Der neugotische Prachtbau des Neuen Rathauses dominiert architektonisch die Nordseite des Marienplatzes und ist Sitz des Oberbürgermeisters. Sein Turm bietet eine tolle Aussicht und beherbergt das berühmte Glockenspiel, das ein wahrer Zuschauermagnet ist.

Jünger als gedacht

Was viele nicht wissen: Das Neue Rathaus am Marienplatz ist gar nicht so alt, wie es aussieht. Es wurde erst 1905 fertiggestellt. Um die Jahrhundertwende war die Neugotik ein beliebter Baustil, die Paulskirche an der Theresienwiese entstand im selben Zeitraum, vom selben Architekten: Georg von Hauberrisser, der mit erst 25 Jahren seinen Entwurf für das Neue Rathaus einreichte.

Über 600 Bedienstete der Stadt arbeiten in den 400 Zimmern des Gebäudes, das man nicht nur von außen betrachten kann. Viele historische Räume sind öffentlich zugänglich, auch das Büro des Oberbürgermeisters darf besichtigt werden - allerdings nur am Tag der offenen Tür.

Aussichtsgalerie im Neuen Rathaus

Das ganze Jahr über hingegen darf man für ein kleines Eintrittsgeld auf den Rathausturm, der eine hervorragende Aussicht über die Altstadt bietet. Im Gegensatz zum Turm des Alten Peters muss man dafür auch keine Treppen steigen. Ein Lift führt hinauf auf die Aussichtsplattform des 85 Meter hohen Turms, auf dessen Spitze das Münchner Kindl über die Stadt wacht.

Turmauffahrt:

Ganzjährige Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 10 - 20 Uhr
Samstag: 10 - 16:30 Uhr
Sonntag, Feiertag: 10 - 14:30 Uhr
Letzte Auffahrt 15 Minuten vor Schließung.
Kurzzeitige Schließungen möglich.

Geschlossen am: 1.1, Faschingsdienstag, 1.5, 1.11., 25.12., 26.12.

Bildergalerie: Aussicht vom Rathaus

Video: Tour durchs Neue Rathaus am Tag der offenen Tür

Wie sieht es eigentlich hinter den Kulissen der Münchner Stadtverwaltung aus und wie wird dort gearbeitet? Beim jährlichen „Tag der offenen Tür“ der Stadt München haben Besucher Gelegenheit, sich alles genau anzusehen.

Führungen durch das Neue Rathaus

Impressionen vom Münchner Marienplatz, Foto: muenchen.de/Leonie Liebich
Foto: muenchen.de/Leonie Liebich

Wer spannende Einblicke in die Geschichte und Architektur des Neuen Rathauses bekommen möchte, hat bei den angebotenen Führungen die beste Möglichkeit. Auch die Münchner Stadtgeschichte kommt bei den 90-minütigen Rundgängen nicht zu kurz. Die Touren durchs Rathaus finden normalerweise jeden Montag und Freitag um 15:30 Uhr, sowie samstags um 11:30 Uhr und 13:30 Uhr statt. An Feiertagen gibt es keine Führungen. Treffpunkt ist an der Tourist Information vor dem Rathaus am Marienplatz. Dort können auch die Tickets erworben werden. Für deutschsprachige Führungen kostet das Ticket 10 Euro pro Person, ermäßigt 8 Euro. Unter 18 Jahren ist die Teilnahme kostenlos, ein Ticket ist dennoch nötig. Auch von Gruppen bis zu 25 Personen können die Rundgänge gebucht werden. Gruppenführungen werden unter anderem in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch angeboten. Eine Gruppenführung kostet 115 Euro.

Die Gruppenführungen können per E-Mail unter tourismus.guides@muenchen.de gebucht werden.
Telefonische Informationen sind unter 089/2 33-96555 erhältlich (Mo - Fr).

Hier findet Ihr die aktuellen Termine für die nächsten Führungen

Das Glockenspiel

Impressionen vom Münchner Marienplatz, Foto: muenchen.de/Leonie Liebich
Foto: muenchen.de/Leonie Liebich

Ein bekanntes Schauspiel sorgt tagtäglich für Enge auf dem ohnehin schon sehr belebten Marienplatz. Pünktlich um 11 und 12 Uhr - von März bis Oktober zusätzlich um 17 Uhr - zeigt das Glockenspiel im Rathausturm zwei Ereignisse aus der Münchner Stadtgeschichte: Zum einen die im Februar 1568 gefeierte Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen. Zu Ehren des Brautpaares fand damals ein Ritterturnier auf dem Marienplatz statt. Dabei triumphierte der bayerische Ritter über seinen Gegner aus Lothringen. Die untere Etage zeigt den Schäfflertanz. Nach einer schweren Pestepidemie sollen sich die Fassmacher als Erste wieder auf die Straßen gewagt und tanzend die von der Pest verängstigte Bevölkerung erheitert haben.



Kuschelig wird es jeden Abend um 21 Uhr. Zur Musik aus Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ sowie Johannes Brahms‘ „Wiegenlied“ wird das Münchner Kindl zu Bett gebracht - begleitet von einem Nachtwächter und dem Friedensengel.

Kurioses zum Neuen Rathaus

  • Für das Münchner Kindl, das von Anton Schmid geschaffen wurde, stand dessen neunjähriger Sohn Ludwig Modell. Nachdem Ludwig Schmid-Wildy bei seiner Konditorlehre die Stammgäste Karl Valentin und Liesl Karlstadt kennenlernte, wurde auch er Schauspieler. Er gilt heute als "Ur-Vater" der Münchner Schauspielkunst und verkörperte häufig das liebenswürdige Schlitzohr.
  • Das Glockenspiel im Rathausturm wird mit Solarstrom betrieben und ist mit seinen 43 Glocken das fünftgrößte in Europa. Insgesamt wiegen alle Glocken etwa sieben Tonnen.

Die Außenfassade

Impressionen vom Münchner Marienplatz, Foto: muenchen.de/Leonie Liebich
Foto: muenchen.de/Leonie Liebich

Über knapp hundert Meter hinweg reicht das Neue Rathaus die Nordseite des Marienplatzes entlang. Viel Raum also für Verzierungen und vielfältiges Figurenspiel. Angefangen vom Stadtgründer Heinrich dem Löwen bis zur fast kompletten Linie der Wittelsbacher zeigt die Hauptfassade den umfangreichsten Fürstenzyklus an einem deutschen Rathaus. 

Am Eck zur Weinstraße, dem Wurmeck, erinnert ein mächtiger Drache an die Bedrohung durch die Pest.

Bis in die Weinstraße hinein ziehen sich viele weitere Münchner Originale, die Wasserspeier, Fratzen und Masken, die allegorischen Bilder, Heiligen- und Sagengestalten.

Räumlichkeiten und Innenhöfe

Neues Rathaus München Großer Sitzungssaal, Foto: Nagy / Presseamt München
Foto: Nagy / Presseamt München

Der Haupteingang zum Neuen Rathaus befindet sich am Fischbrunnen. Über eine Vorhalle gelangt man ins Vestibül und den großen Hof - Oasen der Ruhe keine zehn Meter entfernt vom Trubel des Marienplatzes. Im Inneren des Rathauses: Viel Granit, viel Marmor. Stolz zeigen sich die prächtigen Sitzungssäle, das Boten- und Ausschusszimmer sowie das Zimmer 200, das Hauberrisser-Zimmer. Es ist eines der wenigen noch original erhaltenen Amtszimmer, samt Mobiliar.

In der ursprünglichen „Bücher-Sammlung der städtischen Kollegien“ befindet sich heute die 120 Quadratmeter große, über zwei Stockwerke reichende Juristische Bibliothek, die allen Bürgern zur Verfügung steht. Der Lesesaal ist reich verziert, Wendeltreppen und Regale reichen über drei Etagen, Geländer und Leuchter sind filigran gestaltet.

Der Prunkhof

Neues Rathaus München Prunkhof, Foto: Nagy / Presseamt München
Foto: Nagy / Presseamt München

Den Prunkhof erreicht mal sowohl vom Marienplatz als auch von der Weinstraße aus. Das Mosaik seines Bodens bildet ein riesiges Labyrinth, das leider viel zu selten komplett zu sehen ist: Im Sommer wird es von Tischen und Stühlen des Ratskellers und im Winter von Ständen des Christkindlmarkts verdeckt. Die Treppe der Lebensalter, an der Westseite des Innenhofes, verdeckt glücklicherweise nichts. Sie versinnbildlicht über die Stockwerke hinweg die verschiedenen Lebensabschnitte, vom kleinen Jungen bis zum buckligen Greis, vom jungen Mädchen bis zur alten Frau.

In der ehemaligen Kassenhalle, heute Rathausgalerie genannt, finden regelmäßig Ausstellungen statt. Thematisch orientieren sich diese an der Stadt, an ihren Bewohnern und ihrer Geschichte.

Barrierefreiheit

Der bekannteste Balkon der Stadt

Wenn es sportlich was zu feiern gibt, wird der Marienplatz zur Partyzone. Es gibt kaum eine größere Ehre für Sportler und Mannschaften, als sich vom Balkon des Amtszimmers des Oberbürgermeisters der wartenden Menge zu zeigen.

Touristeninformation im Rathaus

Es gibt einen Ort, den jeder Münchenbesucher einmal aufgesucht haben sollte: Die Touristeninformation im Neuen Rathaus. Dort finden Sie viel Interessantes zur Stadt, bekommen Eintrittskarten für Veranstaltungen, Gratishefte, Flyer - und eine lesenswerte Rathaus-Broschüre mit vielen Zusatzinfos über den Prachtbau am Marienplatz.

Öffnungszeiten der Touristeninformation im Rathaus

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