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Sozialunternehmen in München


    Neues von Münchner Sozialunternehmen:

    Sozialunternehmen packen Probleme an und zielen mit ihrer Arbeit auf tragfähige Lösungen, die ökologischen oder gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Hier passiert viel in München. Ausgewählte Neuigkeiten fassen wir hier für Sie zusammen.

     

     

    Mitarbeiter der Schokoladenproduktion von Fairafric  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © Fairafric GmbH

    Schokolade mit Wertschöpfung in Ghana: Fairafric

    (28.4.20) Fairafric ist ein Münchner Startup, das Produktionsketten neu denkt und auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Ghana zielt. Mit diesem Konzept und viel Überzeugungskraft ist der Schokoladenhersteller inzwischen ein Crowdfunding-Star und erhält nun auch zwei Millionen Euro Kredit aus dem AfricaConnect-Programm der Bundesregierung.

    Am Anfang seiner Geschäftsidee stand für Fairafric-Gründer Hendrik Reimers die Erkenntnis, dass nur die Verarbeitung von Kakao in Afrika wirkliche Wertschöpfung vor Ort schaffen kann. Und die wollte er schaffen, um, wie er sagt, "die schreiende Ungerechtigkeit zu bekämpfen, dass nur 6 Prozent des globalen Umsatzes mit Schokolade da ankommen, wo der Kakao gewachsen ist."

    Den Beginn seiner GmbH markierte daher die Kooperation mit dem lokalen Kakaoverarbeiter CPC in Ghana. Mit Crowdfunding über Kickstarter fand er die ersten Kunden, die 2016 „Chocolate made in Africa“ bestellten und von fairafric beliefert wurden. Während sogar im Fairtrade-Bereich den Kakaoproduzenten vor Ort für eine Tonne Kakaobohnen nur rund 2.000 Dollar bleiben, rechnete Reimers vor, dass durch die Schokoladenproduktion vor Ort eine Tonne Kakao gut 10.000 Dollar nach Ghana bringt.

    Dieser Ansatz traf seither auf offene Ohren: 3 Kickstarter Kampagnen, 2 Equity-Kampagnen, ein Crowd-Darlehen und einen Schokoschein (Zinsen in Form von Schokolade) hat fairafric umgesetzt, um immer wieder Kapital zu erhalten. Die Produktion umfasst nun sechs Sorten mit neuer Verpackung (Design aus Ghana) und fairafric beliefert in den DACH-Ländern rund 480 Handelspartner. Und das nächste  Ziel ist in Reichweite: Fast schon finanziert – über eine Allianz aus Teilhabern, den Aufbaukredit des Bundes und Anteilseigner aus dem Kundenkreis – ist der Bau einer neuen, solarbetriebenen Fabrik in der ländlichen Region Suhum in Ghana. Rund 50 neue Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Größten Wert legt fairafric schon jetzt auf eine deutlich bessere Bezahlung der Arbeitskräfte im lokalen Vergleich sowie auf Qualifizierung und gute Arbeitsbedingungen.

    Dabei ist dem 14-köpfigen Team in Sendling, das sich um Vertrieb, Marketing und Koordination kümmert, sehr bewusst, dass fairafric auf besondere Kunden angewiesen ist. Vertriebschefin Julia Gause erklärt: „Unsere Schokolade ist sicher nicht die billigste auf dem Markt. Wir sind sehr abhängig davon, dass unsere Kunden auch die Geschichte dahinter unterstützen wollen und sie deswegen kaufen.“ Nicht zuletzt deshalb bietet Fairafric viele Informationen und erklärt Entscheidungen und den Weg dahin ausführlich.

     

    Junger Mann und junge Frau sitzen auf Dachterrasse und essen aus den Rebowl-Mehrwegschüsseln   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © ReCup GmbH

    Mehr Mehrweg: RECUP & REBOWL

    (24.1.20) Neben Einwegbechern haben Teller, Boxen und Schalen von Fast Food oder von Take Away-Gerichten mit 58 Prozent den höchsten Anteil am deutschen Verpackungsmüll. Deshalb erweitert reCup, das Mehrweg-Startup aus München, nun sein System mit REBOWL.

    Seit Mitte Januar läuft die Pilotphase für REBOWL in drei Städten - in München, Köln und Berlin. Bis zum Sommer wird weiter optimiert, damit danach deutschlandweit die neue Mehrweg-Verpackung für nachhaltiges Take Away-Essen an den Start gehen kann. Aktuell können sich Kunden in München also zunächst bei den teilnehmenden Läden heartbeet (Haidhausen), Popp à Midi (Giesing) und Orange Box (Schwabing) ihr Essen in der neuen Rebowl mitnehmen. Ab 1. Februar ist noch die Filiale von VollCorner in der Schwanthalerstraße 111 dabei (Schwanthalerhöhe).

    reCup, das Unternehmen von Fabian Eckert und Florian Pachaly, begann 2016 mit seinem Mehrweg-Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher. Die RECUPs haben inzwischen eine beachtliche Verbreitung: Schon 4.700 Ausgabestellen in Deutschland bieten die Becher an, Tendenz weiter steigend. Sie kosten einen Euro Pfand und können 1000 mal genutzt werden. Danach werden sie  recycled und sind so eine vernünftige Alternative zum alarmierenden Ressourcenverbrauch von Einwegbechern. Ganz neu sind die Shell-Tankstellen bei RECUP mit dabei - also Verkaufsstellen, deren Kunden bisher überwiegend Einwegbecher nutzen.  Es gibt also viel sehr viel Einsparpotenzial!

     

    Frau und Mann hinter der Bar im Über den Tellerrand Café   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © Über den Tellerrand kochen e.V.

    Café und Begegnung: Über den Tellerrand

    (22.1.20) Das Café über den Tellerrand bewirtet seit Sommer 2018 im Bildungszentrum der Münchner Volkshochschule in Haidhausen, im "Einstein 28", die Gäste.


    Das Sozialunternehmen ist als Projekt des Vereins  Über den Tellerrand kochen München e.V. entstanden. Es hat seither einiges Aufsehen erregt, darunter Auszeichnungen mit dem Gastro-Gründerpreis und dem Paulaner-Salvator-Preis 2019.  Inzwischen ist das Café  ein Satellit in einem ganzen Netzwerk von insgesamt 14 ähnlichen Projekten in ganz Deutschland.

    Die Idee hat also Schule gemacht. Aus dem Ziel des Vereins, Freundschaften zwischen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund zu fördern und zu einer toleranten Gesellschaft beizutragen, hat sich ein ganzes Repertoire an Geschäftsideen entwickelt - rund um multi-kulturelles Essen, Catering, Kochkurse und Streetfood.    

    In München bietet das Über den Tellerrand Café derzeit 15 Arbeitsplätze für Menschen aus 14 Nationen, überwiegend mit Fluchthintergrund. Eine davon fördert das MBQ - das Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungprogramm der Stadt. Während das Café als Unternehmen von der Über den Tellerrand GmbH betrieben wird, organisiert der Verein mit rund 30 Ehrenamtlichen darüber hinaus Begegnungsprojekte, Spieleabende, ein wöchtentliches Sprachcafé und mehr. Die Gewinne aus der GmbH fließen zu 100 Prozent in den gemeinnützigen Verein.

     

     

    Frau schaut ärgerlich auf eine Stelle, wo ihr Fahrrad nicht mehr steht. Schrift: Fahrrad geklaut? schaden@ver.de  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © ver.de eG

    Versicherung mit öko-sozialer Wirkung: ver.de

    (14.11.19) Das Münchner Start-up ver.de will Versicherungen anbieten, die eine möglichst sichtbare, öko-soziale Wirkung haben. Die Geschäftsidee verknüpft deshalb zwei Ebenen: Während die Beiträge konsequent in Klimaschutz, Bildung, ökologische Landwirtschaft und Pflege fließen, fördern Leistungen der Versicherung gezielt ökologisch-nachhaltige Produkte.

    Die Genossenschaft ver.de e.Gwurde 2016 in München gegründet. Initiatorin war Dr. Marie-Luise Meinhold, Wirtschaftswissenschaftlerin und Biologin, die schon einige Jahre in einem großen Versicherungskonzern gearbeitet hatte.  Mit weiteren Finanz- und Versicherungsmenschen machte sie sich auf den Weg, eine Versicherung ins Leben zu rufen, "die anders tickt". Das betrifft die Beiträge, die im Versicherungswesen nach wie vor meist in Investments fließen, die nicht für die Kunden sichtbar sind. Was also tun, um auszuschließen, dass hier auch Massentierhaltung, fossile Brennstoffe oder die Rüstungsindustrie mitfinanziert werden?

    Zunächst musste das Team eine AG gründen, weil eine Genossenschaft nach Bundesgesetz keine Versicherung betreiben darf. Seit April gibt es daher die ver.de AG, die das Versicherungsgeschäft betreut. 

    Ver.de wirbt um Kunden, die im Idealfall auch der Genossenschaft beitreten und mitentscheiden, wohin die Reise gehen soll.  Dies ist aber keine Bedingung. Zugleich will ver.de den Konsum beeinflussen. Die Grundidee ist: Wenn eine ver.de-Versicherung leistet, dann wird nicht nur der Wert eines schadhaften Produktes ersetzt, sondern oft noch ein Mehrwert, so dass Kunden ökologischere und nachhaltigere Produkte wählen können.

    Angefangen hat ver.de mit dem VER.DE-Check, einer unabhängigen Beratung für 45 Euro zum Thema ökofaire Investments und Altersvorsorge. Um bekannter zu werden und um für die Zielgruppe einen passenden Markenauftritt zu schaffen, startete ver.de 2017 eine Crowdfunding-Kampagne und baute die ökosoziale Geschäftsidee weiter aus.

    Nun ist die nächste Stufe erreicht:  Mit ver.de BIKE - die ver.de Fahrradabsicherung startet das Team die erste eigene Versicherung. Schutz und Leistungen sind dabei einfach und konkret auf eine Zielgruppe zugeschnitten, die nachhaltig unterwegs ist und dies konsequent weiterdenken will. Nachhaltiges Investment, Ersatzfahrrad und Streifenkarte bei Diebstahl, die Förderung lokaler und nachhaltiger Fahrradanbieter sowie eine Teilrückerstattung, falls innerhalb von drei Jahren kein Schaden eintritt - damit könnte ver.de auch Kunden gewinnen, die ihr Fahrrad in bestehenden Hausrat- oder Haftpflicht-Verträgen noch nicht mitversichert haben.