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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Die nachhaltige Stadt - Themenbereich Freiraum


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Freiraum muss nicht grün sein, auch Plätze zählen dazu.
© Peter Schinzler / Landeshauptstadt München

Freiräume erhalten, gestalten, neu denken

Freiräume sind liebgewonnene Begegnungs- und Erholungsorte sowie Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und haben zentrale Funktionen für die Anpassung an den Klimawandel. Außerdem sind Freiräume Element der Stadtgestaltung und Anbaufläche für regionale Lebensmittel. Doch Freiräume sind knapp und der Druck auf sie ist groß. Egal ob Parks, Dachgärten oder Zwischennutzungen auf Parkplätzen – die Stadt muss mit großer Sorgfalt und Weitsicht planen, bestehende Flächen sichern und auch mal Ungewöhnliches möglich machen.

Stadt im Wandel heißt Freiraum im Wandel

Freiräume sind ein Seismograf des sozialen Wandels und wichtig für ein gelingendes Zusammenleben in der Stadt. Deshalb müssen wir bestehende Freiräume weiterentwickeln und mehrfach nutzen, landschaftlich wertvolle Räume schützen und neue Orte entdecken. Das Konzeptgutachten „Freiraum München 2030“ mit Leitthemen, Strategien und Schlüsselprojekten zur langfristigen Freiraumentwicklung zeigt viele Möglichkeiten auf.

Freiräume werden auch als „Grüne Infrastruktur“ bezeichnet. Der Begriff ist sperrig. Er macht aber deutlich, dass Freiräume kein verzichtbarer Luxus sind. Gerade in Ballungsräumen sind sie zwingende Voraussetzung für ein funktionierendes Gemeinwesen und übernehmen als Plattformen für den freien Austausch eine wichtige Demokratiefunktion.

Die nachhaltige Stadt ist blau-grün

Wir spüren die Folgen des Klimawandels besonders in den Innenstädten, die zu Wärmeinseln werden. München muss auf diese Veränderungen reagieren, um widerstandsfähig zu sein. Viele Maßnahmen der Klimaanpassung setzen an der Blau-grünen Infrastruktur an: bestehende Freiräume sichern und weiterentwickeln, Dächer, Höfe und Fassaden bepflanzen, Flächen entsiegeln, Bäume sorgfältig auswählen und Wasser zur Verdunstung und Kühlung noch mehr in die Planung integrieren – es gibt viele Möglichkeiten.

Freiflächen sind wichtig für die Gesundheit, die Erholung und das Wohlbefinden des Menschen, besonders dann, wenn die Temperaturen steigen. Aber: Eine Anpassung an die globale Erwärmung ist nicht unbegrenzt möglich. Deshalb müssen wir noch mehr für den Klimaschutz tun!

Exkurs: Die Reißende

Mit 13,7 Kilometer Fließlänge im Stadtgebiet ist die Isar Münchens wichtigstes Gewässer. Der alpine Wildfluss ist Erholungsraum, Klimakühler, Lebensraum, bedeutendes Biotop und wesentliches Element der Stadtlandschaft. Der südliche Teil bis zur Reichenbachbrücke wurde renaturiert, für den nördlichen Teil gibt es tolle Ideen, um den Fluss besser erlebbar zu machen – zum Beispiel Sitzstufen am Deutschen Museum. Diese und weitere Vorschläge finden sich im Isar-Rahmenplan. Weil der Naturraum belebt und beliebt, aber auch sehr sensibel ist, ist ein behutsames Vorgehen notwendig.

Exkurs: Dachgestaltung hat viele Gesichter

Dachgestaltung ist nicht gleich Dachgestaltung. Heute gibt es viele Lösungen, wie Dächer klimagerecht optimiert werden können. Sie reichen von einer einfachen Erhöhung der Rückstrahlwirkung (Albedo) über „blaue“ Kiesdächer, die viel Wasser speichern und große Mengen Niederschlag zurückhalten können, bis hin zu begrünten Dächern mit Verdunstungs- und Auffangfunktion. Je höher die Substratschicht und je dicker der Boden, desto besser ist die kühlende Wirkung für das Stadtklima. Am effektivsten sind Wassergärten, bei denen die Pflanzen dauerhaft im Wasser stehen.

Exkurs: Das Schwammstadt-Prinzip

Das Prinzip der Schwammstadt geht die Herausforderungen Hitze, Dürre und Überflutung durch Starkregen gleichermaßen an. Die Idee: Die Oberfläche der Stadt soll in Zeiten des Überschusses, etwa nach starken Niederschlägen, wie ein Schwamm Wasser speichern, um es in Hitzeperioden wieder abzugeben. So kann durch Verdunstung über den Boden und die Vegetation Kühle entstehen. Das Schwammstadt-Prinzip ist eine Maßnahme der wassersensiblen Stadtentwicklung, die ortsnahe Lösungen für Oberflächen wie Plätze, Parks oder Dächer sucht – zur Versickerung, Verdunstung, Nutzung, Speicherung und gedrosselten Ableitung von Regenwasser. Der Wasserkreislauf wird dabei möglichst naturnah gestaltet.

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Die bedeutendsten Gewässer in München

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Dachgestaltung hat viele Gesichter

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Das Schwammstadt-Prinzip

Grüne Stadt der Zukunft

Begrünte Dächer und Fassaden, das Pflanzen geeigneter Baumarten oder die städtebauliche Anordnung von Gebäuden – wie Maßnahmen zur Klimaanpassung besser in Wettbewerbe, Strukturkonzepte und Bebauungspläne integriert werden können, untersucht die Landeshauptstadt München zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung im Projekt „Grüne Stadt der Zukunft“. In ausgewählten Quartieren wird analysiert, welche Effekte eine grüne Infrastruktur auf das Mikroklima hat und wie sie verbessert werden kann. Für eine wachsende Stadt wie München ist das wichtig, weil Dichte und Versiegelung Probleme wie Hitze und Starkregen verstärken. Gleichzeitig muss aber Wohnraum geschaffen werden. In dem Forschungsprojekt werden beide Ansätze vereint. Bestandteil sind auch sozialwissenschaftliche Erhebungen zum Freiraumverhalten und zur Motivation, den eigenen privaten Bereich zu begrünen.

Den Stadtrand nachhaltig entwickeln

Siedlungsentwicklung in unmittelbarer Verbindung zum Landschaftsraum – das ist das Ziel für den Münchner Nordosten: Östlich der Flughafenlinie S8 soll in den nächsten Jahrzehnten ein neuer Stadtteil für bis zu 30.000 Menschen entstehen. Mindestens die Hälfte der 600 Hektar großen Fläche wird für bestehende Nutzungen, wie Landwirtschaft und Pferdesport, sowie für den Erhalt der wertvollen Landschaften freigehalten. Ziel ist eine nachhaltige Stadtentwicklung mit ausreichend Erholungsflächen für alle.

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Der Münchner Grüngürtel
© Sigl Affairs

Der Münchner Grüngürtel

Der Grüngürtel umschließt München wie ein 70 Kilometer langes Band und ist für das Stadtklima enorm wichtig: Die Flächen produzieren kühle und saubere Luft für die Innenstadt, speichern Niederschläge und federn Hochwasser ab. Die Wälder binden große Mengen an schädlichem Kohlendioxid, die regionale Landwirtschaft bietet schadstoffarme, gesunde Lebensmittel mit kurzen Transportwegen. Besonders lieben wir den Grüngürtel aber für seinen hohen Erholungswert direkt vor unserer Haustür. Er ist wertvoll und schützenswert!

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Die häufigsten Münchner Straßenbäume
© Sigl Affairs

Naturraum Stadt

Biologische Vielfalt erhalten

Mit Tausenden Tier- und Pflanzenarten ist München ein Ort der Artenvielfalt. Damit das noch lange so bleibt, hat der Stadtrat Ende 2018 die Biodiversitätsstrategie auf den Weg gebracht. Als Beitrag dazu lässt die Untere Naturschutzbehörde die Stadtbiotopkartierung aktualisieren, auf deren Grundlage eine „Flächenkulisse Biodiversität“ entwickelt wird. Diese zeigt Räume auf, die für den Erhalt der Artenvielfalt in München unverzichtbar sind.  Denn einige Tiere haben hier ihr letztes größeres Verbreitungsgebiet, wie die Wechselkröte oder die HelmAzurjungfer, eine Libellenart. Naturschutz braucht Fläche – nur durch die Sicherung von Lebensräumen kann das Artensterben gestoppt werden! Der Verlust der biologischen Vielfalt ist neben dem Klimawandel eines der zentralen Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts.

Bäume schützen

Bäume sind biologische Verdunstungsmaschinen. Sie spenden Schatten, reinigen die Luft und dämmen Verkehrslärm. Bäume sind Lebensraum für Vögel, Kleinsäuger und Insekten, Gestaltungselement und Klimaverbesserer. Deshalb müssen sie geschützt werden!

Münchens Baumschutzverordnung eröffnet Spielräume zum Schutz von Bäumen und ermöglicht die Anordnung von Ersatzbäumen. Die Untere Naturschutzbehörde entscheidet über Fällanträge wegen Krankheit, Gebäudeschäden oder Kanaleinwurzelung, die Baubehörde über Bäume in Bauanträgen. Hier gilt zwar „Baurecht vor Baumschutz“, oft machen Umplanungen aber baumfreundliche Lösungen möglich. Und im Zuge der „Ersatzbauminitiative“ wird systematisch überprüft, ob die angeordneten Ersatzbäume auch gepflanzt wurden.

Für Straßenbäume ist das Baureferat zuständig – momentan gibt es etwa 113.000 davon. Weil sich das Klima verändert, sind heimische Baumarten oft nicht mehr robust genug. Daher kommen verstärkt klimatolerante Arten wie die Kobushi-Magnolie oder der Dreizahn-Ahorn zum Einsatz. Und bei Alleen heißt es Vielfalt statt Monotonie. Allein 20.000 Bäume werden in den städtischen Baumschulen herangezogen.

Den größten Schutz genießen Bäume, wenn sie als Naturdenkmäler gelten. Momentan gibt es 183 herausragende Exemplare mit dem Prädikat „Einzelschöpfungen der Natur“, die an 99 verschiedenen Standorten stehen.

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Wärmeinsel-Effekt
© Sigl Affairs

Kühle Luft für ein gutes Stadtklima

Sicherlich haben Sie schon den Unterschied bemerkt, wenn Sie an einem heißen Sommertag von der versiegelten Stadt in den Englischen Garten kommen. Dort ist es spürbar kühler, manchmal weht eine leichte Brise. Kein Wunder, denn große, zusammenhängende Grün- und Freiflächen in und um München sind wichtige Kaltluftlieferanten – und für das Stadtklima und unser Wohlbefinden essenziell.

Denn die Temperaturen steigen und tropische Nächte mit mehr als 20 Grad Celsius sind keine Seltenheit mehr – die Stadt wird zur Wärmeinsel. Dort kann es schon einmal zehn Grad wärmer sein als in der Umgebung. Um dieser Aufheizung entgegenzuwirken, müssen klimawirksame Freiflächen städtebaulich gut verteilt, gesichert, weiterentwickelt und neu geschaffen werden. Grüne Dächer, Fassaden und Bäume können punktuell für Kühlung sorgen. Die Stadt muss Siedlungsstrukturen entsprechend gestalten und Gebäude so anordnen, dass eine gute Durchlüftung möglich ist.

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
PlanTreff - Plattform zur Stadtentwicklung

Blumenstraße 31
80331 München