Eine Frage des Muts? Quereinsteiger als Ladenbesitzer. Teil 2

Von der Anwältin zur Weinhändlerin, Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

Wenn eine Anwältin und ein IT-Experte gemeinsam eine Weinhandlung eröffnen

In unserer Quereinsteiger-Reihe stellen wir euch Ladenbesitzer vor, die vorher etwas ganz anderes gemacht haben. Hier kommt Teil 2: Kathrin Kohl ist Anwältin, ihr Mann Stefan Grote arbeitete im IT-Bereich. Heute führen sie ihren eigenen kleinen Weinladen 225 Liter in Haidhausen.

Von Paragraphen zu Promille: Wie kam’s?

Von der Anwältin zur Weinhändlerin, Foto: Anette Göttlicher
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Kathrin Kohl ist Juristin und hat früher in einer großen Kanzlei gearbeitet. Ihr Mann Stefan war im IT-Bereich tätig. Richtig unglücklich waren sie nicht in ihren Jobs, sagt Kathrin, aber: „Wenn man jeden Sonntagabend ein ungutes Gefühl im Magen hat und sich denkt: Oh je, schon wieder Montag! Dann kann’s das einfach nicht sein.“ Also beschlossen die beiden, ihr Hobby zum Beruf zu machen und einfach zu versuchen, mit ihrer Liebe zum Wein Geld zu verdienen. Erst neben dem Job und mittlerweile beide in Vollzeit, mit dem eigenen Weinladen 225 Liter in Haidhausen.

Wie eröffnet man einen Weinladen?

Von der Anwältin zur Weinhändlerin, Foto: Anette Göttlicher
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Die Weinhandlung 225 Liter in der Pariser Straße gibt’s erst seit August 2017. Angefangen haben die beiden ganz klein mit einem Onlineshop, den Stefan durch seinen IT-Job zum Glück selbst programmieren konnte. Und auch in rechtlichen Fragen war ja genügend Kompetenz im Haus. „Wir waren schon total naiv“, erinnert sich Kathrin, „aber irgendwie hat es trotzdem geklappt.“ So beliefern die beiden viele Münchner Restaurants mit ihren handverlesenen Weinen aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien und bringen dadurch Abwechslung in die oft recht gleichförmigen Weinkarten der Lokale.

Was ist das Besondere an 225 Liter?

Von der Anwältin zur Weinhändlerin, Foto: Anette Göttlicher
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Weinhandlungen gibt es natürlich viele in der Stadt, gerade in Haidhausen. Was also mach den Laden von Kathrin und Stefan einzigartig? „Wir verkaufen nichts, was uns nicht selbst schmeckt“, sagen die beiden. „Außerdem bieten wir nur Weine aus Deutschland und der unmittelbaren Umgebung an. Und jeder Wein passt einfach zu uns und damit auch zu unseren Kunden – ob das nun Sommeliers sind oder Menschen, die privat einfach gerne Wein genießen. Zudem gibt es keinerlei Chemie in unseren Weinen, und wir kennen alle unsere Winzer persönlich. Eigentlich verkaufen wir also nicht die Weine, sondern die Geschichten dahinter.“

Vom Onlineshop und Lagerverkauf zum eigenen Weinladen

Von der Anwältin zur Weinhändlerin, Foto: Anette Göttlicher
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„Manchmal spielt auch der Zufall eine Rolle“, erzählt Kathrin. „Wenn man uns den Raum für unser Weinlager in Laim nicht gekündigt hätte, weil das Haus abgerissen werden sollte, hätten wir vielleicht keinen Laden eröffnet. Aber so war dieses eigentlich unangenehme Ereignis ein positiver Tritt in den Hintern. Und dann kam dieser Laden zu uns — durch die dicken Mauern hat er eine eingebaute, natürliche Klimaanlage, und die Nachbarschaft ist natürlich sehr inspirierend.“

Mal ehrlich: Kann man von einem kleinen Weinhandel leben?

Von der Anwältin zur Weinhändlerin, Foto: Anette Göttlicher
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Kathrin lacht: „Die schlaflosen Nächte sind im siebten Jahr deutlich weniger. Aber reich wird man damit natürlich nicht – also im Sinne der Zahlen auf dem Bankkonto. Dafür aber reich im Inneren, und das ist unbezahlbar. Wir haben unseren Schritt noch keinen Tag bereut.“ Besonders genießen sie die Kontakte und Gespräche mit ihren Winzern und die Geschichten und das Vertrauen der Kunden. „Ich hatte mal einen Kunden aus den USA, der mir nach seinem ersten Einkauf 500 Euro in die Hand drückte und sagte: Sucht bitte Wein für mich aus und stellt mir etwas zusammen, egal was, ich vertraue euch blind.“

Was gibt es noch zu erleben rund um das Thema Wein?

Von der Anwältin zur Weinhändlerin, Foto: Anette Göttlicher
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Jeden Freitag finden im Hinterzimmer des Haidhauser Weinladens Verkostungen statt. Im gemütlichen Siebzigerjahre-Ambiente und mit Vinyl-Musik kann man für einen kleinen Unkostenbeitrag drei, vier Weine abseits des Mainstreams probieren, Kathrin und Stefan erzählen etwas dazu – und dem entspannten Start in den Freitagabend und das Wochenende steht nichts mehr im Wege. Wer möchte, kann das Hinterzimmer auch für seine private Feier mieten – natürlich auch mit ausgesuchten Weinen.


Text: Anette Göttlicher
Fotos: Anette Göttlicher

September 2018

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