Bericht: Pläne für europäische Superliga mit Bayern und Dortmund

Die FCB-Zentrale an der Säbener Straße., Foto: muenchen.de/Christian Brunner
Foto: muenchen.de/Christian Brunner

Superliga als Konkurrenz zur Champions League

(2.11.2018) Die Einführung einer Superliga als Konkurrenz zur Champions League im europäischen Vereinsfußball wird laut einem Medienbericht wieder konkreter. 2016 hatte der FC Bayern laut Medien sogar geprüft, die Bundesliga zu verlassen. Der FCB bezog am Freitagabend Stellung zur aktuellen Berichterstattung.

FCB sind Superliga-Pläne nicht bekannt

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, Foto: Sven Hoppe
Foto: Sven Hoppe

Eine Beraterfirma soll Real Madrid im Oktober entsprechende Pläne vorgelegt haben, berichtete «Der Spiegel». Demnach sei vorgesehen, dass 16 Topclubs, darunter die Bundesligisten FC Bayern München und Borussia Dortmund, eine Absichtserklärung im Laufe dieses Monats unterzeichnen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, wäre das 2021 das Aus für die von der UEFA getragene Champions League in ihrer jetzigen Form. Die Superliga würde nach diesen Vorstellungen privatwirtschaftlich und damit außerhalb der bestehenden Verbände organisiert werden.

In einer Mitteilung des FC Bayern vom Freitagabend reagierte der Verein auf die Berichterstattung: "Neuerliche Pläne für eine so genannte Super League, über die „Der Spiegel“ außerdem berichtet, sind dem FC Bayern weder bekannt, noch hat der FC Bayern an Verhandlungen hierzu teilgenommen. Dem FC Bayern ist auch nicht bekannt, warum er hier in einem vom „Spiegel“ zitierten Dokument aufgeführt wird."

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kommentierte die Pläne dem Magazin gegenüber nicht direkt. Dass es aber aktuelle Gespräche über die Superliga gebe, «das ist klar, und ich glaube auch, dass ein paar der großen Clubs Europas da deutlich dran stricken». Allerdings seien diese Pläne wohl «noch nicht sehr konkret».

Bayern prüfte angeblich Bundesliga-Ausstieg

Zu den 16 Clubs, die laut «Spiegel» von 2021 an in einer Superliga spielen könnten, gehören neben dem FC Bayern auch Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester United, FC Chelsea, FC Arsenal, Manchester City, FC Liverpool, Paris Saint-Germain, Juventus Turin und AC Mailand als Gründer, die nicht absteigen können. Dazu kämen zunächst Atlético Madrid, Borussia Dortmund, Olympique Marseille, Inter Mailand und AS Rom als «anfängliche Gäste». Im Gespräch ist auch eine zweite Liga, in die nur diese Gäste absteigen könnten.

Hintergrund der Planspiele sind die im kommenden Jahr anstehenden Verhandlungen über Verteilung der Gelder aus der Champions League von 2021 an. Derzeit schüttet die UEFA jährlich Prämien von 2,04 Milliarden an die Clubs der Champions League aus, die erfolgreichsten Vereine bekommen bis zu 100 Millionen Euro. Die Idee, dass sich die Topclubs in einer eigenen Liga organisieren, um deutlich höhere Einnahmen zu erzielen, gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten.

Vor knapp drei Jahren gab es dem Bericht zufolge noch weitergehende Pläne zur Herauslösung der Topvereine aus den bestehenden Ligen-Strukturen. Auch damals standen Verhandlungen über die Ausschüttungen der Champions League an. Der FC Bayern in Person seines Chefjustiziars Michael Gerlinger hatte demnach von einer Anwaltskanzlei prüfen lassen, ob die Münchner nicht nur aus den europäischen Wettbewerben, sondern auch aus der Bundesliga aussteigen könnten. Durch die folgende Reform der Champions League, die den vier stärksten Ligen jeweils vier Startplätze für die Gruppenphase sichert, war eine Superliga zum damaligen Zeitpunkt kein Thema mehr.

Recherchen der Enthüllungsplattform Football Leaks

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt im Interview des Magazins «11 Freunde» (November-Ausgabe) gesagt, dass er in ferner Zukunft mit der Einführung einer europäischen Superliga rechne: «Ich vermute, dass diese Liga eines Tages kommen wird. Aber fragen Sie mich nicht, wann.» Der 63-Jährige erneuerte am Freitagabend jedoch ein Bekenntnis zu Bundesliga und den Europapokalwettbewerben.

«Der FC Bayern München steht zu seiner Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga, und solange ich Vorstandvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von UEFA und ECA gemeinsam organsierten Club-Wettbewerben», äußert Rummenigge in der Vereinsmitteilung.

Gerlinger sagte dem «Spiegel», dass Gedankenspiele zum Ausstieg aus der Bundesliga schnell «völlig vom Tisch» gewesen seien. BVB-Chef Watzke versprach: «So lange ich hier die Verantwortung trage, wird der BVB die Bundesliga nicht verlassen.» 2016 war auch der FC Schalke 04 als möglicher Teilnehmer an der Superliga genannt worden. Die damals diskutierte Liga sollte mit Spielen dienstags, mittwochs und samstags über 34 Wochen laufen.

Die Berichterstattung des «Spiegel» ist das Ergebnis von Recherchen der Enthüllungsplattform Football Leaks, die dem Magazin und seinen Partnern des Recherchenetzwerks European Investigative Collaborations (EIC) vorliegen.

(dpa/muenchen.de)

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