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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Erfahrungsbericht von Melanie Obermeier


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Melanie Obermeier macht eine Ausbildung bei der Stadt München

Ausbildung Kauffrau für Bürokommunikation

 „Besprechung in 10 Minuten.“, meldet sich die Erinnerungsfunktion des Kalenders.

Ah, gleich ist es soweit.

Mit Diensthandy und Bluetooth-Mikrofon ausgerüstet, gehe ich ins Besprechungszimmer. Ohne sie könnte ich nicht wissen, worum es bei dem Gespräch geht.

Ich bin nämlich gehörlos.

Im September 2018 habe ich meine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement bei der Landeshauptstadt München begonnen.

Seit September 2019 bin ich in der Ausbildungsabteilung P6.13 im POR in der Claudius-Keller-Straße eingesetzt, genauer gesagt, im Beratungsfachdienst Inklusion. Dieser begleitet und betreut Nachwuchskräfte mit Einschränkungen und sorgt dafür, dass deren Arbeitsplätze barrierefrei gestaltet sind.

Für den Arbeitsplatz habe ich, wie anfangs erwähnt, ein Diensthandy und Bluetooth-Mikrofon zur Verfügung. Wer mit mir etwas besprechen möchte, kann das Mikrofon sprechen und auf dem Display erscheint mittels Spracherkennung das Gesagte. Mir ist es tatsächlich lieber, wenn ich im Rahmen meiner Aufgaben schriftliche Informationen erhalte, nur so kann ich Missverständnisse vermeiden.

Um den Unterricht an der Berufsschule sowie an der Bayerischen Verwaltungsschule verfolgen zu können, werden Schriftdolmetscher*innen eingesetzt. Sie schreiben alles auf mein Tablet, was sie durch das Mikrofon der Lehrkraft hören. Dafür müssen sie nicht mal vor Ort sein – es geht auch online. Ich hatte schon mal eine Schriftdolmetscherin, die in Japan lebt. Um auch die mündlichen Beiträge meiner Mitschüler*innen mitbekommen zu können, sprechen sie in ein Handmikrofon.

Bei städtischen Veranstaltungen werden Gebärdensprachdolmetscher*innen eingesetzt.

Was ich mir für die Zukunft wünsche, ist, dass hörende Mitarbeiter*innen sich bewusst werden, mit welchen Anstrengungen Gehörlosigkeit verbunden ist. Lippenlesen zum Beispiel funktioniert nur zu 30 Prozent, der Rest muss aus dem Kontext erschlossen werden – und da kann man schon manchmal falsch liegen. Für viele gehörlose Menschen hat es von frühester Kindheit an viel Zeit und Mühe gekostet, um sich an die hörende Welt anzupassen. Trotzdem werden sie öfters aufgrund von Berührungsängsten ausgeschlossen, was zu Unsicherheiten führt. Das kann nicht im Sinn der Inklusion sein.

Deshalb wäre es schön, wenn hörende Mitarbeiter*innen auch von sich aus einige Gebärden lernen bzw. allgemein Interesse an der Kommunikation mit gehörlosen Kolleg*innen zeigen, dass man sich da sozusagen in der Mitte treffen kann. Selbst wenn es nur ein „Guten Morgen“ oder „Danke“ ist.

Wenn du mit einem Menschen in einer Sprache sprichst, die er versteht, bleibt dies in seinem Verstand. Wenn du mit ihm in seiner Sprache sprichst, geht ihm dies zu Herzen.

(Nelson Mandela)