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Logo der Münchner Stadtentwässerung Landeshauptstadt München

Geschichte


Von der Abwasserbeseitigung zur modernen Stadthygiene

Schon 1811 gab es die ersten Kanäle zur Abwasserbeseitigung in München. Doch bis zum Beginn der modernen Stadthygiene und dem Bau des ersten Klärwerks war es ein weiter Weg. Heute gehört die Münchner Stadtentwässerung zu den Vorzeigeunternehmen der deutschen Wasserwirtschaft und setzt neue Standards in der Entwicklung.
 

1811 – 1835
Erste Anfänge der Stadtentwässerung

Der erste unterirdische Abwasserkanal in München vom Promenadenplatz zum Hofgraben wurde 1811 für damals 50 000 Einwohner gebaut. Im Laufe der nächsten Jahre entstanden weitere
20 Kilometer beliebig über die Altstadt verteilte Kanäle.

Abfälle, Unrat und Fäkalien landeten trotzdem nach wie vor meistens auf den Straßen, Gehwegen und in Abortgruben.
 

1836 – 1884
Entstehung des ersten planmäßigen Abwassersystems

München wird immer wieder von schweren Seuchen und Epidemien heimgesucht. Der Arzt Max von Pettenkofer sieht bereits 1836 die Hauptursache in den unhygienischen Zuständen und engagiert sich für eine geordnete Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Leider mit mäßigem Erfolg, wegen Geldmangels wurden größere Projekte zurückgestellt. Die bestehende Kanalisierung war völlig systemlos, eine Verbindung zwischen den einzelnen Kanälen gab es nicht.
Die Bauweise war vielfach mangelhaft, die Kanäle nicht wasserdicht und ohne Spüleinrichtungen.


1854 Choleraepidemie

1854 brach eine schwere Choleraepidemie aus, die neben 3.000 Bürgern auch ein prominentes Opfer, die Bayerische Königin Therese (Gattin König Ludwig I), forderte. Die Stadt München ist zu dieser Zeit auf rund 130.000 Einwohner angewachsen, wovon ein Großteil ihr Trinkwasser über Pumpbrunnen, aus dem mit Abwasser stark verunreinigten Grundwasser, bezieht. Auf Drängen Pettenkofers beauftragte die Regierung von Oberbayern die Stadt München Pläne für eine systematische Kanalisierung auszuarbeiten. Mit dem Bau wurde der Bauingenieur Arnold Zenetti betraut, der 1863 zum Stadtbaurat ernannt wurde. In den Jahren 1862 bis 1887 entstand das „Sielsystem“ in der Schönfeld-, Max- und Ludwigsvorstadt.


1885 – 1899
Gründung einer eigenen städtischen Kanalabteilung

Das Stadtbauamt gründete 1885 auf Magistratsbeschuss, mit tatkräftiger Unterstützung von Bürgermeister Alois Erhardt, eine eigene Abteilung für die Aufgaben der Stadtentwässerung. Ein Jahr später richtete die Stadt einen Kanalbetrieb zur Reinigung und Unterhaltung der Kanäle ein, da sich die Bürger immer wieder über üble, durch Ablagerungen hervorgerufene, Gerüche aus den Kanälen beschwerten.
Die Schwemmkanalisation wurde offiziell im Jahr 1890 eingeführt. Damit setzte sich auch in München das Spülklosett durch, das in England schon seit 1810 üblich war.


1900 – 1925
Systematischer Ausbau des Kanalnetzes

Um die Jahrhundertwende gab es in München 225 Kilometer Kanäle. 11 852 Anwesen, rund 78 Prozent der 480 000 Einwohner, waren an das Kanalnetz angeschlossen. Seit 1912 ist es möglich, die begehbaren Kanäle dreimal und die Rohrleitungen zweimal im Jahr zu reinigen.
Die Sterblichkeit sank dadurch enorm – 1870 waren es noch
41,7 Personen, 1910 nur noch 15,6 Personen je 1000 Einwohner.
Seit 1909 finden sich Hinweise darauf, dass die Kanalarbeiter zum Schutz ihrer Gesundheit entsprechende Kleidung und Wasserstiefel erhielten. 1910 installierten die Betriebsstationen eigene Brausebäder zur Reinigung nach der Arbeit.


1926 – 2008
Von den ersten technischen Errungenschaften zum High-Tech-Betrieb

1926 ging das erste Münchner Klärwerk Gut Großlappen in Betrieb.

1989 wurde das zweite Klärwerk Gut Marienhof in Betrieb genommen.

1998 startet der Betrieb einer hochmodernen Klärschlamm-
Verbrennungsanlage am Klärwerk Gut Großlappen.

2005 Inbetriebnahme der Abwasserdesinfektionsanlage am Klärwerk Gut Marienhof.

2008 Inbetriebnahme der Sandfiltrationsanlage und der neuen Faulturmanlage im Klärwerk Gut Großlappen

  • 99,9 Prozent aller Münchner Haushalte und Betriebe sind an die Kanalisation angeschlossen.
  • Die Länge des Kanalnetzes beträgt rund 2400 Kilometer.

Die Münchner Stadtentwässerung gilt heute als Vorzeigeunternehmen in der Abwasserbranche.