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Was ist eine ambulant betreute Wohngemeinschaft?


Definition des Qualitätsforums

Am 10.12.2013 einstimmig verabschiedet.

Eine ambulant betreute Wohngemeinschaft ist eine Wohnform für Menschen in besonderen Lebenssituationen. Ziel ist, unabhängig vom Alter und von der jeweiligen Pflegestufe trotz Hilfe und Pflegebedarf ein weitgehend selbstbestimmtes und individuelles Leben in einer gemeinsamen Wohnung zu ermöglichen. Soziale Kontakte, gemeinsame Gestaltung des Alltags, anregende Beschäftigung und je nach Bedarf Betreuung und Pflege tragen zur Lebensqualität bei.
Diese Wohnform eignet sich sowohl für Menschen mit körperlichen und/oder psychischen Einschränkungen bzw. einer Demenzerkrankung als auch für jene, die einen spezifischen Pflegebedarf wie beispielsweise 24-Stunden-Pflege bei Beatmung haben.

In einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft leben in der Regel sechs bis acht (maximal zwölf) betreuungs- bzw. pflegebedürftige Mieterinnen und Mieter in einer Wohnung oder einem Haus zusammen. Die notwendigen Unterstützungs- und Versorgungsleistungen werden gemeinsam organisiert. Das Alltagsleben findet im Wohnzimmer und der Küche statt. Gut geeignet ist dafür ein großer Ess- und Wohnraum.

Jede Mieterin und jeder Mieter hat ein eigenes Zimmer. Dieses Zimmer wird persönlich eingerichtet, möglichst mit vertrauten, eigenen Möbeln. Der Haushalt wird – ähnlich wie in einer Familie - gemeinsam geführt. Der Alltag, z.B. gemeinsames Einkaufen, Beisammensein, Kochen, Spazieren gehen oder andere Freizeitaktivitäten wird mit Unterstützung der Angehörigen/gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuer, Bezugspersonen und der ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste nach dem Prinzip einer Solidargemeinschaft gestaltet. Bestimmte Aufgaben, wie z.B. Arztbesuche oder Zimmergestaltung, sind Aufgabe der Angehörigen/gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuer. Pflege- und Betreuungsleistungen werden durch die gewählten ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste erbracht.

Selbstbestimmung wird gelebt: Mieterinnen und Mieter schließen sich im Gremium der Selbstbestimmung zusammen. Wesentliche Entscheidungen werden eigenverantwortlich getroffen, z.B. wie wird der Tagesablauf in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft organisiert. Das Gremium der Selbstbestimmung trifft sich regelmäßig mehrmals im Jahr (mindestens vier Mal). Praktizierte Selbstbestimmung erfordert Engagement und Zeit sowie die Kooperationsbereitschaft der Beteiligten.

Grundlage der Betreuungs- und Pflegeleistungen ist ein fachliches Betreuungskonzept, das sich an den Wünschen und Bedürfnissen, den Lebensgeschichten und Persönlichkeiten der Mieterinnen und Mieter orientiert. Kontinuität in der Betreuung und Versorgung ist maßgeblich und bietet Sicherheit. Der ambulante Pflege- und Betreuungsdienst ist wichtiger Partner in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft und wahrt den Gaststatus. Die Dienstleister für Betreuung und Pflege werden vom Gremium der Selbstbestimmung gewählt und abgewählt.
Die gesetzlichen Grundlagen für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft sind im Bayerischen Pflege- und Wohnqualitätsgesetz beschrieben (besonders Art. 2, Abs. 3 und Art. 19).