Sie gilt als eine der ungewöhnlichsten deutschen Künstlerinnen: Hanne Darbovens Werk lässt sich vielleicht am ehesten als „musikalische Schreibzeichnungen“ definieren. Wer wissen will, was man sich darunter vorzustellen hat, sollte von 18.9.2015 bis 14.2.2016 einmal im Haus der Kunst vorbeischauen. Hier ist erstmals auf 2.000 Quadratmetern eine umfassende Retrospektive für die 2009 verstorbene Künstlerin zu sehen.
In München geht es vorwiegend um die Nähe zur Aufklärung, die in Darbovens künstlerischem Schaffen eine wichtige Rolle spielt. Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet das „Musikzimmer“, das im Haus der Kunst aufgebaut ist. Ursprünglich das Wohnzimmer ihrer Familie, vermischte es die gebürtige Münchnerin mit Musikinstrumenten, übergroßen Taschenmessern oder afrikanischen Kleinplastiken zu ihrem eigenen Kosmos.

Weltweites Renommee aber erlangte die bis zu ihrem Tod zurückgezogen lebende Künstlerin durch ihre kunstvoll arrangierten Zahlencodes, die sie kombinierte, in Buchstaben und Noten übertrug. Auch Bilder finden immer wieder Eingang in die kompositorischen Werke Darbovens. Ihr Hauptwerk ist die „Schreibzeit“, in der sie Geschichte in einen komplexen Kosmos aus Zahlencodes, Worten, Diagrammen und Bildern überträgt.
Top