Felix Krull Foto: Andrea Huber

Felix Krull

Mi, 05.06.19, 20:00 Uhr | Weitere Termine

Münchner Volkstheater

Brienner Str. 50
80333 München
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Mit allen Mitteln bahnt sich Felix Krull seinen Weg nach oben - böse sein kann man ihm trotzdem nicht. Thomas Manns Geschichte über einen einzigartigen Lebenskünstler, gerissenen Schwindler und charmanten Liebhaber in einer Inszenierung von Bastian Kraft.

Der 40-jährige Hochstapler Felix Krull blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Er stammt aus dem Rheingau und wächst in einer Familie auf, die ein Lotterleben führt, ohne die dafür benötigten finanziellen Mittel aufbringen zu können. Dass auch er deshalb eher gemieden wird und keinen Anschluss findet, stört Felix jedoch nicht im geringsten. Er ist ohnehin der festen Überzeugung, für etwas Höheres bestimmt zu sein. Seine Begabung zu Manipulation und Schauspielerei zeigt sich schon früh: Um Schule zu schwänzen, fälscht er Unterschriften und simuliert Krankheiten oder er tritt bei einem Konzert auf und bringt die Zuschauer dazu, ihn für ein Wunderkind zu halten. Als er einem Schauspieler begegnet, der auf der Bühne der gefeierte Held ist, in Wahrheit aber eine üble Persönlichkeit besitzt, erkennt Felix das Bedürfnis der Menschen nach einer schönen Illusion.

Nachdem er die Schule ohne Abschluss verlässt, verschlägt es Felix zunächst nach Frankfurt, wo er sich mit einer schauspielerischen Meisterleistung vor dem Wehrdienst drückt und durch diverse Beziehungen seine Kompetenz als Liebhaber perfektioniert. Felix' eigentliches Ziel lautet aber Paris - dort wird er zunächst als Liftboy in einem Luxushotel eingesetzt, steigt jedoch schon bald zum Oberkellner auf. Aufgrund geschickter Diebeszüge und seiner Verführungskunst gelingt es Felix, sich einen dekadenten Lebensstil zu finanzieren. Eines Tages bittet ihn ein Stammgast des Hotels, der in Schwierigkeiten geratene Marquis de Venosta, sich für ihn auszugeben und an seiner Stelle eine Weltreise anzutreten. Dankbar ergreift Krull die Gelegenheit - wohl wissend, dass für ihn nun dank seines Schauspieltalents ein völlig neues, luxuriöses Leben beginnt.

In der Inszenierung am Münchner Volkstheater gibt es nicht nur einen, sondern gleich drei Krulls, von denen jeder behauptet, der authentische Felix zu sein. Damit legt der Regisseur Bastian Kraft den Akzent bewusst auf das permanente Schwanken zwischen Wahrheit und Lüge, Realität und Schein, das das Stück durchzieht. Dass Thomas Manns Roman unvollendet bleibt, birgt zusätzlich kreativen Spielraum. Kraft lässt das Geschehen weder einfach ins Leere laufen, noch versucht er, einen allzu künstlichen Schlusspunkt zu setzen. Stattdessen entscheidet er sich für ein Jengaspiel: Aus einem Turm aus Holzklötzen zieht jeder der drei Krulls abwechselnd eines heraus und sobald der Turm zusammenbricht, endet die Vorstellung. Eine originelle Metapher für Felix Krulls Lügenkonstrukt, das er sein Leben lang aufbaut, und das vielleicht irgendwann über ihm zusammengestürzt wäre.
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