verwerfen. Auch dass er zunächst ein Verfechter der autogerechten Stadt war und diese Idee erst nach einem Besuch in Los Angeles wieder verwarf, stimme nicht: München sei eine der ersten Städte gewesen, die auf ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Verkehrsarten setzen, so Vogel.

Und wie sieht der Alt-OB die Zukunft? Ratschläge wolle er keine geben, meint der 88-jährige Jurist. Aber er wünsche sich, dass die Konzertsaal-Debatte bald ein Ende finde und in Sachen Zweite Stammstrecke etwas vorangehe. Das Bevölkerungswachstum könne nur zusammen mit der Region bewältigt werden, meint er. Insgesamt gelte: „Stadtentwicklung soll das Leben für die Menschen ein bisschen erträglicher machen."

Petra Fröschl

Stadtspaziergänge - eine Auswahl

Leitbild Förderung des Wohnens: Von der Hofstatt zur Müllerstraße

Der Stadtspaziergang am 13. Februar beschäftigte sich mit dem Thema Wohnen: „Leitbild Förderung des Wohnens: Von der Hofstatt zur Müllerstraße“. München ist durch die gute Lage am Arbeitsmarkt und die hohe Lebensqualität zu einem begehrten Standort geworden. Die steigenden Einwohnerzahlen und die knappen Flächenreserven führen zu einer Verknappung des bezahlbaren Wohnraums. In einem zweieinhalbstündigen Rundgang führten Claudia Neeser, Stadtplanerin und Architektin bei Guiding Architects, Andreas Uhmann vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Axel Markwardt vom Kommunalreferat, Hans-Peter Hebensberger-Hüther von H2R Architekten und Florian Hartmann, Architekt bei Meili Peter Architekten, rund 30 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer durch zahlreiche Wohnprojekte der Münchner Innenstadt - vom Luxuswohnen bis hin zum geförderten Wohnungsbau.

Alexandra Mackel

Die Identität der Stadt: Denkmal und Zukunftsvision

Der dritte Stadtspaziergang am 30. Januar stand unter dem Motto „Die Identität der Stadt: Denkmal und Zukunftsvision“. Im Mittelpunkt standen Neubauprojekte, die in die mittelalterliche Stadtstruktur integriert wurden und somit das Bild Münchens mit prägen.

In dem zweieinhalbstündigen Rundgang führten Claudia Neeser, Stadtplanerin und Architektin, und Nicole Heiß vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung rund 30 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer über 17 Stationen durch die Münchner Innenstadt. Die Vernetzung von Historie und Moderne wurde anhand verschiedener Projekte betrachtet. Spannende Punkte waren sowohl der Neubau des Hotels Königshof als auch die Erkundung der Fünf Höfe.

Fabia Buchner, Lea Epple

Munich is a modern city: Auf den Spuren der Nachkriegsarchitektur

Die Salvatorgarage des Architekten Franz Hart, der Kaufhof am Marienplatz von Josef Wiedemann und das Parkhaus am Färbergraben, geplant von Gerd Wiegand. Diese und weitere Bauwerke der 1950er, 60er und 70er Jahre standen am 24. Januar beim zweiten Stadtspaziergang auf dem Programm.

Unter dem Motto "Munich is a modern city" begaben sich etwa 30 Interessierte gemeinsam mit dem Architekten Alexander Fthenakis und Stadtheimatpfleger Gert Goergens auf die Spuren der Nachkriegsarchitektur. Bei der gut zweieinhalbstündigen Führung stellte Fthenakis nicht nur die architektonischen Charakteristika der 1950er, 60er und 70er Jahre vor, sondern erläuterte auch Wissenswertes zu einer ganzen Reihe von Gebäuden, die die Innenstadt prägen, aber teilweise nur wenig beachtet werden. Goergens ging insbesondere auf Aspekte des Denkmalschutzes ein.

Petra Fröschl

Schön und gut: Das Kunstareal

Der erste Stadtspaziergang des Ausstellungsprogramms hatte am 16. Januar das Kunstareal zum Thema. Die Stadtplanerin und Architektin Claudia Neeser von guiding architects munich führte 35 Personen durch das 66 Hektar große Gebiet in der Maxvorstadt.

Auf dem Programm standen das Museum Brandhorst, die Pinakothek der Moderne, die Alte Pinakothek, das Ägyptische Museum, das Lenbachhaus sowie die Bauten rund um den Königsplatz und das ehemalige Heizkraftwerk in der Katharina-von-Bora-Straße. Das Heizkraftwerk wird von MixedMunichArts kulturell zwischengenutzt, bevor die Stadtwerke dort Wohnungen errichten. Der Rundgang beschäftigte sich nicht nur mit architektonischen Analysen der Bauten, sondern griff auch stadtplanerische Fragen zu Sichtachsen und Freiflächen, zur Orientierung und Verkehrsberuhigung im Kunstareal auf. Diese finden sich auch im Bürgergutachten, das im Februar 2014 übergeben wurde und in der Rathausgalerie sowie im PlanTreff, Blumenstraße 31, erhältlich ist.

Alexandra Mackel

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Zentrale Informationsstelle für Öffentlichkeitsangelegenheiten (PlanTreff)

Blumenstraße 31
80331 München

Fax:
089 233-27151
Postanschrift:

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Zentrale Informationsstelle für Öffentlichkeitsangelegenheiten (PlanTreff)
Blumenstr. 28b
80331 München

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Mo, Di, Do: 10:00 - 17:00

Fr: 10:00 - 14:00