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Neubau zentrale Kanalbetriebsstation


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© Oliver Heissner, Hamburg

Konzentriert und kompakt

Mit dem Neubau der zentralen Kanalbetriebsstation der Münchner Stadtentwässerung (MSE) ist der Wechsel des Kanalbetriebs von einer gebiets- zu einer prozessorientierten Struktur abgeschlossen. Die Ableitung des Ab- und Niederschlagswassers im über 2.400 Kilometer langen Münchner Kanalnetz wird nun zentral von dem neuen Standort aus koordiniert und sichergestellt – mit Unterstützung der beiden Betriebsstationen Ost und West. Neben der Verwaltung sind die Fachbereiche Instandhaltungsplanung, Störung und Service, Leitung der Kanalreinigung, baulicher Unterhalt, Kanalinspektion, Maschinentechnik sowie Mess- und Regeltechnik einschließlich aller zugehörigen Werkstätten und Lager auf dem knapp 12.000 Quadratmeter großen Grundstück zusammengefasst. Ein fast quadratischer Innenhof dient dem ankommenden und ausgehenden Fahrverkehr und erschließt die Garagen für die Großfahrzeuge. Die Hoffläche ist dabei so bemessen, dass sie mit Einsatzfahrzeugen und Lastzügen ohne Rangieren befahrbar ist. Eine Rampe führt unmittelbar von der Grundstückszufahrt in die Tiefgarage.

Ein Rundgang verbindet

Der Entwurf konzentriert die Baumasse im Osten des Grundstücks, entlang der Schleißheimer Straße. Aus dem zweigeschossigen Unterbau tritt hier der 20 Meter hohe Bürotrakt deutlich hervor. Ein separates zweigeschossiges Gebäude markiert die westliche Grundstücksgrenze.

Die Nutzung des gesamten Hauptgebäudes folgt konsequent dem „Schwarz-Weiß-Prinzip“. Das heißt, die schmutzigen „Schwarzbereiche“ sind konsequent von den sauberen „Weißbereichen“ getrennt. Das am Haupteingang gelegene „weiße Treppenhaus“ erschließt den Bürotrakt, die Schulungsräume, die Kantine und den „weißen Bereich“ der Umkleiden für die operativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu Arbeitsbeginn deponieren sie ihre Straßenkleidung in den „weißen Umkleiden“, die ein Sanitärbereich mit Duschen von den „schwarzen“ mit den Spinden für die Arbeitskleidung trennt. Durch den „schwarzen Umkleidebereich“ und über das „schwarze Treppenhaus“ in der Nordwestecke des Gebäudes gelangen sie in die auf drei Ebenen organisieren Werkstätten. Das erste Obergeschoss ist als lichtdurchfluteter Rundgang konzipiert, der den „weißen“ mit dem „schwarzen“ Bereich verbindet. Fahrzeughallen mit einer lichten Höhe von vier Metern sind den Großfahrzeugen des Kanalbetriebs – Hochdruckspül- und Saugwagen sowie Inspektionsfahrzeuge – vorbehalten. Für die Reinigung der Fahrzeuge ist eine Waschhalle vorhanden.
Artenreich begrünte Dachflächen kompensieren die versiegelte Fläche. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Werkstätten ist auf 20 kWp Leistung ausgelegt.

Funktionale Gestaltung

Die Baukörpergestaltung überzeugt in ihrer städtebaulichen Kompaktheit sowie ihrer funktionalen Qualität. Robuste Materialien wie Klinker, Beton und Glas entsprechen dem Werkstattcharakter des Gebäudes. Eine hinterlüftete Fassade aus Klinkermauerwerk prägt zusammen mit den notwendigen Fensterflächen das äußere Erscheinungsbild. Der Innenbereich ist ebenfalls funktional gestaltet: Wände und Decken sind überwiegend aus unbehandeltem Sichtbeton, die Böden aus geschliffenen Estrich. Einzelne Flurwände korrespondieren mit dem Sichtmauerwerk der Fassade.

Ein helles Grün setzt in den Umkleiden einen frischen Akzent. Spinde sowie Duschen, Waschbecken und Toiletten sind für zirka 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden.

Im Bürotrakt befinden sich bis zu 60 Arbeitsplätze sowie Besprechungsräume. Die langgestreckte Kantine im ersten Obergeschoss lässt sich flexibel teilen und kann für Schulungen und Versammlungen genutzt werden. In der Küche werden rund 60 Mittagessen pro Tag frisch zubereitet.
Der Werkstattbereich umfasst Schlosser- und Elektrowerkstätten sowie Werkstätten der Mess- und Regeltechnik. Moderne Lagerlifte transportieren Stangenmaterial und Werkzeuge über zwei Etagen an den Verarbeitungsort. Im rückwärtigen Grundstücksteil befinden sich das Verbrauchslager und zwei Dienstwohnungen.

Kunst-am-Bau-Projekt „Light Waves“ am Haupteingang  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Oliver Heissner, Hamburg

Lichtwellen am Haupteingang

Im Rahmen von QUIVID, dem Kunst-am-Bau-Programm der Stadt München, realisierte der norwegische Künstler Kurt Johannessen im Eingangsbereich „Light Waves“ (Lichtwellen): In dem kreisförmigen Objekt mit einem Durchmesser von zwei Metern leuchten Lichtkreise hinter mattiertem Glas auf und verlöschen wieder. So entsteht der Eindruck eines ins Wasser geworfenen Kiesels, der konzentrisch leuchtende Wellen aussendet.

Planungshistorie

Im April 2008 beauftragte der Stadtentwässerungsausschuss das Baureferat mit einem Realisierungswettbewerb für den Neubau einer zentralen Kanalbetriebsstation. Die Gewinner des Wettbewerbs, Reinhard Bauer Architekten in Zusammenarbeit mit t17 Landschaftsarchitekten, wurden im September 2009 mit der Vorentwurfsplanung beauftragt.
Im Rahmen der Planung stellte sich heraus, dass ein höherer Bedarf an Nutzflächen unterzubringen war. Nach entsprechender Anpassung mit Stadtratsgenehmigung starteten die Bauarbeiten im August 2014. Die genehmigten Projektkosten lagen bei knapp 45 Millionen Euro. Die neue zentrale Kanalbetriebsstation wurde im Mai 2017 fertiggestellt.