COMMISSION CONTINUA
Tony Bonani Miyambo (Johannesburg)

Papier ist geduldig – und Berge von Papier scheinen ein wesentliches Ergebnis der zahlreichen Untersuchungskommissionen zu sein, die es in Südafrika gab und gibt. Die wohl bekannteste von ihnen ist die Wahrheits- und Versöhnungskommission, die die Aufklärung von Verbrechen der Apartheid zum Ziel hatte. Auf sie folgten viele Weitere – derzeit gehen mehrere Kommissionen den Korruptionsvorwürfen gegen mehrere hochrangige Politiker auf den Grund. Bright Mazibuko – gespielt von Tony Bonani Miyambo – ist Angestellter für das Kopieren und Archivieren offizieller Dokumente der Kommissionen. Er tut sein Bestes, einfach Dienst nach Vorschrift zu machen und die Inhalte der Akten zu ignorieren – doch dies erweist sich als schwierig angesichts der Seiten, die von den entscheidendsten und katastrophalsten Momenten der südafrikanischen Geschichte erzählen. In einem sparsamen Setting aus Kopiergerät, Mikrofon und Loopstation, beginnt er, seinem Unmut angesichts des Papierstaus Luft zu machen. »Commission Continua« verwebt eidesstattlichen Erklärungen, Nachträge, Anhänge, Aussagen, Einreichungen, Berichtsentwürfe und Berichte. Im Zentrum steht hierbei das Ringen der südafrikanischen Gesellschaft um tatsächliche Veränderung und Versöhnung.

In englischer Sprache.


TUBUHDANG TUBUHDUT
Ayu Permata Sari (Yogyakarta)

Dangdut ist die vielleicht beliebteste Musikrichtung Indonesiens, in der sich Malay-Indische Popmusik und arabische Rhythmen verbinden. Dangdut-Performances sind einerseits Orte der Erholung für die Arbeiterklasse, andererseits gelten sie in der stark muslimisch geprägten Gesellschaft als zwielichtiges Vergnügen, da die Performerinnen mit explizitem Hüftschwung tanzen. Die in traditionellem wie zeitgenössischem Tanz ausgebildete Ayu Permata Sari recherchiert die Bewegungssprache des Daggdut seit Jahren und dreht für ihr Tanzstück die Blickrichtung um: In lokalen Dangdut Clubs nimmt sie nicht die Frauen auf der Bühne ins Blickfeld, sondern die Männer im Publikum. Sie bewegen sich entspannt und sinnlich zur Musik und imitieren hierbei einerseits unbewusst die Sängerinnen und lassen andererseits ihren persönlichen und beruflichen Hintergrund in ihrer Bewegungssprache sichtbar werden. Dangdut Clubs sind für sie Räume, innerhalb derer eine Loslösung von den Sorgen des Alltags stattfinden kann. Ayu Permata Sari eignet sich die Bewegungen der Dangut-Schauenden an für ein tänzerisches Solo, das die Flucht aus dem Alltag zugleich zelebriert und reflektiert.

Keine Sprachkenntnisse erforderlich.


STEPS
Mohamed Issaoui (Tunis)

Schon als Kind tanzte Mohamed Isaaoui mit Begeisterung und mit lebhaftem Hüftschwung. Was ihm als kleiner Junge noch erlaubt war und den Freundinnen seiner Mutter Freude bereitete, ist für ihn als Erwachsener ausgeschlossen: Die Erwartungen, die sich an männliche Körper richten schließen bestimmte Bewegungsmuster aus. »Steps« ist eine tänzerische Heldenreise in drei Teilen. Auf der Bühne sehen wir eine Figur, die lernt zu tanzen und dabei eine freie und unabhängige Identität einfordert. Die Performance führt durch die Klänge und Bewegungen der tunesischen Vergangenheit, mit Konzerten in Kaffeehäusern und den Tänzen der Beduinen. Gleichzeitig bezieht sie sich stark auf die queere Popkultur der Gegenwart und moderne elektronische Musik. Mohammed Isaaoui inszeniert ein lebhaftes Solo, das eine tänzerische Utopie jenseits der Geschlechterbarrieren feiert.

Arabisch mit englischen Übertiteln


BABA, COME TO ME
Farah Barqawi (Palästina)

Farah Barqawi untersucht ihr Verhältnis zu ihrem Vater. Als Einstieg dienen ihr alte Kompaktkassetten, auf die sie als Kind Nachrichten an den meist abwesenden Vater gesprochen hat. Diese Performance ist eine Suche nach Versöhnung und nach Verständnis für das Unverständliche: Die Hassliebe, die sich widersprechenden Wünsche und Entscheidungen, die ständige Schwere des Lebens in einer zerschlagenen palästinensischen Familie und die Festung, die ihr Vater um sich und seine Emotionen aufgebaut hat.


Die Vorstellungen werden in einem Block gezeigt.
Es gibt keinen Einlass zwischen den einzelnen Stücken, das Ticket gilt für den gesamten Block.

Eintritt 7 Euro | Ermäßigt 5 Euro
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