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175 Jahre Flaucheranlagen


Die Flaucheranlagen

Die Flaucheranlagen in den Isarauen bieten mitten in der Stadt Naturschönheit und Freizeitgenuss zugleich: Die Lust auf frische Luft und Erholung erfüllen sich hier auf stillen Spazierwegen im urwüchsigen Auenwald oder am lebhaften Badeplatz. Entstanden ist der naturnah angelegte, grüne Saum der wilden Isar als erster städtischer Park im Süden Münchens und als kommunales Pendant zum kurfürstlichen Englischen Garten im Norden der Stadt. Das Ziel lautete: Die Schönheit der ursprünglichen Natur sollte erhalten bleiben und „die öden unzugänglichen Auen zu einem angenehmen Spaziergang“ werden.

Flaucher Plan Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Flaucher Plan

Plan (Ausschnitt) Jakob Heilers von etwa 1900 zur Erweiterung der Isaranlagen rechts und links ...

Die Isarinseln

Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts entstand quer über das Flussbett hinweg ein erstes Wehr, das die Isar nach Westen drängte, denn die Münchner Mühlen und Sägewerke wurden über den Stadtbach versorgt. Dieses Bauwerk wurde ständig weiterentwickelt und um 1740 war ein langes Wehr entstanden, das vor Harlaching das Isarwasser in den Dreimühlenbach und den Großen Stadtbach ableitete. Der Auenbereich mit seinem großen Kiesaufkommen war von mehreren kleinen Wasserläufen durchzogen und es entstanden größere und kleinere Inseln.

Isaruferweg  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Münchner Stadtmuseum

Isarpromenade

Seit dem 18. Jahrhundert wurde die Isar bei Thalkirchen auf einem Werksteg überquert, der Teil eines Weges zwischen Stadt, Thalkirchen und Harlaching war. Bis zum 19. Jahrhundert war der Weg offiziell dem zuständigen Werkpersonal und den Pächtern vorbehalten. Er entwickelte sich jedoch zu einer „Promenade“ isaraufwärts bis zum Thalkirchner Wehr und bot ein besonderes Naturerlebnis und schöne Fernblicke bis ins Gebirge.

Maulbeerbäume

Anfang Dezember 1838 erhielt der Münchner Magistrat, wie andere größere Städte in Bayern, ein Schreiben des königlichen Innenministeriums. Das Ministerium verlangte, dass Maulbeerbäume gepflanzt werden, die zur Zucht von Seidenraupen dienen sollten. Die wertvollen Bäume sollten aus Mitteln der Gemeindekasse bezahlt werden. Eine bayerische Seidenproduktion mit der Aufzucht von Seidenraupen im Lande war ein Traum von König Ludwig I. 1.000 Maulbeerbäume wurden in den Isarauen gepflanzt; die Bäume waren jedoch nicht an das Klima angepasst und gingen ein.

Büste Jakob von Bauers in den Flaucheranlagen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Peter Schinzler

Bürgermeister Jakob Bauer

Jakob Bauer wurde 1838 zum Ersten Bürgermeister der Residenzstadt gewählt, die durch das Gemeinde-Edikt von 1818 in ihrer Selbstverwaltung und damit in ihren finanziellen Möglichkeiten beschnitten war. An erster Stelle sorgte sich Bauer um die Gesundheit der Stadtbevölkerung; seine Initiative zur Flaucheranlage ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Nahe der Stelle, an der er 1839 die ersten drei Bäume dafür pflanzte, wurde ihm ein Denkmal errichtet.
 

Gründung der Stadtgärtnerei

Für die Pflege der Maulbeerbäume ernannte der Münchner Magistrat 1839 Georg Christoph Schuster zum „Garten- und Plantagenaufseher“. Schuster war die rechte Hand von Karl Ludwig Seitz, der das Konzept für die Flaucheranlagen geplant hatte. Ab 1840 war ein eigener Haushaltsposten des Bauamts für die Stadtgärtnerei vorgesehen. Schuster war nicht nur für die zügige Realisierung der Flaucheranlagen verantwortlich, sondern hatte auch die Aufsicht über alle städtischen Grünanlagen, 56 Alleen und die neuen Baumschulen.

Gaststätte "Zum Flaucher"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

„Zum Flaucher“

Hofgarteninspektor Max Kolb regte 1868 an, die Ökonomie- und Gärtnergebäude wie auch die Wiesenflächen in den Flaucheranlagen zu verpachten und dort eine Restauration einzurichten. Die städtische Grünanlage sollte endlich wie andere Münchner Anlagen auch eine Gartenwirtschaft erhalten. Der Münchner Magistrat folgte den Vorschlägen und erteilte am 9. März 1869 dem Bierwirt Johann Flaucher den Zuschlag als Pächter – „der Flaucher“ erhielt seinen bis heute berühmten Namen.

Pflanzung der Friedenseiche  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Die Friedenseiche

Nur wenige Tage nach dem in Frankfurt am Main der Friedensvertrag zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich unterzeichnet war, wurde in München am 15. Mai 1871 eine erste offizielle Friedensfeier in den Flaucheranlagen begangen. Ein Festzug aus 12.000 Münchner Schulkindern, Mitgliedern des Magistrats und zahlreichen Ehrengästen zog zum „Festplatz“, wo Mädchen und Buben ein kleines Eichenbäumchen pflanzten.

Frauenfreibad  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Private Sammlung

Frauenfreibad

Nach dem Schyrenbad,1847 als erstes städtische Freibad für Männern eröffnet, entstand im Sommer 1875 ein weiteres Männerbad in einem der ehemaligen Ablasskanäle in den Flaucheranlagen. Aufgrund großer Nachfrage wurde es im Mai 1877 vom Magistrat in ein Frauenfreibad umgewandelt. Das Bad war in der Regel von Mitte Mai bis September täglich geöffnet. 1926 wurde das Frauenfreibad schließlich zu einem Familienbad ausgebaut und 1937 noch einmal um schöne Rasenflächen erweitert; es blieb als eines „der schönsten Bäder Münchens“ bis zum Zweiten Weltkrieg in Betrieb.

Neue Spielplätze  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Baureferat

Neue Spielplätze

Nach Kriegsende ließ die Stadt das zerstörte Bad nicht mehr instand setzen, sondern in diesem Bereich Kies abbauen, den man für den Wiederaufbau benötigte. Nach dem die Kiesvorräte erschöpft waren, entstand Mitte der 50er Jahre ein weitläufiger Kinderspielplatz mit zahlreichen Turn- und Spielgeräten aus Metall und Holz. Berühmt wurde die sogenannte „Fliegerwiese“, die ihren Namen von einem besonders attraktiven Klettergerüst erhielt: ein kleines Flugzeug aus Metallstäben.

Graffitikünstler 2013  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Peter Schinzler

Die Brudermühlbrücke

Bis 1988 wurden der Mittlere Ring und die Brudermühlbrücke mehrfach ausgebaut. Mit dem Ausbau der Brudermühlbrücke als Teil des Mittleren Rings erhielt die Flaucheranlage in den Oberen Isarauen ein völlig neues Gesicht. Auf der linken Uferseite wurde als Passage ein Rad- und Fußwegtunnel am Brückenkopf gebaut. Die Brückenpfeiler sind heute Plattform für StreetArt.

Freizeit und Naturschutz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Freizeit und Naturschutz

Die Flaucheranlagen gehören mittlerweile zu den am intensivsten genutzten Grünanlagen im Stadtbereich; ihr Freizeitwert als grüne Oase inmitten einer europäischen Metropole ist enorm. Zugleich hat die Anlage durch ihre landschaftliche Vielfalt einen hohen ökologischen Wert. Bereits 1964 wurden die Flaucheranlagen innerhalb der Isarauen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und sind seit 2004 Teil des FFH-Gebiets Oberes Isartal. Beiden Ansprüchen gerecht zu werden ist Kern der Herausforderungen, die diese Grünanlage an ihre Betreuer stellt.

Das Parkpflegewerk  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Peter Schinzler

Das Parkpflegewerk

Historische Gärten und Grünanlagen sind ein bedeutender Teil unseres kulturellen Erbes. Anlass für die Erstellung des Parkpflegewerkes Flaucheranlagen war das 175jährige Jubiläum der denkmalgeschützten Anlage als erste große Grünanlage der Stadtgemeinde. Es formuliert Erhaltungs- und Entwicklungsziele unter den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes, des Naturschutzes und der Nutzung für Freizeit und Erholung. Daraus entstanden konkrete Ziele, die mit einem langfristigen Pflege- und Maßnahmenplan umgesetzt werden können.