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Gesamtplan zur Integration von Flüchtlingen - Handlungsfelder


Handlungsfeld 1

Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen in Unterkünften / Gesellschaftliche Teilhabe im Sozialraum

Unterkünfte für Geflüchtete sind Kristallisationspunkt für gesellschaftliche Auseinandersetzung: Dort leben Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft, verschiedener Glaubensrichtungen, Frauen und Männer, Hetero- und Homosexuelle sowie Transgender, Menschen mit und ohne Behinderung, Traumatisierte, junge und alte Menschen sowie Familien und Alleinstehende. Die gemeinsame Unterbringung dieser vielfältigen Personen erfordert eine umfangreiche Betreuung und Beratung.
Integrationsprozesse finden oftmals im Sozialraum statt. Ehrenamtliches Engagement spielt dabei eine wichtige Rolle. Es ist deshalb wichtig, Begegnungsorte und -möglichkeiten zu schaffen, an denen sich Geflüchtete und Menschen, die schon länger hier leben, austauschen können.

Handlungsbedarfe, zum Beispiel:

  • Schaffung von zielgruppenspezifischen Unterbringungsplätzen;
  • Entwicklung eines umfassenden Schutzkonzepts;
  • Vermittlung politischer Teilhabemöglichkeiten an Geflüchtete.

Handlungsfeld 2

Bildung und Erziehung

Bildung ist der Schlüssel, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben und Zugang zum Arbeitsmarkt finden zu können. Für geflüchtete Mädchen und Jungen schafft der Besuch einer Schule oder Kindertagesstätte eine Zukunftsperspektive. Er bedeutet außerdem Normalität, Sicherheit und Verlässlichkeit in ihrem Alltag. Bildung dient nicht nur der Wissensvermittlung, sie stärkt auch die persönliche Entwicklung und fördert vielfältige Kompetenzen. Die Übergänge zwischen Kindertagesbetreuung und den verschiedenen Schulformen erscheinen geflüchtete Menschen teilweise sehr schwierig. Aber auch das pädagogische Personal sieht sich neuen Herausforderungen gegenüber. Diese müssen in Aus- und Weiterbildung einfließen.

Handlungsbedarfe, zum Beispiel:

  • Ausbau von integrationsbegleitenden Angeboten in der Kinderbetreuung;
  • Erarbeitung eines Elternbildungskonzepts für Familien mit Fluchthintergrund;
  • Ausbau der Schulsozialarbeit für Kinder und Jugendliche mit dem Fokus Fluchthintergrund.

Handlungsfeld 3

Integration durch Beratung, Bildung, Ausbildung mit Deutschspracherwerb

Das Erlernen der deutschen Sprache, (nachholende) Bildung und Ausbildung ermöglichen es Geflüchteten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ihre schulische Bildung und Deutschkenntnisse sind unterschiedlich. Die Fluchterfahrung und eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten im Herkunftsland können jedoch zu einer sehr hohen Bildungsmotivation führen. Die Erfolgsaussichten sind am höchsten, wenn die Bildungsschritte aufeinander aufbauen und ein breiter Zugang gewährleistet ist. Der Erwerb von Deutschkenntnissen und der Zugang zu Bildung und Ausbildung ist allen Geflüchteten zu ermöglichen. Der Aufenthaltsstatus und die Bleibeperspektive sollten dabei keine Rolle spielen. Dadurch kann der soziale Frieden innerhalb der Unterkünfte und in der Stadtgesellschaft gestärkt werden.

Handlungsbedarfe, zum Beispiel:

  • Weiterentwicklung des städtisch finanzierten Deutschkursangebotes;
  • Koordinierte Begleitung von Geflüchteten im Sinne eines Übergangsmanagements bis zum Ausbildungsabschluss;
  • Erwerb von Qualifizierungsbausteinen für Personen, die keine anerkannte Berufsausbildung durchlaufen können.

Handlungsfeld 4

Qualifizierung und Arbeitsmarkt

Wie der Zugang zum Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen beschaffen ist, hängt in erster Linie von ihrem aktuellen Aufenthaltsstatus ab. Diese Problematik ist in München von besonderer Bedeutung: Der Großteil der Geflüchteten, die aktuell in die Stadt kommen, stammen aus Ländern mit einer sogenannten geringen Bleibeperspektive. Somit sind sie von Maßnahmen des Bundes ausgeschlossen. Dies muss von der Kommune aufgefangen werden, denn erfahrungsgemäß bleibt diese Personengruppe aus unterschiedlichen Gründen längerfristig in München. Da in der Stadt vor allem (hoch)qualifizierte Arbeitskräfte gesucht werden, besteht insgesamt ein großer Bedarf, die geflüchteten Menschen zu qualifizieren.

Handlungsbedarfe, zum Beispiel:

  • Erarbeitung von (theoriereduzierten) Qualifizierungsangeboten für Geflüchtete mit geringer Schulbildung und / oder geringen Lernkompetenzen;
  • Angebot von Teilqualifizierungen für über 25-Jährige, für die eine traditionelle Berufsausbildung nicht infrage kommt.
  • Vermittlung in Arbeit all jener, die noch im Asylverfahren sind, die jedoch von der Zuständigkeit der Agentur für Arbeit ausgeschlossen sind.

Handlungsfeld 5

Wohnen

Wohnen hat eine überaus große Bedeutung für die gesellschaftliche Teilhabe, Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Eine eigene Wohnung zu haben, bedeutet für Geflüchtete in dem Ort, an dem sie in Deutschland leben, angekommen zu sein. Für sie ist es in der Regel äußerst schwierig, auf dem regulären Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden. Die Wohnbevölkerung Münchens wächst sehr stark. Deshalb müssen die Bemühungen, dauerhaften Wohnraum zu schaffen und zu sichern, weiter verstärkt werden. Auf diese Weise können Konkurrenzen auf dem Mietmarkt verringert werden.

Handlungsbedarfe, zum Beispiel:

  • Wohnraumschaffung für u.a. Geflüchtete mit über die Stadt verteilten Wohnanlagen;
  • Haushalte sollen mit dem Stadtteil vertraut gemacht und Zugang zu verschiedenen spezifischen Hilfsangeboten ermöglicht werden;
  • Entwicklung eines Übergangsmanagements von der Unterbringung ins dauerhafte Wohnen.

Bürgerschaftliches Engagement (BE)

Bürgerschaftlich Engagierte ergänzen staatliches Handeln und hauptberuflich Tätige - ohne diese zu ersetzen. Das BE trägt somit auch dazu bei, dass die Stadt München aktuelle Bedarfe frühzeitig erkennen und rechtzeitig darauf reagieren kann. Ehrenamtliche betätigen sich in vielfältigen Bereichen. Dabei benötigen und erwarten sie fachliche Beratung sowie Angebote zum Austausch und zur Information. Auch eine professionelle Begleitung sowie Qualifizierung und Fortbildung spielen eine wichtige Rolle.

Handlungsbedarfe, zum Beispiel:

  • Ausbau von Qualifizierungsangeboten für Ehrenamtliche;
  • Stärkung der Arbeit des Muslimrats im Bereich Integration und Geflüchtete;
  • Aufbau von längerfristig angelegten Kooperationen zwischen Unterkünften, Stiftungen, Unternehmen und Initiativen des BE.