Bayerischer Filmpreis: "Aus dem Nichts" räumt doppelt ab

Von links: Regisseur Fatih Akin, Schauspielerin Diane Kruger und Regisseur Werner Herzog am 19.01.2018 nach der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater, Foto: dpa
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Verleihung der begehrten Pierrots im Prinzregententheater

(20.1.2018) Am Freitagabend wurden zum 39. Mal die Bayerischen Filmpreise im Prinzregententheater verliehen. Den Preis für die beste Regie bekam Fatih Akin für seinen Film "Aus dem Nichts", Diane Kruger, die darin die Hauptrolle spielt, wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet. Werner Herzog wurde mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten bedacht. Die Macher der beiden Filme "The Happy Prince" und "Grießnockerlaffäre" teilen sich die begehrten Produzentenpreise.

Beste Regie und beste Darstellerin für "Aus dem Nichts"

Beleuchtetes Prinzregententheater am Abend, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann
Foto: muenchen.de/Michael Hofmann

Hollywood-Flair in München: Werner Herzog, Diane Kruger und Fatih Akin wurden beim Bayerischen Filmpreis gefeiert. Doch auch die heimische Filmszene ging nicht leer aus. Der Bayerische Filmpreis ist zwar nicht der Oscar, doch am Freitagabend konnten Fatih Akin und Diane Kruger im Prinzregententheater schon einmal den großen Auftritt proben. Für ihren Film "Aus dem Nichts" wurden sie mit den Preisen für die beste Regie und die beste Darstellerin ausgezeichnet. Das NSU-Drama gewann erst kürzlich einen Golden Globe für den besten nicht-englischsprachigen Film und ist auch der deutsche Oscar-Kandidat.

Dementsprechend unruhig wurde es am Abend am roten Teppich, als Kruger mit leichter Verspätung auflief. Als sie eintraf, wurde die 41-jährige Hollywood-Schauspielerin sofort von Fans und Journalisten belagert. Sie bahnte sich gehetzt ihren Weg zum Eingang des Münchner Prinzregententheaters. Warum "Aus dem Nichts" das Zeug zum Oscar habe? "Wenn ich das wüsste, hätte ich ihn", so die knappe Antwort der Deutsch-Amerikanerin. Entspannter schritt da schon Akin (44) über den Teppich. Er sei ein "Meister seines Faches", urteilte die Jury des Bayerischen Filmpreises. "Aus dem Nichts" mache politischen Terror zu einer persönlichen Angelegenheit. "Sein Film fasst uns an, wie uns Nachrichten niemals berühren können, denn zurück bleibt eine Frau, der man alles Glück, alle Hoffnung genommen hat."

"Ich habe das allerbeste Team, die allerbesten Schauspieler und Schauspielerinnen", sagte Akin, nachdem er seinen Preis entgegengenommen hatte, und richtete das Wort an Kruger im Publikum: "Als Kind auf der Schule wollte ich immer Bud Spencer sein und habe mir einen Terence Hill gewünscht. Du und ich sind wie Bud Spencer und Terence Hill." Kruger erwiderte wenig später das Kompliment, bevor sie ihren Preis auf der Bühne entgegennahm. "Er ist für mich der Traumregisseur", sagte sie. "Ich werde dir nie vergessen, dass du mir solche Flügel gegeben hast."

Ehrenpreis für Filmemacher Werner Herzog

"Labyrinthisch" schätzte der Filmemacher Werner Herzog die Chancen von "Aus dem Nichts" für den Oscar ein. "Aber ich bin stimmberechtigtes Mitglied der Academy und ich habe da relativ klare Vorstellungen", ließ er auf dem roten Teppich wissen, den er mit Bayerns stellvertretender Ministerpräsidentin Ilse Aigner beschritt. Wenig später verlieh die CSU-Politikerin dem 75-Jährigen den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk. "Sie sind eine schöpferische Urgewalt", sagte Aigner in ihrer Laudatio zu Herzog. "Ein besessener Sucher, ein genialer Erfinder." Herzog besitze die Gabe, seine Mitmenschen für Geschichten zu begeistern. "Sie sind ein Visionär und ein Meister der Grenzüberschreitung." Das Publikum bejubelte Herzog mit Standing Ovations und langem Applaus.

Produzentenpreis, Publikumspreis, musikalisches Programm

Der hoch dotierte Produzentenpreis ging an die Macher der Filme "The Happy Prince" und "Grießnockerlaffäre". Die drei Produzenten hätten auf ihre jeweils eigene Weise überzeugende Gesamtwerke geschaffen und teilten sich den Preis (200.000 Euro), so die Jury. "The Happy Prince" (Regie: Rupert Everett), der erst im Mai in die deutschen Kinos kommt, erzählt von den letzten Lebensjahren des irischen Schriftstellers Oscar Wilde. Die Produzenten Philipp Kreuzer und Jörg Schulze hätten mit einem internationalen Team "inhaltlich ebenso wie künstlerisch überzeugt und ein herausragendes Kinoerlebnis gewährt", hieß es von der Jury. In der "Grießnockerlaffäre" sei es Produzentin Kerstin Schmidbauer, dem Schauspielensemble und Regisseur Ed Herzog gelungen, ein "köstlich zugespitztes Drehbuch und lakonische Dialoge" zu einer stimmigen Einheit zu verknüpfen.

Auch der erfolgreichste deutsche Film des vergangenen Jahres ging nicht leer aus. Der Regisseur Bora Dagtekin wurde für die Erfolgskomödie "Fack Ju Göthe 3" mit dem undotierten Publikumspreis ausgezeichnet. "Ihr habt Figuren geschaffen, die die Fans lieben", sagte Produzentin Lena Schömann in Richtung Jella Haase (Chantal) und Max von der Groeben (Danger).

Zwischen diese und die zahlreichen weiteren Preisverleihungen in den verschiedenen Kategorien des Bayerischen Filmpreises mischte sich auch leichte Unterhaltung: Moderator der Filmpreis-Gala war Christoph Süß, der sich sogar kurz als Dirigent des Münchner Rundfunkorchester austoben durfte, das die Verleihung erstmals mit Musik begleitete. Zusammen mit dem Orchester trat im musikalischen Programm auch Singer-Songwriter Tim Bendzko auf und performte den Song "Leichtsinn" aus seinem neuen Album "Immer noch Mensch".

Was Ihr zum Bayerischen Filmpreis wissen solltet

Preisverleihung Pierrot auf dem Bayerischen Filmpreis, Foto: BR/Porzellanmanufaktur Nymphenburg
Foto: BR/Porzellanmanufaktur Nymphenburg
  • Der Bayerische Filmpreis wird seit 1979 für hervorragende Leistungen im deutschen Filmschaffen verliehen, mit ihm soll auch die Bedeutung des Kinofilms als Kulturgut gewürdigt werden. Die Bayerische Staatsregierung verleiht ihn auf Vorschlag einer unabhängigen Jury.
  • Preissymbol ist die Porzellanfigur "Pierrot" aus der Comedia dell'arte von Franz-Anton Bustelli. Sie ist aus der Nymphenburger Porzellan-Manufaktur.
  • Auszeichnungen können in den Kategorien Darstellerische Leistung, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Filmmusik und Ausstattung verliehen werden - außerdem kann es für diese Kategorien gesonderte Nachwuchspreise geben.
  • Für den hervorragenden deutschen Film, der den besten Gesamteindruck hinterlässt, wird der Produzentenpreis in Höhe von 200.000 Euro vergeben. Und der Bayerische Ministerpräsident verleiht einen Ehrenpreis.
  • Auch durch seine Nachwuchspreise spielt der Bayerische Filmpreis eine zentrale Rolle für die Förderung aufstrebender Protagonisten in der deutschen Filmbranche. Für viele heute gefeierte Künstler war er ein wichtiger Meilenstein in ihrer Karriere, beispielsweise für Franka Potente, Daniel Brühl, Jürgen Vogel, Hannah Herzsprung, Heike Makatsch und Fatih Akin.

Auf dem Bild ganz oben (v.l.): Der Regisseur Fatih Akin, die Schauspielerin Diane Kruger und der Regisseur Werner Herzog freuen sich nach der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater über ihre Auszeichnungen.

(dpa / muenchen.de)

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