Das Stück von Bertolt Brecht und Kurt Weill beschert den Zuschauern ein frech-fröhliches Theatervergnügen, in dem sich Belehrung und Unterhaltung gegenseitig bekriegen. Regie führt Christian Stückl.

Halunken, Bettler und Huren auf der einen und vermeintlich anständige Bürger auf der anderen Seite. Gegensätzlicher geht es wohl kaum, oder? Weit gefehlt. So verschieden sind sie nämlich gar nicht. Unter den Huren gibt es Frauen, die durchaus echte Gefühle kennen und Liebe empfinden, aber dennoch gegen angemessene monetäre Entschädigung keinen Halt vor Spitzeldiensten und Verrat machen. Die Ganoven greifen tief in die Trickkiste, um durch Ausbeutung anderer möglichst viel Kapital zu schlagen. Die angeblich braven und gesetzestreuen Bürger verhalten sich nicht nur egoistisch und unmoralisch, sondern entpuppen sich auch als äußerst korrupt. Ob da noch jemand den Überblick behält?

Im Zentrum des Geschehens steht Macheath, der Gentleman-Räuber. Seine heimliche Heirat mit Polly löst die weitere Handlung aus. Zu der in einem Pferdestall gefeierten Hochzeit erscheinen viele Gäste, darunter auch der Polizeichef Tiger Brown, mit dessen Anwesenheit niemand gerechnet hat. Brown ist ein guter Freund und alter Kriegskamerad von Macheath, der sich gegen eine Umsatzbeteiligung stets um seine Sicherheit bemüht und auch für das Verschwinden seiner Polizeiakten sorgt. Über die Heirat ihrer Tochter empört, beschließen Peachum und seine Frau Celia, Macheath und Polly auseinanderzubringen. Dazu besticht Celia Spelunkenjenny, die Macheath verraten soll, sobald er wieder dem Bordell einen Besuch abstattet. Inzwischen gewinnt Peachum für seinen Plan, die Ehe seiner Tochter zu zerstören, Tiger Brown. Dieser lässt Macheath verhaften, als er sich wieder in ein Freudenhaus verirrt. Er ist zwar zum Tode verurteilt, muss aber keine Hinrichtung fürchten, da ihn Browns Tochter Lucy befreit. Als er aus alter Gewohnheit erneut im Bordell landet, muss er wieder hinter Gitter. Doch auch jetzt, als er bereits an den Galgen gehängt wird, begnadigt ihn ein Bote der Königin und erhebt ihn sogar noch in den Adelsstand.

Der Regisseur Christian Stückl schafft mit seiner Inszenierung eine ganz eigene Welt, indem er die Handlung in eine Fantasiewelt versetzt. Die Bühne wird zu einer Art Jahrmarkt, in dessen Mitte eine rotierende Scheibe zum Drehpunkt des Geschehens wird. Diese spiegelt auch das zwischenmenschliche Verhalten mit all seinen Wirrungen und Irrungen wider. Die groteske und ironische Inszenierung entlarvt die menschliche Natur als ein Konglomerat aus widersprüchlichen Gefühlen und Persönlichkeitsmerkmalen.
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