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Münchens erstes Klärwerk


Klärwerk Gut Großlappen

Das Klärwerk Gut Großlappen teilt sich die Aufgabe der Abwasserreinigung mit dem zweiten Münchner Klärwerk, Gut Marienhof.
Die beiden Klär­wer­ke reinigen das Ab­wasser aus den Haushalten von insgesamt 1,5 Millionen Einwohnern, den Gewerbe- und Indus­trie­betrie­ben der Stadt und aus den angeschlossenen 22 Umlandgemeinden. Nach dem Durchlaufen der Klärwerke ist das Ab­wasser zu 99 Prozent ge­reinigt. Der größte Teil der gewässerschädigenden Nährstoffe Stickstoff und Phosphor ist entfernt.

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Video mit Luftbildern der Faulturmanlage im Klärwerk Gut Großlappen.

Die Reinigung des Abwassers

Die Abwasserreinigung hat das Ziel, feste und gelöste Stoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Nach der Entnahme von groben und mineralischen Stoffen werden kohlenstoff-, stickstoff- und phosphorhaltige Verbindungen abgebaut, die in Gewässern sauerstoffzehrend und nährstoffanreichernd wirken. Die Endprodukte in einem Klärwerk sind Rechen- und Sandfanggut, Klärschlamm sowie das gereinigte Abwasser. Die Vorgänge sind dabei letztendlich die gleichen wie in der Natur selbst, finden aber auf engerem Raum und in kürzerer Zeit statt. Mit Hilfe von Pumpen, Belüftern, Eindickern und anderer technischer Ausrüstung wird die biologische Leistungsfähigkeit stark erhöht, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit zu vernachlässigen.
Das Klärwerk Gut Großlappen ist mit einer mechanischen und zwei biologischen Reinigungsstufen ausgerüstet. Besondere Erwähnung verdient das neue dreifache Konzept des Klärwerks zur Entfernung des Stickstoffs.
Eine weitere Besonderheit ist die Klärschlammverbrennungsanlage, die nicht nur den Schlamm des Klärwerks Gut Großlappen, sondern auch den des Klärwerks Gut Marienhof entsorgt.

Seit 1926 in Betrieb
Das Klärwerk Gut Großlappen am Nord­rand Münchens ist seit dem Jahr 1926 in Betrieb. Was nicht besagen soll, dass das Klärwerk veraltet ist – durch Erweiterungen, Neubauten und eine Vielzahl von Maßnahmen wurde es seit 1957 kontinuierlich modernisiert und den je­weiligen Regeln der Technik angepasst.
Nach der offiziellen Einführung der Schwemmkanalisation im Jahr 1890 hatte das Kanalnetz noch einen geringen Umfang und die Abwassermenge war entsprechend klein. Da genügte die von Max von Pettenkofer vorausgesagte Selbstreinigungskraft der Isar vollauf, denn ihr Wasser konnte die Verunreinigungen weitgehend verkraften.
Doch die Stadt wuchs von Jahr zu Jahr und mit ihr das Kanalnetz.
Die Folge war die immer deutlicher er­kennbare Verunreinigung der Isar. 1912 forderte die Regierung von Oberbayern den Bau einer Kläranlage für München mit einem Anschluss­grad von 60 Prozent. Die Stadträte besichtigten daraufhin die Abwasserreinigungsanlagen an­derer Städte.

Dann wurde eine Versuchsanlage ge­baut, und 1915 bereitete die Stadt den Bau einer Kläranlage vor, die bei Groß­lappen liegen sollte. Doch der Krieg verhinderte zunächst die Verwirklichung des Projekts.
Im Zuge der Nutzung des Isarwassers zur Stromerzeugung startete die Diskussion erneut. Der Neubau und die Inbetriebnahme einer mechanischen Kläranlage und einer biologischen
Fisch­teichanlage am Speichersee bei Ismaning in Großlappen dauerten von 1922 bis 1926. Die mechanische Reinigung erfolgte zunächst mit Hilfe von Grobrechen und dann in zwei­stöckigen Ausfaul­becken, so genannten Emscherbecken, die noch bis 1989 in Betrieb waren. Der entnommene Schlamm wurde mit einer Kleinbahn zu den bis zu zehn Kilometer nördlich der Klär­anlage ge­legenen Feldern der Garchinger Ödlandgenossenschaft und des städtischen landwirtschaftlichen Gutes Groß­lappen befördert.
Mit zunehmendem Umweltbewusstsein stiegen die Anforderungen an die Reinigungsleistung des Klärwerks.

Der weitere Ausbau des Klärwerks Gut Großlappen war die logische Folge.
Die Fertigstellung eines zweiten Zulaufs mit den dazugehörigen mechanischen Reinigungsanlagen im Jahr 1960 sowie die Vollendung der biologischen Reinigungsstufe im Jahr 1973 waren große Schritte, um die Isar so sauber wie möglich zu halten. 1994 ging die zweite biologische Stufe, die der Stick­stoff­entfernung dient, in Betrieb. Zahllose Umbauten, Erweiterungen und Er­neue­rungen in der Bau-, Anlagen- und Elektrotechnik führten dazu, dass das Klär­werk Gut Großlappen seit Jahrzehnten keinen »Normalbetrieb« mehr kennt.
2008 wurde die neue Faulbehälteranlage mit vier Behältern je 14.500 Kubikmeter und Gesamtkosten von 63 Millionen Euro in Betrieb genommen.
Die neue Sandfilteranlage, die ebenfalls 2008 in Betrieb ging, ergänzt das Konzept zur Entfernung des gewässerschädigenden Nährstoffs Stickstoff als letzte Stufe der Reinigungskette.
Aktuell wird die 1. Biologische Stufe, der älteste noch bestehende Anlagenteil, mit Gesamtkosten von 146 Millionen Euro erneuert. Die Baumaßnahme wird im laufenden Betrieb in mehreren Bauabschnitten durchgeführt und bis 2021 abgeschlossen.
Um das anfallende Klärgas noch optimaler zu verstromen werden die Energieanlagen bis 2018 umgebaut und optimiert.

Eine zusätzliche Erschwernis ist, dass das Klärwerksgelände im Laufe der Jahrzehnte durch Ansiedlungen, Straßen und den Müllberg im Norden räumlich sehr begrenzt wurde. Neu­baumaßnahmen können deshalb oft nur an der Stelle von zuvor demon­tierten Anlagen errichtet werden.

1989, nach einer Bauzeit von fünf Jah­­ren, ging das zweite Münchner Klärwerk, Gut Marienhof nördlich von Dietersheim, in Betrieb.