Im Jahre 1914 sah der österreichische Komponist Alban Berg zum ersten Mal Büchners Gesellschaftsdrama „Woyzeck“ auf der Bühne. Direkt im Anschluss setzte er sich an die Komposition seiner ersten Oper „Wozzeck“. Das Werk schrieb Operngeschichte und zählt heute zu den bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts

Zeitloses Gesellschaftsdrama

Das Drama um Wozzeck beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1824, doch heute ist es noch genauso aktuell wie damals: Ein armer Mensch auf der untersten sozialen Stufe, bedroht von existentiellen Nöten und gesellschaftlicher Verachtung, der schließlich durchdreht und seine Frau und sich selbst tötet. Alban Berg benutzte in seiner expressionistischen Oper die Musik als zusätzliche Darstellungsebene, mit der er die Gefühlswelt und den Charakter der handelnden Personen zum Ausdruck bringt.

Wozzeck ist ein armer Soldat, der von seinem Hauptmann verspottet und öffentlich gedemütigt wird. Sein Lohn reicht nicht, um seine Frau Marie und ihr uneheliches Kind über Wasser zu halten. Deshalb nimmt er an medizinischen Versuchen teil, bei dem ihn ein skrupelloser Arzt auf eine einseitige Diät setzt. Schließlich verliert er auch noch seinen letzten Halt: Marie wird schwach, als ein stattlicher Tambourmajor um ihre Gunst wirbt, und beginnt eine Affäre mit ihm. Wozzeck verfällt in den Wahnsinn - er hört Stimmen, die ihm befehlen, Marie zu töten. Seine Tat scheint wie ein Befreiungsschlag gegenüber dem Druck der Gesellschaft.

Aufführungsgeschichte

Die Uraufführung der Oper im Jahr 1925 in Wien brachte Alban Berg seinen ersten Erfolg in der Öffentlichkeit. Musikalisch stellt das Werk durch seine Expressivität und Komplexität eine wichtige Fortentwicklung der Gattung dar. Wie auch Büchner in seinem Dramenfragment, will Berg mit seiner musikalischen Interpretation den Druck der Gesellschaft auf das machtlose Individuum zum Ausdruck bringen.

In der aktuellen Produktion an der Bayerischen Staatsoper führte Andreas Kriegenburg Regie. Die Titelpartie singt Christan Gerhaher, unter der musikalischen Leitung von Hartmut Haenchen.

Die Bayerische Staatsoper

Bayerische Staatsoper, Nationaltheater, München, Foto: Wilfried Hösl
Foto: Wilfried Hösl

Künstlerisch tonangebend - wirtschaftlich erfolgreich: Mit Aufsehen erregenden Neuinszenierungen und hochkarätigen Künstlern schafft es die Bayerische Staatsoper immer wieder zu überraschen.
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