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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Umweltwirtschaft


Mast einer Windturbine mit einem Kran daneben und Blick über Hügelland und Wald auf weitere Windräder  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Ackermann, Green City Energy AG

Erfolgreiche Münchner Querschnittsbranche

(8.10.18) Die Umweltwirtschaft in der Region München ist mit einem Beschäftigungsanteil von 5,5 % an der Gesamtwirtschaft, mit einem Jahresumsatz von etwa 23 Milliarden Euro und dynamischen Wachstumsraten ein maßgeblicher Wirtschaftsfaktor mit erfreulichen Zukunftsaussichten. Ihr Stellenwert ist bereits vergleichbar mit Münchens bisherigen Top-Branchen.

Dies zeigt die aktuelle Studie Umweltwirtschaft in der Region München der Prognos AG im Auftrag der Landeshauptstadt München. Die Studie bietet fundierte Einsichten in Innovationsschwerpunkte der Münchner Umweltwirtschaft und gibt einen Ausblick auf bereits erkennbare Zukunftsfelder.

In Anbetracht globaler ökologischer Herausforderungen ist die Umweltwirtschaft eine Branche der Transformation, die sich den Herausforderungen unserer Zeit – vom Klimawandel zur Urbanisierung, von Ressourceneffizienz zur Dekarbonisierung – mit neuen Ideen, innovativen Technologien und hochentwickelten Dienstleistungen stellt.

Branchendefinition

Zur Umweltwirtschaft zählen alle Produkte und Dienstleistungen, die einen „direkten Umweltnutzen“ generieren und/oder ein „umweltfreundliches Substitut“ darstellen. Auf dieser Definition basiert das Abgrenzungsmodell, das der aktuellen Studie zugrunde liegt (vgl. S. 18). Als Querschnittsbranche mit verschiedenen Wirtschaftszweigen bietet die Umweltwirtschaft Chancen für ganz unterschiedliche Unternehmen und für innovative Neugründungen in unterschiedlichen Märkten. In der Region München ist die Umweltwirtschaft besonders innovativ: Der Wirtschaftsbereich profitiert von der technologiegetriebenen Unternehmenslandschaft und dem breiten und vielseitigen Wissenschafts- und Forschungsumfeld.

Blick auf die Solarpaneele auf dem Dach des Münchner Maximilianeums, dahinter die Gebäudefront und Bäume an der Isar   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Solaranlage auf dem Dach des Maximilianeums
© Achim Schroer, Green City Energy AG

Kennzahlen und Leitmärkte

In der Region München sind rund 89.500 Erwerbstätige in der Umweltwirtschaft tätig, davon arbeiten 58 % im Stadtgebiet und 42 % in den umliegenden Landkreisen.

In der Stadt zeigten die Bereiche Energieeffizienz, umweltfreundliche Mobilität und Rohstoff- und Materialeffizienz von 2010 bis 2017 die größte Dynamik mit sehr hohen jährlichen Wachstumsraten zwischen 5 und 7 %. Die klassischen „Kernbereiche“ der Umweltwirtschaft – Kreislaufwirtschaft und Wasserwirtschaft - entwickelten sich ebenfalls positiv. Hier liegt der Schwerpunkt jedoch im Umland.

Die Studie beleuchtet folgende Münchner Leitmärkte und Wirtschaftszweige:

  • Energieeffizienz (16.000 Erwerbstätige / 2.400 Unternehmen)
    Der Leitmarkt entwickelte sich mit einem Wachstum von 5,8 % sehr dynamisch. In der Stadt München dominiert das Marktsegment Energieeffiziente Produktion. Dank hoher Industriedichte sind in München Automatisierungslösungen sowie Steuerungs- und Vernetzungstechnik gefragt. Ebenfalls wichtig: Wärmeregulierung und -rückgewinnung sowie Abwärmenutzung. Das zweitwichtigste Segment in München betrifft energieeffiziente Gebäude: Unternehmen bieten hier Bau- und Installationsleistungen und intelligente Gebäudetechnik (vgl. S. 24).

  • Rohstoff- und Materialeffizienz (8.000 Erwerbstätige / 400 Unternehmen)
    Dieser Leitmarkt zeigt mit 7,0 % ein besonders dynamisches Wachstum bei der Zahl der Erwerbstätigen. In der Stadt München dominiert das Marktsegment Materialeffiziente Produktion - also Technologien, Verfahren und Dienstleistungen, um den Rohstoffverbrauch zu senken. Hierzu zählen abfallarme Produktionsverfahren, innnovative Prozesssteuerung, Regeltechnik, Sensorik – vielfach mit Hilfe von „Green IT“ – sowie der Einsatz alternativer Werkstoffe (vgl. S. 25).

  • Umweltfreundliche Mobilität (15.600 Erwerbstätig / 600 Unternehmen)
    Hier geht es um die Transformation bestehender Mobilitäts- und Logistikstrukturen hin zu einer umweltfreundlicheren Mobilität. Dazu dienen alternative Antriebe und Kraftstoffe, emissionsmindernde Technologien und der Ausbau von ÖPNV und Car-Sharing - also Alternativen zum motorisierten Individual- und Straßengüterverkehr. Dabei ist die Erwerbstätigkeit im Marktsegment Umweltfreundliche Logistik- und Mobilitätsdienstleistungen mit 7.500 Erwerbstätigen am größten und wächst dynamisch. Sie spiegelt die hohe Mitarbeiterzahl bei ÖPNV, Bahn und Fernbus wider. Münchens Kompetenz im Fahrzeugbau zeigt sich im zweitwichtigsten Segment umweltfreundliche Mobilitäts- und Antriebstechnologien. Eine wachsende Bedeutung hat auch der dritte Bereich Intelligentes Verkehrsmanagement und Infrastruktur. Hierzu zählt etwa Software, aber auch Ladestationen, Flüsterasphalt oder Lärmschutzwände (vgl. S. 28).

  • Umweltfreundliche Energieerzeugung und -speicherung ( Stadtgebiet: 4.000 Erwerbstätige / 350 Unternehmen)
    Bei den erneuerbaren Energiequellen fokussieren sich Unternehmen in München vor allem auf Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse. Der Bereich Speichertechnolgien ist als Forschungs- und Entwicklungsthema in München präsent und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zudem geht es um intelligente Energiesysteme und Netze. Hier ist in München im Hinblick auf Erwerbstätige und Umsatz besonders die Netztechnik stark vertreten (vgl. S. 29).
     
  • Kreislaufwirtschaft (3.000 Erwerbstätige / 74 Unternehmen)
    Die Kreislaufwirtschaft (circular economy) strebt geschlossene Stoffkreisläufe im Bereich Abfallsammlung, Entsorgung, Recycling und Verwertung an. Parallel zur guten Konjunktur boomt hier in Deutschland derzeit der Umsatz im Bereich Sekundärrohstoffe. Diesen Sektor bedienen überwiegend kleine und mittlere Unternehmen im Münchner Umland. In der Stadt dominiert das Segment Abfallbehandlung mit dem Fokus Stoffverwertung oder Recycling (vgl. S. 31).
     
  • Wasserwirtschaft (2.600 Erwerbstätige / 450 Unternehmen)
    Dieser Bereich betrifft die umweltgerechte Nutzung und Aufbereitung von Wasser sowie die zugehörige Infrastruktur. Hier war die Erwerbstätigkeit seit 2010 leicht rückläufig, während der Umsatz außergewöhnlich dynamisch stieg und ein Plus von 15 % erreichte. In der Stadt München ist das Segment Wasserschutz von besonderer Bedeutung: Hierzu zählen hydrologische Geräte, Wasserproben und -analysen sowie Dienstleistungen zur ökologisch verträglichen Planung von Wasserinfrastruktur (vgl. S. 33).
     
  • Schutztechnologien (1.300 Erwerbstätige / 210 Unternehmen)
    Mit einem Wachstum der Erwerbstätigkeit von über 5 % haben die Schutztechnologien mit Abstand das größte Wachstum der klassischen Leitmärkte. Knapp 60 % der Erwerbstätigen arbeiten dabei im Bereich Luftreinhaltung - mit Filtertechnik und Katalysatoren, Lüftungstechnik oder Abgasrückführsystemen. Besonders stark vertreten in München sind Messtechnik und Dienstleistungen. Ein kleineres Segment ist der Bereich Lärmschutz. Münchner Unternehmen hier fokussieren sich auf eine Lärmminderung in Gebäuden. Ebenfalls zu den Schutztechnologien gehört der Bodenschutz - in München mit dem Fokus Bodensanierung (vgl. S. 36).
     
  • Kleinere umweltbezogene Branchen, die die Studie für die Region München untersucht hat, sind Umweltfreundliche Landwirtschaft (vgl. S.36) und Nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft (vgl. S. 38).
Großansicht eines Eierkartons mit Aufdruck "klimaneutral"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Klimaneutrale Verpackung
© Climate Partner GmbH

Künftige Entwicklungen

Nach Aussagen der Interviewpartner der Studie werden die zukünftigen Entwicklungen in Energiewirtschaft und Mobilität die Umweltwirtschaft maßgeblich beeinflussen. Wesentliche Faktoren für die Branche sind zudem die Digitalisierung, der Klimawandel und zukünftige Umweltregulierungen. Ein übergreifendes Innovationsthema stellt die Entwicklung von Smart-City Lösungen dar.

Bei den Start-ups, die sich durch ihre hohe Innovationskraft von anderen Betriebsgründungen abheben, ist der Anteil der umweltorientierten Start-ups in München mit 17 % deutlich höher als bei Betriebsgründungen in anderen Branchen.

Hier möchte die Stadt München umweltorientierten Innovationen und Gründungen noch mehr Unterstützung bieten. Ein Projekt in diesem Rahmen bildet der seit 2018 jährlich ausgeschriebene Innovationswettbewerb. Weitere Projekte auf Basis der Fachgespräche und Expertenworkshops im Rahmen der Studie sind in Planung.