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Wissenswertes zu Berg am Laim


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Der 14. Stadtbezirk: Geschichte, Ortsteile, Besonderheiten

Berg am Laim ist mehr als nur ein erdkundlicher Begriff für einen (kleinen) Teil Münchens - Berg am Laim ist ein lebendiger, vielfältiger und aufstrebender Stadtteil mit aktuell rund 43.000 Einwohnern, von denen sich viele sehr bewusst als Berg am Laimer fühlen und die stolz auf ihr Berg am Laim sind: Ein reichhaltiges kulturelles Leben, eine gute Infrastruktur mit Kindergärten und Schulen, sozialen Einrichtungen und bezahlbaren Wohnungen, eine abwechslungsreiche Stadtgestalt mit großen geplanten Quartieren und gewachsenen Eigenheimer-Siedlungen, mit alten Industrieflächen und modernen Büroarbeitsplätzen, mit bedeutenden Baudenkmälern und naturnahen Grünflächen u.v.m. machen Berg am Laim lebens- und liebenswert.

Berg am Laim ist aber auch das Ergebnis einer langen, bewegten und eigenständigen Geschichte, deren man sich vor Ort durchaus bewusst ist - nicht ohne Grund hat Berg am Laim zuerst im Jahr 2012 sein 1.200 jähriges Bestehen und dann 2013 seine 100-jährige Eingemeindung nach München gefeiert.

Für die kommenden Jahre stehen große Veränderungen im Stadtteil an. Seit einiger Zeit schon haben Künstler und Kreative das Viertel für sich entdeckt, jetzt folgen Stadtplaner und Investoren. Große neue Wohnquartiere sollen entstehen, was z.B. neue und ausgebaute Schulen zur Folge hat, aber auch neue Naturschutz- und Erholungsflächen, auf die der Stadtteil schon lange wartet. Der Einzelhandel wird modernisiert und ausgeweitet und im alten Industriequartier am Ostbahnhof sollen Wohnungen, Büros, Geschäfte, aber auch niveauvolles Nachtleben und kulturelle Einrichtungen als „Werksviertel“ über Berg am Laim hinaus ein Zeichen für den Wandel der Stadt setzen. Aber der Reihe nach.

Die Entstehung Berg am Laims

Die Geschichte Berg am Laims ist maßgeblich von drei Faktoren geprägt, wie die folgenden Zitate aus dem Buch „Berg am Laim“ der beiden Historiker Christl Knauer-Nothaft und Erich Kasberger deutlich machen:

„´Perk´, so die vermutlich erste Bezeichnung für unseren Ort Berg am Laim, ist als Siedlung am Berg zu deuten.“

„Drei zwischen 812 und 814 aufeinander folgende Güterschenkungen von Adeligen an die Bischofskirche in Freising können wir […] unserem Ort Berg zuordnen.“

„Die Beifügung ´auf dem Laimb´, eine mittelhochdeutsche Bezeichnung für Lehm, tritt erst ab 1430 in schriftlichen Dokumenten auf“.

Der im ersten Zitat erwähnte Berg ist der Rand der großen Lehmzunge, die sich im Osten Münchens von Norden nach Süden erstreckte und die zunächst durch ihre große Bedeutung für die Landwirtschaft die Gründung einer ganzen Reihe von Siedlungen und Gütern begünstigte, darunter eben auch Berg (am Laim). Dieser „Berg“ ist heute noch zu erahnen, wenn man aus Richtung Kreillerstraße kommend der Berg-am-Laim-Straße „bergan“ in Richtung Innenstadt folgt.

Dass nicht mehr viel von diesem Berg übrig geblieben ist, liegt daran, dass der Lehm nicht nur die Landwirtschaft beförderte, sondern auch als Grundstoff für die Herstellung von Ziegeln diente. Ein Handwerk, das bereits im Mittelalter eine Rolle spielte und im 19. Jahrhundert, als München rasant wuchs, zur Ansiedlung ganzer Ziegelei-Industriebetriebe in Berg am Laim führte.

Wie oben zitiert, befand sich Berg am Laim während des größeren Teils seiner Geschichte im Eigentum der Kirche bzw. des (kirchlichen) Adels. Dieser Tatsache verdankt der Stadtteil einige seiner schönsten und bekanntesten Bauwerke - die leider nicht alle erhalten geblieben sind.

Von dieser Geschichte und den drei prägenden Entwicklungen - Landwirtschaft, Ziegeleien, Kirche - ist heute (leider) nur teilweise etwas erhalten geblieben. Vom einstigen Bauerndorf sieht man nichts mehr, nur einzelne Gebäudenamen im Stadtteil deuten noch ein wenig auf diese Ursprünge hin: Zeugnerhof, Engerthof, Vogelhof. Praktisch nichts mehr zu sehen ist von den früheren Ziegeleien, die im 19. Jahrhundert in Berg am Laim als Vorboten der Industrialisierung ortsbildprägend waren. Einzig die Kirche ist mit ihren Bauwerken und als Grundeigentümer im Stadtteil weiterhin wichtig und sichtbar geblieben.

Die Ortsteile Berg am Laims

Die erste urkundliche Erwähnung Berg am (Laims) im Jahr 812 ist der Beleg für das (mindestens) 1.200-jährige Bestehen des Ortes, was im Jahr 2012 auch entsprechend gefeiert wurde. Für einen umfassenden Abriss der Berg am Laimer Geschichte fehlt an dieser Stelle der Raum - zudem gibt es ja das bereits erwähnte Buch „Berg am Laim“ des, natürlich, in Berg am Laim beheimateten Volk-Verlages. An dieser Stelle soll deshalb nur auf einige Besonderheiten Berg am Laims eingegangen werden.

Die Herkunft des Namens Berg am Laim wurde bereits erklärt, allerdings gehören zum heutigen Stadtbezirk Berg am Laim weitere Ortsteile mit eigenen Namen, die sich aus der Geschichte ableiten.

So weist der Ortsname Baumkirchen auf die (vermutlich) erste Berg am Laimer Pfarrkirche hin, die heutige Kirche St. Stephan, deren Vorgängerbau offenbar aus Holz errichtet war. Die Baumkirchner Straße, die alte Achse zwischen den Ortsteilen Berg am Laim und Baumkirchen, ist noch heute das Zentrum des Berg am Laimer Lebens, mit zahlreichen Geschäften, Markt- und Festplatz und Maibaum.

Der Ortsteil Josephsburg erinnert an die Geschichte Berg am Laims als Adelssitz verschiedenster Grundherren, die sich mit eigenen Bauten in Berg am Laim hervorgetan haben. Die Josephsburg war dabei der Beitrag des Kölner Erzbischofs Joseph Clemens, der im späten 17. Jahrhundert auch Berg am Laim zu seinem Besitz zählte. Die Josephsburg ersetzte dabei ein noch älteres (kleines) Schloss, das Ende des 18. Jahrhunderts endgültig abgerissen wurde. Heute erinnert die Josephsburgstraße an diesen Teil der Berg am Laimer Geschichte.

Der Ortsbegriff Echarding, heute noch sichtbar als Echardinger Straße, weist hingegen auf eine kleine Siedlung südlich des heutigen Ortskernes hin: Echartingin, was so viel wie „bei den Leuten des Erhart“ bedeutet. Die Gaststätte Echardinger Einkehr zeigt die ungefähre Lage dieses Ortes auf, heute befindet sich hier außerdem die sogenannte Maikäfersiedlung.

Das Viertel Michaeliburg an der Grenze zu Trudering, verdankt seinen Namen nicht, wie man annehmen könnte, der St.-Michaelskirche in Berg am Laim und deren Geschichte als Sitz der St.-Michaels-Bruderschaft, sondern angeblich einem eigenen Bauwerk, eben der „Michaeliburg“, einem Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gasthof, der zudem leider vor einigen Jahren abgerissen wurde. In Berg am Laim verweist die Michaeliburgstraße auf diesen Teil Berg am Laims.

Im Osten Berg am Laims erinnert die St.-Veit-Straße an eine dort einst beheimatete kleine Kirche, St. Veit auf dem Wasen, neben der zudem in einem ersten Berg am Laimer Schulraum die Kinder aus den umliegenden Weilern von einem dort lebenden Eremiten unterrichtet wurden. St. Veit wurde im Zuge der Säkularisation 1806 abgerissen.

Der Begriff Werksviertel ist eine Neuschöpfung, die den geplanten bzw. begonnenen Übergang der alten Industrieflächen am Ostbahnhof hin zu einem Wohn-, Büro- und Kulturquartier deutlich machen soll. Ob sich dieser Begriff für das neueste Wohnquartier Berg am Laims dauerhaft etablieren kann, wird sich zeigen. Gleiches gilt für Baumkirchen Mitte, dem zweiten großen Wohn-, Gewerbe-  und Büroprojekt im Stadtteil.

Besonderheiten

Bauten und Siedlungen

Mitunter finden sich die verschiedenen Ursprünge der Berg am Laimer Besiedelung auch heute noch im Stadtteilbild wieder. Viele Straßen folgen den Verläufen der alten Wege zwischen den Siedlungsteilen, auch wenn sich der moderne Straßenverkehr mit der Berg-am-Laim- / Kreillerstraße eine Schneise durch den Stadtteil geschlagen hat. Viele Gebäude erinnern noch an frühere Nutzungen, wie z.B. der wiedererrichtete Zeugnerhof (heute ein Jugendtreff) sowie ein Handwerkerhäuschen in der Josephsburgstraße oder das alte Schulhaus (heute ein Hort) sowie der Vogelhof an der Baumkirchner Straße. Andere Gebäude, wie die großen Gaststätten und Biergärten an der oben erwähnten Verkehrsachse, haben die Zeit nicht überdauert oder wurden, wie Teile des alten Jagdschlosses, umgebaut und umgenutzt (heute Maria-Ward-Realschule).

Kirchen und Kapellen

Wahrscheinlich der bedeutendste Beitrag Berg am Laims zur Architekturgeschichte ist die frühere Hof-, Ritterordens- und Erzbruderschaftskirche St. Michael Berg am Laim, heute die Pfarrkirche der kath. Gemeinde St. Michael. Diese wurde vom Kölner Erzbischof Clemens August in Auftrag gegeben und vom Baumeister Johann Michael Fischer errichtet. Sie zählt zu den schönsten Kirchenbauten Münchens und Bayerns. Von weitem fallen die Doppeltürme im Stadtbild auf, vor Ort ist sie aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage „hinter“ dem eigentlichen Ortskern und ohne echten Vorplatz und angemessene Erschließung fast ein wenig versteckt.

Deutlich bescheidener gestaltet, aber ebenso sehenswert ist die ehemalige Pfarrkirche Berg am Laims, St. Stephan im Ortsteil Baumkirchen, umgeben vom alten Berg am Laimer Friedhof, auf dem bekannte Namen des örtlichen Lebens aus früheren Jahrhunderten zu finden sind.

Zu erwähnen ist auch die Loretokapelle an der Josephsburgstraße, die in ihrer heutigen Form ab 1851 errichtet wurde, und heute die koptische Gemeinde Münchens beherbergt.

Ein verhältnismäßig junger Neubau ist die sog. Echardinger Kapelle an der Echardinger Straße, die eine im Krieg zerstörte alte Kapelle in der Nähe ersetzt hat.

Die übrigen Berg am Laimer Kirchen wie die evang. Offenbarungskirche und auch Gebetshäuser anderer Religionen stammen aus jüngerer Zeit und sind im Zuge des raschen Wachstums Berg am Laims nach dem 2. Weltkrieg entstanden.

Fabriken und Wohnquartiere

Berg am Laim war bis ins 19. Jahrhundert hinein ein bäuerlich geprägter Ort. Erst durch die zunehmende Nähe der sich ausbreitenden Stadt München beschleunigte sich auch in Berg am Laim die Entwicklung. Zuerst als Standort für zahlreiche Ziegeleien und dann auch als Industrie- und Wohnungsbaustandort. Von den einstigen Ziegeleien ist vor Ort praktisch nichts mehr zu finden, auch die meisten frühen Industriebetriebe sind, von Ausnahmen abgesehen, inzwischen nicht mehr zu sehen.

Immerhin, im Werksviertel ragt neben einigen alten Werkshallen noch ein Schornstein in den Himmel, der auch künftig als Landmarke und Erinnerung erhalten bleiben soll.  Moderne Büroquartiere haben die früheren Fabriken weitgehend ersetzt. Wobei diese neuen Bauten, wie z.B. die Medienbrücke oder das technische Rathaus, selbst auch schon wieder ortsbildprägend geworden sind.

Noch vorhanden und an einigen Stellen durchaus auch prägend sind Wohnungsbauprojekte im Stadtteil. So gehören die Siedlung am Piusplatz sowie die Maikäfersiedlung zu den großen öffentlichen Wohnungsbauvorhaben der Zwischenkriegszeit, auch wenn letztere inzwischen weitgehend modernisiert und durch Neubauten ersetzt wurde. Weiter im Osten des Stadtteils finden sich noch größere Gebiete, die von sog. Siedler- und Eigenheimergruppen parzelliert und bebaut worden sind. Hier ist allerdings der Trend zur Nachverdichtung immer mehr zu beobachten.

Als Einzelgebäude ist vielleicht der Wohnblock an der Ecke Berg-am-Laim-Str. / Leuchtenbergring erwähnenswert. Um die Jahrhundertwende 1900 erbaut, fällt dieser Block der Eisenbahnerbaugenossenschaft auf alten Fotos markant ins Auge, damals quasi der Abschluss der Stadt, während dahinter in Richtung Osten Felder und Wiesen das heutige Berg am Laim prägten, unterbrochen von einzelnen Höfen, Ziegeleien und dem alten Ortskern.

Die Eisenbahn

Nicht unerwähnt bleiben darf bei einer Betrachtung Berg am Laims auch das Kapitel Eisenbahn. Nicht nur, dass Berg am Laim bis heute an zweien seiner „Außengrenzen“ von der Bahn eingefasst wird (nach Westen in Richtung Ostbahnhof und nach Norden zu den Gleisanlagen der S-Bahn, Fernverbindungen und Abstellanlagen am S-Bahnhof Berg am Laim), auch im 19. Jahrhundert wuchs Berg am Laim bereits zu einem Eisenbahnerstadtteil heran. Bis heute zeugen davon große Eisenbahnerbaugenossenschaften mit ihren Wohnungsbeständen im Stadtteil. Auch der alte sog. „Rosenheimer Bahndamm“, heute eine Grünanlage, zeigt noch den Verlauf früherer Schienenstränge durch den Stadtteil. Das imposanteste Zeugnis der Eisenbahn in Berg am Laim, die riesigen Hallen des ehem. Bahnbetriebswerks München Ost, wurden freilich vor kurzem abgerissen, da auf diesen Flächen das neue Wohnquartier Baumkirchen Mitte entstehen wird. Immerhin, westlich dieser Flächen sollen die alten Gleisanlagen als Biotopflächen erhalten werden. Zudem gibt es Überlegungen, die alte, noch vorhandene Lokdrehscheibe auf diesen Flächen als Denkmal herzurichten und zu erhalten.

Gegenwart und Ausblick

Heute ist Berg am Laim wie eingangs schon erwähnt ein gut entwickelter Stadtteil Münchens mit aktuell 43.000 Einwohnern. Es gibt kaum mehr Flächen, die noch nicht in der einen oder anderen Form großstadtgerecht genutzt werden. Auch die Infrastruktur ist städtisch, mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, Radrouten und auch einem gut genutzten Straßennetz. Die Bewohnerschaft Berg am Laims ist vergleichsweise bunt, Alteingesessene in den Eigenheimer-Siedlungen und langjährige Bewohner der städtischen GWG- und Gewofag-Siedlungen mischen sich mit „Zugezogenen“ in den vielen privaten und städtischen Neubauprojekten der vergangenen Jahre.

Schon in den letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl um rund 4.000 Menschen gestiegen, und wird, nach Umsetzung der anstehenden Wohnungsbauvorhaben, absehbar die 50.000-Marke überschreiten. Berg am Laim gehört, sicher auch aufgrund des bezahlbaren Wohnraums, traditionell zu den Vierteln mit höherem Migrationsanteil ebenso wie zu den „ärmeren“ Stadtteilen Münchens. Die sich daraus ergebenden Herausforderungen und Aufgaben hat die Stadt München freilich auch erkannt, seit fast 10 Jahren wirkt z.B. das Projekt „Soziale Stadt“ erfolgreich in den betroffenen Gebieten des Stadtteils. Das soziale Miteinander im Stadtteil ist im Großen und Ganzen gut.

Berg am Laim hat darüber hinaus aber auch viel Lebensqualität zu bieten. Wie erwähnt, preiswerte Wohnungen, guter Nahverkehr, große Grünflächen, soziale Infrastruktur, aber auch ein intaktes soziales Miteinander mit zahlreichen Vereinen und Initiativen, vom Sport, über Kunst, Kultur und Tradition bis hin zu Flüchtlingshilfe und sozialem Engagement. Gemeinsame Feste und Veranstaltungen (Maifeier, Kinderfest, Straßenfest, Weihnachtsmarkt etc.) prägen den Stadtteil, der sanierte Ortskern mit dem neu gestalteten Markt- und Festplatz bietet viel Raum für Aktivitäten, über allem „wacht“ der Berg am Laimer Maibaum, der alle fünf Jahre vom Maibaumverein aufgestellt wird. Wer also mitmachen will im Stadtteil, findet dazu vielfältige Möglichkeiten.

Das gleiche gilt aber auch für das gesellige Nichts-Tun. Berg am Laim ist sicher kein klassisches Kneipenviertel, aber um einen stimmungsvollen oder gemütlichen Abend mit Freunden zu verbringen, reicht es allemal. In und um die Baumkirchner Straße sind eine Reihe von Restaurants, Wirtshäusern, Imbissen und Lokalen angesiedelt, wobei für jeden Geschmack etwas zu finden ist. Das traditionsreiche „Weiße Bräuhaus“ wird in diesem Jahr (2014) saniert, um dann wieder in neuem alten Glanz Raum für bayerische Lebensart zu bieten. Die bekannteste Eisdiele Berg am Laims liegt praktischerweise gegenüber dem Kindergarten St. Michael, zusätzlich gibt es im „Pastello“ auch gute italienische Küche. Vom späten Frühstück bis zum Cocktailabend hat das „Kreiller´s“ für (fast) jede Tages- und Nachzeit das richtige und gute Angebot.

Etwas wilder geht es immer schon in der Kultfabrik zu, auch wenn dieses längste Provisorium des Münchner Nachtlebens seine ganz großen In-Zeiten inzwischen hinter sich hat. Viele angesagte Clubs und Diskotheken sind in den letzten Jahren vom ehem. Kartoffelwerk hinter dem Ostbahnhof in die Innenstadt gezogen und haben ihre Besucher und Begleiterscheinungen mitgenommen. Künftig soll im zum „Werksviertel“ gewandelten Quartier dann eher die höhere Kultur mit Theatern, Galerien, Bühnen, Ateliers sowie dem neuen Berg am Laimer, entschuldigung, Münchner Konzertsaal beheimatet sein. Eine Zielsetzung, die viele im Stadtteil kaum abwarten können.

Insgesamt ist nicht zu übersehen, dass Berg am Laim derzeit „entdeckt“ wird. Die ersten Entdecker dabei waren, wie zuvor auch schon anderswo in München, die Künstler und Kreativen. Bereits im alten Werksviertel, der Kultfabrik, gab und gibt es viel Raum für Ateliers, Fotografen, Start-up-Firmen u.a.m.. Und mit dem Streitfeld (Streitfeldstraße 33) sowie den Burggrafenateliers (Burggrafenstr. 5) sind zwei Künstlerhäuser entstanden, wie man sie bisher eher in Haidhausen oder dem Westend verortet hätte. Beide haben neue Ideen und viel Schwung und Kreativität in den Stadtteil gebracht.

Auch andere Blicke richten sich auf Berg am Laim: Der private Wohnungsbau boomt, selbst für ganz normale Wohnlagen werden auf dem Markt Höchstpreise erzielt. Kaum mehr eine Fläche, für die es nicht Neubau-, Ausbau- oder Umbauplanungen gibt. Auch im Segment Einzelhandel wird nach Jahren des Stillstandes derzeit kräftig gebaut, an vielen Stellen im Stadtteil entstehen neue Supermärkte, wohl auch mit Blick auf die steigende Bewohnerzahl und die damit verbundenen Kaufkraftzuwächse.

Herausforderungen

Eine Aufgabe des örtlichen Bezirksausschusses ist es, darauf zu achten, dass die öffentliche Infrastruktur mit diesen Entwicklungen Schritt hält. Betreuung und Bildung sind dabei vielleicht das wichtigste Thema im Stadtteil. Kein neues Quartier entsteht mehr, ohne dass dabei auch Krippen, Kindergärten und Treffs eingerichtet würden. Auch bei den Schulen, (zu) lange ein etwas vernachlässigtes Thema, ist Bewegung zu sehen. Es gibt quasi keine Schule in Berg am Laim, bei der nicht Ausbaupläne vorliegen oder bereits umgesetzt werden. Zudem sind gleich zwei neue Grundschulen im Stadtteil in der Planung, um den aktuellen Bevölkerungsprognosen Rechnung zu tragen: Berg am Laim soll demnach in den kommenden Jahren einer der kinderreichsten Stadtteile Münchens werden, eine erfreuliche Entwicklung.

Große Hoffnungen setzen die Bürger vor Ort auch auf zwei Projekte im Umweltbereich: Als Teil des Vorhabens Baumkirchen Mitte entsteht eine neue, 60.000qm große Biotopfläche im Stadtteil. Hier soll die Natur den Vorrang haben, nur auf Stegen sollen die ehemaligen Bahnflächen für Besucher zugänglich sein. Als große Freizeit- und Erholungsfläche ist hingegen der Ausbau des Michaeliangers gedacht. Herzstück dieser Planung ist die seit vielen Jahren geplante (und immer wieder kurz bevorstehende) Offenlegung des Hachinger Baches quer durch den Stadtteil.

Ein weiteres Vorhaben zur Stärkung des Stadtteils, der Kultur und des Miteinanders ist das geplante Bürgerhaus Berg am Laims. Lange Zeit eine vage Hoffnung, bewegt sich hier seit einiger Zeit etwas. Der Bezirksausschuss hat das Thema angepackt, das städtische Kulturreferat hat seine Unterstützung für Planung, Bau und Betrieb signalisiert. Mittlerweile ist ein Trägerverein gegründet, inzwischen laufen die vielen notwendigen Schritte, die hoffentlich vor Ablauf des Jahrzehnts zu sichtbaren Ergebnissen führen werden.

Alle diese Entwicklungen werden Berg am Laim verändern. Die vielen Tausend neuen Bewohner müssen integriert und eingebunden werden, können aber auch zu einer Bereicherung für den Stadtteil werden. Das Wachstum, vor allem die vielen Baumaßnahmen, müssen in Einklang gebracht werden mit dem Bestehenden. Die zweifellos damit einhergehenden Probleme, man denke nur an den bereits jetzt mitunter schwer erträglichen Verkehr auf den Straßen, müssen angegangen und gelöst werden. Es wird nicht langweilig werden in Berg am Laim, auch nach 1.200 Jahren nicht.