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Alter Botanischer Garten


200 Jahre Alter Botanischer Garten

Ein Erholungsraum mitten im Herzen Münchens, der Anfang des 19. Jahrhunderts ursprünglich als botanisches Gartengelände geplant war und heute als öffentliche Grünanlage fungiert, kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

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Aufteilung des Botanischen Gartens nach einem Entwurf von Friedrich Ludwig ...

Der Botanische Garten - Zeichen des neuen naturwissenschaftlichen Geistes des 19. Jahrhunderts

Friedrich Ludwig von Sckell (1750 – 1823), Gartengestalter und Stadtplaner, brachte die Idee des Botanischen Forschungsgartens nach Bayern. König Max I. (1756 – 1825) machte den Botanischen Garten seiner Residenzstadt zum Geschenk und beauftragte Sckell mit der Planung und Umsetzung. Der Garten hatte die Form eines großen lateinischen D. Die mittig eingefügte elliptische Form, in Vierecke geteilt, bot Raum für Anpflanzungen. Den Rahmen bildeten Bäume und Sträucher verschiedener Weltteile. An der Nordseite entstand ein langgestreckter beheizbarer Gewächshaustrakt für tropische Pflanzen und ein chemisches Laboratorium. Am 23. Mai 1812 wurde der Botanische Garten eröffnet.

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Idealisierte Darstellung 1854

Ein Glaspalast als Ausstellungsgebäude

König Max II. (1811 – 1864) billigte 1853 den Plan, eine Industrieausstellung in München abzuhalten. Wegen der Nähe zum neuen Hauptbahnhof fiel die Wahl auf den Botanischen Garten als Ausstellungsgelände. Als Ausstellungsgebäude wurde ein Glaspalast geplant. August von Voit (1801 – 1870) entwarf einen 234 Meter langen, bis zu 67 Meter breiten und 25 Meter hohen Baukörper als Eisen-Glas-Konstruktion. Eröffnungstermin der “Allgemeinen Ausstellung deutscher Industrie- und Gewerbs-Erzeugnisse“ war der 15. Juli 1854.

Im Herbst 1854, nach Beendigung der Ausstellung, wurde über die Zukunft des Glaspalastes beratschlagt. Der Glaspalast als Ausstellungsgebäude sollte dauerhaft erhalten bleiben. Die Eisen-Glas-Konstruktion wurde Denkmal des neuen Zeitgeistes.

Ab 1889 begründeten die regelmäßigen Kunstausstellungen und die ausstellenden Künstlergruppen den Ruf Münchens als Kunst- und Kulturstadt.

In der Nacht vom 6. Juni 1931, während der Münchener Kunstausstellung, fingen die Ölgemälde Feuer und der Glaspalast stand in Flammen. Er brannte vollständig ab. Über 3.000 Gemälde von namhaften Meistern und jungen Künstlern wurden zerstört, 1.000 Werke wurden schwer beschädigt und nur 80 Kunstgegenstände konnten gerettet werden.

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Bombeneinschlag zum Ende des Krieges

Der Botanische Garten während des NS-Regimes und die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Nach Plänen von Paul Ludwig Troost (1878 – 1934) wurde der Alte Botanische Garten umgestaltet. Mit dieser Neukonzeption wurde die Grundstruktur des uns bekannten Alten Botanischen Gartens geschaffen, mit großzügigen Rasenflächen und lockerer Baumpflanzung.

Nur zwei Jahre nach der Eröffnung des umgestalteten Alten Botanischen Gartens begann der Zweite Weltkrieg. Die heftigen Bombardierungen des Viertels um den Hauptbahnhof führten zwischen 1942 und 1945 zu zahlreichen Einschlägen in der Grünanlage, dem Kunstpavillon und dem Neptunbrunnen.

In den Nachkriegsjahren verwilderte die Grünanlage und Gehölz überwucherte die Kriegsschäden. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass in den strengen Nachkriegswintern ein Teil der größeren Gehölze zum Heizen gefällt wurde.

Der Neptunbrunnen wurde 1949 wiederhergestellt und schon ein Jahr später der Kunstpavillon. Die Münchnerinnen und Münchner suchten wieder Erholung und Entspannung im Grün des Alten Botanischen Gartens.

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Das Parkcafé

Der Architekt Oswald Bieber (1876 – 1955) und der Konditoreibesitzer Gustav Deistler hatten sich schon im Sommer 1933 den Umbau des kleinen, erhalten gebliebenen Hausmeister-Wohngebäudes in ein Kaffeehaus genehmigen lassen. Im Zuge der Umgestaltung des Alten Botanischen Gartens entschloss man sich zu einem Neubau in der Achse der damaligen Arcisstraße.

Das Tanzcafé der 30er Jahre wurde nach dem Krieg zu einer institutionellen Einrichtung im Münchner Nachtleben der 60erund 70er Jahre. Es war einer der angesagtesten Clubs der Stadt. Heute befindet sich dort ein bayerisches Wirtshaus mit Biergarten.

Der Kunstpavillon
Der Kunstpavillon ist ein würdiger, wenn auch kleiner Nachfolger des Glaspalastes. Ein quadratischer zirka 200 Quadratmeter großer Bau mit je einer Türe an jeder Seite. Auch dieser Pavillon wurde von Oswald Bieber erbaut. Das Fries über dem Eingang des Kunstpavillons schuf der Bildhauer Josef Wackerle (1880 – 1959).

Der Zweite Weltkrieg hat auch dieses Gebäude nicht verschont. Am 9. September 1950 wurde der neue Ausstellungsbau eröffnet.

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Das Portal des Botanischen Gartens auf einem Gemälde des 19. Jh.s

Das Portal

Joseph Emanuel von Herigoyen (1746 – 1817) schuf mit diesem rechtwinkligen Portal ein Werk des Münchener Frühklassizismus. Vier dorische Säulen tragen den Mittelteil des Architravs (Horizontalbalkens). Eingerahmt und dominierend sind die gemauerten Pfosten, mit rechteckigem Grundriss. Die Farben des Portals sind ein frühes Beispiel für die Mehrfarbigkeit klassizistischer Architektur. Seit 200 Jahren hat das Portal die Wirren der Zeit nahezu unverändert überdauert.

Der Neptunbrunnen

Schon zu Zeiten des Glaspalastes gab es einen Neptunbrunnen im Botanischen Garten, der hatte jedoch nichts mit dem Brunnen gemein, der sich heute im Alten Botanischen Garten befindet.

In der Achse des Justizpalastes setzte der Architekt Oswald Bieber das Bassin. In dessen Mitte schuf Josef Wackerle im Zuge der Umgestaltung des Parks 1937 einen Skulpturenbrunnen. In Anlehnung an Michelangelos David schultert Neptun seinen Dreizack. Am 29. Mai 1937 wurde die Fertigstellung mit einem pompösen Fest gefeiert. 1949 wurde der im Krieg zerstörte Brunnen wiederhergestellt.

Heute zählt der Neptunbrunnen zu den beliebtesten Treffpunkten im Zentrum. An heißen Tagen plantschen auch Kinder im kühlen Nass.

Der Staccioliring
Der Alte Botanische Garten wird im Westen überragt von einer großen Ringskulptur des Künstlers Mauro Staccioli. 12 Meter Stahlzement erheben sich über die sogenannte Kunstplattform und akzentuieren den Blick in und aus dem Botanischen Garten.

Historische Bilder: Stadtmuseum München; Wittelsbacher Ausgleichsfond, München

Broschüre zum Jubiläum 2013

"200 Jahre Alter Botanischer Garten - Ein Garten mit Geschichte"

Zum 200-jährigen Parkjubiläum hat das Baureferat eine informative Broschüre unter dem Titel "200 Jahre Alter Botanischer Garten - Ein Garten mit Geschichte" herausgegeben. Viele Bilder illustrieren Historie und Gegenwart des Erholungsraum mitten im Herzen Münchens.

Die Broschüre ist gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro erhältlich:

Tel. (089) 233 60329
gartenbau@muenchen.de

Stadtinformation am Marienplatz

Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten

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