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Anna Karenina ist eine kluge und mutige Frau. Im Moment, als sie ihrer Leidenschaft nachgibt, weiß sie bereits, dass sie sich als Ehebrecherin gegen alle und alles entschieden hat. Die Bedingungslosigkeit ihrer Leidenschaft hat viele Interpretationen der Romanvorlage von Leo Tolstoi hervorgebracht und viele Choreographien beflügelt.

Ksenia Ryzhkova als Anna Karenina

Wie Anna Karenina hat sich Ksenia Ryzhkova ihrer Liebe voll und ganz verschrieben: dem Tanz. Seit der Spielzeit 2016/17 ist sie Erste Solistin des Bayerischen Staatsballets und tanzte mit 23 Jahren bereits die Hauptrollen in den klassischen Partien wie in Schwanensee, Giselle, Manon oder Der Nussknacker. Die virtuose und technisch hochbegabte Moskauerin lebt für das Tanzen und schenkt ihren Figuren so viel Leben, dass sie ihre Zuschauer in ihre Darstellung auf der Bühne hineinzieht.

Zuletzt begeisterte sie in Alice im Wunderland und nimmt ihre Fans nun als Anna Karenina in verschneite Birkenwälder und die Pracht der Sankt Petersburger Paläste mit. Die Choreographie von Christian Spuck am Nationaltheater bleibt ganz nah an den Figuren und gibt Ksenia Ryzhkova den Raum, um die tragische Geschichte in großen Bildern zu erzählen.

Moral und Leidenschaft

Anna Karenina zählt zu den tragischen Frauenfiguren im realistischen Roman des 19. Jahrhunderts. Neben der psychologischen Ausgestaltung der Protagonistin schuf Tolstoj einen facettenreichen Querschnitt der russischen Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert. Anna ist unglücklich mit dem hochrangigen St. Petersburger Regierungsbeamten Alexej Karenin verheiratet. Als sie sich auf eine Affäre mit dem jungen Offizier Wronskij einlässt und diese bald entdeckt wird, beginnt für Anna Karenina ein verzweifelter Kampf zwischen gesellschaftlicher Moral und leidenschaftlicher Liebe. Von der Gesellschaft geächtet verzweifelt sie immer mehr an ihrer Lebenssituation. Ihre Liebe zu Wronskij hält den psychischen Belastungen ihres Außenseiterdaseins nicht mehr Stand.

Christian Spuck greift in seiner Choreographie vor allem die von innerer Leere und Aussichtslosigkeit geprägten psychologischen Vorgänge der Figuren auf. Die große und leere Bühne lässt sie verloren erscheinen, Videoprojektionen deuten die Orte des Geschehens an und weisen auf die kommende Katastrophe hin. Hochromantische Klavierwerke von Sergej Rachmaninow und Witold Lutoslawski charaktierisieren die von konkreten Gesten geprägte Narration und verleihen der physischen Stilistik der wortlosen Figuren einen weiteren Ausdruck. Dazu kommen die verstörenden Klänge von Sulkhan Tsintsadze und Josef Bardanashvil, die in das tiefste Innere der Hauptfigur blicken lassen und ihre Zerrissenheit zum Ausdruck bringen.
 

Die Bayerische Staatsoper

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Foto: Staatsoper

Künstlerisch tonangebend - wirtschaftlich erfolgreich: Mit Aufsehen erregenden Neuinszenierungen und hochkarätigen Künstlern schafft es die Bayerische Staatsoper immer wieder zu überraschen.
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