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Wettbewerbsarbeit Platz 1


Das neue NS-Dokumentationszentrum - Wettbewerbsentwurf 1. Preis (Scheel Wetzel/Weidinger)  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Wertung der Wettbewerbsarbeiten zum Bau eines NS-Dokumentationszentrums in München

Die Jury lobt den Entwurf des erstplatzierten Teams als städtebaulich und gestalterisch hervorragende Lösung mit unverwechselbarer Identität.

Georg Scheel Wetzel Architekten
Dipl. Ing. Bettina Georg, Dipl. Ing. Tobias Scheel,
Dipl. Ing. Simon Wetzel
Berlin

Mitarbeit:

Weidinger Landschaftsarchitekten
Dipl. Ing. Jürgen Weidinger
 

Preisgerichtsbeurteilung

Selbstbewusst wird der Würfel mit ausgeprägter Höhenentwicklung in den städtebaulichen Raum situiert. Er steht in starkem Kontrast zur Umgebung. Die vorgeschlagene Eingrünung schwächt die städtebauliche Wirkung. Der Würfel markiert den Ort der Täter, ohne auf das "Braune Haus" Bezug zu nehmen. Er stellt sich nicht in die Reihe der Führerbauten, überragt sie aber. Bemerkenswert ist der typologische Ansatz eines Würfels im Baumbestand. Damit wird eine angemessene Zeichenhaftigkeit erreicht. Platz und Eingang sind gut disponiert und proportioniert. Die Materialität des gewählten Weißbetons entwickelt einen schönen Dialog mit dem Grün der Bäume. Geschickt wird die quadratische Grundfläche des Würfels durch die Erschließungskerne in unterschiedliche Zonen gegliedert. Die einzelnen Ebenen sind untereinander durch Deckenausschnitte miteinander verbunden, es ergeben sich gute Sichtbeziehungen im Gebäude und partiell zweigeschossige Bereiche. Die Anordnung der Kerne kann jedoch noch optimiert werden.

Die Gebäudehülle wird geprägt durch großflächige, geschlossene Bereiche und überwiegend zweigeschossige, hohe Lamelleneinschnitte. Diese Betonlamellenfenster bieten zum einen von innen her einen Außenbezug mit starker Gliederung, von außen her geben sie der Gebäudehülle eine große Einheitlichkeit mit spannungsvollen Bezügen zueinander. Kontrovers diskutiert wird der Abstand der Lamellen zueinander, dieser ist zu hinterfragen. Eine zu starke Gitterstruktur soll den Innenraum nicht zu sehr von den Außenbezügen abtrennen.

Der Vorschlag, sowohl Fassade als auch Innenbereiche einschließlich der Böden konstruktiv mit weißem Beton zu erstellen, bietet für Ausstellungen eine sehr gute Basis. Die innen liegenden Holzlamellen und deren individuelle Handhabung bei unterschiedlichen Nutzungen sind ein guter Lösungsansatz. Für den Sonnenschutz sind jedoch zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Die innenräumlichen Qualitäten sind auch in den beiden Untergeschossen gegeben, wobei wiederum Luftraumbezüge und Zweigeschossigkeit sich miteinander verknüpfen. Dabei ist die Funktionalität in einzelnen Bereichen nicht optimal.

Der Entwurf wird funktional durch die kompakte Bauweise bestimmt. Die im Zentrum des Gebäudes vertikal angeordneten Erschließungsflächen gliedern die Funktionsflächen, insbesondere die Ausstellungsräume erstes und zweites Obergeschoss, in Einzelflächen. Für den künftigen Betrieb stellen sich hierdurch Einschränkungen bei der Besucherführung in Hinblick auf den erwarteten großen Besucherandrang und auf die Nutzung der Einrichtung durch Gruppen. Ähnliches gilt für den Wechselausstellungsbereich im Untergeschoss. Die lichte Deckenhöhe von unter 3,50 Metern in den Ausstellungsbereichen liegt an der unteren Grenze.

Die gewünschte Bezugnahme zur historischen Umgebung wird durch zahlreiche Ausblicke ermöglicht. Im Seminar- und Verwaltungsbereich ist die vorgeschlagene Verschränkung für die Nutzung nachteilig. Die Organisation der Verwaltung in Großraumbereichen ist so nicht praktikabel. Positiv zu werten ist die separate Zugänglichkeit des Veranstaltungsbereichs, die eine externe Vermietung ermöglicht. Auch die Foyersituation ist gut gelöst. In Hinblick auf tageweise Nutzungen zum Beispiel im Rahmen von Symposien und Tagungen ist allerdings die Unterbringung im Untergeschoss ohne Tageslicht kritisch.

Der Beitrag zeichnet sich durch seine niedrigen BGF- und BRI-Werte aus. Dadurch ergeben sich günstige Investitions-, Betriebs- und Unterhaltskosten. Die Kostenobergrenze wird eingehalten. Durch die kompakte Bauweise ist ein geringer Primärenergiebedarf zu erwarten.

Der vorgeschlagene Entwurf für das NS-Dokumentationszentrum ist in städtebaulicher und gestalterischer Hinsicht ein hervorragender Beitrag zur gestellten Aufgabe mit einer eigenen unverwechselbaren Identität.

Das Preisgericht empfiehlt dem Auslober einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen. Dabei sollen die in der Beurteilung formulierten Anmerkungen bei der weiteren Planung besondere Beachtung finden. Das Preisgericht empfiehlt eine dementsprechende Überarbeitung der Arbeit.

Visualisierungen des neuen NS-Dokumentationszentrums