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Die Leistungen der Jugendgerichtshilfe im Überblick


    Jugendliche  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

    Grundlagen

    Die Jugendgerichtshilfe arbeitet nach dem Kinder und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) und dem Jugendgerichtsgesetz (JGG).
    Wichtig für die Ermittlung ist das Alter zum Zeitpunkt der Straftat.

    Bis 14 Jahren bist du ein Kind und damit straf-unmündig.
    ► bei einer Straftat wird kein Gerichtsverfahren eingeleitet
    Deine Eltern erhalten über die Polizei eine Beratungsangebot beim Stadtjugendamt.

    14 – 17 Jahre bist du Jugendlicher/Jugendliche
    ► du wirst nach dem Jugendstrafrecht beurteilt

    18 – 21 Jahre bist du Heranwachsender/Heranwachsende
    ► im Einzelfall wird geprüft und entschieden, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht Anwendung finden soll

    Im Jugendstrafrecht werden deine Lebensumstände besonders berücksichtigt. Beim Erwachsenenstrafrecht ist dies nicht der Fall.

    Straftat

    Das Gesetz unterscheidet zwischen Vergehen und Verbrechen.

    Vergehen sind alle Straftatbestände, welche keine Mindeststrafe von einem Jahr beinhalten.

    • Diebstahl
    • Betrug/Hehlerei
    • Schwarzfahren/Beförderungserschleichung
    • Sachbeschädigung
    • Fahren ohne Fahrerlaubnis
    • Beleidigung
    • Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz
    • (geringe Mengen) Hausfriedensbruch
    • Fälschen von Ausweispapieren

    Verbrechen ist eine Tat, die im Mindestmaß mit einer Strafe von einem Jahr bedroht ist.

    • Raub
    • Drogenhandel
    • schwere/gefährliche Körperverletzung
    • Totschlag
    • Mord
    • Sexualdelikte

    Ist jemand wegen eines Verbrechens beschuldigt, ist ihm/ihr ein Rechtsanwalt/eine Rechtsanwältin beizuordnen. Die Entscheidung hierüber trifft das Gericht.

    Ermittlung

    Bevor es zu Anklage kommt, findet ein Ermittlungsverfahren statt.
    Ein Ermittlungsverfahren wird eingeleitet, wenn die Polizei eine Straftat beobachtet oder Informationen oder Strafanzeigen von Dritten an die Polizei herangetragen werden.
    Normalerweise erhältst du eine Vorladung zur Vernehmung bei der Polizei. Wenn es sich bei der Straftat um ein Verbrechen handelt oder bei wiederholter Straftat kann es dir passieren, dass du festgenommen und in Untersuchungshaft genommen wirst.

    Wenn dich die Staatsanwaltschaft oder das Gericht vorlädt, musst du hingehen, sonst droht dir die polizeiliche Vorführung.

    Aufgrund deiner Vernehmung und dem Ergebnis der Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie das Verfahren vorläufig/endgültig einstellt oder Anklage erhebt.

    Haftbefehl

    Ein Haftbefehl ergeht aus folgenden Gründen:

    • Fluchtgefahr besteht, falls die zu erwartende Strafe sehr hoch sein sollte oder du keinen festen Wohnsitz hast
    • Verdunkelungsgefahr beinhaltet die Möglichkeit, dass du Beweismittel vernichten bzw. Zeugen unter Druck setzen/beeinflussen würdest
    • Wiederholungsgefahr bedeutet eine hohe Wahrscheinlichkeit der Begehung weiterer Straftaten

    Wenn du dich in Haft befindest, nimmt die Jugendgerichtshilfe schon Kontakt zu dir auf. Sie informiert dich über den weiteren Verlauf des Verfahrens.
    Auf deinen Wunsch hin informiert sie deine Angehörigen und betreut dich während der gesamten Haftzeit.

    Anklage

    Die Staatsanwaltschaft schreibt in der Anklageschrift,

    • welche Straftaten dir vorgeworfen werden
    • ob es sich um ein Verbrechen oder Vergehen handelt
    • gegen welche Gesetzesbestimmungen verstoßen wurden und
    • welche Beweismittel dafür vorliegen.

    Was kannst, darfst oder musst du jetzt tun?

    • Anklageschrift gründlich lesen
    • wenn etwas nicht stimmt, schreibe es genau auf
    • du hast nach Erhalt der Anklageschrift ein Woche lang die Möglichkeit, dich schriftlich zu den Vorwürfen zu äußern

    Aufgaben der Jugendgerichtshilfe

    Sobald du die Anklage erhältst, wird auch die Jugendgerichtshilfe von der Staatsanwaltschaft informiert und nimmt Kontakt zu dir auf. Dies geschieht in der Regel durch ein Einladungsschreiben zum Jugendgerichtshilfegespräch. In bestimmten Fällen nimmt die Jugendgerichtshilfe auch bereits bei Bekanntwerden der polizeilichen Ermittlung Kontakt mit dir auf.

    Die Aufgabe der Jugendgerichtshilfe ist es:

    • abzuklären, ob Du Probleme hast und Hilfe benötigst. In diesen Fällen leitet die Jugendgerichtshilfe entsprechende Hilfemaßnahmen ein
    • junge Menschen im Verfahren zu unterstützen und
    • gegenüber dem Jugendgericht/der Staatsanwaltschaft eine sozialpädagogische Stellungnahme abzugeben.

    Im dem Verlauf des Verfahrens will die Jugendgerichtshilfe näheres über dich erfahren und lädt dich dazu zu einem persönlichen Gespräch ein. Sie ist daran interessiert,  in welchen Familienverhältnissen du lebst und wie du aufgewachsen bist, wie du deine Freizeit ausfüllst, wie es mit der Schule oder Arbeit aussieht bzw. ob du besondere Probleme hast.

    Sie erklärt dir das Verfahren und berät dich gegebenenfalls in Fragen zu Wohnung, Schule und Ausbildung und welche Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten Dir bei Problemen zur Verfügung stehen.
    Vor der Verhandlung berichtet sie dem Jugendgericht und der Staatsanwaltschaft schriftlich über das Gespräch und äußert sich dazu,

    • ob du als Jugendlicher/Jugendliche für die Tat verantwortlich bist,
    • ob du als Heranwachsender/Heranwachsende nach Jugendstrafrecht oder allgemeinem Strafrecht verurteilt werden solltest und
    • welche Ahndung erzieherisch sinnvoll ist.

    Die Vorschläge der Jugendgerichtshilfe sind Empfehlungen. Die Entscheidung liegt beim Jugendgericht.

    Übersicht Jugendgericht  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    Sitzordnung im Jugendgericht

    Jugendgericht

    Das Jugendgericht ist zuständig, wenn zu erwarten ist, dass im Urteil

    • eine Weisung,
    • Arrest oder
    • Jugendstrafe höchstens bis zu einem Jahr verhängt wird.

    Es entscheidet der Jugendrichter/die Jugendrichterin alleine.

    Sitzordnung im Jugendgericht (JPG, 45 KB)

    Jugendschöffengericht  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    Sitzordnung im Jugendschöffengericht

    Jugendschöffengericht

    Das Jugendschöffengericht ist zuständig, wenn zu erwarten ist, dass im Urteil

    • eine Jugendstrafe über einem Jahr verhängt wird.

    Neben dem Jugendrichter/der Jugendrichterin sitzen zwei Jugendschöffen.

    Der Richter/die Richterin und die beiden Schöffen fällen das Urteil gemeinsam.

    Sitzordnung im Jugendschöffengericht (JPG, 52 KB)

    Jugendkammer  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    Sitzordnung in der Jugendkammer

    Jugendkammer München

    Vor der Jugendkammer München werden schwere Verbrechen verhandelt.

    Hier entscheiden zwei oder drei Berufsrichter/Berufsrichterinnen und zwei Schöffen.

    Sitzordnung in der Jugendkammer (JPG, 53 KB)

    Verhandlung

    Die Verhandlungen finden in der Regel beim Amtsgericht München statt.
    Nymphenburger Straße 16
    80097 München

    Hauptverhandlungen gegen Jugendliche sind nicht öffentlich, das heißt ohne Zuschauer.
    Eltern können immer teilnehmen.

    Verhandlungen gegen Heranwachsende sind öffentlich.
    Ausnahmen werden auf Antrag gestattet.

    Drei wichtige Hinweise für die Verhandlung:

    1. Du hast Anwesenheitspflicht!
      Wenn du nicht zum Termin erscheinst, kann es dir passieren, dass du zu einem neuen Termin von der Polizei abgeholt wirst.
    2. Sei pünktlich!
      Falls du aus wichtigen Gründen verhindert bist, ruf auf jeden Fall sofort beim Gericht an. Die Telefonnummer steht auf der Termineinladung.
    3. Kein Alkohol und keine Drogen!

    Verlauf der Verhandlung

    Sobald der Richter/die Richterin den Raum betritt, stehen alle auf.

    Der vorsitzende Richter/die vorsitzende Richterin stellt fest, wer alles erschienen ist.
    Sind Zeugen und Zeuginnen anwesend, werden diese auf ihre Wahrheitspflicht hingewiesen.
    Die Zeugen und Zeuginnen verlassen den Verhandlungssaal und werden zur einzelnen Aussage aufgerufen.

    Der Richter/die Richterin fragt nun nach deinen Personalien: Name, Alter, Adresse, Beruf.

    Danach liest die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift vor.

    Du hast danach die Möglichkeit die Tat aus deiner Sicht zu schildern, so gut du dich erinnern kannst.
    Der Richter/die Richterin, die Staatsanwaltschaft und der Rechtsanwalt/die Rechtsanwältin können dir dann Fragen stellen.

    Als nächstes werden die Zeugen und Zeuginnen befragt. Auch ein Zeuge/eine Zeugin ist verpflichtet zur Verhandlung zu erscheinen. Falls er/sie unentschuldigt fehlt, wird ein Ordnungsgeld  verhängt. Zeugen haben Wahrheitspflicht.
    Macht ein Zeuge oder eine Zeugin vor Gericht eine falsche Aussage, drohen hohe Strafen.

    Dieser Vorgang nennt sich Beweisaufnahme.

    Eventuelle strafrechtlichen Vorbelastungen werden aufgeführt.
    Im Anschluss daran geht es um deine persönlichen Lebensumstände. Hierzu wird die Stellungnahme der Jugendgerichtshilfe herangezogen.

    Danach hält die Staatsanwaltschaft ihr „Plädoyer“ und beantragt eine Strafe.
    Wenn du einen Rechtsanwalt/eine Rechtsanwältin hast, hält dieser/diese im Anschluss das „Plädoyer“.

    Du kannst nochmal alles sagen, was für dich spricht. Du kannst dich z.B. entschuldigen oder sagen, dass du deinen Fehler eingesehen hast.

    Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Der Einzelrichter/die Einzelrichterin beim Jugendgericht bleibt sitzen.

    Wenn das Gericht eine Entscheidung gefällt hat, verkündet der Richter/die Richterin das Urteil. Dazu stehen alle Anwesenden auf.
    Nach der Urteilsverkündung darfst du dich wieder hinsetzen und der Richter/die Richterin erklärt dir die Gründe für das Urteil.

    Urteil

    Das Verfahren kann im Rahmen eines Urteils durch Freispruch/Schuldspruch oder durch Einstellung (mit oder ohne Weisungen/Auflagen) beendet werden.

    Als Maßnahmen sieht das Jugendgerichtsgesetz vor:

    • Erziehungsmaßregeln (Auferlegung von Weisungen, Hilfen zur Erziehung),
    • Zuchtmittel (Verwarnung, Erteilung von Auflagen, Jugendarrest)
    • Jugendstrafe = Freiheitsstrafe (mit oder ohne Bewährung)

    Zum Beispiel gibt es Geldstrafen, Arbeitsauflagen, soziale Trainingskurse, Beratungsgespräche, Betreuungsweisungen, Täter-Opfer-Ausgleich und vieles mehr.

    ► Informationen hierzu findest du auch auf unserer Seite zu den "Ambulanten Maßnahmen"

    Freiheitsentziehende Maßnahmen sind:

    • Jugendarrest (Freizeitarrest = ein Wochenende, Kurz- oder Dauerarrest bis zu 4 Wochen)
    • Jugendstrafe (mindestens 6 Monate und höchstens 10 Jahre)

    Jugendstrafe unter 2 Jahren kann unter bestimmten Voraussetzungen zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Bewährungszeit kann zwei bis drei Jahre betragen. In dieser Zeit musst Du bei Bedarf bestimmte Auflagen erfüllen und intensiven Kontakt zur Bewährungshilfe halten.

    Kosten

    Zu den Verfahrenskosten zählen z.B.:

    • Verdienstausfall und Fahrgeld von Zeugen
    • Kosten für ein Gutachten (Kfz-Sachverständige, Gerichtsmedizin, Psychologen/Psychologinnen...)
    • Gerichtsgebühren oder
    • auch deine Ausgaben, z.B. Rechtsanwaltskosten

    Deine eigenen Kosten (Verdienstausfall, Fahrtkosten etc.) trägst du selbst. Auch Deine Rechtsanwaltskosten trägst Du selbst, außer Dir wird eine Pflichtverteidigung seitens des Gerichtes zugeordnet.
    Bei einem Freispruch werden sämtliche Kosten von der Staatskasse übernommen.

    In allen anderen Fällen entscheidet das Gericht die Kostenfrage im Anschluss an das Urteil. Wichtig dabei ist, ob du selbst Geld verdienst. 

    Führungszeugnis

    Es gibt ein Bundeszentralregister (Strafregister), in dem alle Verurteilungen eingetragen werden. Diese werden mit dem 24. Lebensjahr wieder gelöscht, sofern keine neuen Straftaten hinzugekommen sind. 
    Auskunft über diese Eintragungen erhalten Jugendämter, Strafgerichte, Staatsanwaltschaften, Justizvollzugsbehörden, Kreisverwaltungsreferat und Führerscheinstellen.

    Schule und Arbeitgeber haben keine Einsicht!!

    Brauchst du ein Führungszeugnis (z.B. für eine Bewerbung), stehen darin nur Angaben zu einer Jugendstrafe von mehr als zwei Jahren ohne Bewährung, falls eine Bewährung widerrufen wurde oder Sexualdelikte.

    Ist in deinem Führungszeugnis kein Eintrag, darfst du dich als nicht vorbestraft bezeichnen!!

    Der Eintrag im Führungszeugnis bleibt je nach Art der Straftat für drei, fünf oder zehn Jahre stehen. Die Kriterien dafür findest du  hier:
    http://www.gesetze-im-internet.de/bzrg/__34.html
     

    Kontakt

    Landeshauptstadt München

    Jugendgerichtshilfe

    Luitpoldstraße 3
    80335 München

    Fax:
    089 233-49933
    Postanschrift:

    Landeshauptstadt München
    Jugendgerichtshilfe
    Luitpoldstr. 3
    80335 München

    Öffnungszeiten:

    Montag bis Freitag:
    8:00 bis 15:00 Uhr

    Ausstattung / Barrierefreiheit:

    Gebührenpflichtige Parkplätze vor dem Gebäude und im Parkhaus nebenan. Aufzug im Haus.