FC Bayern: Matchball zur Meisterschaft


Arjen Robben (links) spielt neben Joshua Kimmich vom FC Bayern im Spiel gegen Hannover 96 am 4.5.2019, Foto: picture alliance/Matthias Balk/dpa
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Trotz Beckenbauer-Spott: Bayern auf Titelkurs

(5.5.2019) Das 3:1 des FC Bayern am Samstag gegen den Tabellenletzten Hannover 96: spielerisch kein Meisterstück. Doch weil Dortmund am Samstagabend beim 2:2 in Bremen patzte, können die Münchner schon am nächsten Samstag den Titelgewinn klarmachen. Für große Emotionen sorgte das Comeback von Arjen Robben, für Ärger die Kritik von Franz Beckenbauer. Die Analyse von muenchen.de


Claudio Pizarro hilft Bayern im Duell mit Dortmund

Bayerns "Held des Tages" trägt schon lange kein Bayern-Trikot mehr: „Claudio Pizarro schießt Bayern zur Meisterschaft“, das könnte eine Schlagzeile aus den ersten Jahren dieses Jahrtausends sein, doch sie gilt gewissermaßen auch für den 32. Spieltag 2018/19.

Denn die Bayern profitierten nach dem 3:1 gegen Hannover (Treffer: Lewandowski, Goretzka und Ribéry für den FCB sowie Jonathas für 96) auch noch von der Bremer Schützenhilfe gegen den Münchner Titelrivalen Borussia Dortmund. Und ausgerechnet der Ex-Münchner Pizarro, inzwischen 40 Jahre alt, sorgte mit seinem Treffer zum 2:2 für Werder (nach 0:2-Rückstand) dafür, dass die Bayern nun mit vier Punkten Vorsprung nach Leipzig fahren – und am kommenden Samstag Matchball haben. Mit einem Sieg am vorletzten Spieltag können sie die Meisterschaft feiern. 


Arjen Robben: Comeback nach 5 Monaten

Der Gänsehaut-Moment in der Allianz-Arena war das Comeback von Arjen Robben. Fünf Monate schon hatte der Niederländer verletzungsbedingt kein Spiel mehr absolviert, nur fünf Mal in diesem Jahr mit der Mannschaft trainiert. Doch als er dann, kaum dass sein Spezl Frank Ribéry zum 3:1 traf, nach 86 Minuten das Zeichen zur Einwechslung bekam, legte der 35-Jährige noch im Aufwärm-Trainingsanzug einen Sprint hin wie zu besten Tagen. Und genauso schnell hatte er sich seiner Jacke entledigt.
Als der Holländer dann, zum ersten Mal seit dem 24.11.2018, wieder auf dem Platz stand und die Südkurve seinen Namen sang, da winkte er den Fans schon nach dem ersten typischen Robben-Dribbling glückselig zu. „Ich hatte Gänsehaut“, bemerkte Mitspieler Joshua Kimmich.


Fans feiern Robben: "Einfach nur dankbar"

Mann des Tages war also Arjen Robben. Fast wäre ihm im 700. Pflichtspiel sogar noch ein Treffer geglückt – als ihm die Kollegen beim Freistoß kurz vor Schluss die Ausführung überließen. „Das war ein Geschenk der ganzen Mannschaft“, freute sich Robben, und auch wenn er den Freistoß knapp übers Tor drosch („Das wäre ein Märchen gewesen“) war er so erleichtert, endlich zurück zu sein.
"Es war eine schwere Zeit für mich", bekannte Robben. "So etwas will ich nie wieder erleben. Ich bin einfach nur dankbar, dass die Fans mich so empfangen haben. Ich will mich hier mit dem Titel verabschieden."
Ob ihm Trainer Niko Kovac beim Saisonfinale gegen Frankfurt am 18. Mai, dem Robben-Abschied vom Heim-Publikum, mehr als ein paar Minuten schenkt?
 "Ich hoffe es", sagt Kovac, "kann's aber nicht garantieren." Heißt übersetzt: Sobald Bayern den Titel sicher hat, darf Robben ran.

Boatengs Handspiel führt zu Phantom-Elfmeter

Aufreger des Spiels: ein Handelfmeter, der nicht mal umstritten zu nennen ist, sondern schlichtweg unberechtigt war. Jérôme Boateng prallte ein Ball aus naher Distanz an den Oberarm, der ganz klar angelegt war. Schiedsrichter Dingert ließ erst weiterspielen, bekam dann aber über Funk ein Signal aufs Ohr, sah sich die Szene auf dem Monitor an – und entschied zur Verwunderung aller auf Strafstoß für Hannover, den Jonathas zum 2:1 verwandelte. 
"Ein Phantom-Elfmeter", meinte selbst Hannovers Trainer Thomas Doll. Bayern-Coach Niko Kovac forderte eine Änderung der umstrittenen Regel: "Wir sollten es zurückdrehen und wieder danach entscheiden, ob es absichtliches Handspiel war, dann gibt es Elfmeter – oder eben unabsichtliches, dann gibt es keinen."


 

Thomas Müller weiß, wem Boateng den Vogel zeigt

Der Spruch des Tages kam von Thomas Müller. Angesprochen darauf, dass Boateng nach der Elfmeter-Entscheidung Schiri Dingert einen Vogel zeigte, meinte Müller: "Ich glaube, er hat der Regel und nicht dem Schiedsrichter den Vogel gezeigt."

Beckenbauer: Bayern wie die Uwe-Seeler-Traditionself

Die Frechheit des Tages leistete sich Franz Beckenbauer – dem das natürlich zusteht. Vor dem Spiel, beim Treffen der Double-Sieger von 1969, spottete der Ehrenpräsident: "Wenn ich sehe, wie in der Champions League oder der Europa League gefightet wird, da meint man manchmal beim FC Bayern die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft zu sehen. Das müssen sie sich leider gefallen lassen."
Die Reaktionen darauf reichten von Zustimmung beim braven Joshua Kimmich ("Herr Beckenbauer war ein riesen Spieler und Trainer. Wenn der das so sagt, ist das eindeutig") bis Unverständnis bei Sportdirektor Hasan Salihamidzic ("Ich glaube nicht, dass Franz die richtigen Worte gewählt hat").
Schelmisch konterte Thomas Müller: "Ich weiß nicht, wie die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft gespielt hat, aber mit Sicherheit gut, oder?" Und dann mit Blick auf die Tabelle: "Wer lesen kann, fühlt sich gut im Trikot des FC Bayern." 


Bayern plant Meisterfeier und Abschied von Ribéry

Ausblick und Abschied: Die Tabelle nämlich lässt sich bei vier Punkten Vorsprung und zwei ausstehenden Spielen nur so lesen: Die Uwe-Seeler-Traditionself aus München hat – auch dank der Unterstützung des 40-jährigen Ex-Bayern Pizarro – allerbeste Chancen, am 18. Mai den Fans in der Allianz Arena die Meisterschale zu präsentieren. Und dann wird auch der Franz wieder jubeln – und wenn's nur Arjen Robben und Frank Ribéry gilt. Auch der Franzose gab am Sonntag nun offiziell seinen Abschied zum Saisonende bekannt: "Es ist Wahnsinn, dass ich 12 Jahre hier war." 

Gunnar Jans

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