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Nachberichte und Video-Dokumentationen


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Freiraum 2030: Das Konzeptgutachten

Freiraum in all seinen unterschiedlichen Ausprägungen und Typologien ist ein wertvolles und knappes öffentliches Gut, insbesondere in einer rasch wachsenden Stadt wie München.

Mit der Auftaktveranstaltung „Freiraum 2030: Das Konzeptgutachten“ ist Stadtbaurätin Elisabeth Merk am 19. Januar zusammen mit Gästen aus Hamburg, Berlin und München in die öffentliche Diskussion über die Freiräume Münchens gestartet.

Präzise vermittelte Undine Giseke aus Berlin den rund 120 Gästen in der Rathausgalerie die Kerninhalte der von ihrem Landschaftsarchitekturbüro bgmr entwickelten Konzeption zur Freiraumentwicklung Münchens. „Der Freiraumbegriff muss aufgeweitet werden“, sagte Giseke, „in der heutigen Gesellschaft geht Freiraumplanung weit über die klassische Grünplanung hinaus.“ Potenzialflächen und Freiraumtypologien wurden für ganz München definiert und überlagert. Am Ende steht die Freiflächenkulisse, die ein neues Freiraumgerüst für München zeigt und die es nun über erste Projekte zu aktivieren gilt.

Susanne Hutter von Knorring, Leiterin der Grünplanung im Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung, stellte die Bedeutung der Freiflächenkonzeption heraus: „Wir müssen die Freiräume und öffentlichen Orte Münchens qualitativ weiterentwickeln und aktiv für die Stadtgesellschaft sichern. Angesichts der Flächenknappheit, des Klimawandels und der gesellschaftlichen Entwicklungen ist dies eine große Herausforderung“, sagte sie. „Die vorliegende Freiraum-Konzeption liefert konkrete Handlungsansätze und die Chance zum offenen Dialog.“

„Jetzt braucht es breit aufgestellte Allianzen und das Engagement der Zivilgesellschaft, um erste Hot-Spots zu identifizieren, Schlüsselprojekte zu initiieren und die Leute für die weitere Umsetzung der Freiraumkonzeption zu begeistern“, forderte Uli Hellweg, Stadtplaner und ehemaliger Geschäftsführer der IBA Hamburg. Er kann sich eine „Internationale Bauausstellung Grün“ gut vorstellen, die die bisher getrennten Formate von Bau- und Gartenausstellungen verschmelzen lässt.

Die von Nicolette Baumeister und Judith Hartmann moderierte Veranstaltung zeigte einmal mehr, dass sich zahlreiche Initiativen seit langem für Teilaspekte der Freiraumentwicklung engagieren, wie zum Beispiel für die Verbesserung von Freiräumen und der Grünvernetzung für den Fuß- und Radverkehr, die Aktivierung und Mehrfachnutzung öffentlicher Räume oder den Schutz der urbanen Wildnis. Die Konzeptstudie bietet auch hier konkrete Anknüpfungspunkte, um diese Aktivitäten zu bündeln und in den weiteren Prozess einfließen zu lassen.

„Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Freiräume Münchens auch frei bleiben. Dies ist der Auftakt der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Freiraumkonzeption. Besuchen Sie die weiteren Veranstaltungen und Freiraum-Touren. Unterstützen Sie unser Vorhaben beim Stadtrat und beim Oberbürgermeister“, lautete der Appell von Stadtbaurätin Elisabeth Merk an die Öffentlichkeit.

Susanne Grillmeier

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Freiraum und Dichte: Strategien, Potenziale, Positionen

München gilt als die Stadt in Deutschland mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Klar, dass Freiräume da eine wichtige Rolle spielen und auch ungewöhnliche Orte, wie Dächer oder Straßen, dazugerechnet werden müssen.

Am 25. Januar haben sich Stadtbaurätin Elisabeth Merk, weitere Fachleute und Stadtratsmitglieder über „Freiraum und Dichte: Strategien, Potenziale und Positionen“ ausgetauscht.

Rund 130 Gäste waren in die Rathausgalerie gekommen, um den Ausführungen der Stadträtinnen und Stadträte sowie der Expertinnen und Experten zu lauschen und sich an dem offenen Dialog zu beteiligen. Zunächst legten die Stadträtinnen und Stadträte Walter Zöller (CSU), Christian Amlong (SPD), Sabine Krieger (Grüne) und Brigitte Wolf (Die Linke) dar, welche Rolle die Freiraumplanung in ihrer politischen Arbeit spielt und wo sie Handlungsbedarf sehen. „Straßen werden als Freiräume immer wichtiger, das Auto muss deshalb zurückgedrängt werden“, forderte zum Beispiel Krieger. „Wir müssen den Kampf um die letzten Freiflächen härter führen“, sagte Wolf. „Wohnungen zu bauen, ohne die Grünflächen anzupassen, ist schwierig“, fand Zöller. „Es gibt auch historische Quartiere, die dicht sind und gut funktionieren“, sagte Amlong. Die Diskussion müsse ehrlich geführt werden.

Dann stellte Professor Dr. Carlo Becker vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro bgmr das Konzeptgutachten „Freiraum München 2030“ vor, das Grundlage für die gleichnamige Ausstellung ist und mit der Öffentlichkeit diskutiert werden soll. Wie Becker betonte, gleichen Freiräume in einer Stadt mittlerweile einer „Eier legenden Wollmilchsau“ - so viele unterschiedliche Nutzungsansprüche hat die heterogene Gesellschaft an sie. Mehrstöckige Parks? Kitas auf Parkgaragen? „Je knapper die Fläche, desto wichtiger sind Strategien der Mehrfachnutzung und Kooperation“, fasste es Becker zusammen.

Anschließend baten die Moderatorinnen Nicolette Baumeister und Judith Hartmann den Münchner Landschaftsarchitekten Florian Otto (Bauchplan), Jan Förster vom Münchner Büro Teamwerk Architekten, die Münchner Landschaftsarchitektin Ursula Hochrain, Professor Mark Michaeli und Professor Dr. Udo Weilacher (beide Technische Universität München) aufs Podium, um in zwei Minuten je drei Thesen zu „Freiraum und Dichte“ zum Besten zu geben. Hat München eigentlich genug Freiflächen, die nur aktiviert werden müssten? Braucht es einfach nur mehr Mut? Aber wie verträgt sich Mehrfachnutzung mit dem Wunsch nach Ruhe? Haben Hunde tatsächlich eine stärkere Lobby als Jugendliche? Einige Thesen waren so kontrovers, dass sich das Publikum nicht lange bitten ließ, an den fünf Themenstationen mit den Fachleuten zu diskutieren.

Für Professor Becker war das ein gutes Zeichen: „Wir brauchen den intensiven Dialog mit der Stadtgesellschaft. Das hier ist erst der Beginn.“ Stadtbaurätin Elisabeth Merk dankte den Gästen für die rege Beteiligung. Diese sei eine Steilvorlage und eine große Motivation, wenn es darum geht, die Schlüsselprojekte in die Tat umzusetzen.

Petra Fröschl

Podium bei der Veranstaltung "Ressource Stadt"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Kostbares Gut: Ressource Stadt

Freiräume werden meist als Aufenthalts- und Erholungsorte angesehen. Doch sie stehen für weit mehr: Sie sind auch die natürliche Ressource einer Stadt, also wichtig für Biodiversität, das Stadtklima, die Landwirtschaft und Energiegewinnung.

Am 1. Februar haben Expertinnen und Experten der städtischen Verwaltung, der Wissenschaft und des Bundes Naturschutz in Bayern über dieses kostbare Gut und seine Rolle für München diskutiert.

Susanne Hutter von Knorring, Leiterin der Grünplanung im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, eröffnete die Veranstaltung in der Rathausgalerie mit einem Einblick in das Gutachten zur langfristigen Münchner Freiraumentwicklung. Eines der drei darin genannten Leitthemen ist das „Prinzip der Umwandlung“: Stadt ist nicht nur der Ort, an dem Ressourcen verbraucht werden, sie produziert auch welche. Urbane Stoffwechselprozesse werden in den Fokus einer zukunftsorientierten Freiraumentwicklung gestellt.

Zunächst stellte Professor Dr. Stephan Pauleit, Leiter des Lehrstuhls für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung an der Technischen Universität München (TUM), die ökologischen Herausforderungen einer Stadt vor – insbesondere den Verbrauch von natürlichen Ressourcen, die Erhaltung der Umwelt- und Lebensqualität sowie die Anpassung an den Klimawandel. Hierbei verdeutlichte er die Bedeutung von urbanen Grün- und Freiflächen als „grüne Infrastruktur“ mit wichtigen ökologischen, sozialen und kulturellen Dienstleistungen. Dieses multifunktionale grüne Netz ist laut Pauleit auch in Verbindung mit der „grauen“ (etwa Straßen) und „blauen“ (etwa Gewässer) Infrastruktur integrativ zu entwickeln.

Doch wie sieht es konkret in München aus? Wie viel oder wenig Grün bietet die Stadt und wie gehen die Menschen damit um? Wo ist eine Mehrfachnutzung möglich, wo gibt es Konflikte? Darüber sprach der Journalist Marco Eisenack mit Helmut Schmidt vom Abfallwirtschaftsbetrieb, Christian Hierneis vom Bund Naturschutz e.V., Ulrich Rauh vom Baureferat, Dr. Ulrich Uehlein vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung und Dr. Sylvia Franzl vom Referat für Gesundheit und Umwelt. Viele der 90 Gäste nutzten die Chance, um sich an der Diskussion zu beteiligen.

So ging es unter anderem darum, dass sich in München im Vergleich zu anderen Städten Deutschlands viele Menschen relativ wenig Freiraum im Stadtgebiet teilen. Einigkeit bestand auf dem Podium und im Publikum darüber, dass der Straßenraum hier großes Potenzial birgt. Durch eine angepasste Verkehrspolitik mit Fokus auf den öffentlichen Nahverkehr und das Rad - weg vom Autoverkehr - könnten neue Räume frei werden. Auch die Biodiversität müsse auf jeden Fall erhalten bleiben. Deshalb entwickelt die Landeshauptstadt München gerade eine Biodiversitätsstrategie. Der kreative Blick auf den Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Stadt eröffnete weitere Ideen zur Optimierung von Stoffkreisläufen und für eine interessante Freiraumgestaltung. Für Professor Pauleit ist das ein guter Anfang. Doch die spannende Frage werde sein, wie man diese Ideen zum Freiraum mit konkreten Handlungsschritten hinterlegt.

Sabrina Rott

Szene aus der Veranstaltung "Isar für alle"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Isar für alle: Zwischen Naturerlebnis und Grillparty

Treppen am Isarufer, mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer, Aussichtsbalkone, ergänzende Kioske – mit diesen und anderen Maßnahmen soll der öffentliche Raum an der innerstädtischen Isar zwischen Reichenbach- und Luitpoldbrücke aufgewertet werden. So will es zumindest die Rahmenplanung, die der Stadtrat im Oktober 2015 beschlossen hat.

Am 18. Februar haben Fachleute über die nächsten Schritte und mögliche Nutzungskonflikte gesprochen. Auch die abgeschlossene Isar-Renaturierung zwischen Braunauer Eisenbahnbrücke und Museumsinsel war Thema.

Rund 140 Gäste waren in die Rathausgalerie gekommen. Nach der Begrüßung durch Susanne Ritter, Leiterin der Stadtplanung, stellte Andrea Gebhard die Rahmenplanung vor, die ihr Büro erstellt hat. Die Landschaftsarchitektin ließ die Geschichte der innerstädtischen Isar von 1808 bis heute Revue passieren und legte dar, wie grundlegend sich dieser Abschnitt über die Jahrhunderte verändert hat. Der neue Rahmenplan untersucht Bereiche, wo Neues entstehen kann, um den veränderten Ansprüchen an den Isarraum gerecht zu werden - etwa die bessere Erreichbarkeit des Wassers und mehr Aufenthaltsqualität. Naturnahe Abschnitte hingegen sollen unberührt bleiben.

Benjamin David vom Verein Isarlust fand den Rahmenplan einen gelungenen Kompromiss für die, die sich nach Ruhe und Erholung sehnen, und die, die sich mehr Leben am Fluss wünschen. Wenn dieser umgesetzt werde, brauche es keine temporären Maßnahmen wie den Kulturstrand mehr, so David. Potenzial für mehr Aufenthaltsqualität sah der Münchner Aktivist in der Reduzierung des Verkehrs an der Westpromenade zu Gunsten der Fußgänger. Außerdem tritt David für ein Flussbad zwischen Patentämtern und Deutschem Museum ein.

Dieter Lang vom Deutschen Museum freut sich über jede Belebung in diesem Isarabschnitt. Nach dem Umbau des Museums würden der westliche Zugang und die Freiflächen auf der Museumsinsel wieder für alle geöffnet werden, versprach er. Nur hier lasse sich die Isar aus einer urbanen Perspektive erleben. Auch soll die Insel an verschiedenen Stellen durch Außengastronomie belebt werden.

Wie wichtig der Fluss den Münchnerinnen und Münchnern ist, zeigten mehrere Wortmeldungen aus dem Publikum: Einem Bürger ging die Umsetzung des Rahmenplans nicht schnell genug, andere wünschten sich eine Entlastung des hoch frequentierten, südlichen Teils der Isar. Die Expertinnen und Experten waren sich einig: Die Umsetzung der Rahmenplanung braucht Zeit - und sie wird zu einer Entzerrung beitragen.

Anschließend stellte Ralf Wulf vom Baureferat die Isar-Renaturierung vor. Er betonte, dass der viele Müll und Rauch, insbesondere am Flaucher, nicht mit der Renaturierung in Verbindung zu setzen sind. Vielmehr habe sich das Freizeitverhalten der Menschen in den vergangenen zehn Jahren enorm verändert – man denke nur an Public Viewing. Laut Wulf werden zunächst ein Pflegekonzept für den Vater-Rhein-Brunnen erarbeitet und barrierefreie Zugänge von der Reichenbachbrücke aus untersucht. Die Ludwigsbrücke und sehr große Bereiche der Isarmauern müssten, so der Fachmann, nach und nach in Stand gesetzt werden. Bautechnisch und mit dem entsprechenden Geld vom Stadtrat ausgestattet, stünden Cafés und Terrassen entlang der Isar nichts im Weg.

Die Isar-Renaturierung ist eine Erfolgsstory, die weltweit auf sehr großes Interesse stößt. Das betonte auch Walter Binder vom Verein Living Rivers, der früher beim Bayerischen Wasserwirtschaftsamt tätig war. Binder erklärte das der Renaturierung zugrunde liegende Leitbild des alpinen Wildflusses mit Kiesbänken und Auwäldern. Natürlich zögen die gute Wasserqualität und eine bessere Zugänglichkeit des Ufers mehr Menschen an, sagte er. Sein Kommentar zu den angesprochenen Nutzungskonflikten: „Straßen gibt es in München viele, aber nur eine Isar.“

Die Landschaftsarchitektin Maria Auböck, Professorin an der Akademie der Bildenden Künste, empfindet München als vorbildlich im Umgang mit der Isar. Im 21. Jahrhundert wolle man Wasser erleben, früher habe man Angst davor gehabt. Nach Auffassung Auböcks gibt es an der Isar ausreichend Orte der Ruhe. „Lassen sie uns die Chancen, die der Freiraum Isar bietet, besser für mehr Menschen nutzen“, lautete der Schlussappell von Stadtdirektorin Ritter.

Es moderierte der Journalist Marco Eisenack.

Dina Straße

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Urban Slams  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Standpunkt Freiraum: Urban Slam

Von den „kurzweiligen Straßen“ bis zur Begegnung mit den „Sprayer-Passanten“: Rund 150 Gäste sind am 25. Februar in die Rathausgalerie gekommen, um Akteuren des Freiraums, aus der Verwaltung, der Kinder- und Jugendarbeit und der Kreativszene beim „Slammen“ über die unterschiedlichsten Themen zuzuhören.

Alle Vortragenden hatten sechs Minuten Zeit, um auf kreative Weise für ihre Ideen zu werben  – im Anschluss stimmte das Publikum ab, welche Präsentation die überzeugendste war.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk begrüßte das Publikum zu diesem besonderen Abend, der im Rahmen der Munich Creative Business Week (MCBW) stattfand. Das Thema Freiraum bringe „Urban Design“ mit Stadtentwicklung zusammen und gehe uns alle an, sagte Merk. Mit dem Spruch „Mein Freiraum ist Dein Alptraum“ eröffnete sie die Bühne für die Slammerinnen und Slammer.

Als erster Gast slammte Matthias Lilienthal, Intendant der Kammerspiele, „von der künstlerischen Verformung der Münchner Bauordnung“. Er sprach sich für mehr Aktionen wie das von ihm ins Leben gerufene Projekt der „ShabbyShabby Appartements“ aus, damit sich die Bürgerinnen und Bürger den Freiraum nehmen können, den sie brauchen.

Doris Zoller, Stadtplanerin und Architektin bei stadt.gold, warf einen „Blick zurück auf die Schnittstelle zwischen öffentlich und privat in der Erdgeschosszone“ und betonte die Notwendigkeit der Interaktion zwischen Passanten und Bewohnenden: Gemeinschaftliche Höfe können Orte der Begegnung sein.

Im Anschluss referierte Matthias Castorph von Goetz Castorph Architekten über „langweilige und kurzweilige Straßen“, die den Alltags- und Stadtraum im Wechselspiel facettenreich gestalten können. Marina Lessig vom Kreisjugendring überbrachte ihrer Stadt „Post der 16-jährigen Marie aus München, die ihr München liebt“. Marie alias Marina wünscht sich einen Handlungsraum, einen Spielraum, aber auch einen Raum zum Nichtstun für sich und ihre Altersgenossen.

Für mehr Freiräume für die lebhafte, urbane und kulturell sehr unterschiedliche Sprayerszene sprach sich Loomit, international bekannter Graffitikünstler aus München, aus. Als nächster Slammer trat Benjamin David von den Urbanauten auf das Podium und forderte „mehr Platz für alle, mehr öffentliche Räume und mehr bezahlbaren Wohnraum in München“ - und ganz konkret drei neue Plätze pro Jahr für jedes Stadtviertel.

Den Freiraum in Zukunft virtuell erleben mittels „Virtual-Reality-Brille“ war die Idee von Minh Tran, Jugendlicher des Jugendtreffs „Come In“ in Neuperlach. Doch Tran stellte schnell fest, dass die digitale Welt nur fürs Auge ist und dass sich allein echte Erfahrungen und Erlebnisse im Freiraum gut anfühlen.

Cornelius Mager von der Lokalbaukommission im Referat für Stadtplanung und Bauordnung slammte über die „Remmidemmisierung“ des öffentlichen Raums. Auch wenn München als die teuerste Stadt in Deutschland einem fortwährenden Verwertungsdruck mit einhergehender Abzäunung und Bewerbung unterliegt, dürfen grüne Freiräume keine kommerziellen Räume sein, so Mager. Denn „eine Illustrierte kann man umblättern, die Stadt nicht.“

Als letzter Vortragender sprach Jörg Koopmann, Fotograf, Verleger und Kurator, über die Freiräume der Münchnerinnen und Münchner. Koopmann hatte im Vorfeld der Jahresausstellung „Freiraum 2030“ Fotografien in und um München gemacht und fand seinen persönlichen Lieblingsfreiraum im Münchner Nordosten: einen Park mit Baumschatten, den ein Junge alleine für sich zum „Goaßlschnalzen“ üben nutzt.

Dem Publikum gefiel der Brief der fiktiven Jugendlichen an München am besten - die Urban-Slam-Gewinnerin Marina Lessig „mag die Vielfalt Münchens“, wünscht sich aber auch mehr Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, aktiv mitreden, mitgestalten und zeigen zu können, was ihnen wichtig ist.

Es moderierten Anne Hogeback und Dina Straße vom PlanTreff.

Alexandra Mackel

Olympiapark  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Foto: Michael Nagy
© Michael Nagy / LHM

Günther Grzimek: Demokratisches Grün

Günther Grzimek, der Planer des Münchner Olympiaparks, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Ein würdiger Anlass für das Referat für Stadtplanung und Bauordnung und den Werkbund e.V., im Rahmen der Ausstellung „Freiraum 2030“ über die Vergangenheit und die Zukunft des Parks zu sprechen.

Rund 150 Freunde und Interessierte des Parks waren am 29. Februar in die Rathausgalerie gekommen, um zunächst der Lehrstuhl-Nachfolgerin Grzimeks, Professorin Regine Keller, und ihrem Vortrag über das Leben und Wirken des Olympiapark-Planers zuzuhören. Regine Keller ging vor allem auf die Werte ein, die Grzimek wichtig waren, wie die Freiheit und Offenheit der Gestaltung des Parks. Wie sie betonte, wollte Grzimek mit dem Olympiapark einen „Benutzerpark“ schaffen, der gleichzeitig auch ökologisch von Wert ist. „Er wollte die Idee einer landschaftsräumlichen Entsprechung einer jungen Demokratie verwirklichen“, so die Professorin.

Im anschließenden Podiumsgespräch zwischen Bürgermeisterin Christine Strobl, Stadtbaurätin Elisabeth Merk, der Ethnologin Simone Egger, dem Generalkonservator Matthias Pfeil und Regine Keller wurden eben jene Werte gewürdigt. Moderatorin Andrea Gebhard bekam auf die Frage, wie die Zukunft des Parks aussehe, nur positive Antworten. Stadtbaurätin Merk betonte, dass man den Park behandeln müsse wie einen Dom oder eine Residenz. Er gehöre zum Erbe, das gepflegt und behutsam weitergedacht werden müsse. Dabei gehe es ihr zum Beispiel darum, Veranstaltungen zu suchen, die zum Park passen, und den Park an den Rändern zu entwickeln.

Simone Egger sprach sich dafür aus, im Park besser zu erklären, wie wichtig die einzelnen Orte seien, etwa durch Beschilderungen. Auch Generalkonservator Pfeil betonte, dass die didaktische Vermittlung des Gesamtkunstwerks Olympiapark ein wichtiges Anliegen sei. Bürgermeisterin Strobl führte aus, dass die Stadt schon viel Gutes für den Erhalt des Parks getan habe und weiterhin tue. Auch sie sprach sich dafür aus, die Geschichte des Parks besser für die Besucherinnen und Besucher zu beleuchten - jeweils an verschiedenen Orten. Regine Keller erinnerte an die Idee Grzimeks, den Park im Spiegel der Zeit und der Gesellschaft zu sehen, um damit auch Räume für Neues zuzulassen. Andrea Gebhard schloss die Diskussion mit einem Appell: Der Olympiapark sei auf einem guten Weg, auch wenn es noch viel zu tun gebe. Dafür müsse sich die Stadtgesellschaft engagieren.

Anne Hogeback

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Stadt und Umland: Gemeinsam für den Freiraum

Die Stadt München und das Umland müssen noch stärker als bisher an einem Strang ziehen – nicht nur beim Bau von Wohnungen und bei Verkehrsfragen, sondern auch bei der so wichtigen Sicherung und Entwicklung der Freiräume. Zu diesem Schluss sind die Podiumsgäste am 3. März bei der Veranstaltung „Stadt und Umland: Gemeinsam für den Freiraum“ gekommen.

Rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten der Abschlussdiskussion in der Rathausgalerie, die zugleich Finissage für die Ausstellung „Freiraum 2030“ war.

München wird wachsen und braucht mehr (bezahlbare) Wohnungen. Mindestens genauso wichtig sind jedoch die Freiräume, damit sich all die alteingesessenen und neu zugezogenen Menschen erholen können und Ruhepausen finden. Dass München diese Herausforderungen nicht alleine stemmen kann, das betonten die Stadträte Otto Seidl (CSU) und Paul Bickelbacher (Grüne) gleich zu Beginn. „Das Umland ist für München sehr wichtig und wird noch wichtiger werden, allein wegen des Freizeitdrucks“, stellte Seidl fest. Er forderte den Ausbau des MVV-Netzes, um das Pendeln zu erleichtern. Bickelbacher sah in der Neuauflage des Regionalplans gute Chancen, bereits vorhandene Kooperationen zu vertiefen. „Wir müssen mehr auf das Rad und den öffentlichen Nahverkehr setzen und dürfen nicht so viel Fläche dem Auto opfern“, sagte er.

Auch die Europäische Metropolregion München (EMM) beschäftigt sich mit der Frage, wie in der wachsenden Region mit der endlichen Ressource Landschaft umgegangen werden soll. Laut Dr. Johannes Gnädinger, Leiter der Facharbeitsgruppe Landschaften, hat der Verein EMM in den Jahren 2013/14 eine regionale Landschaftskonvention nach europäischen Vorbild erarbeitet, die demnächst von allen Mitgliedern unterzeichnet werden soll. Für Gnädinger ist die EMM gerade wegen ihrer intakten Landschaften so lebenswert - und diese Lebensqualität gelte es zu erhalten. Seine Vorschläge: die Bedeutung von Landschaft noch mehr ins Bewusstsein rücken, vorhandene Kräfte bündeln, Kirchturmpolitik und Konkurrenzdenken überwinden, bisheriges Handeln überprüfen und als „Spitzenregion“ mit gutem Beispiel vorangehen. Außerdem stellte Gnädinger das Projekt „Grüne Infrastruktur“ vor. Danach solle sich die EMM dafür einsetzen, dass ein strategisch geplantes Netzwerk zusammenhängender Freiräume zur Sicherung der Ökosystemleistungen ein Normteil der Raumplanung wird. Der Landschaftsplaner kritisierte, dass gerade im Raum München zu viele Flächen für Gewerbe und Infrastruktur in Anspruch genommen würden. Nach einem bundesweiten Ziel müsste der hiesige Flächenverbrauch bis 2020 um zwei Drittel reduziert werden.

Mut machen die vielen bestehenden Initiativen und Vereine, die sich für Landschaftsschutz einsetzen. So zum Beispiel der Erholungsflächenverein, der Verein Dachauer Moos, der Heideflächenverein oder das im vergangenen Jahr gegründete Regionalmanagement München Südwest, in dem sich acht Würmtal-Kommunen zusammenschlossen. Über die vielfältigen Arbeiten dieser Kooperationen berichteten der Starnberger Landrat Karl Roth, der Oberschleißheimer Bürgermeister Christian Kuchlbauer und die Gautinger Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Gleichwohl waren sich die drei Podiumsgäste einig, dass es ein Spagat mit Interessenskonflikten ist, den Freiraum zu schützen und Gewerbegebiete und Wohnungen zu schaffen. Wenn Wachstum in der Region, dann behutsam, lautete der gemeinsame Tenor der ersten von zwei Podiumsrunden, die von Karla Schilde, Regionalplanerin im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, moderiert wurden.

Die Frage nach neuen Kooperationsformen beschäftige die Gäste der zweiten Podiumsrunde. Weil der Druck auf die Landschaften im Raum München schon in den nächsten zehn Jahren stark zunehmen werde, möchte Christian Breu vom Regionalen Planungsverband (PV) ein Bürgergutachten initiieren, an dem Menschen aller Altersgruppen teilnehmen sollen. Außerdem bot Breu an, jährlich einen regionalen Kongress zu diesem Thema zu organisieren. Dem Aschheimer Bürgermeister Thomas Glashauser war es vor allem ein Anliegen, an der Entwicklung des Münchner Nordostens beteiligt zu werden - „damit es für alle eine Win-Win-Situation wird“. Östlich der Flughafenlinie S8 könnten in den nächsten Jahrzehnten mehrere neue Stadtquartiere entstehen. Aschheim hat acht Kilometer direkte Gemeindegrenze mit dem Gebiet, das die Stadt München derzeit zu diesem Zweck untersuchen lässt. Ein guter Anfang für mehr Kooperation ist laut dem Dachauer Landrat Stefan Löwl mit der Regionalen Wohnungsbaukonferenz gemacht, zu der Oberbürgermeister Dieter Reiter auch in diesem Jahr wieder einlädt. Bei der nächsten Veranstaltung am 4. Mai sollen auch die Themen Landschaft und Freiraum eine große Rolle spielen. „Wenn der Wille da ist, werden wir das richtige Forum finden“, sagte Löwl. „Aber es müssen auch Verkehrsplaner und Wohnungsbaugesellschaften einbezogen werden. Und jeder muss bereit sein, etwas zu geben.“

Stadtbaurätin Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk dankte den Gästen für die ehrliche Diskussion und die vielen konkreten Vorschläge. „Wir werden das Freiraum-Thema im laufenden Jahr noch bei weiteren Veranstaltungen thematisieren“, versprach sie – und wünschte sich ein „Mini München regional“: So könnten junge Leute aus der ganzen Region an einen Tisch gebracht werden.

Petra Fröschl

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