Tollwood 2021: 7 Gründe, warum ihr das Festival besuchen solltet

Skulptur "Werte Menschen" auf dem Tollwood, Foto: muenchen.de/Anette Göttlicher
Foto: muenchen.de/Anette Göttlicher

Ein Tollwood trotz Corona: Was an Programm und Angebot besonders ist

Corona macht's nötig: Das Tollwood-Sommerfestival verzichtet 2021 auf die großen Zelte und kommt beschaulicher und ruhiger daher. Das sorgt bei manchem Tollwood-Fan für nostalgische Gefühle – und macht einen Besuch für viele sogar besonders lohnenswert. 7 Gründe, warum man auf jeden Fall im Olympiapark Süd vorbeischauen sollte.

1. Musik auf der Bühne und der "Straße"

Tollwood: Musik zwischen den Kunstwerken, Foto: muenchen.de/Michaela Mühlbauer
Foto: muenchen.de/Michaela Mühlbauer

Auch wenn die ganz großen internationalen und nationalen Stars fehlen: Musik gibts genug auf dem Sommer-Tollwood. Zweimal täglich spielen auf der Bühne im Biergarten des Hacker-Pschorr-Brettl regionale Bands und Künstler*innen auf.

  • Liedermacher Weiherer reißt die Grenzen zwischen heimatlicher Volksmusik und politischem Musikkabarett ein (22. Juli).
  • Die Future Rock Newcomer aus Bayern: Treibende Sounds aus der bayerischen Indie-Szene erwarten euch beim Konzert von Brew Berrymore (25. Juli).
  • Sagt euch Platterlerprob, Schofscheren und Kaufhaustrachtler etwas? Nein, dann solltet ihr unbedingt die Gamskampler besuchen (30. Juli).
  • Doch nicht nur auf der Bühne ist die Musik Teil dieses Open-Air-Tollwood. Auf dem Markt zupfen mitunter Straßenmusikanten das Banjo oder greifen in die Tasten des Akkordeons. Folgt einfach den Klängen zwischen den Ständen und Kunstwerken und lasst euch überraschen.

2. Personal Shopping auf dem Markt der Ideen

Tollwood-Sommerfestival 2021, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann
Foto: muenchen.de/Michael Hofmann

Einerseits bedeutet die Begrenzung der Besucherzahl für die Händler*innen auf dem Markt eine geringere Zahl an potenziellen Kund*innen. Anderseits bietet das aber auch die Möglichkeit zum intensiveren Austausch und zur persönlichen Beratung. Gerade unter der Woche oder wenn das Wetter nicht hochsommerlich ist. Hier ein paar Shopping-Tipps:

  • Schaut mal zum Anden-Stand "Tunupa" von José Pajares. Der vertreibt originales Musik- und Kunsthandwerk aus Lateinamerika, Korkprodukte – und spielt vielleicht auch mal auf seiner Flöte auf.
  • Euch soll ein buntes Licht aufgehen? Ein Hingucker, besonders am Abend ist der Stand von Muhamed Bekiri mit seinen Mosaiklampen aus Istanbul, die jeden Raum orientalisch erleuchten. Die filigranen Lampen werden per Hand mit farbigem Glas beklebt.
  • Wer echte Schals aus Kaschmir für den Winter haben will, bekommt diese bei "Pure @ Heart" aus fairem Handel. Und nicht nur das: Standlbesitzer Ashiq reist öfter nach Indien und bespricht mit den herstellenden Familien die Designs und bürgt so gleichzeitig für Qualität und Nachhaltigkeit der Kleider, Tücher, Taschen und Decken. 

3. Kulinarische Neuheiten auf dem Tollwood 2021 entdecken

Trailer auf dem Tollwood: Organic Garden, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann
Foto: muenchen.de/Michael Hofmann

Verhungern muss auf dem Tollwood niemand. Euch erwartet das gewohnt bayerisch-internationale Schmankerl und Foodangebot – wie immer zu 100 Prozent Bio:

  • Hot Dogs gibts seit über 100 Jahren und früher wollte man lieber nicht so genau wissen, was wirklich im dackelähnlichen Bun mit Würstchen steckte. Beim grünen Bavarian Dog von "Organic Garden" ist alles garantiert rein pflanzlich, denn für die Tofu-Wurst musste kein Tier leiden. Vom Dinkel-Brötchen bis zum Gemüse-Topping alles bio und handgemacht, entwickelt vom kreativen Team um Holger Stromberg. Beeilt euch, der Trailer bleibt nur bis zum 25. Juli auf dem Tollwood!
  • Wer Lust auf etwas Süßes verspürt, probiert die Kürtöskalács, auf Deutsch ganz einfach: Baumstriezel von Richard Koplar. Das karamellisierte Gebäck aus Siebenbürgen schmeckt kalt und warm und kommt mit Schokolade, Nüssen oder mit Zimt verführerisch daher.

4. Barfußpfad und Riesenwackelturm: Spiel und Unterhaltung erleben

Tollwood: Barfußlabyrinth, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann
Foto: muenchen.de/Michael Hofmann
  • Wer hat Lust, seine Sinne zu kitzeln? Schaut zum Barfußpfad! Zieht eure Schuhe aus und lauft mit nackten Füßen über Steine, Sand und Gras durch das kleine Labyrinth. Natur pur an den Fußsohlen. Danach will niemand mehr in seine Schuhe schlüpfen.
  • Beim Riesenwackelturm an der Spielinsel müsst ihr wie beim bekannten Spiel "Jenga" Hölzer geschickt entfernen, ohne dass der Turm umfällt. Konzentration ist hier gefragt.

5. Walking Acts und Performances toll wie eh und je

Tollwood: Performance, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann
Foto: muenchen.de/Michael Hofmann

Walking Acts und Performances sind ein Markenzeichen des Tollwoods, bei dieser Open-Air-Ausgabe bekommen sie noch mehr Aufmerksamkeit: In den täglichen Vorstellungen stolzieren Künstler*innen in Fantasiekostümen auf Stelzen über das Festivalgelände oder lassen ihre Figuren auf die Besucher los.

  • In gefiederten Vogelkostümen, als wandelnde Blüten oder griechische Mythenfiguren mit Hörnern schreitet das Stelzentheater Hochformat (Julia Dietze und Mirjam Kendler mit Kollege Michael Schön) als Trio durch den Markt der Ideen (23.7., 29.7. bis 31.7., 17.8.).
  • Puppenspieler Matthias Trautmann erfreut mit seinem ferngesteuerten Elefanten "Jochen" Kinder und Erwachsene zugleich, wenn er sie in lustige Gespräche verwickelt oder mit Musik unterhält (19. bis 22.7.).
  • Die ZEBRA's Stelzentänzer entführen euch als bunter und dynamischer Walk-Act in eine zauberhafte Welt aus virtuosem Tanz gepaart mit Ethno Grooves (18. bis 22.8.).

6. Die Kunst auf dem Tollwood regt zum Nachdenken an

Tollwood: Bodengemälde mit Eisbär, Foto: muenchen.de/Michaela Mühlbauer
Foto: muenchen.de/Michaela Mühlbauer

Die Kunst auf dem Tollwood ist gewohnt politisch. Man begegnet "alten Bekannten" von früheren Festivals wie der Verkehrsschildblume oder der Metallskulptur "Mut". Doch wie immer gibt es auch Neues zu sehen:

  • Verblüfft und vielleicht etwas ängstlich schaut der Eisbär auf die Heizung: "KeinGradWeiter!". Mit ihrem 3D-Bodengemälde symbolisiert die Münchner Künstlerin Artemisia das Festival-Motto und möchte aufrütteln.
  • Je näher ihr der Eingangsskulptur "Wertgigant" des Künstlers HA Schult auf die Pelle rückt, desto mehr Details gibt der beleuchtete Schrotthaufen preis. Aus der Ferne sieht er aus wie ein gehender Roboter, aus der Nähe offenbart er Platinen, einen Staubsauger und auch ein altes Smartphone. Mit dem Olympiaturm im Hintergrund ist die Skulptur natürlich ein beliebtes Fotomotiv.
  • Wer an der Open-Air-Galerie vorbeischlendert, sollte einen Moment stehen bleiben und einen zweiten Blick riskieren: Die "Urban Art Gallery" versammelt großformatige Street-Art-Kunstwerke, mal schillernd-bunt, mal witzig oder ziemlich politisch wie das Mural "#5vor12" von Lapiz, das Krieg, Flüchtlingsschicksale, Naturkatastrophen und unsere technisierte Lifestyle- Gesellschaft thematisiert.

7. Die Ost-West-Friedenskirche lädt zur Ruhe ein

Ost-West-Friedenskirche, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann
Foto: muenchen.de/Michael Hofmann

Mitten im Festivalgelände versteckt sich eine grüne Oase der Ruhe, ein spirituelles Zentrum, das man hinter den Bäumen und Sträuchern nicht sofort sieht. Die Ost-West-Friedenskirche bleibt, auch wenn das Tollwood längst wieder weggezogen ist, doch nicht jeder kennt sie.

Mit einfachsten Materialien aus Bauschutt errichtete der russische Einsiedler Väterchen Timofej nach dem Krieg eine Kirche, die er später um Wohnhaus und Garten erweiterte. "Der charmanteste Schwarzbau Münchens" (Christian Ude) sollte eigentlich den Olympischen Spielen weichen. Doch der tiefgläubige Timofej und zahlreiche Unterstützer verhinderten den Abriss.

Seit seinem Tod 2004 im biblischen Alter von 110 Jahren kümmert sich eine Stiftung um das Ensemble mit einem kleinen Museum. Während des Tollwoods ist täglich geöffnet.

Text: Michael Hofmann, Juli 2021

Mehr Freizeittipps

X

CORONAVIRUS: DIE AUSWIRKUNGEN AUF MÜNCHEN

Alle Infos
Top