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Oktoberfest fällt aus: So reagieren Wirte und Brauereien

Oktoberfest 2019, Foto: muenchen.de/Gunnar Jans (2019)
Foto: muenchen.de/Gunnar Jans (2019)

Keine Wiesn wegen Corona: Aussagen zwischen Bedauern und Hoffnung

(22.4.2020) Das Münchner Oktoberfest fällt dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie aus - eine schwere und schmerzliche Entscheidung. So äußern sich Politiker und wichtige Wiesn-Vertreter zum Aus für das Oktoberfest 2020. Immerhin: Die Brauereien machen Hoffnung auf wenigstens etwas Wiesn-Flair für zu Hause.

„Es tut uns weh“: Politiker-Aussagen zum Oktoberfest-Aus

Erstmals seit 73 Jahren fällt das Oktoberfest wegen der Ausbreitung des Coronavirus aus - eine Entscheidung, die niemandem leicht fiel. „Es tut uns weh und es ist unglaublich schade“, sagte Ministerpräsident Markus Söder, der das Wiesn-Aus 2020 gemeinsam mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter verkündete. Der OB ergänzte: „Das Risiko ist einfach zu groß, dass sich auf dem Oktoberfest mit seinen rund 6 Millionen Gästen Menschen mit dem Virus anstecken könnten.“

Auch Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft und Wiesn-Chef, zeigte sich betroffen, betonte aber: „Natürlich trage ich die Entscheidung vollumfänglich mit. Sie ist die richtige Entscheidung, weil wir derzeit jedenfalls nicht sicherstellen können, dass wir eine Wiesn haben, die für alle nur Freude bereitet, aber keine Gefahr bedeutet - eine sichere Wiesn.“

Das Oktoberfest fällt aus: Infos und Hintergründe zur Entscheidung

Wirtesprecher Peter Inselkammer: „Schritt war logisch und notwendig“

Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel als neue Wiesnwirte-Sprecher, Foto: Paulaner am Nockherberg
Foto: Paulaner am Nockherberg Christian Schottenhamel (l.) und Peter Inselkammer, Sprecher der Wiesnwirte

Zu denen, die vom Ausfall des Oktoberfests unmittelbar betroffen sind, zählen natürlich auch die Münchner Wiesnwirte. Auch sie reagierten mit Bedauern, aber großem Verständnis: „Angesichts der Tatsache, dass es wohl noch einige Zeit dauern wird, einen Impfstoff und wirksame Medikamente gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zu entwickeln, war dieser Schritt logisch und notwendig“, sagte der Sprecher Peter Inselkammer. „Die Gesundheit unserer Gäste liegt uns besonders am Herzen und hat oberste Priorität.“

Schade sei es nicht nur für die vielen Münchnerinnen und Münchner, die ihre Wiesn lieben, sondern auch für die unzähligen Mitarbeiter, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem größten Volksfest der Welt verdienen. „Für rund 10.000 Menschen ist das ein herber finanzieller Schlag“, meinte Inselkammer.

Aber: „Es kommen auch wieder bessere Zeiten“, so der zweite Sprecher der Wiesnwirte, Christian Schottenhamel. „Und vielleicht fällt uns allen ja gemeinsam eine Lösung ein, wie wir das Oktoberfest im nächsten Jahr gestalten können, um den dann zu erwartenden erhöhten Anstum zu bewältigen.“

„Wahnsinnig schade“: Otto Lindinger von den Kleinen Wiesnzelten

Otto Lindinger, Sprecher der Kleinen Wiesnzelte, Foto: privat
Foto: privat Otto Lindinger, Sprecher der Kleinen Wiesnzelte

Auch die Wirte der 21 kleinen Wiesnzelte trifft der Ausfall des Oktoberfests 2020 natürlich ins Mark. Sprecher Otto Lindinger (Bodo's Cafézelt) betont, man habe volles Verständnis dafür, dass es dieses Jahr keine Wiesn geben könne, dennoch: „Auch für uns Kleine Wiesnzelte ist es natürlich wahnsinnig schade und ein riesiger Stich ins Herz jedes einzelnen unserer 21 kleinen, aber feinen Festzelte.“

Das wirtschaftliche Minus sei das eine, sagt Otto Lindinger, aber auch der emotionale Schaden sei riesengroß: „Wir vermissen schon heute den Kontakt zu unseren Gästen und Mitarbeitern. Gerade in unseren meist überschaubaren Betriebsgrößen geht's ja oft familiär zu, und hier wird der direkte Kontakt zu unseren Gästen von beiden Seiten sehr geschätzt.“

Man sei aber voller Vorfreude auf die Wiesn 2021: „Wir freuen uns umso mehr, Sie nächstes Jahr – wenn es am 18. September 2021 endlich wieder heißt: „O'zapft is“ – mit unserer Gastfreundschaft glücklich machen zu dürfen.“

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DIE GROSSE ÜBERSICHT

Peter Bausch, Schausteller: „Volksfeste sind Balsam für die Seele“

Peter Bausch, kommissarischer Vorsitzender des Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller GmbH , Foto: Peter Bausch
Foto: Peter Bausch

Die Münchner Schausteller trifft die Absage besonders hart. Peter Bausch ist kommissarischer Vorsitzender der Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller GmbH und vertritt ca. 150 Schausteller. Er erklärt: „Die Gesundheit geht natürlich vor – die der Besucher, des Personals, der Schausteller und auch der eigenen Familie. Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass es noch eine Lösung fürs Oktoberfest geben könnte – denn diese Absage trifft unsere Branche ins Mark, und wir müssen ums wirtschaftliche Überleben kämpfen.

Wir müssen ohnehin ja so wirtschaften, dass wir die Zeit der Winterpause, die von Januar bis März reicht und in der wir nichts verdienen, mit den Einnahmen der neun weiteren Monate querfinanzieren. Aber jetzt fehlt uns ein ganzes Jahr und überdies das schönste, größte Volksfest der Welt!

Ich hoffe sehr, dass die Politik sieht: Wenn es 2021 wieder Volksfeste geben soll, braucht es jetzt einen Rettungsschirm für uns Schausteller. Volksfeste finden vor der Haustüre statt, sie sind wie Kurzurlaub, sind Balsam für die Seele. Lasst uns alles dafür tun, dass wir das in 2021 wieder erleben dürfen.“

Günter Bretz, BLV Marktkaufleute und Schausteller: „Stich ins Herz“

Günter Bretz, 1. Vorsitzender der Bezirksstelle München der Marktkaufleute und Schausteller, Foto: muenchen.de/Gunnar Jans
Foto: muenchen.de/Gunnar Jans

Und auch Günter Bretz, 1. Vorsitzender der Bezirksstelle München der Marktkaufleute und Schausteller mit über 500 Mitgliedern drückt sein tiefes Bedauern aus: „Dass die Wiesn heuer nicht stattfindet, war auch für die Marktkaufleute und Schausteller ein großer und schmerzhafter Stich ins Herz. Für alle Marktkaufleute und Schausteller steht die Existenz auf dem Spiel, da auch alle Volksfeste vor der Wiesn abgesagt wurden. Die Wiesn war die letzte Hoffnung. Aber wie schon so oft erwähnt, die Gesundheit aller steht primär im Vordergrund.

Wir hoffen alle, dass baldmöglichst ein Durchbruch in der Medizin kommt und ein Impfstoff entwickelt wird und sich das Karussell dann wieder drehen kann und das Bummeln auf den Märkten ohne Einschränkung möglich ist. Für uns Marktkaufleute und Schausteller hoffe ich, dass wir die Krise gesund überstehen und uns bald wiedersehen, um das Flair auf der Wiesn, Volksfesten und Märkten unbedenklich genießen zu können.“

Münchner Brauereien wollen 2020 trotzdem Oktoberfestbier brauen

Impressionen von der ersten Wiesnwoche, Foto: muenchen.de / Mónica Garduño 2018
Foto: muenchen.de / Mónica Garduño 2018

Auf dem Oktoberfest werden jährlich rund sieben Millionen Liter Bier getrunken – somit stellt die Wiesn für die Münchner Brauereien einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar, der dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie wegfällt. Trotzdem „verstehen wir diese Entscheidung und tragen sie mit“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Vereins der Münchner Brauereien. „Ein Oktoberfest ohne Münchner Gastlichkeit und Weltoffenheit, für die dieses Fest wie kein anderes steht, wäre auch für uns nicht vorstellbar.“

Eine gute Nachricht gibt es dennoch für alle Wiesnfans: Das Oktoberfestbier wird auch dieses Jahr gebraut. Wie üblich beginnen die Brauereien ab Ende Juli damit, das Bier für Gastronomie, Handel und Export einzubrauen. Somit wird es zumindest ein Stückchen Wiesn-Flair für zu Hause geben.

Coronavirus in Bayern – Auswirkungen auf München

Bis auf Weiteres gilt in Bayern eine Kontaktbeschränkung. Freizeit- und Veranstaltungseinrichtungen sind z.T. wieder offen. Bitte informiert Euch unbedingt auf den Seiten der Institutionen und bei den Veranstaltern über konkrete Absagen oder Schließungen. Geschäfte dürfen wieder uneingeschränkt und unter strengen Hygienevorschriften öffnen. Auch Gastronomiebetriebe dürfen unter Auflagen öffnen. Unter 089-233-96333 hat das Referat für Gesundheit und Umwelt eine Hotline eingerichtet, die von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr Fragen zum Coronavirus beantwortet.

Coronavirus: Informationen der Stadt München
Das Referat für Gesundheit und Umwelt zum neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2)
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