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Marktberichte Pflege und Bedarfsermittlungen


    1. Hintergrund

    Seit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 gibt es einen Pflegemarkt. Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ergreift die Landeshauptstadt München alle zur Zeit vorhandenen Möglichkeiten der Einwirkung auf die pflegerische Versorgung. So wird ein entscheidender Beitrag zu einer „leistungsfähigen, regional gegliederten, ortsnahen und aufeinander abgestimmten ambulanten, teil- und vollstationären pflegerischen Versorgung“ (§§ 8, 9 SGB XI und Art. 68, 69 AGSG) erbracht .

    Unter Beteiligung aller relevanten Gremien und der Beiräte bestehen die wichtigsten Strategien des Sozialreferats zur Steuerung der pflegerischen Versorgung in:

    • einem aktiven Engagement für einen notwendigen Versorgungsmix, der den Grundsatz „ambulant vor teil- vor vollstationär“ entsprechend der Wünsche der meisten (älteren) pflegebedürftigen Menschen berücksichtigt
    • kontinuierlichen Pflegebedarfsermittlungen (u. a. durch jährliche Vollerhebungen)
    • daraus folgenden Planungen, die in Realisierungen und in Evaluationen münden
    • einer nachhaltigen Förderung der Pflegequalität und
    • Strategien zur Sicherung des Pflegepersonals

    Diese Strategien erweisen sich als richtig und wirksam. Auch durch diese Einwirkung des Sozialreferats steht heute ein zahlenmäßig größeres und differenzierteres Angebot in der ambulanten, teil- und vollstationären Pflege zur Verfügung. Spezifische Hilfe- und Pflegebedarfe (z. B. von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund oder von Personen mit Demenzerkrankungen) werden dabei in gezielten, vom Sozialreferat geförderten Angeboten berücksichtigt.

    2. Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen und weiteres Vorgehen

    • Die Anzahl der Pflegebedürftigen in München wird von 25.200 (2013) auf ca. 31.400 im Jahr 2025 steigen.
    • Drei Viertel der Pflegebedürftigen wurden im Jahr 2013 und werden auch künftig in ihrem privaten häuslichen Umfeld gepflegt und versorgt.
    • Die Landeshauptstadt München unterstützt unter anderem durch Investitionsförderung und qualitätsfördernde Programme das Marktsegment der ambulanten pflegerischen Versorgung.
    • Daneben werden weiterhin innovative Pflege- und Versorgungsformen (z. B. ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften) durch Anschubfinanzierungen gefördert, um einen aktiven Beitrag zum notwendigen Versorgungsmix in München zu leisten.
    • Rund 6.400 pflegebedürftigen Münchnerinnen und Münchner (25,5 %) waren im Jahr 2013 auf vollstationäre Versorgung angewiesen (2025: ca. 8.000 Personen).
    • Das Sozialreferat empfiehlt daher vier weitere städtische Grundstücke in unterversorgten Sozialregionen zu reservieren. So kann ein Beitrag geleistet werden, dass in zeitgemäßer Größe (ca. 130 Pflegeplätze) moderne, auf spezifische Pflegebedarfe ausgerichtete und quartiersgeöffnete vollstationäre Pflegeeinrichtungen entstehen.
    • Die Landeshauptstadt München stärkt unter anderem durch Investitionsförderung und unterstützende qualitätsfördernde Programme das Marktsegment der teil- und vollstationären pflegerischen Versorgung.

    3. Ergebnisse des Siebten Marktberichts Pflege des Sozialreferats

    Alle 74 Münchner teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen wirkten an der diesjährigen Vollerhebung des Sozialreferats in den Telefoninterviews wieder mit. Für die Datenerhebung bei den vollstationären Pflegeeinrichtungen wurde auf Bitte des Sozialausschusses vom 10.11.2016 der Betrachtungszeitraum diesmal auf zwei Stichtage erweitert.
    Für die Tagespflegeeinrichtungen wurden weiterhin vier Stichtage zugrunde gelegt.

    Das Sozialreferat bedankt sich bei allen Beteiligten für die engagierte Zusammenarbeit.

    3.1 Anzahl der vollstationären Pflegeplätze und Belegung

    • Die Anzahl der vollstationären Pflegeplätze (mit Versorgungsvertrag nach SGB XI) ist in München vom Jahr 2010 bis 2013 kontinuierlich gestiegen, pendelt sich seit dem Jahr 2013 bei rund 7.600 Plätzen ein. Zu den Stichtagen 15.06.2016 und 15.12.2016 bieten 57 Pflegeeinrichtungen insgesamt 7.557 vollstationäre Pflegeplätze an.
    • Am Stichtag 15.06.2016 ergibt sich eine Belegung der vollstationären Pflegeplätze von 95,9 %. Das ist die höchste Belegung seit dem ersten Erhebungszeitpunkt im Jahr 2010. Am 15.12.2016 liegt die Auslastung der vollstationären Pflegeplätze bei 94,8 %.

    3.2 Anzahl der teilstationären Pflegeplätze (Tages- und Nachtpflege) und Belegung

    • Die Anzahl der solitären Tagespflegeplätze (mit Versorgungsvertrag nach SGB XI) liegt in München vom Jahr 2010 bis 2016 konstant niedrig zwischen 180 und 200 Plätzen. Zu den vier Stichtagen 13.03, 15.06., 16.09. und 15.12.2016 bieten zwölf Tagespflegeein-richtungen insgesamt 180 solitäre Tagespflegeplätze an.
    • Die Belegung der solitären Tagespflegeplätze schwankt an den vier Stichtagen zwischen minimal 84,4 % (am 13.03.2016) und maximal 88,3 % (am 15.12.2016).
    • An den vier Stichtagen wird Nachtpflege mit Versorgungsvertrag nach SGB XI in München bisher (noch) nicht angeboten.
    • In München werden in einigen vollstationären Pflegeeinrichtungen zudem insgesamt 67 eingestreute Tagespflegeplätze vorgehalten. Dieses Angebot wird nur sehr selten in Anspruch genommen (Belegung an den Stichtagen zwischen 6,0 und 9,0 %).

    3.3 Aktuelle Marktentwicklungen im voll- und teilstationären Pflegebereich

    • An den Stichtagen 2016 liegt die Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationshintergrund bei 443 bzw. 448 Personen (Anteil der Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationshintergrund an der Bewohnerschaft: 6,1 % bzw. 6,3 %).
    • Der Anteil der Tagespflegegäste mit Migrationshintergrund an allen Tagespflegegästen ist im Vergleich zu den Vorjahren kontinuierlich angestiegen. So liegt der Anteil an allen Tagespflegegäste im Jahr 2016 bei 6,5 % bis max. 7,9 %.
    • Viele teil- und vollstationäre Pflegeeinrichtungen haben die interkulturelle Öffnung ausgebaut. Inzwischen bieten z.B. 21 Pflegeeinrichtungen Halal-Küche und 15 Einrichtungen koscheres Essen an. Schon 31 Einrichtungen halten religiöse Angebote speziell für Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationshintergrund bereit.
    • Rund 16,3 % der vollstationären Pflegeplätze sind an den Stichtagen auf geronto-psychiatrische Bedarfe ausgerichtet (d.h. 1.230 der 7.557 Plätze).
    • Der Angebotsschwerpunkt bei der Kurzzeitpflege liegt weiterhin bei den eingestreuten Plätzen (Angebot in 54 von 57 Einrichtungen). Bei rund 77,8 % dieser 54 Münchner Einrichtungen sind eingestreute Kurzzeitpflegeplätze nicht langfristig (d.h. maximal zwei bis drei Monate) im Voraus buchbar.
      Das Angebot der (echten, solitären) Kurzzeitpflegeplätze bleibt gleichbleibend niedrig (29 Plätze).
    • In den sog. „Mischeinrichtungen“ (d.h. vollstationäre Pflegeeinrichtungen, die zusätzliche Versorgungsangebote offerieren) zeichnen sich Veränderungen ab:
      In den Wohnbereichen in „stationärer Einrichtung“ (ehemals: „Altenheim“) geht die Anzahl der Plätze nochmals weiter auf 335 Plätze zurück (2010: 1.500).
      Hingegen bieten bereits 18 vollstationäre Pflegeeinrichtungen – angeschlossen an die vollstationäre Pflegeeinrichtung – sog. „Betreutes Wohnen“, das nicht dem PfleWoqG unterliegt, mit derzeit rund 2.050 Plätze (2010: 800) an.
    • Die Einzelzimmerquote in den 57 Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen liegt bei 77,3 %. An den Stichtagen erfüllen bereits 39 Einrichtungen (d.h. rund 68,4 %) die geforderte Einzelzimmerquote bei Neu- und Bestandsbauten von 75 %.
    • An beiden Stichtagen werden von den Trägern der Pflegeeinrichtungen insgesamt 830 unterschiedliche Ausbildungsplätze in der Langzeitpflege in München angeboten (besetzt: 74,9 %). Die Anzahl nahm seit 2011 deutlich zu. Die Auswirkung des am 07.07.2017 in Kraft getretenen Gesetzes zur Reform der Pflegeberufe auf die Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen wird weiter beobachtet.
    • Die Anzahl der Mitarbeitenden mit Fort- oder Weiterbildungen im Bereich Palliative Care nimmt zu. 32 Einrichtungen verfügen zudem am 15.12.2016 über Palliativbeauftragte.
      56 Einrichtungen arbeiten mit ambulanten Hospizdiensten zusammen. Einen Kooperationsvertrag mit einem Hospizdienst haben am Stichtag bereits 38 vollstationäre Pflegeeinrichtungen geschlossen. Mit SAPV-Teams (spezialisierte ambulante Palliativversorgung) sind 41 und mit Palliativmedizinerinnen und Palliativmedizinern 38 vollstationäre Pflegeeinrichtungen vernetzt.
    • 131 der 7.164 (d.h. rund 1,8 %) Bewohnerinnen und Bewohnern gehören zur Gruppe der unter 60-jährigen Menschen mit Pflegebedarf und Behinderungen. Die Mehrzahl dieser 131 Personen (rund 72,5%) lebt in spezifischen Bereichen der vollstationären Pflegeeinrichtungen (z.B. in einem Bereich für Menschen mit Multipler Sklerose oder in der sog. „Jungen Pflege“, Versorgungsform für unter 60-Jährige mit Pflegebedarf).
    • Schon lange beschäftigt sich das Sozialreferat mit dem Thema „Quartiersöffnung in der vollstationären Pflege“. Die Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen sind unterschiedlich „quartiersgeöffnet“:
      So ist in 43 der 57 Pflegeeinrichtungen das Café auch für den Stadtbezirk geöffnet.
      33 Einrichtungen vermieten Räume an Gruppen aus dem Stadtbezirk. 37 Pflegeeinrichtungen kooperieren mit Einrichtungen, die selbst senioren- oder pflegespezifische Angebote bereitstellen. Mit weiteren sozialen Einrichtungen des Stadtbezirks kooperieren 52 Pflegeeinrichtungen, v.a. mit Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden. 34 Pflegeeinrichtungen nehmen an der „Örtlichen Arbeitsgemeinschaft“ der zuständigen Alten- und Service-Zentren teil.
    • Bei der diesjährigen Datenerhebung werden die ersten Einschätzungen der Einrichtungsleitungen zu den Pflegestärkungsgesetzen erfasst. 33 vollstationäre Pflegeeinrichtungen erwarten Einnahmeverluste, 25 Einrichtungen rechnen mit Personalabbau. Elf Tagespflegen erwarten eine höhere Nachfrage.

    „Siebter Marktbericht Pflege, Beschluss des Sozialausschusses vom 09.11.2017“

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