St. Paul

Kirchen und Klöster | Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
Mo geschlossen
Angegeben sind die Öffnungszeiten des Pfarrbüros

Aus dem Himmel auf die Wiesn schauen: Am Ende einer der schönsten Münchner Sichtachsen, der Landwehrstraße stadtauswärts, steht die Kirche St. Paul mit ihrem mächtigen Turm. Von dort oben haben Besucher des Oktoberfests einen fantastischen Ausblick über das Volksfest-Treiben bis hin zu den Alpen.

Aussichtsplattform zur Wiesn geöffnet

Von der Paulskirche hat man einen beeindruckende Aussicht, auch auf die Theresienwiese., Foto: Melina Pfeffer

Einen Rundumblick auf das Oktoberfest werfen: Von der Aussichtsplattform der St.-Pauls-Kirche in 50 Metern Höhe lässt sich die gesamte Theresienwiese mit dem wuseligen Wiesntreiben aus der Vogelperspektive betrachten, dazu kommt eine tolle Aussicht auf die Münchner Altstadt und bei Föhn sind sogar die Alpen sichtbar.

Für die Besteigung bittet die Pfarrei um eine Spende von drei Euro, die zu 90 Prozent der Sanierung des Kirche zugutekommt, die restlichen 10 Prozent gehen an Bildungsprojekte in Indien und dem Kongo. Die Aussichtsplattform hat täglich zu verschiedenen Zeiten geöffnet, während der Messen ist sie geschlossen.

Die Turm-Öffnungszeiten zur Wiesn 2017 (PDF)

Erste Pfarrkirche des Stadtteils

Von der Paulskirche hat man einen beeindruckende Aussicht, auch auf die Theresienwiese., Foto: Melina Pfeffer

St. Paul, auch Paulskirche genannt, ist die erste Pfarrkirche des Stadtteils Ludwigvorstadt. Ende des 19. Jahrhunderts war München rasant gewachsen, was den Bau weiterer Pfarrkirchen erforderte. Das katholische Gotteshaus wurde nach Plänen von Georg Ritter von Hauberrisser, der auch das Neue Rathaus am Marienplatz plante, zwischen 1892 und 1906 im neugotischen Stil realisiert. Mit seinem 97 Meter hohem Hauptturm zählt die Paulskirche nahe der Theresienwiese nicht nur zu den höchsten, sondern auch zu den mächtigsten Sakralbauten in München. Die als Balustrade angelegte umlaufende Aussichtsplattform am Hauptturm zieht während des Oktoberfests zahlreiche Menschen an. Von so weit oben hat man einen Postkartenblick auf die Theresienwiese und die Innenstadt. Bei gutem Wetter sieht man sogar bis zu den Alpen.

Der Turm und seine Aussicht

Von der Paulskirche hat man einen beeindruckende Aussicht, auch auf die Theresienwiese., Foto: Melina Pfeffer

Mehr als 6000 Menschen besteigen während der Wiesn den Hauptturm der Paulskirche, der dann für Besucher geöffnet hat. Auf dem Weg nach oben haben sich inzwischen zahlreiche Gäste auf den kalten Steinwänden der Kirche verewigt. Hier begegnet man Namen und Botschaften in allen Sprachen der Welt. Eine Legende erzählt, dass selbst der Kirchenerbauer höchstpersönlich eine Erinnerung an sich hinterlassen haben soll. Über der Tür zum Treppenturm hängt ein Bildnis. Die männliche Büste mit Mütze, starrem Blick und Schnauzbart soll den Architekten Hauberrisser zeigen, doch eindeutig belegt ist dies nicht.

 

Bildergalerie: Aussicht vom Turm der St. Pauls Kirche

Eine Architektur bürgerlichen Selbstbewusstseins

St. Pauls Kirche an der Theresienwiese, Foto: Sankt Michaelsbund

In Ausrichtung und Fassade der Kirche drückt sich das erwachende bürgerliche Selbstbewusstsein des ausgehenden 19. Jahrhunderts aus. Der zu dieser Zeit eigentlich dominante Gestaltungsstil für Sakralbauten war die Neuromanik, in der man eine Reminiszenz an die römisch-deutsche Kaiserzeit des Mittelalters sah. So drückte sich in diesem Baustil eine Treue zur Monarchie aus. Ihr steht die Neogotik St. Pauls entgegen, die der Architekt von Hauberrisser in Kontinuität der Blüte Münchens und seiner Bürger in der Gotik verstand. Damit bettete sich die Kirche bestens in ihre Nachbarschaft ein, die durch bürgerliche Villen geprägt war. Eine Besonderheit ist der östlich versetzte Turm. Hauberrisser hielt sich an die damals der Kirche vorgesehene Orientierung christlicher Bauten in Richtung Sonnenaufgang und Jerusalem. Das Beste daran: die Kirche ist somit auch Zielpunkt der prominenten Blickachse der Landwehrstraße.

Innenraum und Baugeschichte

Die Wiesnkirche St. Paul in München, Foto: Thomas Geist

Georg von Hauberrisser konnte den Bauauftrag zur Kirche St. Paul im Rahmen eines Architekturwettbewerbes für sich entscheiden. Die Grundsteinlegung erfolgte 1892 durch Erzbischof Antonius von Thoma und 1906 feierte die Kirche Eröffnung. Ursprünglich war ihr Innenraum nahezu mystisch und reich geschmückt. Das Prunkstück war ein Hochaltar auf schlanken Säulen mit einem 11 Meter hohen Steinbaldachin. Viele Teile der Ausstattung wurden allerdings durch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Als die Paulskirche in den 1950er Jahren renoviert wurde, entschloss man sich zu einer moderneren Interpretation des Innenraumes, der nun eine schlichtere Gestalt innehat. Die ursprüngliche Glocke von 1901 wurde 1958 durch fünf weitere Klangkörper erweitert und formiert mit ihnen nun eines der tontiefsten Geläute Münchens.

Musik und Kunst

Die Paulskirche nimmt mit einer Vielzahl von Kunstinstallationen und Konzerten an der Gestaltung des kulturellen Lebens in München teil. Regelmäßig ist sie einer der Veranstaltungsorte für die "Lange Nacht der Museen" und "Lange Nacht der Musik". Neben Oratorien und Adventskonzerten öffnet sie sich mit Performances, Konzerten, Installationen und Sonderausstellungen auch der modernen zeitgenössischen Kunst.

Tragisches Flugzeugunglück

Tragische Bekanntheit erlangte St. Paul im Zusammenhang mit einem Flugzeugabsturz. Ein amerikanisches Militärflugzeug streifte wegen eines Motorschadens am 17. Dezember 1960 die Spitze des Hauptturms und stürzte auf eine Straßenbahn. 52 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Tragödie befeuerte Diskussionen um einen neuen Flughafen außerhalb der Stadt. Es sollte zwar noch bis 1992 dauern, bis das Vorhaben mit dem Flughafen im Erdinger Moos umgesetzt werden konnte, doch ein neues Anflugverfahren, das den Stadtkern umging, wurde schon 1962 ins Leben gerufen.

Das könnte Sie auch interessieren

4 Bewertungen zu St. Paul

4
4 Bewertungen
  • von am

    Wirklich eine tolle Aussicht, nicht nur auf die Wiesn: ganz München liegt einem zu Füßen!

Top