Ein Blick hinter die Kulissen des Oktoberfestes

Bürgermeister Josef Schmid mit dem Oktoberfestplakat 2016, Foto: Leonie Liebich
Foto: Leonie Liebich

Das Oktoberfest ist eine Großveranstaltung der Landeshauptstadt München. Für die Organisation und Abwicklung des Festes ist das Referat für Arbeit und Wirtschaft verantwortlich.

Ein Team von zehn Personen ist mit den Vorbereitungen und dem Ablauf des Festes beschäftigt. In der heißen Aufbauphase ab Mitte/Ende Juli treten zusätzlich neun Mitarbeiter des Oktoberfest-Bauhofs auf der Theresienwiese in Aktion. Sie sind zuständig für das Ausmessen der Stellplätze, den Aufbau der städtischen Buden und Toiletten sowie für Instandsetzungsarbeiten während der Wiesn. Um den reibungslosen Ablauf des Festes zu gewährleisten, werden weitere städtische Dienststellen eingeschaltet, die auch während der Wiesn präsent sind.

Das Servicezentrum Theresienwiese (SZT)

Das Servicezentrum Theresienwiese (SZT) hinter der Schottenhamel-Festhalle ist das Herz der Großveranstaltung. Der Festbau, entworfen von dem Berliner Architekturbüro Volker Staab, wurde nach nur einem Jahr Bauzeit und allein finanziert vom Betrieb Oktoberfest im Jahr 2004 den Nutzern übergeben.
Grundgedanke des Architekten war, dass das neue Servicezentrum nicht als Haus wirkt, sondern sich als „Infrastrukturobjekt für das Oktoberfest“ unauffällig in das Gelände der Theresienwiese einfügt. Wie ein Kupferbarren ruht der flache 84 Meter lange Baukörper auf der Ebene. Seine metallische Hülle wird im Laufe der Zeit patiniert und gleicht sich optisch an die Schotter- und Wiesenflächen an. 2004 erhielt die Landeshauptstadt München den Deutschen Fassadenpreis für dieses funktionelle und dabei unkonventionelle Bauwerk.

Schaltzentrale der Wiesn

Das „Servicezentrum Theresienwiese“ ist ganzjähriger Sitz der Fachabteilung Veranstaltungen des Referats für Arbeit und Wirtschaft, die auch die Theresienwiese als Veranstaltungsort verwaltet. Während des Oktoberfests hat die Festleitung ihren Sitz im Servicezentrum. Die eigene Oktoberfest-Pressestelle betreut dort Medienvertreter und ist Umschlagplatz von Nachrichten rund um die Wiesn für die Redaktionen im In- und Ausland. Ebenso ganzjährig sind dort die zuständigen Mitarbeiter der Stadtwerke München (SWM) untergebracht, die für die Versorgung der Veranstaltungen mit Strom, Erdgas und Trinkwasser verantwortlich sind. Während des Oktoberfestes garantiert ein Bereitschaftsdienst die sichere Energie- und Wasserversorgung rund um die Uhr.

Zur Oktoberfest-Zeit vor Ort

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR), zuständig für Sicherheit und den Verbraucherschutz auf der Wiesn, ist im SZT mit dem KVR-Wiesn-Büro, dem Fundbüro und der Wiesn-Wache der Berufsfeuerwehr vertreten. Weiter sind Außenstellen des Jugendamtes und des Referats für Gesundheit und Umwelt eingerichtet. Die Polizei ist mit einer WiesnWache und einer Pressestelle präsent. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) unterhält eine mit Ärzten, Schwestern und Rotkreuzhelfern besetzte Sanitätsstation im SZT und drei weitere Rettungsstationen auf dem Festgelände (am Esperantoplatz, am nördlichen Ende der Schaustellerstraße und auf der Oidn Wiesn). In der Kinderfundstelle des BRK werden verloren gegangene Kinder versorgt und sind Wickel- und Stillplätze eingerichtet. Medienvertreter werden vom BRK-Pressesprecher auf der Wiesn betreut.

Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen"

Im Rahmen der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ steht seit 15 Jahren mit dem Security Point eine Anlaufstelle für Frauen in unterschiedlichsten Notlagen auf dem Oktoberfest zur Verfügung. Im Servicezentrum können alle Sicherheitskräfte, die den Button der Aktion tragen, angesprochen werden. Sie bringen die betroffenen Mädchen und Frauen umgehend zu den Mitarbeiterinnen des Security Points. Betreut wird dieser Service von geschulten Mitarbeiterinnen der Initiativen AMYNA – Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch, IMMA – Initiative Münchner Mädchenarbeit und dem Frauennotruf München, die mit Rat und Tat hilfesuchenden Wiesn-Besucherinnen zur Seite stehen. Die 2003 erfolgreich gestartete und seither mehrfach prämierte Aktion wurde 2010 mit dem Anita-Augspurg-Preis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet und setzt ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung auf Volksfesten. Die unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dieter Reiter, Bürgermeister Josef Schmid und Bürgermeisterin Christine Strobl stehende Aktion wird unterstützt durch die Stiftung „Hänsel+Gretel“. Mit diesem spezifischen Hilfsangebot für Mädchen und Frauen ist das Oktoberfest weltweit führend.

Strenge Qualitätskontrollen

Die Lokalbaukommission der Landeshauptstadt prüft gemeinsam mit der TÜV SÜD Industrie Service GmbH alle Betriebe auf dem Oktoberfest vor Beginn der Wiesn auf Herz und Nieren. Beide Institutionen haben während des Festes ihren Sitz jeweils im SZT. Übrigens gilt das Prädikat „Tested by TÜV SÜD“ bei Volksfesten und in Freizeitparks weltweit als höchstes Gütesiegel für technische Zuverlässigkeit.

Stromversorgung und eine "grüne" Wiesn

48 Kilometer Kabel transportieren von 19 Trafostationen (drei davon unterirdisch), je nach Lastenschwerpunkten über die gesamte Theresienwiese verteilt, die Energie an rund 160 Speisepunkte. Von hier aus erfolgt der Anschluss der circa 750 Abnehmer (Festzelte, Fahrgeschäfte, Schau- und Verkaufsbuden). Der Stromverbrauch auf dem diesjährigen Oktoberfest insgesamt entspricht mit erwarteten rund 3 Millionen Kilowattstunden (kWh) etwa 15 Prozent des durchschnittlichen Tagesverbrauchs der Stadt München. Zum anschaulichen Vergleich: Rund 1.200 Münchner Haushalte könnten damit ein Jahr mit Strom versorgt werden. Die benötigte Spitzenleistung ist vergleichbar mit der einer Kleinstadt von 21.000 Einwohnern. Die Leistungen für die großen Festzelte liegen bei 400 Kilowatt, für die großen Fahrgeschäfte in einer Größenordnung von über 300 Kilowatt. Über 350.000 Brennstellen (Glüh- und Leuchtstofflampen) lassen auf der Wiesn die Nacht zum Tag werden.

Seit 2012 werden erstmals alle Beschicker auf dem Oktoberfest mit MÖkostrom versorgt. Darüber hinaus haben erfreulicherweise über 60 Prozent der Schausteller, Marktlaufleute und Wirte das SWM Angebot „MÖkoaktiv“ angenommen. Mit dem Bezug von M-Ökoaktiv leisten die Kunden nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern unterstützen durch Zahlung eines Aufschlags aktiv den Neubau von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung.

Erdgasversorgung

Neben M-Ökostrom erhalten alle gastronomischen Betriebe auch M-Ökogas. Allein durch die Bereitstellung von M-Ökostrom und M-Ökogas für alle können 1.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Für die Versorgung der Festzelte und Betriebe mit umweltschonendem Erdgas besteht auf der Theresienwiese ein eigenes Leitungsnetz von rund vier Kilometer Länge. Die gastronomischen Betriebe verbrauchen während der Wiesn etwa 180.000 Kubikmeter Erdgas zum Kochen und 20.000 Kubikmeter Erdgas für die Heizstrahler in den Biergärten. Mit dieser Verbrauchsmenge könnten rund 85 Einfamilienhäuser ein Jahr lang ihren Bedarf an Heizung und Warmwasser decken.

Wasserversorgung

Der Wasserverbrauch während des gesamten Oktoberfestes beträgt rund 120 Millionen Liter. Zum Vergleich: Der tägliche Bedarf der gesamten Stadt liegt bei rund 300 Millionen Litern. Für die Sicherstellung der Wasserversorgung und des Brandschutzes betreiben die SWM ein Versorgungsnetz mit Leitungen von rund zehn Kilometern Länge und 81 Hydranten; hinzu kommen etwa sieben Kilometer fest verlegte Anschlussleitungen. Die Wasserqualität wird durch eine Vielzahl von Proben im SWM-Labor permanent kontrolliert. Um die Wiesn jederzeit sicher mit Strom, Erdgas und Trinkwasser versorgen zu können, sind jährlich Investitionen in die Infrastruktur notwendig. So ertüchtigen die SWM die Infrastruktur rund um die neue Ochsenbraterei und erneuern beziehungsweise verlegen sämtliche Anschlüsse für Strom, Erdgas und Wasser.

Straßenreinigung und Abfallbeseitigung

Auf der Wiesn 2016 beseitigte die städtische Straßenreinigung 99 Tonnen Kehricht. Der Abfallwirtschaftsbetrieb München entsorgte 774 Tonnen Restmüll und 458 Tonnen Speisereste. Jeden Morgen um fünf Uhr früh beginnen die Mitarbeiter der Städtischen Straßenreinigung ihre Arbeit. Um neun Uhr ist die Theresienwiese gereinigt. Während des Festbetriebs beseitigt ein mobiler Reinigungsdienst Müll und Glasbruch auf den Feststraßen. Bei der Abfallbeseitigung wird auf neuesten ökologischen Standard im Hinblick auf Abfalltrennung und –beseitigung Wert gelegt.

Quelle: Landeshauptstadt München / Referat für Arbeit und Wirtschaft

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