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Umfassende Betreuung unbegleiteter Minderjähriger im neuen Ankunftszentrum


Das Young Refugee Center von außen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Oberbürgermeister Dieter Reiter besucht das „Young Refugee Center“

(07.04.2016) Nach nur wenigen Monaten Bauzeit ist es soweit: Am 18. April 2016 nimmt das „Young Refugee Center“ (YRC) für unbegleitete minderjähri­ge Flüchtlinge in der Marsstraße seinen Betrieb auf. Mit der neuen Ein­richtung gibt es nun eine zentrale Anlaufstelle für minderjährige Flücht­linge, die ohne ihre Eltern neu in München ankommen. Verant­wortlich für den Betrieb ist das Sozialreferat - Stadtjugendamt.

Zentral statt wie bisher dezentral werden die Minderjährigen vorläufig in Obhut genommen, ärztlich untersucht, registriert und psychologisch betreut. Zudem wird eine Alterseinschätzung vorgenommen, sofern keine gültigen Ausweispapiere vorliegen. Auch die Ausländerbehörde wird im YRC vertreten sein und nimmt dort direkt die Anmel­dung zum Ausländerzentralregister vor. Zudem werden alle administrativen Vor­gänge unmittelbar vor Ort durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtjugendamts bearbeitet.

Die neue Ankunftszentrale bietet damit zahlreiche Vorteile unter einem Dach: eine schnelle Registrierung und Alterseinschätzung, eine umfas­sende ärztliche und psychologische Betreuung sowie verkürzte Verfah­rensdauern durch die zentrale Bearbeitung. Das YRC löst die bisherige Anlaufstelle in der Bayernkaserne ab, in der jedoch nur ein Teil die­ser Aufgaben wahrgenommen werden konnte.

Wenige Tage vor der Inbetriebnahme informierte sich Oberbürgermeis­ter Dieter Reiter in Anwesenheit zahlreicher Vertreterinnen und Vertre­ter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie von Wohlfahrtsverbän­den und Trägern der Jugendhilfe bei einem Rundgang im Rahmen der Eröffnung des bundesweit einzigartigen Ankunftszentrums. Oberbür­germeister Die­ter Reiter: "Kinder und Jugendliche, die aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns kommen, brauchen gerade in den ersten Stun­den nach ihrer Ankunft Menschen, die ihnen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben. Das Young Refugee Center mitten in Mün­chen verbindet unter einem Dach notwendige Verwaltungsaufgaben wie Registrierung und medizinische Versorgung mit professioneller Be­treuung der oft traumatisierten jungen Menschen, bevor sie dann an ih­ren endgültigen Aufenthaltsort weitergeleitet werden. "

Bei der Gestaltung der Räume legte das beauftragte Architektur- und Planungsteam Wert auf ein besonderes Licht- und Farbkonzept sowie international verständliche Symbole, um die Orientierung im Gebäude zu erleichtern.

Im Erdgeschoss befinden sich zwei Eingänge, die 24 Stunden besetzt sind, der Registrierungsbereich, Ruhe- und Aufenthaltsräume sowie eine Cafeteria. Ärztliche Betreuung, Alterseinschätzung und Erstbera­tung erfolgen im ersten Obergeschoss. In den oberen Stockwerken des insgesamt siebengeschossigen Bauwerks befinden sich 180 Kurz­zeitschlafplätze mit Zwei- und Vier-Bettzimmern, Küchen und Aufent­haltsräume sowie Büroräume. Besonders schutzbedürftige Kinder un­ter 14 Jahren sowie Mädchen werden separat in zwei von insge­samt neun Kurzzeitwohngruppen untergebracht. Der Betreuungs­schlüssel beträgt 1:5, d.h. eine sozialpädagogische Fachkraft kümmert sich um fünf Kinder bzw. Jugendliche. Die durchschnittliche Aufenthalts­dauer wird nur wenige Tage betragen, bis die jungen Menschen in eine dau­erhafte Einrichtung innerhalb Münchens wechseln oder bundesweit verteilt und in einer anderen Kommune untergebracht werden. Im YRC gibt es auch freies WLAN, um den jungen Menschen einen direkten Kontakt zu ihren Familien zu ermöglichen.

Das Catering, die Reinigung, die Bewachung, die Begleitung bei der Verlegung in andere Kommunen, der Hausmeisterdienst, das Dolmet­schen und die medizinische Versorgung werden externen Dienstleis­tern übertragen.

Die veranschlagten Aufwendungen für den Betrieb des YRC betragen jährlich rund 14 Millionen Euro. Hiervon werden etwa 95 Prozent durch den Freistaat refinanziert.
Allein im Jahr 2015 kamen rund 10.000 unbegleitete Minderjährige in München an. Davon wurden 5.000 vom Stadtjugendamt in Obhut ge­nommen. Für das laufende Jahr wird mit ähnlichen Zahlen wie 2015 gerechnet.